Sinplus, Cosmic Space Girl – Schüür

28.04.2022, Konzerthaus Schüür, Luzern, Schweiz

 

Mein erstes Konzert seit Aufhebung aller Corona-Massnahmen in der Schweiz und nach längerer Konzertabstinenz. Mit wem könnte man das besser starten als mit meinen Ticino Boys Sinplus. Die Broggini Brüder und ihre Band sind nur selten nördlich des Gotthards zu Gast, um so schöner klappt es jetzt und ich kann die Jungs wieder einmal live und in Action erleben, ist das letzte Mal doch schon vier Jahre her.

Viel hat sich getan im Sinplus Camp, die Jungs sind rockiger geworden, was ihr auch in unsere letzten CD Review zum Album « Break the Rules» nachlesen könnt. Leider hat man die Promotion zum Gig wohl ein bisschen vergessen, was dazu führt, dass nicht all zu viele Besucher heute Abend in die Schüür gefunden haben. Aber egal, Profis wissen:  «The Show must go on», ob für 20 oder über 100 Besucher, ist egal.

Die Schüür hat zwei Bühnen, eine im Obergeschoss, wo heute aber ab 22 Uhr eine Latino Party stattfindet, und eine kleine feine im Eingangsbereich bei der Bar, die zwar nur von hinten belichtet ist und durch ihre niedrigen Decken nicht denn besten Sound ergibt, aber eine gute Möglichkeit bietet, in einer Stadt wie Luzern auch kleinere Gigs spielen zu können.

Den Gig eröffnen aber erstmal Cosmic Space Girl, drei Herren in Leggins mit glitzernden Hüten und oben ohne. Wie gut heizen die Scheinwerfer ein, sonst würde das teilweise ne echt kalte Nummer. Die drei Herren mit den Discokugeln auf dem Kopf scheinen von den wenigen Besuchern vor ihrer Bühne gar nicht angetan zu sein, aber da muss man eben drüberstehen. Bandprobe mit Gästen, was solls, es kann nicht immer klappen. Ihr Punk Rock’n’Roll passt so gar nicht zu Sinplus, hier wurde ein bisschen falsch gewählt, aber der Herr am Bass gibt sogar eine kleine tänzelnde Einlage zum Saitengezupfe des Herrn an der Gitarre. Wer ist Wer, tja wir lassen’s im Ungewissen, zumindest setzt sich die Band aus Cornelius Heinzer, Marco Bleiker und Jonas Gähwiler zusammen und ist als Cosmic Space Girl bereits seit 2012 unterwegs. In der Schüür kann der Sound leider überhaupt nicht punkten, was nicht nur an der Abmischung liegt.

Nach einem schnellen fliegenden Wechsel geht es dann schon los mit der Show von Sinplus. Vor genau 10 Jahren waren sie mit «Unbreakable» Eurovision Song Contest Teilnehmer für die Schweiz. Mittlerweile sind sie eine Band geworden, die man auch ausserhalb dieses Sektors wahrnimmt, einzige Schwierigkeit ist wirklich die Lage südlich des Gotthards, im Schönen Tessin, weil es dort nur wenig Auftrittsmöglichkeiten gibt und hier nicht gerade viele Bands aus dem Tessin eingeladen werden. Die Jungs haben das Glück, eine tolle Familie zu haben, die praktisch zu jedem Konzert anreist und sie unterstützt. Sehr schön, diesen Familien-Zusammenhalt immer wieder zu sehen.

Neben Gabriel und Ivan Broggini sind noch Bassist Matteo Bassi und Giovanni Cilio als Ersatz Schlagzeuger für diesen Gig mit von der Partie. Ein grosses Kompliment an Giovanni für seine tolle Leistung für den ersten Gig mit dieser Band. Matteo Bassi seinerseits wird Sinplus zukünftig auch beim Songwriting unterstützen und bringt neuen Wind in die Band, es scheint gut zu passen und die Chemie scheint zu stimmen. Man kann also gespannt sein auf das kommende Album, das im besten Fall bereits dieses Jahr kommen wird.

Die Songwahl heute Abend führt einmal quer durch die Alben von Sinplus, es ist von allem etwas dabei, aber klar legt man die Hauptwahl auf die Songs vom aktuellen Album «Break the Rules», von dem «Burning Man» aber auch «Van Gogh» nicht fehlen dürfen. Letzterer scheint sehr emotional für die Broggini Brüder zu sein und das merkt man ihnen beim Spielen an, das sorgt für eine ganz besondere Stimmung. Die neuen Songs funktionieren Live wunderbar, die Variabilität von Gabriels Stimme kommt hier unglaublich hervor, von tiefen mystischen Tönen bis zum höheren kraftvollen Gesang, er schafft es immer, einem eine Gänsehaut zu verschaffen. Bei Ivan gibt es auf der Bühne nur seine Gitarre, mit geschlossenen Augen lässt er seine ganze Leidenschaft über die Seiten streichen, um hervorragende Melodien und Riffs aus diesem Instrument zu zaubern. Man schaut den Jungs einfach gerne zu und so kommt die gute Stimmung mit den Songs von ganz alleine. Erstaunt bin ich darüber, dass sie «Unbreakable», also ihren Eurovision Song spielen, ich dachte, mittlerweile will man das ein bisschen vermeiden, bin daher umso happier. Den Abschluss machen Sinpuls mit ihrem neuen Song «Wildflower» welchen es hier für euch zu hören gibt.

Liebe Deutschschweiz, ich hätte gerne mehr Sinplus, mehr Chancen für Ticino Bands, denn sie können das richtig gut. Ein hervorragendes Konzert, das die Anreise nach Luzern allemal Wert war.

Bandwebsite

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core