Aeronaut V: “Es dreht sich alles um den Buzz und den Beat”

Wer

Bitte stellt euch vor, was und wer ist Aeronaut V. / Wer sind die Menschen hinter der Musik? / Diese Band ist relativ neu, wie ist sie entstanden? Woher stammt die Idee?

Die Band besteht aus zwei langjährigen Musikern aus der finnischen Dark-Szene: Ville Brusi, ein Produzent elektronischer Musik, und Arttu Korppivuori, ein Post-Punk/Goth-Rock-Sänger.
Ursprünglich schlossen wir uns Mitte 2018 zusammen, um nur einen Song aufzunehmen. Es sollte nur ein schnelles und einfaches einmaliges Projekt sein. Die Zusammenarbeit fühlte sich jedoch sehr entspannt und natürlich an, also blieben wir einfach dabei, und es kamen immer mehr Songs.

Was

Wo liegen die Wurzeln dieses Projekts? Es scheint da ein Konzept oder eine Geschichte zu geben …

Wenn es ein Konzept gibt, war das  nicht im Voraus geplant. Vielmehr wuchs die Band zu dem heran, was sie ist, und zwar aufgrund unserer gemeinsamen Interessen an Musik sowie bei der Suche nach Gemeinsamkeiten, wenn es etwa um Militärluftfahrt, alte Flugzeuge, Düsenjäger, Raumfahrt, Wissenschaft und so weiter geht.

Wer und was sind eure künstlerischen Einflüsse und was inspiriert euch?

Wir setzen stark auf elektronische Musik der alten Schule und New Wave. Es dreht sich alles um den Buzz und den Beat.

Wer schreibt eure Texte und worum geht es?

Im Großen und Ganzen ist unsere Arbeitsteilung so, dass Ville die Musik schreibt und Arttu die Texte. Die lyrischen Themen drehen sich hauptsächlich um menschliche Psychologie, zwischenmenschliche Themen, psychische Gesundheit, Liebe, Trauer und Verlust.

Für diejenigen, die euch noch nicht gehört haben: Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?

Aeronaut V baut auf den warmen und verschwommenen Klang analoger Synthesizer und Arttus weiche, dunkle Stimme. Retro-Elektro ist der Begriff, der unseren Klang und unsere Produktion am besten beschreiben würde.

Gibt es einen oder mehrere eurer Songs, die für euch spezieller und persönlicher sind? Wenn ja, bitte erklären …

Alle unsere Lieder basieren auf Erfahrungen aus dem wirklichen Leben oder sind davon inspiriert, sodass sie in dieser Hinsicht alle persönlich sind. Die Erklärung der Gedanken und Ideen, die hinter einem Kunstwerk stehen, neigt jedoch dazu, es zu schmälern oder zumindest die möglichen Interpretationen einzuschränken, sodass wir nicht allzu sehr darauf aus sind, auf Details einzugehen. Aber wir sind sicher, dass man den Schmerz und die Qual hinter den Worten in Songs wie etwa Waiting durchaus hören und fühlen kann. Die Tatsache, dass unsere Songs Anklang fanden, scheinen wir etwas anzusprechen, das in uns allen steckt.

Wo

Wo findet man mehr von eurer Musik?

Checkt diese Websites:
www.facebook.com/AeronautV

https://www.youtube.com/c/AeronautV
https://www.instagram.com/aeronautv/

Was können wir tun, wenn wir eure Musik genießen und mehr hören möchten, wie können wir Aeronaut V unterstützen?

Jeder Song, der z.B. auf Facebook, YouTube und Spotify gespielt und mit anderen geteilt wird, verschafft uns mehr Publikum! Im Moment haben wir keine Merchandise-Artikel oder andere Dinge, aber das wird sich in Zukunft wahrscheinlich ändern.I

Seid ihr in sozialen Netzwerken aktiv und haltet Fans über Neuigkeiten und Pläne auf dem Laufenden?

Wir sind ziemlich aktiv in FB, also wenn etwas los ist, könnt ihr es dort sicher von uns erfahren. Wir sind auch recht aktiv bei Messenger, ihr könnt also einfach mal vorbeischauen und hallo sagen – wir freuen uns, was von euch zu hören!

Video

Das Video zu Discovery ist visuell wirklich beeindruckend, wie verlief der Arbeitsprozess, besonders in der aktuellen Situation?

Das Video zu drehen war eine der unterhaltsamsten Erfahrungen überhaupt, aber Corona hat dem Arbeitsprozess sicher nicht geholfen. In gewisser Weise hatten wir jedoch Glück, denn die Ansteckungsgefahr wurde hier drüben während der Dreharbeiten immer geringer, sodass es etwas einfacher war, sich zurechtzufinden und die notwendigen Leute und Materialien zu beschaffen. Der ursprüngliche Plan sah jedoch vor, bereits im Frühjahr zu drehen, und stattdessen begannen wir erst im frühen Herbst, sodass es nicht genau nach Plan verlief. Dennoch sind wir privilegiert und kennen einige erstaunliche Leute, die uns nur allzu gerne halfen und besorgten alles Notwendige, und unser Projekt in trockene Tücher zu bringen. Dafür sind wir auf jeden Fall sehr dankbar.

Wer hat das Drehbuch geschrieben und was war die Idee dahinter?

Das Video wurde vom Regisseur Miika Hakala gefilmt, geschnitten und geschrieben. Auch die ursprüngliche Idee, dass es eine Hommage an 80er Jahre TV sein sollte, stammt von ihm. Nachdem der Rahmen festgelegt war, haben wir dann einige Tage lang Brainstorming gemacht, während wir auf der Suche nach Drehorten waren. Das endgültige Video nahm im Laufe der Dreharbeiten Gestalt an. Alle drei von uns sind zum Beispiel große Miami-Vice-Fans, und wir sind sicher, dass man in dem Video einen gewissen Bezug zu der Show erkennen kann.

 

Hoffnungen und Träume

Was sind eure Pläne für die nahe Zukunft? / Woran arbeitet ihr derzeit? / Habt ihr bereits eine Idee oder ein Konzept für ein Album? / Was könnt ihr uns darüber verraten? / Wann können wir die nächste Veröffentlichung erwarten und was wird das sein?

Wir arbeiten derzeit an einem Album. Es könnte allerdings eine Weile dauern. Das Konzept ist, mehr von dem zu machen, was wir bisher gemacht haben, aber noch besser. Wir haben bereits viele neue Demos, die gerade zu fertigen Songs heranreifen.

Hattet ihr vor 2020 die Möglichkeit, mit diesem Act live aufzutreten? Wenn ja, wie wars?

Wir schafften es, vor dem Ausbruch der Pandemie einige lokale Gigs zu organisieren, und wir hatten wirklich viel Spaß. Wir waren gerade auf der Suche nach Möglichkeiten im Ausland, als der Shutdown losging. Unsere Musik ist dafür gemacht, live und laut gespielt zu werden, und wir freuen uns darauf, genau das zu tun, sobald sich die Dinge endlich wieder normalisieren.

Als Musiker sind Live-Shows ein wichtiger Teil eures Lebens. Wie kommt ihr ohne zurecht?

Unsere Debüt-EP Late Departure war nur wenige Wochen vor der Pandemie erschienen, sodass wir leider viele Gelegenheiten für Live-Auftritte verpassten. Wir haben jedoch einfach eine andere Gangart eingelegt und konzentrieren uns stattdessen darauf, neues Material zu schreiben.

Ihr seid in anderen Bands engagiert, richtig? Wie schafft ihr das?

Wir haben beide auch noch eine zweite aktive Band, das stimmt. Aber sowohl Neuroactive als auch Murnau’s Playhouse bieten ein willkommenes Gegengewicht und Abwechslung, sodass sich alle drei in gewisser Weise gegenseitig ergänzen, anstatt etwas voneinander wegzunehmen.

General Feelz

Was macht ihr gerne außerhalb der Band, was zur Musikalität beiträgt?

Einfach alles kann eine Inspiration sein, wenn man es aus der richtigen (oder falschen!) Perspektive betrachtet. Zum Beispiel Spaziergänge in der Natur oder Schwitzen im Gym. Auch zum Nachdenken anregende Filme und gut geschriebene Videospiele können Überraschendes bieten. Oder mehr oder weniger freiwillige Phasen des Schlafentzuges, die ermöglichen, ungewöhnliche neue Geisteszustände zu erreichen.

Haben Aeronaut V eine Mission? Falls ja, worum geht’s, was ist eure Botschaft ans Publikum?

Das als Mission zu bezeichnen, wäre übertrieben, aber viele der Texte drehen sich um dyfunktionale menschliche Beziehungen. Wenn es also eine übergreifende Botschaft gibt, dann die, darauf zu achten, mit wem und wofür man sein endliches Leben verbringt.

Wie beurteilt ihr die Elektro- und Gothic-Szene in Finnland?

Obwohl wir ein kleines Land sind, ist unsere dunkle Szene ziemlich lebendig, und viele Veranstalter sind offen für neue Bands, was einfach großartig ist. Wir haben so viele großartige, aktive Leute, sowohl auf der Veranstalter- als auch auf der Musikerseite, dass wir uns sehr privilegiert fühlen, Teil der finnischen Szene zu sein.

Habt ihr schon Online-Live-Streams oder DJ-Sets gemacht, an irgendwelchen digitalen “Partys” teilgenommen? Was haltet ihr davon?

Zumindest bis jetzt haben wir noch keine digitalen Auftritte gemacht. Sie sind einfach so weit von dem entfernt, worum es uns bei einem tatsächlichen Live-Auftritt geht, was die Atmosphäre und den Inhalt des Abends betrifft, dass es sich eher gekünstelt anfühlt. Vielleicht kommen wir aber eines Tages dazu.

Wie groß ist die Rolle von Aeronaut V in eurem Alltag?

Die Band wird für uns von Tag zu Tag immer wichtiger. Die Arbeit an neuem Material und mit neuen und interessanten Leuten macht insgesamt sehr viel Spaß und lohnt sich. Außerdem wird unsere Musik überall sehr gut aufgenommen, wir erhalten begeisterte Botschaften aus der ganzen Welt, was das Ganze noch unterhaltsamer macht.

Virus Blues

Wie geht ihr generell als Künstler mit der aktuellen Situation um?

Die ganze Welt kämpft im Moment darum, irgendwie damit fertig zu werden. Wir sind im Vergleich dazu nur ein Sandkorn am Strand. Für uns ist das auch nur ein Hobby, zumindest im Moment, sodass die Band als solche nicht so stark betroffen ist. Wir kennen aber viele Menschen, deren Lebensunterhalt aufgrund der Situation auf dem Spiel steht, und wir können nur hoffen, dass es bald nachlässt und wir alle wieder ein weniger stressiges Leben führen können.

Was würdet ihr den Menschen raten, die mit der Entfernung, der Isolation und der fehlenden Möglichkeit zu reisen und Veranstaltungen zu besuchen zu kämpfen haben?

Wir befinden uns mitten in einer globalen Krise, wie wir sie noch nie zuvor in unserem Leben erlebt haben. Die Situation betrifft uns alle, aber wie bei allem, reagieren verschiedene Menschen unterschiedlich. Dies ist jedoch für niemanden einfach, und wir hoffen aufrichtig, dass sich niemand schämt, nicht so aktiv, präsent, produktiv oder fröhlich zu sein wie sonst. Das ist ein anormales Leben, das wir im Moment führen, also ist absolut nichts Falsches daran, sich niedergeschlagen und ausgelaugt zu fühlen. Das ist die Botschaft, von der wir hoffen, dass sie jeder versteht. Es ist in Ordnung, nicht in Ordnung zu sein.

Text: Marina Minkler
Photos: Band / startphoto Tomi Vitikainen Photography

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Tatjana Tattis Murschel, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Jasmine Frey, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski