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Wardruna in Helsinki: Pure Magie

Gleich 2 Premieren am Donnerstag – mein erstes „richtiges“ Wardruna-Konzert (nicht nur Stream, oder Konserve) und erstmals im Saal des legendären Finlandia Talo (Finlandia-Halle), das ich bisher nur für Ausstellungen besucht hatte.

Dass ich nicht die einzige war, die Wardruna spätestens über die Vikings TV Serie liebgewonnen hat, verdeutlichte der Andrang – praktisch ausverkauftes Haus. Schließlich handelte es um den vorletzten Gig einer 2 Jahre dauernden Welttour, für den letzten war die Band am Folgetag in Tallinn zu Gast.
Leider war es nicht möglich, direkt vor der Bühne zu knipsen, und die Gründe wurden vor Ort klar. Erstens fehlte der Platz und zweitens hätte es Publikum, Band und das Gesamtbild erheblich gestört, ihr solltet trotz der Entfernung einen Eindruck von der Intensität dieser Performance bekommen.

Wardruna Finlandiatalo

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An dieser Stelle sollte die wirklich fantastische Akustik erwähnt werden – es war nie zu laut oder zu leise, man hörte sowohl Stimmen als auch die traditionellen Instrumente deutlich bei jeden Ton und in der perfekten Mischung. Die intimen Solomomente kamen perfekt rüber bei gespannter Aufmerksamkeit – man hätte ein Nadel fallen hören. Kurz, Location und Band in perfekter Harmonie für eine magische Performance jenseits eines normalen Konzerts. Ein Gesamterlebnis, das über die musikalische Ebene hinausgeht, ein sakrales Ritual – kontrollierter und formeller als zB bei Heilung – wo Band und Publikum verschmelzen und das daher ohne Pause oder Zwischenansagen auskommt. Zusatzeffekte beschränkten sich auf Licht und sparsam eingesetzte Hintergrundprojektionen.

Die mystische Magie kam rein über die Musik, ein Best-Of Set mit einer Mischung aus Songs vom aktuellen Album „Birna“ und einer Reihe von Klassikern, die wohl in keinem Programm fehlen (z.B. Kvitravn, Solringen, Lyfjaberg, Rotlaust Tre Fell, Hertan). Mehr als nur Musik – dir wird das Herz herausgerissen, wieder zusammengeflickt, eingesetzt und in neuer Schönheit zum Strahlen gebracht, die Lyrics muss man da nicht unbedingt verstehen … Sängerin Lindy-Fay Hella beeindruckte auch mit Tanzeinlagen und das intime Solo Voluspá (Skaldic Version) löste wohl bei allen im Saal Gänsehaut aus.

Wardruna Finlandiatalo

Berührende Dankesworte von Sänger/Mastermind Einar Selvik gab es erst am Schluss nach gleich mehrmalgen Standing Ovations vor der ersten der beiden Zugaben – mein absoluter Fave „Helvegen“. War es das erste Live-Erlebnis, die Erklärung Einars zur Natur dieses Lieds, die eindringliche Qualität dieses Songs oder der erste Jahrestag meines Vollwaisentums – ich brach jedenfalls in Tränen aus (eventuell war ich nicht die einzige, die im Lauf dieser Performance ein Taschentuch brauchte).
Die zweite Zugabe, Einars Solo „Snake Pit Poetry (Skaldic Mode)“, beendete ein absolut atemberaubendes Konzert und ich kann nur empfehlen, diese Band ganz dringend auf den Pflicht-Gig-Kalender zu setzen.

Wie Einar zum Abschluß erläuterte, dürfte die nächste Tour allerdings auf sich warten lassen, die Band möchte nun eine Pause einlegen. Bis dahin nehmt euch seine Botschaft zu Herzen: „Go home and fucking sing“, denn, so meinte er, singen und noch besser gemeinsames Singen ist Medizin und die mächtigste Sprache überhaupt.

Btw, um aus erster Hand informiert zu bleiben, bieten Wardruna ihre eigene App an, hier der Link.

Wardruna - Hertan (Live from Centennial Hall)

 

Klaudia Weber

Emeritus Chefredakteurin, sprich Mädchen für alles hier