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The Sound of Courage – ein Festival der nordischen Botschaften in Berlin

27.09.2026, Kesselhaus, Berlin

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Die nordische Länder gelten in vielerlei Hinsicht als Vorbild, wenn es um Gleichstellung geht – aber ist dies auch so, wenn es um die Musiklandschaft geht? Wie viele nordische Künstlerinnen kennst du, die auf den großen Bühnen zu finden sind? Wie viele kennt man hier zu lande gar nicht, obwohl sie durchaus mehr als nur „anhörbar“ sind?

Und genau mit Letzterem habe ich mich beschäftigt – denn: 60% der Künstlerinnen, die an diesem Abend auf der Bühne des Kesselhauses in Berlin standen, waren mir völlig unbekannt – und ich denke, einem Großteil des Publikum ging es genau so. Die circa 250 Zuschauer, die entweder saßen oder im hinteren Bereich standen um sich mit den Melodien der Musik zu bewegen, haben ein sehr abwechslungsreiches aber durchaus homogenes Line-Up zu sehen und hören bekommen.

Los ging der Abend mit LÚPÍNA aus Island – einer jungen Künstlerin, die erst 2022 ihr Debut gefeiert hat und mitsamt Keyboard und Loopbox auf der Bühne stand. Schaut man sich die zierliche junge Frau an, hat man ein gewisses stimmliches Bild vor dem inneren Auge – fängt sie aber an zu singen, ist man einfach nur positiv sprachlos. Sie hat es mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Musik geschafft, das Publikum direkt ab der ersten Minute in ihren Bann zu ziehen – etwas, was definitiv nicht selbstverständlich ist. Ich kann nur sagen: ich hoffe, dass ich sie in all den kommenden Jahren noch sehr oft stehen werde, und das hoffentlich auf immer größer werdenden Bühnen. Denn solch ein Talent wartet nur darauf, entdeckt zu werden!

Weiter ging es dann mit YDEGIRL aus Dänemark – eine Frau, die nicht viel länger in der Musikbranche zu finden ist, aber mit einer ganz anderen Art von Musik daherkommt: ruhig, bedächtig und etwas zum Nachdenken. Ihr Set in Berlin war geprägt von ruhigen Klängen, und es wirkte fast auf mich, als würde sie sich nicht ganz so wohl fühlen auf dieser großen Bühne an diesem Abend. Auch war es hier und da sichtbar, dass das Publikum nicht vollends eintauchen konnte in die Kunst der Musik, die sie präsentierte, es fehlte etwas der Fluss.

Von Dänemark ging es weiter nach Norden, und zwar nach Finnland, mit VILMA JÄÄ. Wesentlich erfahrener als die ersten beiden Künstlerinnen, hat sie die Bühne mit ihrer Keyboarderin förmlich in Beschlag genommen. Eine wundervoll positive  und offene Ausstrahlung, gepaart mit oftmals tanzbarer Musik – es tat der Freude im Publikum auch keinen Abbruch, dass alles auf Finnisch war. Man spürt die Musik, man spürt was gesagt werden will – und spätestens wenn man dann auch Anleitungen zum Mittanzen bekommt, bleibt auch wirklich niemand sitzen. Es war wirklich toll zu sehen, wie hier finnische Folklore und elektronische Musik erfolgreich zusammengefunden haben und die kurze Auftrittszeit im Flug vergehen lassen haben.

Zu den Nachbarn von Finnland geht es dann – es wurde mit SARA PARKMAN dann schwedisch. Und es ist schon fast ein Wunder, dass sie an diesem Abend auch wirklich auf der Bühne stand. Denn: die Fluggesellschaft hatte das Harmonium von ihrem Bandkollegen erfolgreich nicht verladen, und ohne das: kein Auftritt. Die Angestellten der Botschaften hatten einen wilden Tag, denn die Kombination aus Instrumentenart und dem Fakt, dass wir von einem Sonntag reden, hat es unheimlich schwer gemacht.

Aber eben nicht unmöglich, Hut ab! Und so standen sie nun auf der Bühne und es war ein Auftritt, den man so schnell nicht vergessen wird. Sara´s Stimme reißt einen einfach mit, sanft und nachdenklich und fast melancholisch, und dann wieder so voller kraft und Intensität, dass einem die Kinnlade herunterfällt. Es war alles dabei, und es war so unheimlich menschlich wie sie vergaß, dass es nur ein kurzes Set war – und ich denke, dass sich nicht nur sie mehr als 30 Minuten gewünscht hätte. Das Publikum war sichtlich glücklich, und hier und da wurde auch direkt das Handy gezückt und geschaut, wo man sich sie denn länger anschauen könnte.

Den Abend voller Power-Frauen (manchmal mit Männern, die sie unterstützen) beendete dann LINDY-FAY HELLA mit SONDRE VELAND aus Norwegen. Beide wird man vielleicht von ihrem Hauptprojekt Wardruna kennen, wo beide auch hauptsächlich spielen. Lindy-Fay ist auch mit ihrem Solo-Projekt öfters unterwegs, und genau diese Songs hat sie an diesem Abend präsentiert. Ihre Stimme, faszinierend wie immer und die Auswahl an Songs war auch gut gelungen, das Licht akzentuierte dies auch noch fast perfekt.

Dennoch: es gibt Musik oder Künstler, bei denen es etwas länger braucht, damit man wirklich komplett versunken ist und alles so fühlt, wie man es eben fühlen sollte. Und genau das war hier der Fall – man ist gerade erst in dieser anderen Welt angekommen, und schon war man beim letzten Lied. Auch wenn ich den Ansatz von Fairness bezüglich der Auftrittsdauer verstehen kann, hier hätte es definitiv ein längeres Set gebraucht, um die gesamte Bandbreite der Sängerin herausstellen zu können.

Alles in allem war es ein Abend, de viel zu schnell vorbei war – es war so abwechsungsreich und eine so angenehme Atmosphäre, sodass die Zeit nur so flog und man ehrlich gesagt sehr überrascht war, als man nach Draußen trat und feststellte: es ist gar nicht mehr so früh, es ist nämlich schon dunkel!

Ich hoffe, dass es nicht das letzte Konzert bzw. Festival war, was die Botschaften organisiert haben – denn so eine angenehme entspannte Stimmung habe ich schon lange nicht mehr erlebt und freue mich schon jetzt auf irgendeine Form der Wiederhoung!

 

Ihr wollt mehr wissen über die Künstlerinnen? Dann solltet ihr hier klicken:

LÚPÍNA  – Instagram

YDEGIRL – Instagram

VILMA JÄÄ – Website

SARA PARKMAN – Website

LINDY-FAY HELLA & SONDRE VELAND – Instagram

 

 

Carina Ullmann

carina@stalker-magazine.rocks - Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - - - Alles von Klassik bis Metal, es kommt immer auf die Band und meine Laune an ;) - - - Favorisierte Bands? - - - Wardruna, Royal Republic ---Sonstige Interessen? - - - Fotografie, Kulturen, Literatur