Elvis

Warner, Juni/Juli 2022, 2 Std. 39 Min.

Früher oder später hat es ja so kommen müssen, dass das bewegte Leben von Elvis Aaron Presley alias the King of Rock’n’Roll eine weitere Würdigung auf Leinwand erfährt. Und diese Version hier sollte man eben dort auf keinen Fall verpassen – sowas muss man „überlebensgroß“ genießen. Einige Namen der Involvierten sollten bereits Bände über die Qualität des Werkes sprechen – Regisseur und Drehbuch(mit)Autor* Baz Luhrmann (Romeo & Julia, Moulin Rouge, Strictly Ballroom), Tom Hanks als Colonel Tom Parker, aus dessen Perspektive sich die Story entwickelt, die ja eigentlich jedem bekannt sein sollte. Trotzdem, jede Wette, wirst auch du am Schluss ein paar Tränchen zerdrücken und hinterher das unwiderstehliche Gefühl haben, sich ein paar Blues-, Gospel- und Elvis-Songs reinzuziehen…

Und dann noch dieser charismatische junge Kerl, dessen Karriere sich parallel zum Titelhelden nun ebenfalls raketenhaft nach oben bewegen sollte – aber hoffentlich nicht ebenso tragisch in einem goldenen Käfig endet: Austin Butler als Elvis hat nichts mit den vielen Elvis-Imitatoren zu tun, so ehrlich, intensiv und ungekünstelt kommt seine Interpretation der Figur und der Songs rüber (ja, er singt selbst und der Soundtrack ist ein Mix seiner eigenen mit Elvis‘ Stimme). Also keine Imitation, eher eine Re-Inkarnation, sodass er sich neben Hanks, der genüsslich den schleimigen Bösewicht gibt, nicht nur behauptet, sondern ihn sogar öfters an die Wand spielt. Austins tolle tiefe Stimme, dann die Ähnlichkeit – Profil nahezu identisch, er macht den dürren Teenager in den 1950er Memphis Slums ebenso glaubwürdig wie das aufgeschwemmte Drogenwrack in Las Vegas. Naja, bei letzterem hätten sie ihm ruhig sogar einen viel krasseren Fett-Anzug verpassen können…

Wie die Reaktionen der Kritik und des Publikums bisher auch andeuten, könnte Austin in die Fußstapfen von Rami Malek (als Freddy Mercury) treten und bald ne kleine glatzköpfige Statuette mit nach Hause nehmen. Ob es mehrere dieser Statuetten für den Film geben wird, ist schwer zu sagen. Was andere als Zuviel des Guten kritisierten, hätte meiner Meinung nach ruhig noch mehr sein können, nämlich Baz Luhrmanns legendär opulent-exzentrischer Inszenierungsstil, die Ausstattungs-Bling-Exzesse … gerade bei den Las Vegas Stories hätte es für mich ruhig ebenso erzählerisch durchgeknallt wie in der ersten halben Stunde zugehen können. Der Soundtrack ist klarerweise wieder mal Spitzenklasse – nicht nur die Elvis Klassiker, sondern auch dessen Einflüsse und Wurzeln, dazu einige wilde aktuelle Remixes – alleine die diversen Konzertszenen (z.B. Alton Mason als Little Richard, aber auch David Wenham als Hank Snow, der „Anti-Elvis“) sind es wert, diese fast drei Stunden gleich mehrmals „auszusitzen“…

*Drehbuch: Baz Luhrmann, Sam Bromell, Craig Pearce

  • 10/10
    Bewertung / rating - 10/10
10/10

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen. Mag.phil., zwei in 5 Jahren parallel abgeschlossene Vollstudien (English & American studies, Medienkommunikation) und stolz darauf, denn als Mädel aus einer Arbeiterfamilie in einem erzkonservativ-katholischen Land ging das nur dank Stipendium und etwas später im Leben als andere....