Helsinki Metal Meeting 2009

Mit dem neuen Namen „Helsinki Metal Meeting“ ging die ehemalige FME „Finnish Metal Expo“ im Jahre 2009 in eine neue Runde. Hatte sich das Geschehen in der Vorjahren auf zwei Tage in der Kabelfabrik in Helsinkis Bezirk Ruohonlahti konzentriert, waren es diesmal gleich drei Tage und 30 Bands, alles verteilt auf drei Venues. Klingt kompliziert und stressig, war es auch. Nicht nur Fans waren da hin- und hergerissen. Denn da ist noch keine Rede von diversen inoffiziellen Zusatz-Terminen für die internationale Journaille (Pre-Listenings, Award-Parties) in diversen anderen Locations… Apropos Programmwahl, diesmal schienen sich die Veranstalter die Bands und deren Reihenfolge wohl wortwörtlich ausgewürfelt zu haben, denn einige Entscheidungen liessen sich nicht so recht nachvollziehen… aber alles schön der Reihe nach.
Interaktive Fotogalerie am Textende

Donnerstag, 12.2.2009
Bereits am Donnerstag wurden die diesjährigen Festivitäten des Helsinki Metal Meetings mit Live-Konzerten außerhalb des Expo-Geländes eingeläutet. Im neuen Dante´s Highlight Klub, von STALKER auch schon ausgiebig vorgestellt, gaben sich die finnischen Deathsters von Amoral und Omnium Gatherum ein Stelldichein.

Eine musikalische Weiterentwicklung ist ja das Ziel jeder Band, Amoral bewiesen allerdings verdammt viel Mut, als sie Ende letzten Jahres verkündeten, dass ausgerechnet Teenie-Idol Ari Koivunen, Sieger des finnischen Superstar Wettbewerbs, ihr neuer Frontmann wird. Die erste Single-Auskopplung „Year of the Sucker Punch“ lässt auch schon mal Fürchterliches erahnen, denn „Heavy Ari“ klingt, also ob er die Pubertät immer noch nicht erreicht hätte. Überraschenderweise lässt Herr Koivunen live dann durchaus die innere Growlsau raus und mit so erfahrenen Jungs wie denen von Amoral als Unterstützung, klappt´s auch fast mit der „Street Credibility“. Gar nicht so schlecht! (KG)

Bei den Finnish Metal Awards am nächsten Abend konnten Omnium Gatherum gleich zwei 5.Plätze einfahren, zum einen für ihr letztes Album „The Redshift“ und Gitarrist Markus Vanhala konnte sich in der Kategorie „Musiker des Jahres“ platzieren. Das zeigt schon mal, dass hier keine Stümper am Werk sind. Allerdings kommt ihr melodischer Death Metal, wie ich finde, live noch weitaus besser rüber als auf Platte, vor allem Dank der energiegeladenen Performance von Fronter Jukka Pelkonen. (KG)

Freitag, 13.2.2009

Amorphis pre listening session, Darx Metal Bar
Wenn einer der finnischen Top-Metal-Exportartikel ein neues Album ankündigt, dann stösst das mit Sicherheit auf grosses ausländisches Medieninteresse. Kein Wunder also, dass kaum einer Finnisch sprach bei der Pre-Listening-Session von Amorphis neuem Album, von den Bandmitgliedern selbst mal abgesehen. Kaum jemand vor Ort war wirklich nervös, abgesehen vielleicht nur von der Band selbst. … Im Ernst, kennt jemand von euch ein wirklich MIESES Amorphis Album? Na eben. Also falls die Jungs nicht plötzlich eine Vorliebe für Free Jazz, 80er Disco-Sound oder Hip Hop entdeckt haben sollten, waren böse Überraschungen ohnehin nicht zu erwarten. Ich will jetzt nicht zuviel verraten, aber von „Skyforger“, in Finnland am 27. Mai am Markt, ist zu sagen: Wo Amorphis draufsteht, ist auch Amorphis drin – und doch auch etwas mehr. Es gibt vielleicht etwas mehr Epik, etwas mehr an fast poppigen Chören und auch mehr an derbem Metal. Und klar, die Texte drehen sich wieder um die Kalevala. Fazit, die finnische Hitfrabrik, wie Britney sagen würde, „did it again“ und wird demnächst rund eine Stunde Finnish Metal vom Feinsten abliefern. (KW)


In der Kabelfabrik das gewohnte Bild – 50 Aussteller: Plattenfirmen, Instrumentenhersteller, Festivalveranstalter, Bands, Medien und Merchandiser präsentierten sich und ihre neuesten Produkte. An einigen Ständen endeckte man bekannte Gesichter, „Papa“ Wilska etwa (Ex-Fintroll) oder Lauri von Elenium (werft einen Blick in die Fotogalerie hier!). Ein Kunstschmied – zu sehen im Before The Dawn Video „Dying Sun“, namens Seppä Tervarauta – fertigte vor aller Augen rares Band-Merchandise an, und wäre auch meiner spontanen genialen „Instant Tattoo“ Idee gegenüber höchst aufgeschlossen gewesen. Ich war nur doch nicht sicher, ob ich wirklich den Rest meines Lebens mit nem schicken Bandlogo in meine Fingerknochen eingestanzt verbringen wollte…

Das Publikums-Gedrängel – auch bei Tuomas Holopainens Autogrammstunde – hielt sich diesmal allerdings deutlich in Grenzen, und sogar zur besten Zeit war z.B. der Balkon bei der Hauptbühne total „ausgestorben“ und vom Verpflegungsangebot geradezu jämmerlich im Vergleich zu anderen Jahren. Der Vorteil für uns Mädels – nirgendwo elendslange Warteschlangen am WC!

Der Songwriting-Workshop, Zodiak Stage
mit Tuomas Saukkonen stiess auf grosses Interesse, obwohl (Zitat) „diesmal mehr Männern anwesend sind, da es ja nicht um Before The Dawn geht“, sondern um derben Old School Death Metal von und mit Tuomas und seiner The Final Harvest Band. Er demonstrierte, wie die Tracks Pansserivaunu, Talvisota und Pharao per Akustik-Gitarre komponiert werden und noch recht harmlos klingen, ehe sie dann mit E-Gitarre, Bass, Drums und Gesang schrittweise Gestalt annehmen.

Oder wie ein Double Bass Gewitter „das gewisse „pansserivaunu“ Panzer-Feeling herstellen soll. Unterhaltsam war auch, dass die Stimmen – u.a. Sotajumalas Mynni als Special Guest – wie ein Instrument vorgestellt und eingesetzt wurden. Oder das durchwegs kriegerische Vokabular, wie die Bezeichnung „Loppusota“ (Endkrieg) für den Schlussteil eines Songs … Parallel dazu, auf der benachbarten Musamaiailma Stage, geigten Tuomas Wäinölä und Lauri Porra auf, und das so richtig schön laut, was leider gelegentlich störte.(KW)

Gleich als erste Band dürfen dann Grendel das noch recht locker stehende Publikum mit ihrem melodiösen Metal inklusive clean Vocals und fiesen Growls von Frontbiest Mikko Virtanen erfreuen. Die Songs gehen wie immer direkt ins Ohr und die Finnish Metal Expo 2009 ist hiermit offiziell eröffnet. (KG)

Reichlich früh mussten dann Misery Index auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Von „Misery“ allerdings keine Spur, denn die Herren aus Baltimore beglückten die Zuschauer zuallererst mit überraschend guten Finnischkenntnissen und darüber hinaus mit ihrer brutalen Mischung aus Death and Grind. Für mich sicher eine der Neuentdeckungen und „Traitors“, die aktuelle Scheibe der Band, muss definitiv angecheckt werden. In diesem Sinne „Fucking Uskomatonta“ [unglaublich]. (KG)

Die Finnish Metal Awards, die auf Basis von Fan-Wertungen per Internet vergeben werden, warteten bestenfalls mit einer Überraschung auf – dass nämlich Stam1na in gleich vier Kategorien abräumten: Album und Band des Jahres, bestes Coverartwork, und Antti Hyyrynen wurde auch noch als bester Sänger gekürt. Und sie bedankten sich bei ihren Fans auf ihre spezielle Art…

Musiker des Jahres wurde Alexi Laiho, und als Newcomer-Acts durften Hateform und der Demo-Act FM2000 die gläserne Trophäe mit nach Hause nehmen. Ein Rätsel blieb, warum Stam1na, obwohl vollständig anwesend, live dann nur reduziert im Rahmen eines Workshops mit Hyrde und Kaikka am Samstag vertreten waren. (KW)

Das im November veröffentlichte vierte Studioalbum von Blake kann mit der Single „Spirit of Cain“ einen durchaus mitreißenden Song aufwarten. Im Gegensatz zur sonst üblichen metallischen Disposition finnischer Bands haben sich die Herren um Frontmann Aaro Seppovaara nämlich eher auf 70s Rock mit einer sehr bluesigen Note spezialisiert, was auch live fachkundig umgesetzt wird. Bei mir will der Funke allerdings dennoch nicht so recht überspringen. (KG)

Grand Magus aus Schweden machten schon mal mächtig Eindruck mit wuchtigen Doom/Power Metal Sound – dieses Trio hat eindeutig mehr von Black Sabbath als von Göteborg abbekommen. Von Posen bis hin zur Bühnenpräsenz blieb alles stilgerecht „Retro“, mit ansteckendem Groove, und obwohl musikalisch vielleicht nicht so ganz meine Richtung doch eine der positiven HMM Überraschungen. (KW)


Chaosweaver war wohl für all jene ein Trost, die für Deathstars keine Karte mehr gekriegt haben, da Industrial Metal und ein Touch von Bizarre. Musikalisch in etwa auf den Spuren von Rammstein/Manson, die Maskerade des Sängers hatte was von Slipknot/Hellraiser-Filmen, und er blieb der mit seinem Posen und Gesten auch der Mittelpunkt der Show. Nur wurde die nach ein paar Songs etwas eintönig, ebenso wie die Musik. Aber ein ausbaufähiges Konzept. (KW)


Die Ensiferum Fangemeinde erkannte man schon weit vor dem Gig – dem einzigen in Finnland in diesem Fruehling – an ihrem Make-Up. Es schien, dass auch wirklich nur die eingefleischten Fans bis zum Schluss dageblieben waren, und die Reihen sollten sich im Lauf der Show noch weiter lichteten. Obwhol die Band, wieder im schicken Finnland-Flaggen-„Kilt“, sich den Allerwertesten abrockte und -poste, zog es nach und nach immer mehr Leute doch zu einem der vielen Rahmenprogramme in die Innenstadt… Aber alle Fans, die blieben (und noch stehen konnten) gaben alles und feierten die Folk-Metaller nach Leibeskräften ab. Aber warum spielten die Deathstars nicht in der Kabelfabrik, wo doch eigentlich mehr Leute reinpassen als in den Tavastia Klub? (KW)


Deathstars, Tavastia
Die Deathstars waren eindeutig für viele ein Highlight der diesjährigen FME. Mit Veröffentlichun g des neuen Albums geht auch ihre neue Tour los, also Ladies, bügelt eure Uniformen und bereitet euch schon mal vor! Und diesmal ist es ja auch ernst, da auch die Band live mit ihren neuen Uniformen auftritt. Allerdings sind auch die üblichen Glam-Accesoires dabei, denn was wäre Whiplasher ohne Federboa und Glitter?! Hauptsächlich mit neuem Material, aber tanzbar wie immer, ging der ganze Gig wie in einem Atemzug vorbei! Whiplashers samtiger Gesang, ernsthaft und zugleich ironisch, kann keinen unbeeindruckt lassen. Nach der Show liess sich nur Skinny im Publikum blicken, der Rest der Band hatte sich zurückgezogen, während der uniformierte und gut gelaunte Bassist für Photos poste und mit Fans plauderte. 8/10 (Marina Sidyakina)

Werft einen Blick in die Fotogalerie hier!!

Samstag, 14.2.2009
Egal wer da als Opener spielte, es war eine undankbare Aufgabe, denn um diese Uhrzeit waren kaum Leute da. Die Halle füllte sich jedoch zusehends im Lauf des Gigs von Ancara , die mit Melo Power Metal, z. B. „Chasing Shadows“, einem Ausblick aufs kommende Album und ihrer Coverversion von „Rebel Yell“ richtig Stimmung machten.


Before The Dawn traten wie beim letzten Dante´s Gig mit neuem Drummer Atte Palokangas (von Agonizer) an und hatten schon zirka 3 x soviel Publikum wie der Opener. Sound und Band brauchten jedoch ein wenig Anlaufzeit. Was fehlte? Achja, Lars schräge Sprüche… spätestens nach seiner Meldung „der nächste Song reimt sich auf Bier“ kam jedoch Schwung in die Bude. Vom neuen Album gabs „Dying Sun“ und „Exile“, das wie immer ein „Best Of“ aller BTD Alben mit „Faithless“, dem sich so schön auf Bier reimenden „Disappear“,“The Black“, „My Room“ (diesmal nicht als Akustik-Version, sondern die volle Dröhnung) und dem Superhit „Deadsong“ bot.(KW)

Schon mit dem Intro zu Disconnected brachte Profane Omen die Menge zum Jubeln und nachdem sie die “total fucking darkness” angekündigt haben, lassen sie den Sturm über die FME los. Sie bringen eine gelungene Mischung aus alten und natürlich neuen Songs, die Vorfreude aufs neue Album machen. “Inherit the Void” wird am 4. März erscheinen. Ansonsten wie immer, Sänger Jules Näveri tobt über die Bühne und besticht gesanglich mit seinem breitem Spektrum von Clean bis Growling. Insbesondere im Duett mit Taneli Jarva zeigt sich, was er wirklich drauf hat. Auch das Publikum tobt – also ganz und gar gelungen. (Sabine Koch)

Mit Legion of the Damned aus Holland übernahmen dann die Auswärtigen das Ruder auf der finnischen Metalexpo. Außer Haaren sah man erst mal nicht viel von Frontmann Maurice Swinkels, der einen irgendwie an Vetter Itt von der Addams Family erinnerte. Musikalisch wurde aber einiges mehr geboten – brutaler, fieser, düsterer Death Metal. Gemessen an der Zuschauerreaktion und der Größe und Aktivität des Circle Pits , zurecht einer der Hauptacts der FME. (KG)

Der zweite Hauptact folgte mit Black Dahlia Murder auf dem Fuße. Der erste Auftritt der Band überhaupt in Finnland wurde gleich genutzt, Neugitarrist Ryan Knight vorzustellen, der die Axt für John Kempainen übernommen hat. Im Mittelpunkt steht aber ohne Zweifel Frontmann Trevor Strnad, dessen Vocals einfach unglaublich sind. Der scheinbar mühelose Übergang von Death Metal Growls zu Cradle-of-Filth ähnlichem Gekreische hatte mich schon auf „Nocturnal“, dem aktuellen Album der Band aus 2007, zutiefst beeindruckt. Fies, brutal und fesselnd – was will man mehr. Das Publikum brauchte auch nicht extra angefeuert zu werden, die Circle Pit nahm während des gesamten Gigs ohnehin schon fast die ganze Halle ein – Mission erfüllt. (KG)


Mit einigen Journalistenkollegen hatten ich schon über die nicht ganz nachvollziehbare Programm- und Venuewahl oder Gig-Reihenfolge gerätselt. Und hier musste auch ich erneut in Frage stellen, warum so ein klasse Act wie Andre Matos, der noch dazu nicht unbedingt häufig in diesen Breiten zu sehen ist, so spät dran kommt – da um diese Uhrzeit sich die meisten wieder auf den Weg zu diversen Rahmenveranstaltungen machen…. Der Ex-Fronter von Angra mag zwar musikalisch nicht wirklich meine Kragenweite sein, jedoch konnte er mich mitreissen. Ein erstklassiger Sänger, charismatisch, sympathisch,hervorragendes Songmaterial – er hätte es also nicht wirklich verdient, dass sich die Reihen immer mehr lichteten. Meiner Meinung nach hätten sie besser den Slot mit den davor auftretenden Alestorm tauschen sollen, da zum krönenden HMM Abschluss so eine „Party-Band“ ohnehin viel mehr Sinn gemacht hätte. (KW)

Fazit: Diesmal deutlich weniger Menschenmassen, die sich in der Kabelfabrik drängelten; die offizielle Statistik spricht von 6000 Besuchern an diesen 3 Tagen, jedoch inklusive 6 Rahmenveranstaltungen in 2 verschiedenen Clubs. Stressig & „zerfleddert“ für alle Beteiligten – und vielleicht doch etwas zuviel des Guten? Wird da nicht auch der eigentliche Sinn des ganzen, nämlich der „Meeting“ Charakter, in Frage gestellt? Das sollten sich die Veranstalter fürs nächste Mal vielleicht fragen….

Kathleen Gransalke (KG), Sabine Koch, Marina Sidyakina, Klaudia Weber (KW)

photos: Kathleen Gransalke, Jacek Walczak (Deathstars), Klaudia Weber

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Contributors

Kathleen Gransalke

Kathleen Gransalke

Redakteurin für Reviews – Übersetzungen,
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Punk, Rock, Death Metal, Mathcore – – –
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