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Thrash Of The Titans Tour – Nervosa, Destruction, Obituary, Testament

17.10.2025 Wiesbaden Schlachthof

Auf der Welt werden unzählig viele Preise verliehen. Man fragt sich in vielen Fällen, wo da der tiefere Sinn liegt und findet oftmals keine Antwort darauf. Die Zusammenstellung der Trash Of The Titans Tour mit Nervosa, Destruction, Obituary und Testament hätte auf jeden Fall einen der höchstdotierten Preise für Metal Konzerte verdient. Hier war mit Abstand das beste Package für eine gemeinsame Tour unterwegs und es ist logisch, dass der Abriss da vorprogrammiert gewesen ist. Es entstand ein regelrechter Run auf die begehrten Tickets und europaweit waren viele Shows schon im Vorfeld ausverkauft. Dementsprechend früh waren heute bereits viele Metalheads vor dem Wiesbadener Schlachthof, um sich die letzten Tickets an der Abendkasse zu sichern……

Als um 18:00 die Pforten des Schlachthofes geöffnet wurden, konnte man schon erahnen, dass die Location am heutigen Abend brechend voll werden würde. Und so konnten Nervosa vor einem breiten Publikum ihr Set eröffnen und die Fans mit ihrem druckvollen und äußerst eingängigem Thrash Metal von der ersten Sekunde an auf ihre Seite ziehen.

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Nervosa 17.10.25 Wi. Schlachthof  (1)

Ich hatte zuvor noch nichts von dieser überaus talentierten Band gehört und war mehr als beeindruckt, wie die Mädels aus Brasilien hier vom Leder zogen und die Menge auf die nachfolgenden Bands einstimmten. Nervosa gibt es seit mittlerweile 15 Jahren und nach einigen Besetzungswechseln scheint sich nun ein festes Line-up gefunden zu haben. Die Band spielt äußerst präzise und perfekt aufeinander abgestimmt und servierte dem Wiesbadener Publikum einen Kracher nach dem anderen von ihren Death-lastigen Thrash Metal Songs. Das Publikum dankte es Nervosa mit viel Applaus, als die Brasilianerinnen nach runden 35 Min ihren Set mit dem genialen „Endless Ambition“ beendeten. Einziges Manko war die zu kurze Spielzeit, aber für einen Opener war diese Darbietung mehr als beachtlich. Es gab also gleich zu Beginn das volle Brett – Hut ab !!
Setlist Nervosa:
Seed of Death
Behind the Wall
Kill the Silence
Perpetual Chaos
Venomous
Jailbreak
Endless Ambition

Destruction (Startfoto) waren die nächste Band, auf die die Fans im Wiesbadener Schlachthof gespannt waren und in der Umbaupause wurde fleißig getüftelt, um die Bühne für Schmier und seine Jungs herzurichten. Das Bühnenbild war mehr als mystisch mit den Skulls an den Mikroständern und passend zum neuen Album wurde natürlich auch das gesamte Bühnenlayout gewählt. Untermalt von Barry McGuire´s „Eve Of Destruction“ betraten die Jungs die Bühne, begannen ihren Set mit dem ganz starken und melodischen „Curse The Gods“ und sorgten so gleich für mächtig Bewegung im Publikum. Besser hätte der Gig für die deutschen Thrasher nicht beginnen können, die sehr gut miteinander harmonierten, immer wieder den Kontakt zum Publikum suchten und sich neben ihrer spielerischen Eleganz als extrem Fan-nahe Band erwiesen – auf und neben der Bühne!!

Destruction 17.10.25 Wi. Schlachthof  (57)

Die beiden Gitarristen Damir Eskić und Martin Furia waren sehr agil und ständig in Bewegung, während Schmier neben seinem Spiel am Bass wieder eine gesangliche Meisterleistung zelebrierte. Das Publikum dankte es ihnen mit tosendem Beifall und unterstützte die Band lauthals. Eine Widmung an alle Arschlöcher des Alltags hatten Destruction ebenfalls im Gepäck: „Scumbag Human Race“ wurde von den Fans gnadenlos abgefeiert Überhaupt war die Songauswahl exzellent, spielte man doch viele Highlights aus der Band-Historie. Das Wiesbadener Publikum zeichnete sich auch durch Standhaftigkeit aus, feierte seine Helden ab und wurde bei altbekannten Nummern wie „Thrash Til Death“ und „Bestial Invasion“ gegen Ende des Sets noch einmal mit richtig fetten Thrash Granaten überzogen. Die Musiker hatten über den gesamten Auftritt richtig Spaß auf der Bühne, spielten zum Abschluss dieses genialen Gigs mit „Destruction“ noch einen Song vom aktuellen Album „Birth Of Malice“ und verabschiedeten sich so mehr als würdevoll. Daumen hoch für die Thrash Metal Legenden Destruction, die später am Merch Stand noch Autogramme gaben und für Selfies und Smalltalks zur Verfügung standen.
Setlist Destruction:
Curse The Gods
Nailed to the Cross
Scumbag Human Race
Mad Butcher
No Kings No Masters
Thrash ‚Til Death
Bestial Invasion
Destruction

Wer etwas genauer hinschaute, dem fiel auf, dass der Großteil der Fans heute nicht unbedingt wegen Testament im Wiesbadener Schlachthof war, sondern – laut Sichtung bestimmter Merchandising Artikel – wohl eher wegen Obituary. Diese Annahme verdichtete sich zusehends mit zunehmender Anzahl an Fans. Allein schon beim Betreten der Bühne kam viel Beifall für Florida Deather auf, die ihren Gig mit „Redneck Stomp“ eröffneten, während dessen Intro unter abermaligem, mächtigen Beifall Sänger John Tardy die Bühnenbretter enterte und die Fans begrüßte. Mit einem ultra fetten Sound versehen, feuerten die Amerikaner ihre schleppenden und schweren Kompositionen aus der PA und versetzten die Fans in völlige Ekstase. Killersongs wie das wuchtige und eingängige „Sentence Day“ sind gerade live auf einem so hohen Level, dass die Intensität dieser Songs einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Fans dankten es der Band mit ausnahmsloser Unterstützung. Obituary waren in absoluter Spiellaune. Die Soundqualität war beispielhaft und man konnte förmlich spüren, wie sich Band und Publikum durch die Intensität des Songmaterials auf einem Level befanden. „The Wrong Time“ vom neuen Album „Dying Of Everything“ ist live noch mächtiger als von Konserve und sorgte abermals für freudiges Entsetzen unter den Fans. Die Performance von John Tardy sucht sowieso seinesgleichen. Er ist ständig in Bewegung und einfach auf der ganzen Bühne unterwegs. Seine Vocals sind so einzigartig, dass er jeden Obituary Song zu etwas Besonderem macht. Den Fans machte es richtig Laune und ich bin mir sicher, dass Obituary dafür gesorgt haben, das die Fans am nächsten Tag immer noch geflasht waren von dem Gig der Amerikaner…..

Obituary 17.10.25 Wi.  (36)

Das Celtic Frost Cover „Circle Of The Tyrants“ war ein ganz besonderer Leckerbissen für die Ohren der Death Metal Maniacs und die Setlist bestand natürlich zum 35 jährigen Jubiläum vom „Cause Of Death“ Album zum Großteil von dieser Scheibe. Den ultimativen Kracher gab es dann natürlich zum Abschluss. Yess – absoluter Kult !! „Slowly We Rot“ kroch langsam und zerstörerisch aus der PA im Wiesbadener Schlachthof und hier gaben die Musiker und die Fans nochmal alles. Dieser Song ist mit Abstand das Highlight in der Bandhistorie und wurde in famoser Art und Weise von den Amerikanern dargeboten. Die Fans ließen sich nochmal richtig diesen Kracher um die Ohren hauen und gaben Obituary einen grandiosen Abschied, den sich die Band nach dieser Meisterleistung mehr als verdient hatte. Oberhammer – Obituary sind definitiv eine Band, die man live gesehen haben muss !!!!
Setlist Obituary:
Redneck Stomp
Sentence Day
A Lesson in Vengeance
The Wrong Time
Infected
Body Bag
Dying
Cause of Death
Circle of the Tyrants (Celtic Frost cover)
Chopped in Half
Turned Inside Out
I’m in Pain
Slowly We Rot

Während der Umbaupause für den Headliner Testament schmückte ein riesiger Banner mit einem Pentagramm die Bühnenansicht. Dass auf die Mannen um Fronter Chuck Billy Verlass ist und sie wie ein guter Wein mit fortschreitendem Alter immer besser werden, ist lange kein Geheimnis mehr. Testament starteten mit „D.N.R. (Do Not Resuscitate)“ furios in ihren Set und brachten das Stimmungsbarometer gleich mit den ersten gespielten Tönen auf ein hohes Level, welches sie über die gesamte Dauer ihres Auftritts hielten und das Wiesbadener Publikum voll im Griff hatten. „Practice What You Preach“ verdeutlichte genau das und wurde von den Fans lautstark abgefeiert.

Testament 17.10.25 Wi. Schlachthof  (54)

Unterstützt von einer beeindruckenden Lightshow und immer wieder gut eingesetzten Pyros entfaltete die Musik von Testament ihre ganze Macht und Schönheit und zeigte eindrucksvoll auf, dass mit Chuck Billy und seinen Jungs noch lange zu rechnen sein wird. Es war wirklich schwierig, hier Songs hervorzuheben, wenngleich „Trail Of Tears“ gerade live durch Chuck Billys einzigartige Stimme eine ganz besondere Wirkung entfaltet und für ein wunderbares Hörerlebnis sorgt. Auch der vor 2 Jahren als Schlagzeuger fest verpflichtete Chris Dovas trumpfte nach „More Than Meets the Eye“ mit einem tiefgründigen Dumsolo auf und sorgte so in einem langen Set für eine kleine Verschnaufpause für die Fans. Ansonsten überzeugte er, wie der Rest der Band, mit tightem Spiel und lieferte einen erstklassigen Job hinter der Schießbude ab. Bei „Infanticide A.I.“, einem schnellen und schnörkellos gespielten Testament Song, erreichte die Stimmung abermals ein extrem hohes Level und die Fans kamen voll auf ihre Kosten. Den Musikern war der Spaß deutlich anzumerken und das übertrug sich natürlich auch auf die Crowd. So wurden gegen Ende des Testament Sets Klassiker wie „Return to Serenity“ oder das wirklich geniale „Into The Pit“ vom Publikum abgefeiert und Chuck Billy und Testament mit großem Beifall verabschiedet.
Setlist Testament:
D.N.R. (Do Not Resuscitate)
WWIII
Practice What You Preach
Sins of Omission
Native Blood
Trail of Tears
Low
More Than Meets the Eye
Drum Solo
First Strike Is Deadly
Infanticide A.I.
Shadow People
Return to Serenity
Electric Crown
Into the Pit

Fazit: Der Abend hielt, was das großartige Billing im Vorfeld versprach. Nervosa beeindruckten gleich zu Beginn und heizten die Fans ordentlich ein. Destruction trumpften in gewohnter Manier auf und Schmier war mit seinen Mannen einfach nur großartig. Obituary sind live einfach unschlagbar und wenn man ein Ranking aufstellt, dann waren John Tardy & Co. der Gewinner des Abends. Testament überzeugten ebenfalls auf ganzer Linie und setzten dem Ganzen zum Abschluss die wohlverdiente Krone auf. Auch organisationstechnisch lief alles perfekt – die Security machte im nahezu ausverkauften Wiesbadener Schlachthof einen tadellosen Job und trug so zu einem großartigen Konzertabend bei, an dem alle Fans hochzufrieden den Heimweg antraten. So muss es sein !!!

Hanzi Herrmann

hanzi@stalker-magazine.rocks ---- Festival- und Konzertberichte, Konzertfotos, Interviews