Wonder Woman 1984

K-12 | 2h 31min | 26.3.2021 via HBO Nordic

Auf diesen Film hab ich mich schon lange gefreut, daher war es echt quälende Warterei, bis es ihn gestern endlich auch hierzulande via Streaming zu sehen gibt… woanders lief der schon im Dez 2020, da war hier fast die DVD schneller zu haben … War also nicht so einfach, alles an Trailern, Reviews, Interviews mit Akteuren – und was es sonst noch seit gefühlten 10 Jahren über diesen Film im Netz gibt – zu ignorieren, um mir nicht den Spaß zu verderben. Falls du dasselbe tun willst, hör hier lieber auf zu lesen, denn ich nehme aus genannten Gründen nicht wirklich Rücksicht auf etwaige Spoilergefahr. Und ja, der Film ist gut, ein würdiger Nachfolger des Wonder Woman Debüts, soviel verrate ich schon mal vorweg.

Die Fortsetzung zu Wonder Woman, ebenfalls unter der Regie von Patty Jenkins, spielt im Jahre 1984. Es fehlt also nicht an abenteuerlichen und kreischbunten Outfits – bei diversen Seitenhieben vermute ich, dass Leute dahinterstecken, welche diese Ära tatsächlich miterlebten und schwer traumatisiert wurden (Gürteltaschen!!) …

Kurz zum Inhalt – Wonder Woman alias Diana Prince kriegt eine neue Kollegin und gemeinsam – versehentlich – entfesseln sie uralte Mächte des Chaos… was nicht so leicht zu bändigen ist, denn nicht alle sind auch gewillt, dieses Chaos wieder zu schlichten… Dabei stellen sich auch einige clevere philosophische Fragen, die mir hinterher noch einige Fragezeichen im Kopf kreisen ließen – oder sind es gar Plot-Holes? Muss mir den Film also nochmal ansehen – der Vorteil beim Streaming …

Egal ob löchrig oder nicht, die Grundidee funktioniert auf alle Fälle für den Film, um ein harmlos scheinendes Gedankenspiel nach und nach zum Armageddon zu eskalieren. Was mich überraschte war, wie relativ unbeeindruckt mich all diese chaotischen Straßenkampf-Szenen ließen. Wohl viel zu viel Ähnliches davon in den letzten Monaten live im TV oder über Online-Nachrichtenkanäle gesehen… ebenso die Story, wie sich ein Betrüger an die Macht mogelt und droht, den gesamten Planeten zu zerstören. Ja, das hatten wir in echt ja auch… jedoch ist “Mandalorian” Pedro Pascal in dieser Rolle wesentlich unterhaltsamer und charismatischer als dieser gewisse orange Perückenträger. Pedro schien diese Rolle Riesenspaß zu machen – egal ob schleimige Rückgratlosigkeit oder dämonischer Egoismus, er tobt sich da genüsslich aus. Und bleibt dabei dennoch menschlich und glaubwürdig – ein toller Gegenspieler für Wonder Woman.

Gal Gadot in der Titelrolle muss ich wohl nicht mehr eigens loben – hier zeigt sie neben der atemberaubenden Action noch mehr an Format, Charakter und Verletzlichkeit.

Auch Kristen Wiig zeichnet sich hier durch ihr Können und darstellerische Bandbreite aus – für mich war das überzeugende Action-Element hier eine Überraschung, da ich sie ja vorwiegend aus Komödien und SNL kenne. Für komödiantische Einlagen sorgt eher der wiedergekehrte Steve Trevor (Chris Pine) – das soll wohl über die vorhersehbare Tragik hinwegtrösten. In diesem Sinne ist WW 84 den griechischen Drama-Traditionen verhaftet geblieben – keine strikte Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere, kein echtes “Happy End” (gut, dass hier der Hollywood-typische Kitsch sehr kurz gehalten wurde) – eher ein Lächeln trotz der Qualen und des gebrochenen Herzens. Toller Film, dessen Message – Egoismus ist, was die Welt zerstört! – und dessen emotionales Grundgerüst so nachvollziehbar ist und so wie die Faust aufs Auge zu Covid-19 und Pandemie-Koller passt.

In Rückblenden gibt es auch ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Amazonen. Endlich, endlich auch ein paar Elemente, die ich noch von damals aus den Comics kenne, wie etwa der unsichtbare Flieger – und gerade diese Sequenzen hätt ich lieber auf einer wirklich großen Leinwand gesehen, aber vielleicht gibt es ja nochmal irgendwann Gelegenheit dazu. Der Outfitwechsel per Lassoschwung fehlt ja bisher noch…

Und noch ein Ratschlag – wirklich bis ganz zum Ende ansehen 🙂

  • 9/10
    Bewertung / rating - 9/10
9/10
Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen. Mag.phil., zwei in 5 Jahren parallel abgeschlossene Vollstudien (English & American studies, Medienkommunikation) und stolz darauf, denn als Mädel aus einer Arbeiterfamilie in einem erzkonservativ-katholischen Land ging das nur dank Stipendium und etwas später im Leben als andere....