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Kleinstadtfestival 2023

28. & 29.07.2023, Meppen, Deutschland

Die GALERIE findet ihr HIER!

Es war einmal an sonniger Tag in Meppen…ja, das klingt vielversprechend, das Festival startete auch genau so: entspannte Parkplatzsituation, entspanntes Publikum vor den Toren des Geländes – aber leider auch mit einem verspäteten Einlass, sodass die erste Band, EQUINOX, schon spielte, als man gerade das Gelände betrat. So etwas finde ich immer schade für Bands, jeder verdient ein gutes Publikum – auch wenn ich sagen muss, dass hier der Funke von Band auf Publikum auch nicht überspringen konnte. Die Band mit durchweg sehr jungen Mitgliedern, die bekannte Rocksongs als Cover zum Besten gab, wirkte oft angestrengt und unsicher – und das völlig zu Unrecht, denn sie klangen einfach toll. Ein bisschen mehr Schwung in die Performance, und das wäre ein super Auftakt in den Tag gewesen.

Weiter ging es kann mit KEON – und das war dann zur ersten Band schon ein Kontrastprogramm, was man zu sehen bekam. Volle Kraft voraus, und die Bühne wurde trotz immer noch sparsamer Menge von Fans vor der Bühne einfach gerockt. Ehrliche Musik, toller Gitarrensound, saustarke Vocals und ein auch rote Bengalos dürften als Pyro nicht fehlen  – das war dann wohl der wirkliche Start in den rockigen Tag, zumindest gefühlt .

Zwischendrin, aber definitiv nicht ein Lückenfüller, sind dann ACOUSDICK auf der Side-Stage gewesen – eine wundervoll humorvolle und unterhaltsame Überbrückung der Umbaupause auf der Hauptstage. Super Idee, die Wartezeit so zu überbrücken, und ganz ehrlich: 15 oder auch 30min können bei so toller Unterhaltung verdammt schnell vorbei sein.

Unterhaltsam, aber wieder sehr rockig und fast schon punkig, ging es mit MARATHONMANN weiter. Und das sogar mit eigener Fanbase, die lautstark dir Band feierte und mitsang. Aber auch nicht-Fans müssen bei so einer Musik und Energie einfach mitgehen, der Funke war übergesprungen – und das zu Recht. Wer da noch still stand, der wird sich heute Abend wohl nicht mehr bewegen. Beim letzten Song ließ es sich der Sänger der Band auch nicht nehmen, einmal in die Menge einzutauchen und dort das Lied zu Ende zu performen und mit den Leuten abzurocken. So macht Rockmusik und Festival Spaß!

Genau so rockig aber doch musikalisch ganz anders ging es dann mit HI! SPENCER weiter – und noch mehr Publikum, das sich an die Bühne heran getraut hatte. Trotz diverser Widrigkeiten haben sie es zum Kleinstadtfestival geschafft, und haben mächtig Stimmung gemacht mit ihren deutschen Texten und den rockigen Riffs. Es wurde in den ersten Reihen munter und sichtbar mitgesungen, man konnte Band und Publikum den Spaß zu jeder Zeit auf den Gesichtern ansehen.

In genau so glückliche Gesichter schaute man dann auch, als MONTREAL dann auf der Bühne standen um den ersten Festivaltag abzuschließen. Humorvolle Ansagen, und eine gesunden Mischung aus neuen und alten Stücken erwartet das Publikum, und genau das wurde dankend angenommen. Es wurde geklatscht, getanzt und noch einmal die letzte Energie mobilisiert – auch von den Crowdsurfern, die die Security unnötig auf Trab hielten. Aber was die Fans können , kann die Band auch – der Drummer ist einmal in das Meer aus Hände gesprungen und hat sich hinreichend lassen, wo es am schönsten ist: zur Bar. Und natürlich wieder retour. Einfach ein rundum gelungener Abschluss – mit guter Laune konnte das Publikum dann nach Hause gehen, immer noch ein paar Songs der Band summend – denn Ohrwürmer begleiteten einen nach dem Auftritt.

Während der erste Tag einen noch verschonte, wenn es um Wettereskapaden geht, so sollte Tag 2 dann doch etwas herausfordernder werden. Zu Einlass und zur ersten Band des Tages, AGAINST RANDY, wurde man aber nicht nur mit deren rockigen Klängen, sondern auch mit Sonne begrüßt – die dunklen Wolken trauten sich noch nicht ganz in die Nähe des Geländes, man konnte aber sehen, dass sie in Lauerstellung nur auf den richtigen Zeitpunkt warteten. AGAINST RANDY waren ein gelungener Start in den Tag – nicht zu seicht, aber auch nicht volle Kanne auf die Neune – genau so sollte es sein, wenn man entspannt in den Tag und langsam aber sicher auf Betriebstemperatur kommen wollte.

Sie Stimmung war gut, das Publikum ging mit den Klängen mit, und der Ein oder Andere gönnte sich an diesem frühen Nachmittag das erste Bier oder aber auch einen alkoholfreien Cocktail.  Einmal mehr konnte man sehen, wie wundervoll durchmischt das Publikum war – vom kleinen Kind hin bis zum gestandenen Rocker, jeder hatte sich dann doch eingefunden – und das zum Glück wesentlich früher als am Tag zuvor.

100% härter, und als absoluter Kontrast, ging es dann mit A PLACE TO FALL weiter – Metalcore at its best bekam man auf die Ohren und Augen. Und ich muss sagen: das hatte richtig Wumms. Man konnte die Freude auf der Bühne sehen, und sowas springt dann auch einfach auch auf das Publikum über – auch wenn man dann doch schon sehr früh an diesem Tag sehen konnte, wer dann eher für poppigen Rock und wer für die wirklich harten Klänge zu begeistern war. Natürlich gab es da auch Überschneidungen, dennoch konnte man den musikalischen Wechsel auch sehr gut im Publikum erkennen. Die Band zog eine gute Show durch, auch wenn sie vielleicht zu etwas späterer Stunde noch bessere Stimmung hätten schaffen können.

Da man sich ja an doch sehr harte musikalische Wechsel schon gewöhnt hatte, kamen dann JACK POTT auf die Bühne – ein durchweg unterhaltsamer Auftritt, mit viel Spaß und Humor versehen, damit sich die sanftbesaiteten sich vom vorhergehenden Metalcore erholen konnten. Die Sonne lachte mit der Band um die Wette, die Stimmung war ausgelassen und mehr und mehr hatte das auf dem Gelände Publikum auch endlich zur Bühne gefunden. Während Zeit wie im Flug verging, türmten sich zu Ende der für die Band und Zuschauer schwitzigen aber erfüllenden Show, die Wolkenberge immer mehr auf und verhießen nichts Gutes.

Passend zum Song „Sommerregen“, den RAUM27 u.a. performten, öffneten sich dann die Wolken und es ging ein guter Guss herunter – wer sich nicht in Sicherheit gebracht oder gut ausgestattet war, der war jetzt abgekühlt und bis auf die Socken und Unterwäsche einmal geduscht. Während es die Band zunächst auf der Bühne hielt, während im Regen munter getanzt wurde (der Stimmung tat der Regen nämlich keinerlei Abbruch), gesellte sich Sänger Tristan dann zum tropfenden Publikum. Nieselregen? Stärkerer Regen? Alles egal, solange es die Technik auch aushielt  und vor so viel Bock auf Performance und auf´s Publikum kann man nur den Hut ziehen – oder aber die Kapuze des Regenmantels. Wer da trotz abgekühlten Temperaturen nicht unter seinem Regencape ins Schwitzen kam, der ist wohl generell absolut unbeeindruckt von der Spielfreude einer Band.

So richtig Leute zog dann auch LOSTBOI LINO – in knallig rosaner Weste und unheimlich viel Energie schaffte er es, nicht nur seine zahlreichen Fans in den Bann zu ziehen und mitzureißen, auch Leute die ihn vorher  nicht kannten, konnten die Füße nicht still halten. Es war langsam wieder trocken geworden, und es wurde hemmungslos durch die Pfützen und den Matsch getanzt. Den Fans war das alles einfach egal, sie wollten den Auftritt genießen – und selbst vorher Ahnungslos wippten dann doch mehr als nur ein bisschen mit dem Kopf mit.

War man gerade getrocknet, konnte man das Regen-Nass dann gegen das Schwitzen-Nass bei BLACKOUT PROBLEMS eintauschen – ein bisschen Circle Pit, die ersten Reihen in absolutem Enthusiasmus, es wurde laut mitgesungen während der Bass ohne Gnade vor sich hinwummerte und bei einigen Zuschauern dann doch eher Unbehagen als Freude auslöste. Die Band scheute den direkten Kontakt zum Publikum nicht, die Absperrung schien im Fluge überwunden und schon ging es hinein in das matschige Vergnügen. Einmal schnell vom Bierstand aus performen? Auch kein Problem. Musiker, die geschickt die Bühnen-Seiten hochklettern? Auch drin. Ansagen an oberkörperfreie Fans, die es im Publikum meinen zu übertreiben, und einmal eine Einnordung benötigen? Gar kein Problem. Eine Band, die nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich an diesem Abend vollkommen punkten konnte.

Den großen Abschluss des Festivals machten dann die Schweden ROYAL REPUBLIC um Sänger Adam Grahn, der wie seine Bandkollegen ein wahres Feuerwerk and Energie und Spielfreude zündete – und zwar von der aller ersten Sekunde an und bis zum bitteren Ende. Bitter war es dann auch für die Fans, denn ihr Liebe zur Band wurde durch einen weiteren und weitaus stärkeren Regenguss auf die probe gestellt. Hat es auch nur im Ansatz jemanden dazu veranlasst, seinen Platz verlassen? Nein, es wurde weiter mit der Band zusammen zu einer wilden Mischung aus allen veröffentlichten Alben gerockt – und wie doch schon einige Bands vor ihnen, wagten auch sie sich von der Bühne hinunter. Wie es sich etabliert hatte, ging es auch auf dem Kleinstadtfestival zu einer kleinen B-Stage beim FOH, auf der dann nass aber gut gelaunt zwei Songs akustisch performt wurden – bevor es wieder durch den Matsch zurück auf die Bühne ging.

Klitschnass aber mit einem Lächeln auf den Gesichtern, ging es dann für alle entweder zum Camper, oder zum Auto, hauptsache ins Trockene – genau so plötzlich wie das Festival begonnen hatte, so war es dann auch wieder vorbei. Fehlte etwas? Nein. Sollte nächstes Jahr etwas anders sein? Jain: auf das Wetter hat man ja leider wenig Einfluss.

 

 

Carina Ullmann

carina@stalker-magazine.rocks - Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - - - Alles von Klassik bis Metal, es kommt immer auf die Band und meine Laune an ;) - - - Favorisierte Bands? - - ...das wären zu viele, um sie alle hier aufzulisten... - - Sonstige Interessen? - - - Fotografie, Kulturen, Literatur