Hellsinki Metal Festival 2025: Ein Feuerwerk an Legenden
Zum dritten Mal verwandelte sich die Helsinki Jäähalli (Eishalle) drinnen und draußen für zwei Tage in ein Mekka der Metal-Gemeinde, 35 Bands lockten insgesamt 16.000 Fans an. Das Hellsinki Metal Festival bot überdies ein Rahmenprogramm abseits der üblichen Fachhändler: Es gab u.a. Dark Art Gallery, Wrestling, Children Of Bodom Sauna und die Option mentaler Betreuung vor Ort durch Mieli ry. Damit tritt HMF gewissermaßen in die Fußstapfen der legendär bunten FME / HMM Events.
Freitag, 8.8.2025
Dass der Freitag nahezu ausverkauft war, sollte sich nicht nur vor den Bühnen, sondern ab dem späteren Nachmittag an diversen langen Schlangen überall zeigen. Zum innerlich Fluchen brachte mich jedoch eher meine Entscheidung, aufgrund ungewisser Wetterlage etwas Wärmeres anzuziehen. Als ob ich in der prallen Sonne nicht schon genug bei der Anreise geschwitzt hätte, machten Kiuas ihrem Namen („Saunaofen“) alle Ehre. Fast nonstop Flammeneruptionen in der zweiten Showhälfte spürte man bis in die vorderen Publikumsreihen. Im Feuerwerk der Hits durfte natürlich der Ohrwurm-Klassiker „Warrior Soul“ nicht fehlen.
Warmen haben in der Tat in mehrfacher Hinsicht das Erbe von Children of Bodom angetreten. Mastermind Janne Wirman hat nicht nur den Stil mehr in Richtung Melodic Death Metal entwickelt, Sänger Petri Lindroos klingt so verdammt nach Alexi, wenn sie COB Songs wie „Hate Me“ covern.
Kanonenfieber boten in der Tat das volle 1. Weltkrieg-Showprogramm – zumindest für die Fotoreporterriege, wo man sich wirklich wie in einem Schützengraben fühlen konnte. Man musste sich ständig wegen Flammenfontänen wegducken, zwischen Stacheldraht und Sandsäcken ließen anonyme bedrohlich wirkende Gestalten nahezu pausenlos Riff-Attacken los, angefeuert von einer schnarrend deutschen Kommandostimme. Ich ergriff da lieber die Flucht, ehe Gasangriffe (gut, war wohl nur ne getarnte Nebelmaschine) auf die Meute losgelassen wurden…
Die schon beim Act davor passend düsteren Wetterstimmung entwickelte sich zur perfekten Kulisse für die Doom Metal Pioniere Candlemass – dankenswerterweise blieb es bei ihrer Show beim sporadischen Nieselregen. Der Andrang vor der Bühne war dennoch massiv, wofür die Band überschwänglich immer wieder dankte. Die Klassiker wurden leider schon früh ausgepackt, aber ich schaffte es noch, den Großteil von „Mirror Mirror“ außerhalb des Fotograbens zu genießen.
Forbidden entfesselten ihr Programm an Thrash-Klassikern für die finnischen Fans, denn ein bisschen Bewegung im Moshpit zum Aufwärmen tat draußen nun gut. Nach den Schauern hatte es bereits stark abgekühlt und meine Klamotten stellten sich als optimal gewählt heraus. Für mich blieb es bei einer kurzen Visite, denn ich wollte den Act auf Bühne 3 nicht verpassen.
Drinnen bei Decapitated war es ziemlich voll, wohl auch weil ner neue Sänger der polnischen Death Metal Institution nen Heimvorteil hat. Eemeli Bodde, vormals Fronter von Mors Subita, feierte hier wohl auch seinen (höchst erfolgreichen) Finnland-Einstand.
Noch ein Frontmann erhielt extra Punkte vom Publikum mit finnischen Ansagen – Matti Kärki von Dismember. Schwer zu sagen, wer mehr Spaß an diesem Gig hatte, die Schwedentod-Band oder das Publikum – ein weiteres Tageshighlight. Die langen Schlangen bei der Dismember Autogrammstunde sprachen Bände …
An dieser Stelle mein ergebenster Dank an den Freundeskreis, der mich bei diesem Festival mit diversen Handyfotos unterstützte!
Ein bisschen Hilfe tat gut, denn schon in der Halbzeit machten sich die vielen Kilometer auf den Schuhsohlen bemerkbar – obwohl ich die Opener des Tages, Heavy Metal Perse und Rabbit Cult, bewusst ausgelassen hatte. Aber auch jüngere in der Kollegenschar sehnten sich nach ner längeren Pause – was kaum möglich war, solange die Sets im Stundentakt liefen, dazu die Distanzen zwischen den drei Bühnen, die sich bei so vielen Metalheads nicht zügig zurücklegen ließen. Besonders in der Halle, aber auch draußen an der Treppe bildeten sich schnell Flaschenhälse. Man musste also immer recht zeitig los.
Allerdings hatte ich plötzlich doch ne Pause, da Fear Factory, wie es bei vielen US Bands üblich ist, nur wenige Auserwählte in den Fotograben ließen. Da konnte ich als Alternative ein paar Schnappschüsse von Old Man’s Child einfangen.
Und das war es dann an diesem Tag, leider keine King Diamond Fotos aus der Nähe von mir. Grund: Fehlkommunikation vor Ort. Da hatte wohl ein Bühnenelement länger gebraucht, deswegen ließ die Security niemanden durch und es hieß, dass Fotografieren GAR NICHT und FÜR NIEMANDEN ging. Dass dies nur für den ersten Song galt und nicht für alle 3, die man üblicherweise im Graben knipsen darf, klärte sich leider etwas zu spät, nicht alle erreichte das Memo rechtzeitig – wie mich zum Beispiel.
Schwamm drüber. An der Show selbst ließ sich nichts aussetzen, gigantisch, bombastisch, perfekt durchorganisiert, um all die Klassiker (u.a. Halloween, Spider Lilly, The Candle) mit Theatereffekten live umzusetzen. Eventuell einfach ein bisschen nach entsprechenden Videoaufzeichnungen im Netz suchen …
Meine Füße wollten dann nicht mehr, daher ging es eher nach Hause als zur – wie ich hörte tollen – Moonsorrow Show, die erst nach Mitternacht begann.
Samstag 9.8.2025
Tag 2 stand im Zeichen so vieler Legenden, dass man gewissermaßen von einem Höhepunkt zum anderen taumelte. Wieder verpasste ich eine Band (Luna Kills), kriegte aber noch das letzte Drittel von Lähiöbotox mit – eine Show, wo sich Metal, Rap und Stand-Up Comedy mischen und die Meute zum Hüpfen brachte.
Die Kanadier Angelmaker haben offensichtlich bereits eine Fanbasis in Finnland, mir war es etwas zu -core, um mir mehr von den Songs anzuhören. Und anders als am Vortag, hielten sich die Acts mit Pyros und Feuereffekten zurück – sehr angenehm, denn der Samstag sollte sonnig und heiß bleiben.
Grindlegenden Napalm Death waren für mich und die Festivalmeute bereits der erste Höhepunkt, eine der wenigen Bands, die sich nicht genieren, ihre Ansagen für ungeschönte gesellschaftspolitische Messages – als „noise for the little people“ – zu nutzen: Shouter Barney Greenway begrüßte ausdrücklich alle Gender und sexuellen Orientierungen, sprach bei „Smash a Single Digit“ über die Travestie, dass viele nur 1 Dollar Lohn pro Tag erhalten, dass jede Art von Religion wertlos sei, wenn sie Frauen Rechte raubt und vorschreibt, wen man lieben darf, und wies darauf hin, dass (Fremden) Haß die Seele zerstört. Ach, wieso können sich nicht mehr Bands derartig engagieren, passt denn nur toxische Männlichkeit und Nazischeiße zum Metallerimage?? Überdies wurde der finnischen Punk / HC Szene Tribut gezollt als Einflüsse der Band in den 1980ern, ehe die Dead Kennedys Hymne „Nazi Punks Fuck Off“ die Show abrundete. Genial, danke, immer wieder gerne!
Enslaved stellten für mich gleich den nächsten Höhepunkt dar. Fronter/Mastermind Ivar Bjørnson witzelte, dass nach NP zu spielen ist wie nach Matti Nykänen springen. Ich glaube aber nicht, dass es lange dauerte, bis die Norweger auf voller Linie – mit Weite, Stil und Landung – punkteten. Eine akustische Abkühlung durch die frostige Black Metal Epik ihrer intensiven Songs, das sorgt auch bei strahlendster Sonne für Gänsehaut.
Die Franzosen Landmvrks waren für meinen Geschmack wieder zu -core, und anfänglich sah es auch so aus, dass die Meute vor Bühne kleiner war als bei Bands davor. Waren alle nur schnell zwischendurch nen Drink holen? Ich blieb nicht lange genug, um diese Theorie zu testen, kriegte aber die Japaner Sigh leider nur ein wenig akustisch mit. Wie ich hörte, war es eine geniale Show, ein Mix mehrerer Rock/Metalstile mit Ohrwurmfaktor. Dementsprechend groß war der Run auf die Band bei der Autogrammstunde.
Draußen ging es gleich weiter mit Hardrock der klassischen Art – Michael Schenker (Feat. Robin McAuley) boten echte Feelgood Musik mit UFO Hymnen wie „Doctor Doctor“, „Rock Bottom“ oder „Lights Out“. Die Stimmung war gleich wie bei einem Volksfest und auch ich konnte mich dem Mitsing-Faktor nicht entziehen. Bei der Ballade „Love to Love“ griff Sänger Erik Grönwall ebenfalls zur akustischen Gitarre.
Hatebreed hatten wohl Anreiseschwierigkeiten, schafften es aber doch rechtzeitig zu ihrer hochenergetischen Show – mit viel Pyroeffekten – vor einer enthusiastische Meute. Das erklärte Ziel der Band war es, dass alle Anwesenden am nächsten Tag heiser und in Katerstimmung aufwachen sollten. Vermutlich war das bei vielen tatsächlich der Fall…
Drin kriegte ich noch die letzten Songs von Cult of Luna und ihre hypnotische Lichtshow mit und schaffte ein paar Wrestling-Schnappschüsse.
Noch eine legendäre Band, die als Publikumsmagnet wirkte und schon auf den Headliner des Abends einstimmte hinsichtlich Genre, Sound und asozialem Image: Marduk. Super-Evil in jeder Hinsicht – die Erben, nahezu die Enkel von denen, die „Black Metal“ als Genre definierten und etablierten …
Und mit besagtem Song legten Venom – zu meinem Bedauern – auch gleich los, gefolgt von Bloodlust und Welcome to Hell – NEIIIIN gleich drei Faves und ich stand noch im Fotograben … Gut, dass sie den meiner Meinung nach genialsten Song „Buried Alive“ erst etwas später spielten. Sofort wurde auch klar, warum andere Acts an diesem Tag kaum Pyros nutzten, denn die Legenden aus Newcastle brauchten jede einzelnen Knaller für die nahezu pausenlose Feuershow! Mastermind Cronos und seine Mannen Stuart „Rage“ Dixon und Danny „Dante“ Needham boten ein „something old, something borrowed“ Programm plus einen brandneuen Song „100 Miles to Hell“. Das Geborgte stellte sich als Ozzy Tribut-Medley (”Children Of The Grave” und ”Symptom Of The Universe”) heraus. Auch davon findet sich ein Videoclip im Netz…
Seinerzeit ein Riesenfan der Originalbesetzung, hatte ich dieser Show mit etwas gemischten Gefühlen entgegengesehen, war dann jedoch ebenso hingerissen wie offensichtlich die gesamte Festivalmeute. Denn die Urahnen des Black Metal haben noch immer was mit dabei, was ich bei vielen ihrer Nachfahren vermisse – diese gewisse Dosis Humor … Das Klassiker-Feuerwerk (sic!) ließ auch kaum Wünsche offen – für mich wäre „Manitou“ vielleicht noch cool gewesen.
Leider war ich wieder zu müde, um im Anschluss einer – dem Freundeskreis zufolge genialen – speziellen Show Blood Fire Death – A Tribute to Quorthon and the music of Bathory beizuwohnen. Mein persönlicher Festivalhöhepunkt hatte ja bereits stattgefunden …
Danke für das Erlebnis, gerne nächstes Jahr (7.–8.8.2026) wieder!
Übrigens müssen Metalfans nicht so lange warten, die Hellsinki Metal Cruise findet am 7.–9.11.2025 statt… mehr Info HIER






