Halestorm rocken Berlin
01.11.2025, Huxley´s Neue Welt, Berlin
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Während es draußen regnete und die nasse Menge verzweifelt an der Garderobe anstand, konnte ich einen ersten Blick auf das Bühnenbild werfen – ja, es hatte sich Einiges getan, seit ich die Band um Lzzy Hale zuletzt gesehen hatte. Man hatte mehr aufgefahren – aber: war das notwendig oder würden sie immer noch genau so überzeugen wie damals? Um das herauszufinden musste erst einmal ein bisschen Wartezeit hinter sich gebracht werden, hier ein Pläuschchen mit Ersttätern, da mit ein paar Hardcore-Fans – es ist immer faszinierend herauszufinden, welche Alben hoch im Kurs stehen und was die Hoffnungen und Erwartungen an den Abend sind.

Während die großen Fans sich wohl schon im Vorfeld mit der Vorband auseinandergesetzt haben, sind dann doch auch noch sehr viele in etwas hineingestolpert, was erst einmal verarbeitet werden wollte im Nachgang. Wieso? Nun, indischer Metal ist jetzt nicht ganz das, was man von einer Band wie HALESTORM erwarten würde. Aber ja, sie haben die indische Band BLOODYWOOD mitgenommen – und das zur sichtbaren Freude derer, die sie schon kannten und auch derer, die sie während ihres Sets lieben gelernt haben. Ich war überrascht, wie der Metal auf indisch und englisch und mit teils traditionellen Instrumenten beim Publikum ankam. Das Mitsingen fiel zwar eher aus, aber umso mehr wurde getanzt und auch ein Circle Pit war absolut nichts, wo man das Publikum hätte groß zu auffordern müssen. Es war eine durchaus kurzweilige Performance, die eventuell nur eine andere und weniger hektische Lichtshow vertragen hätte.

Die darauffolgende Umbaupause – ja, sie zog sich in die Länge und wollte einfach nicht vergehen. Die Vorfreude stieg, und man spürte diese Elektrizität in der Luft. Das Licht ging aus, und man fühlte wie die ersten Reihen zumindest die Luft anhielten. Gleich ging es los – und das mit einem Gitarrengewitter von Sekunde eins an. HALESTORM war schon immer eine Band die wusste, wie man Gitarren einsetzt, und daran hat sich auch auf ihrem aktuellen Album „Everest“ nichts geändert, wie sie schon mit Song Nummer 1, „Fallen Star“, bewiesen haben. Lzzy Hale´s Stimme hallte durch die Halle und füllte jeden Millimeter – wie eine so schmächtige Frau eine solche Stimme haben kann, das frage ich mich seit knapp 15 Jahren.

Die Setliste war ein guter Schnitt durch doch so einige Alben der Band – auch wenn der Fokus ganz klar auf den neueren Alben lag und die älteren Songs meiner Meinung nach viel zu kurz kamen. Das hörte man auch im Nachgang hier und da, dass es definitiv nicht ausgereicht habe, „Familiar Taste of Poison“ anzureißen, und es auch durchaus auch Tracks vom selbst-betitelten Album „Halestorm“ aus 2009 auf die Setliste hätten schaffen sollen. Aber wie es eben so ist mit Bands die stetig neue Musik schreiben: auch wenn die Fans es gerne hätten, die Shows werden deshalb nicht länger und immer mehr fällt dem Rotstift zum Opfer. Was man Lzzy, Joe, Arejay und Josh aber zu Gute halten muss: man weiß nie, was man am Abend zu hören bekommt, denn ein Blick auf die letzten Setlisten hat sich als nicht ganz so hilfreich erwiesen. Und genau diese Überraschungsmomente machen ein gutes Konzert einfach aus – neben der guten Musik natürlich.

Apropos gute Musik – es wurde ein Feuerwerk an Energie und Freude am Spielen abgebrannt, und in jeder Sekunde konnte man einfach diese Liebe zur Musik spüren – auf der Bühne und vor der Bühne, auch wenn gefühlt nur die Hälfte des Publikums sichtbar Spaß hatte. Beim Rest hoffe ich einfach, dass es ein innerliches Freuen war, was man leider nur nicht nach außen hin sehen konnte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Band zwar mehrfach kundgab, wie froh sie sei hier zu sein – aber es am Ende dann doch professionell und nach einer Standardaussage für jede Stadt klang. Früher klang genau das noch authentischer, damals als die Hallen kleiner und die Wertschätzung der Fans noch eine ganz andere gewesen war. Einige Dinge sind aber dennoch über all die Jahre gleich geblieben – zum Beispiel, dass Lzzy´s Bruder Arejay bei seinem Drumsolo nicht nur seine normalen Drumsticks benutzte, sondern dann auch noch auf die ein paar Nummern größere Drumsticks umstieg, was das Dargebotene noch faszinierender machte.

Neben diesem Highlight waren auch ein paar der Songs durchaus Highlights, die es zu erwähnen gibt – „Like a woman can“ war einfach stimmlich bombastisch von Lzzy Hale, besonders die Strophen mit wenig musikalischer Untermalung haben ihre Stimme besonders gut zur Geltung gebracht. Auch „I miss the misery“ und „Love bites so do I“ gehören in die Kategorie „zum Glück auf der Setliste gelandet“, denn sie haben das Publikum sehr gut zum mitsingen und bewegen gebracht – die älteren Tracks hatten dann doch vielleicht ein paar mehr Fans als die neueren Lieder. So war es auch kein Wunder, dass „Rockshow“ als letzter Song des Abends gut ankam und jeden mit guter Laune in die Dunkelheit des Abends entließ.
Fazit? Es hat sich viel verändert, die Bühnen sind größer, die Fans zahlreicher, die Lichtshow und das Bühnenbild aufwändiger – aber zum Glück hat die Band das Feuer auf der Bühne beibehalten und steckt immer noch 100% ihrer Energie und Leidenschaft in die 90 Minuten des Konzertes.
Setliste Halestorm
Fallen Star
WATCH OUT!
I Am the Fire
I Like It Heavy
She Won’t Mind
Everest
Broken Doll
Like a Woman Can
How Will You Remember Me?
Familiar Taste of Poison (Snippet)
Rain Your Blood on Me
Freak Like Me
Drum Solo
Back From the Dead
I Miss the Misery
Love Bites (So Do I)
I Gave You Everything
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Here’s to Us
Darkness Always Wins
Rock Show

