H.E.A.T, Reach, Temple Balls @ Z7 Pratteln

25.05.2022 Z7 Konzertfabrik Pratteln, Schweiz

Es ist mal wieder ein Konzertabend mit Skandinaviern angesagt. Um genau zu sein mit Finnen und Schweden. Die beiden Nordlicht-Länder haben gleich drei Bands in Petto, die einiges Neues zu bieten haben. Gute Stimmung vorprogrammiert, die Groupies stehen auch schon bereit in der ersten Reihe und die Föhnfrisuren sitzen pünktlich um 20.00 Uhr, wenn es heisst; «Lights out, Spot on!»

Die ersten Töne erklingen von den Finnen Temple Balls, sie waren bereits zu Gast hier auf einer anderen Tour und kennen das Z7 Volk schon. Die Jungs aus Oulu sind für mich noch ein bisschen wild auf der Bühne. Mehr Show als Können und Hauptsache die Mädels quieken in den ersten Reihen. Musikalisch machen die Jungs guten Hard Rock mit dem ein oder anderen Song, der einen zum Mitwippen bringt, aber der Funke zündet nicht so ganz bei mir. Ich wünschte mir ein bisschen mehr Achtsamkeit auf die musikalische, spielerische und gesangliche Qualität. Die Jungs sorgen aber bei 80% der Anwesenden für durchaus gute Stimmung und darum geht es am Ende ja auch. Bei Temple Balls kommt dieses Sex, Drugs and Rock’n’Roll Feeling der 80er wieder auf und wirkt aufs Publikum, das an der Bar ein Bier um das andere ordert. Morgen ist schliesslich ein Feiertag und da darf es schon mal eins mehr sein.

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Warum Reach ausgerechnet die zweite Band des Abends sind, kann ich nicht ganz verstehen. Die Schweden waren ja noch nie in der Schweiz zu Gast und musikalisch hätte ich sie jetzt wohl eher am Anfang starten lassen, damit es nicht so ein extremer Cut wird. Ich kenne Reach noch mit Sänger Alex Waghorn, der kurz nach der ersten Platte die Band verliess. Mittlerweile singt Mastermind und Gitarrist Ludvig Turner selbst und macht dabei keinen schlechten Job. Musikalisch haben sich Reach aber sehr verändert, was auch der Grund sein könnte, warum es ziemlich schwierig ist, die alten Sachen von Reach überhaupt noch zu finden. Sie haben nochmal einen Neuanfang gestartet mit Rock, der ein bisschen von Muse angehaucht ist, ein bisschen psychedelisch und eher ruhig, vor allem im Vergleich zu den beiden anderen Bands, mit denen sie hier auf Tour sind. Irgendwie passt das nicht so ganz. Aber die drei sind äusserst sympathisch auf der Bühne. Während man das Lachen von Marcus Johans an den Drums bis zur hintersten Ecke des Z7 erkennen kann, hält sich Bassist Zouf kühl zurück. Die drei sind hier vom Musikstil vielleicht etwas falsch platziert, aber sie haben sichtlich Spass daran, bei dieser Tour dabei zu sein.

 

The Heat is on, heisst es nach einem knapp halbstündigen Umbau. Ich glaube jeder hier drinnen ist total gespannt, denn H.E.A.T. haben einen neuen, alten Sänger: Erik Grönwall verließ die Band 2020, überstand seine Leukämie-Erkrankung und ist nun Teil von Skid Row. Bei H.E.A.T steht nun 10 Jahre nach seinem Ausstieg wieder Kenny Leckremo am Mikrofon. Wobei stehen der total falsche Ausdruck ist. Er springt und tollt das gesamte Konzert über, wenn der Herr mal eine Sekunde irgendwo still steht, dann ist das ein Wunder.

Es ist sicher nicht einfach für ihn, nach Grönwall wieder ans Mikrophon zu treten, weil dieser eine absolute Rampensau ist, und ich erinnere mich an Kenny in 2010 als noch als ziemlich schüchtern auf der Bühne. Der Druck ist gross, aber Kenny gibt wirklich Vollgas. Energietechnisch steht er Erik in absolut nicht nach, gesanglich hätte man seinem Micro ein bisschen mehr Power verleihen dürfen damit man mehr vom Gesang hört. Er kann definitiv super singen, der Herr. Nervosität und Druck sind ihm etwas anzumerken, finde ich, aber er macht während des ganzen Abends einen grossartigen Job. Genauso wie seine Mitmusiker. Wer sich anhand der Bilder fragt, ob auch ein Schlagzeuger und Keyboarder dabei waren, ja waren sie, nur ein ständig durchs Bild hüpfender Sänger und eine unbarmherzige Nebelmaschine machten das Knipsen dieser Bandmitglieder nahezu unmöglich. Stimmungsmässig und musikalisch haben H.E.A.T keine Einbussen erlitten, die Frage ist einfach, können sie so noch wachsen und wo wollen sie hin. Das bleibt abzuwarten, aber mir scheint, dass Kenny von den Fans sicherlich wieder akzeptiert wurde.

 

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core