Wild Dayz 2022

17.-19.06.2022 @ Konzertfabrik Z7 Pratteln, Schweiz

Die Wild Dayz, organisiert von der wohl berühmtesten Konzerthalle der Schweiz finden in diesem Jahr an einem perfekten Wochenende statt. Besser hätte das Wetter nicht sein können, um ein dreitägiges In- und Outdoor Festival zu veranstalten. Drei Tage mit jeglicher Art von Metalmusik, zwei Bars mit Getränken und Essen plus Merchstand, wo man auch seine Lieblingsband persönlich treffen und ein Autogramm ergattern kann. In kleiner familiärer Umgebung mit etwa 500 – 800 Besuchern am Tag bleibt es ein beschauliches Festival, wo jeder noch genug Platz für sich hat.

Bei bis zu 37 Grad schon wieder fast ein bisschen zu heiss, um in der prallen Sonne zu stehen und den nationalen und internationalen Bands zu lauschen, welche das Line-up des ersten Wild Dayz Festivals bilden. Aber das Z7 wäre nicht das Z7, wenn es nicht mit einer raffinierten Idee für ein wenig Abkühlung bei den Gästen sorgen würde. Ein unter einem Sonnenschirm installierter Schlauch sorgt mit feinem Sprühregen für eine angenehme kurze Abkühlung für all jene, die sie brauchen.

Der Freitag widmet sich eher dem Symphonic Metal: den Auftakt machen die Schweizer Deep Sun rund um Sängerin Debora Lavagnolo, gefolgt von Aephanemer aus Frankreich, die ihren Mix aus Melodic Death Metal mit klassischen Elementen zum Besten geben. Blackbriar, deren Sängerin Zora Cock auch bei Morten Velands (Sirenia) Soloprojekt Mortemia zu hören ist, sind extra aus den Niederlanden angereist.

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Mit Visions of Atlantis steuern wir dann bei ausgelassener Stimmung Richtung Tortuga zur Pirateninsel. Mit ihrem neuen Album «Pirates» hat sich auch gleich die ganze Band in böse Seeräuber verwandelt und erzählen von ihren Abenteuern auf Hoher See. Trotz ein paar technischer Schwierigkeiten liefern Clementine Delauney, Michele Guaitoli und die restlichen Jungs eine tolle Show auf der Outdoor Bühne ab.

Kurze Zeit später heisst es Indoor «Lets burn some Witches»: Die Mädels von Burning Witches geben dem Z7 mal wieder die Ehre. Das erste Mal, dass ich die Band mit der neuen Sängerin Laura und der neuen Gitarristin Larissa sehe. Ja die Mädels machen gute Mucke, aber gesanglich ist ganz viel Variabilität mit Sängerin Seraina Telli verloren gegangen, leider. Laura ist zwar auch gut, aber die Töne dürften manchmal mehr sitzen und die älteren Songs liegen ihr nicht besonders. Es ist wirklich schön, eine reine Frauen-Formation zu sehen, aber manchmal hat man das Gefühl, dass Bassistin Jay tatsächlich nur der Schatten der Gitarristen ist, weil sie immer sehr nahe an ihnen dran steht und nicht von der Seite rückt, obwohl die Bühne viel Platz bietet. In Richtung Bühnenshow dürfte da noch ein bisschen was gehen, aber das kann auch an der unglaublichen Hitze liegen, welche die MusikerInnen auf den Bühnen dieses Wochenende ertragen müssen.

Eine Band, wo eine Sängerin nur zum Gastauftritt gehört folgt danach, nämlich die Warkings. Melissa Bonny ist zwar auf den Alben von Warkings vertreten, dieses Mal jedoch nicht dabei als Queen of the Damed, dafür übernimmt Morgan Le Fay ihren Part der Songs. Die Band liefert eine super Show, es ist immer Bewegung auf der Bühne und die Songs machen einfach Stimmung. Perfekt für ein Festival.

Die letzte Band heute Abend ist mehr ein Glücksgriff und ein Zufall. Eigentlich sollten Epica auftreten, leider mussten diese wegen Corona absagen – gute Besserung! Aber ganz so böse bin ich nicht, denn ihre Vertretung kann eines ganz besonders gut: Stimmung machen! Battle Beast bringen jeden zum Mitwippen. Sängerin Noora ist das Metal Showgirl schlechthin und das beweist sie bei jedem Auftritt aufs Neue. Aber auch ihre Musiker Kollegen sind allesamt Spitzenklasse – Bassist Eero zeigt uns heute auch mit einer Darstellung von Aladdins «A Whole new World», wie gut er eigentlich singen kann. Die Finnen bringen eine gute Show nach Pratteln und sind auf der Bühne auch lockerer und etwas witziger unterwegs als früher. Sie machen alles richtig. Darum danke für den kurzfristigen Zwischenstopp in Pratteln und die tolle Perfomance.

Samstag 18.06.2022

Neuer Tag neues Glück, da das Thermometer 37°Grad anzeigt, beschließe ich, erst gegen Abend ins Z7 zu fahren, denn diese Temperaturen verkraftet mein Kreislauf einfach nicht und den heutigen Top Act will ich ganz bestimmt nicht durch einen Kollaps verpassen.

Heute eröffnen Death Metal Bands den Tag, Mnemocide bereits um 14:30, gefolgt von Kassogtha und Growlerin Stephany Hugnin. Bei Silver Dust geht es dann wieder ein bisschen sanfter zu. Die Schweizer rund um Sänger Lord Campell bringen ein bisschen Abkühlung auf den heissen Asphalt des Z7, den Vexed und Ingested aus England gleich darauf wieder zum Glühen bringen.

Die nächsten auf der Outdoor Bühne sind Dust in Mind aus Frankreich. Unsere Nachbaren liefern Industrial/ Modern Metal mit ihrem Gesangsduo Jennifer und Damien. Die Paarung der eher poppigen Stimme von Jennifer und der Gesang von Damien ergänzen sich hervorragend.

Drinnen geht es weiter mit Orbit Culture aus Schweden. Naja man hört die Jungs zumindest, aufgrund der Lichtverhältnisse ist man sich manchmal nicht so sicher, ob auch wirklich jemand auf der Bühne steht. Obwohl Death Metal gar nicht meins ist, muss ich sagen, die Jungs sind nicht mal schlecht und machen gute Stimmung, obwohl die Leute eigentlich total k.o. von der Hitze sind.

Coroner – Schweizer Urgestein des Thrash-Metal aus Zürich sind zwar in der Schweiz ein Must-See, wenn sie mal auftreten, aber für mich kommt da leider gar nichts rüber. Sorry. Der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt aber die Leute scheinen müde, obwohl der Hauptact heute noch bevorsteht.

Amorphis nach so langer Zeit wieder zu sehen ist eine pure Freude. Auch wenn die Stimme von Tomi Joutsen nicht immer ganz sitzt und er zu Beginn nicht allzu gut gelaunt zu sein scheint, schaffen es die Finnen wieder einmal, diese besondere Atmosphäre im Z7 zu schaffen. Schön, dass auch Herr Koivusaari wieder mal ein paar Growls übernimmt bei neuen Songs des Albums «Halo», das im Februar erschienen ist. Heute lassen es die Herren aber eher etwas ruhiger angehen, das Publikum gleichfalls, weil es einfach viel zu warm ist und jede Bewegung zu viel mit Schwitzen verbunden wäre. Nach knapp einer Stunde verlassen Amorphis nach einer tollen Show die Bühne, leider schon wieder ohne eine Zugabe, aber wie es sich gehört, ist der letzte Song «House of Sleep».

Sonntag 19.6.2022

36° Grad und es wird noch heisser …mach den Beat nie wieder leiser, 36 Grad kein Ventilator, das Leben an einem Festival kommt mir viel zu hart vor. 36 Grad und kein Lüftchen. Mit Abstand der schlimmste der drei Tage, wenn es um die Temperatur geht. Regenschauer, Sonnenschirm – reicht nicht, eine Gartendusche muss mit dazu. Zum Glück. Mein Autoradio hat von den Stunden an der Sonne die letzten Tage schon denn Geist aufgegeben, es ist eine sehr ruhige lange Fahrt….meine eigene Stimme…unerträglich darum lass ich es sein.
Paleface, As everything Unfolds, Caskets, Holding Absence und Trash Boot müssen leider ihre Auftritte ohne meine Wenigkeit absolvieren. Pralle Sonne ist leider nicht drin heute. Gegen 18.00 Uhr ist dann endlich Schatten auf dem Gelände und Indoor spielen Silverstein aus Kanada. Die Post Hardcore Band hört sich gut an und sie liefern eine solide Show.

Der Grund meiner Anwesenheit heute hat anschließend seinen Auftritt: Smash into Pieces aus Schweden. Meiner Meinung nach eine der unterbewertetsten Bands überhaupt, dabei sind diese Jungs so super bei dem, was sie machen. Die Drummer One-Man-Show müsste nicht sein und mal die Sonnenbrille absetzten wäre auch nice gewesen, aber trotzdem kann man spielerisch und vor allem gesanglich hier keine Abstriche machen. Die Stimme von Chris Adam Sörbye ist Spitze. Sie bringen eine Leichtigkeit ins Line Up, für die glaube ich nicht wenige dankbar sind nach den eher härteren Klängen der vergangenen Tage. Mein Highlight der Wild Dayz neben Amorphis und Battle Beast.

Auf der Innenbühne folgt Being as an Ocean. Unscheinbarer Kerl an der Gitarre mit Monster Stimme und ein Sänger mit gespaltener Persönlichkeit, bei dem man nicht weiss, ob jetzt die emotionale Seite oder die aggressive Überhand hat. Für mich weder musikalisch noch von der Show her besonders mitreissend.

Die letzte Band auf der Aussen Bühne…. Anti-Flag……okay, ich habe vermutet, dass es sehr politisch wird – aber so…. Böse Politiker….Böse Polizei….scheiss auf dies, scheiss auf jenes…..Eine Masse junger Menschen vor der Bühne, die ihnen zujubeln, ziemlich angetrunken, und ein Geruch eines bestimmten Krauts liegt schwer über dem Platz. Punk’s not dead …es lebe die Anarchie. Irgendwie komme ich mir vor wie ins falsche Jahrzehnt versetzt, aber bitte, wenn das manchen gefällt – schön. Bei dieser Hitze, diesem Geruch und einer Meute, die sich gegenseitig beim Circle Pit die Birnen einhaut, kann ich nicht gutheissen – Zeit aufzubrechen und den Wild Dayz 2022 Lebewohl zu sagen.

Danke der unermüdlichen Z7 Crew, die trotz diverser Line-Up Wechsel am Ball geblieben ist und so tollen Ersatz gefunden hat. Für die Leute hinter der Bar, die 12 Stunden Schichten geschoben haben, um die Besucher zu verköstigen und zu versorgen, und natürlich auch an die Stagehands, Sound und Lichttechniker, naja – ausser dem Lichtheini bei Amorphis und Orbit Culture (Blau und Rot kann ich auch😉) – und natürlich noch ein grosses Danke an die Security, die für die Sicherheit und das Wohlergehen der Gäste sorgt. Hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr wieder ein Wild Dayz Festival erleben dürfen.

Mit der OpenAir Serie geht es im Z7 gleich weiter. In einem römischen Amphi-Theater spielen Bands wie Wardruna, In Extremo oder Joss Stone. Und auf dem Platz vor dem Z7 kann man bald Amorphis, Toto und Co. Live sehen. Tickets sind meist noch erhältlich. Nicht verpassen.

 

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core