Lindemann in Helsinki & St. Petersburg

2.3.2020 St.Petersburg, Sibur Arena, Russland
Text: Julia Andreeva
Vielen Dank an Volkov Pro für die Fotos (interaktive Galerie nach der Setlist)

Rammstein Frontmann Till Lindemann und Pain Frontmann Peter Tägtgren traten in den russischen Städten St. Petersburg, Moskau, Yekaterinburg, Krasnodar und Novosibirsk auf. Die geplanten Konzerte in Perm, Kazan und Voronezh mussten wegen COVID-19 abgesagt werden.

Es war das erste Mal, dass die Lindemann Band nicht nur in Moskau und St. Petersburg auftrat. Fans in anderen russischen Städten hatten erstmals die Gelegenheit, den großartigen und schrecklichen Lindemann live zu sehen. Provokativ, sinnlich und gewagt – die Lindemann-Show entspricht all diesen Erwartungen und hat sogar noch mehr zu bieten.
Lindemann betrat die Bühne in einem weißen Anzug. Mit den Hits wie Skills in Pills, Ladyboy und Spngs von dem neuen F & M album, wird der Menge eine Mischung aller Tracks aus der Bandkarriere geboten. Dazu gibt es im Hintergrund Videos von Vaginas, goldenen Duschen und Vogelhäuschen; beim Einstieg zum Song “Fat” fliegen Kuchen ins Publikum. Nach «Fish on» müssen die Leute Fischinnereien von ihren Klamotten und Besitztümern entfernen. Lindemann spielten in der Tat ein tolles Set, ein Set, das einige Leute begeistern konnte, weil es ist der legendäre Till, und andere weniger wegen all den exzessiven Schockelementen. Aber es war mit Sicherheit eine Show, die niemanden unberührt ließ. Denn das Wichtigste einer Show ist es doch, bei den Zuschauern Gefühle auszulösen, alles andere spielt keine so große Rolle.

Set list
1. Skills In Pills
2. Ladyboy
3. Fat
4. Frau & Mann
5. Ich weiß es nicht
6. Allesfresser
7. Knebel
8. Home Sweet Home
9. Cowboy
10. Golden Shower
11. Blut
Wer weiß das schon [Reading Session]
12. Platz Eins
13. Praise Abort (Drago Baotic Outro)
14. Fish On
Encore
15. Ach so gern (Pain Version)
16. Gummi
17. Steh auf
Wer weiß das schon (Instrumental Version) [Outro]

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29.2.2020 Jäähalli (Eishalle) Helsinki, Finnland

Text & photos: Melanie Kircher
Ich habe schon lange darauf gewartet, diese Band einmal live zu sehen, da ich beide Hauptbands dieser 2 Masterminds Till und Peter, Pain und Rammstein sehr gerne mag, und Lindemann ist einfach die perfekte Mischung aus diesen beiden Bands. Wir kommen in der Eishalle an, als die erste Supportband Jadu bereits spielt und entscheiden uns prompt, noch einen Drink im Vorraum zu uns zu nehmen und Merchandise zu checken, da das, was wir hören, einfach grausam klingt – sorry das sagen zu müssen. Die 2. Vorband Aesthetic Perfection klingt jedoch richtig gut und zieht die Menge mit. Sie spielen eine Art düsteren Elektropop und die Halle fängt promt an, sich zu füllen.

Nach einem kurzen Soundcheck kommen Lindemann auf die Bühne: in weissen Anzügen und mit weiss geschminkten Gesichtern und der wohlbekannte, schwere stampfende Sound mit melodischen Elementen setzt ein, welcher die klare Handschrift von Peter Tägtgren trägt. Wie ich finde, bekommt Tägtgren viel zu wenig Credit in diesem Projekt. Fast überall in den Reviews wird vom Lindemann Soloprojekt geredet, dabei hat Tägtgren die komplette Musik komponiert, eingespielt und produziert, Texte und Gesang kommen von Till – also eher Pain with a Twist featuring Till Lindemann.

Das Lineup ist daher fast komplett Pain und ich freue mich, dass Peters Sohn Sebastian an den Drums ist, denn der Junge ist ein absolut Klasse Drummer. Auch wenn ich die Texte kenne, die ganz im typischen Stil von Till Lindemann provozieren und unter die Gürtellinie gehen, sind die Videos, die hinter der Band auf einer riesigen Leinwand gezeigt werden, nichts für schwache Nerven. Hier bleibt kein Zweifel, warum das Konzert strikt ab 18 ist, da eine Menge nackter Frauen und Genitalien beider Geschlechter hier gezeigt werden, was für meinen Geschmack ehrlich gesagt einfach too much ist. Wenn ich mir Porno anschauen will, dann schau ich mir Porno an (und einige Szenen sind wirklich welcher!), aber wenn ich auf ein Konzert gehe, möchte ich sowas nicht in dieser Menge aufgezwängt bekommen. Also versuche ich, nicht zu sehr auf die Leinwand zu schauen, sondern eher die Darbietung absolut talentierter und guter Musiker zu geniessen – und was diese Jungs präsentieren, ist in der Tat ein echtes Feuerwerk.

Die Menge ist ab dem Opener Skills in Pills absolut dabei, auch bei all den Extras. So werden zum Beispiel beim Song “Allesfresser” Sahnetorten in die Menge geworfen, als Dessert vor dem Abendessen. Als nächstes kommen nämlich rohe Fische, geworfen bzw. mit einer Art Zwill in die Menge geschossen. Das ist der Moment, in dem ich mich über meinen Sitzplatz auf den Rängen freue, denn ich finde es nicht so toll, Obst und Sahne und dann noch einen ganzen Fisch um die Ohren zu kriegen. Die Menge scheint’s toll zu finden, und ich sehen nach dem Konzert draussen ein Mädel, die stolz ihren Fisch präsentiert, den sie gefangen hat. Also alles im wahrsten und doppelten Sinne wohl eine Frage des Geschmacks.

Wirklich cool ist eine grosse Kugel, in die Till und Peter steigen, die dann mitten in die Menge gefahren wird, was auch die Menge einfach Klasse findet. Aber nach “Fish On” verlässt die Band die Bühne und auf der Leinwand steht “Wenn ihr mehr wollt, steht auf und schreit”, und das Publikum leistet dieser Aufforderung nur allzu gerne Folge. Die Band kommt für 3 weitere Songs zurück auf die Bühne; “Steh Auf” ist der letzte Song einer fetten, 17 Songs umfassenden Setlist an diesem Abend. Eine glückliche Menge verlässt die Eishalle in die Samstagnacht hinaus. Dieses Konzert war wirklich sehenswert (die Band, nicht die Videos), und ich komme nur all zu gerne wieder, sollten die Jungs sich entscheiden, ein weiteres Album zu veröffentlichen und nochmals zu touren.

Setlist:

1 Skills in Pills
2 Ladyboy
3 Fat
4 Frau & Mann
5 Ich weiss es nicht
6 Allesfresser
7 Knebel
8 Home Sweet Home
9 Cowboy
10 Golden Shower
11 Blut
12 Platz Eins
13 Praise Abort
14 Fish On

Encore
15 Ach So Gern
16 Gummi
17 Steh Auf

Contributors

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski