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Infected Hell Festival 2024 in Wetzlar

27.09.24 Event Werkstatt Wetzlar

Wie ruft man eigentlich ein Festival ins Leben? Auf den ersten Blick scheint dies äußerst kompliziert zu sein, aber im Falle des Infected Hell Festivals bedurfte es keiner weiteren Maßnahme als jener, welche der Besitzer der Eventwerkstatt in Wetzlar dem Disbelief-Frontman Jagger mitteilte: „Wenn du es schaffst, 100 Metalfreaks in die Eventwerkstatt zu locken, küsse ich dir die Füße“!! Weiterhin stand natürlich der Support der Szene und das Fördern engagierter Bands im Vordergrund. Der stets akribisch arbeitende Jagger setzte umgehend alle Hebel in Bewegung. Er fand mit den langjährigen Musikerkollegen von Undertow (Heidenheim) und Panzerkreuzer (Dresden) zwei renommierte Bands, die kurzerhand zusagten, und aus dem lokalen Umfeld konnte man Nihil (Wetzlar) und Trial of Death (Siegen) mit ins Festival Line-up aufnehmen. Die Eventwerkstatt ist eine sehr schöne, gut gelegene Location und nachdem fleißig die Werbetrommel gerührt wurde, stand einer ersten Austragung des Infected Hell Festivals nichts mehr im Wege.

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Nihil Wetzlar (7)

Als sich um 18:00 die Türen der Eventwerkstatt öffneten, hatten sich schon einige Fans eingefunden, sodass Nihil den Abend vor einer doch stattlichen Anzahl von Zuschauern eröffneten. Und das auf eine sehr beachtliche Art und Weise: Die Band aus Mittelhessen bot straighten, kompromisslosen Death Metal und zeigte von Beginn an, welch großes Potential in ihr steckt. Die beiden Gitarristen Alex und Uwe waren ständig in Bewegung und sorgten mit ihrem präzisen Spiel und den treibenden Drums für mächtig Druck. Abgerundet wurde dies durch die genialen und tief durchdringenden Growls von Sängerin Eva, die sich hinter anderen Frontfrauen im Death Metal Genre wahrlich nicht verstecken muss. Nur mit ihren Ansagen hielt sie sich etwas zurück und ich stellte mir die Frage nach dem Bassisten, den ich klanglich und optisch vermisst habe…
Nach knappen 40 Minuten beendeten Nihil einen gelungenen Gig und es war es ein sehr guter Start in den Abend !! Hats off für die sympathischen Lokalmatadoren, von denen man mit Sicherheit noch hören wird !!

Trial of Death Wetzlar (2)

Trial of Death aus Siegen waren die nächsten, die auf die Bühne durften und hier gab es für die Fans eine fette Portion groovenden Midtempo Death Metal, der zum Headbangen einlädt und bei dem man immer in Bewegung ist. Die Musik der Siegener Band ist sehr komplex und anspruchsvoll und man merkt den Jungs an, wieviel Spaß sie daran haben sich live zu präsentieren. Trial of Death sind im Underground längst keine Unbekannten mehr, hatte man doch in der Vergangenheit bereits diverse Genre Größen supportet ( Disbelief, Fleshcrawl, Torture Killer….). Diese Erfahrung merkte man der Band von der ersten Sekunde an. Im Spiel von Trial of Death bleibt nichts dem Zufall überlassen und das Ergebnis spricht für sich: Erstklassiger, groovender Death Metal mit hohem Wiedererkennungswert.
Weiterhin haben die Jungs mit „Creating Monstrosities“ ihr erstes Full length Album am Start, was sich jeder Death Metal Fan bedenkenlos zulegen kann. Sehr guter Auftritt, die Siegener Band erntete dafür ordentlich Beifall vom Wetzlarer Publikum !!

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Nach einer kurzen Umbaupause sind Panzerkreuzer aus Dresden, gegründet 2012, an der Reihe, die bislang 2 Alben („October“ und „Aurora“) sowie eine digitale EP („Pre Production EP 2012“) auf die Hörerschaft losgelassen haben. Sänger und Bassist Markus verleiht den Songs von Panzerkreuzer mit seinen ultratiefen Growls eine besondere Note und rundet die sehr druckvollen Kompositionen gekonnt ab. Mit seinen lockeren Ansagen baut er schnell eine gute Basis zum Publikum auf. Die ebenfalls im Midtempo angesiedelten Songs haben, wie schon die vorherigen Bands, einen sehr guten Sound und treffen genau den Nerv der Zuhörer. Panzerkreuzer zeigen ihre ganze Klasse, beenden nach runden 45 Minuten einen sehr guten Gig und bekommen dafür verdientermaßen viel Beifall.

Undertow Wetzlar (4)

Undertow sind seit mittlerweile 31 (!!) Jahren musikalisch aktiv; Sänger und Bandkopf Joschi Baschin versteht es wie kein zweiter Melancholie und Härte in harmonischen Einklang zu bringen, um es dann in tiefgründigen Songs auszudrücken. Und die Heidenheimer Band versteht es live immer wieder, ihre Fans zu begeistern und mit ihrem unverwechselbaren Sound neue musikalische Akzente zu setzen. So wurden auch am heutigen Abend die geilsten Songs aus 31 Jahren Bandgeschichte ausgepackt und mehr als überzeugend dargeboten. Joshi Baschin entpuppte sich neben der doch arg schwermütig groovenden Musik von Undertow als sehr unterhaltsamer und lustiger Frontman und hatte die Fans voll im Griff, die der Band viel Beifall entgegenbrachten. Mit dem wirklich gelungenen Mel C. Cover „I turn to you“ überraschten Undertow und verwandelten dieses Stück in eine ureigene Version, die das Original nahezu vergessen machte. Neben all ihrer Eigenständigkeit erinnern Undertow doch sehr stark an Crowbar, was ihnen natürlich weitere Sympathiebekundungen einbringt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ganz klar der beste Auftritt an diesem Abend !!
Wenn da nicht noch Disbelief kommen sollten……

Disbelief Wetzlar (22)

Disbelief eröffneten ihren Set mit dem fetten „Reborn“ vom neuen Album „Killing Karma“ und hauten die Songs mit voller Wucht aus der P.A. so wie man es von ihnen gewohnt ist. Das wurde vom Publikum dankbar aufgenommen und besonders Fronthüne Jagger merkte man vom ersten gespielten Ton an, wie sehr er Disbelief verkörpert und mit welcher Inbrunst er die Songs darbietet. Der gerade im Urlaub weilende Gitarrist Sebastian Schilling wurde vom Ex – Warpath Klampfer Denis Wolter mehr als würdig vertreten. Und dass sich das Personalkarussell vor einigen Monaten außerdem noch kräftig gedreht hat, ist der Band nicht im Entferntesten anzumerken. Stattdessen performen die Jungs tight und kompromisslos und sind über alle Maßen eingespielt. Natürlich konzentrierte man sich hauptsächlich auf das Material vom neuen Album „Killing Karma“ aber dennoch war die Setlist mit richtig genialen Highlights aus der Disbelief Discography gespickt. Undertows Joshi Baschin kam bei „Flash Of Inspiration“ auf die Bühne und performte den Song zusammen mit Jagger über ein Mikro – einfach nur genial !!
Disbelief spielten wie aus einem Guss und katapultierten Songs wie „Navigator“ oder „The Ground Collapses“ mit einem Hammersound versehen in die Ohren der Fans. Es war einfach beeindruckend und hier war wirklich jeder Anwesende geflashed. Mit „Rewind It All“ beendeten Jagger und seine Mannen einen wirklich fetten Auftritt und ernteten dafür den wohlverdienten Applaus vom Publikum.

Setlist Disbelief:
Reborn
Killing Karma
The waiting
Sick
The scream that slowly disappeared
Navigator
Flash Of Inspiration
The symbol of death
Scaring threat
A leap in the dark
The ground collapses
Inhuman whore
Rewind it all

Fazit: Das erste Infected Hell Festival war ein voller Erfolg. Angefangen von der Organisation über die Abwicklung bis hin zum eigentlichen Event ging alles gut über die Bühne. Es bleibt für die regionale Szene und den Metal zu hoffen, dass sich dieses Festival in der Hammer-Location, wie es die Eventwerkstatt nun mal ist, etablieren kann. Beim nächsten Mal dürfen es dann gerne einige Fans mehr sein. Aber aller Anfang ist bekanntlich schwer und dafür war das hier und heute Abend wirklich der erste gute und richtige Schritt !! Danke an die Bands und alle Beteiligten – Infected Hell to be continued !

In diesem Sinne, keep the metal alive and support the undergound!

Text & Fotos: Hanzi Herrmann

Hanzi Herrmann

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