Franky Perez – Crossing The Great Divide

Label: Black Sea Music / OMN Label Services
Veröffentlichung: 24.06.2022

Ihr mögt euch fragen, wo ihr den Namen Franky Perez vielleicht schon einmal gehört habt – und das ist noch nicht einmal so lange her, denn er war erneut mit Apocalyptica auf Tour, dieses Mal aber nur in den USA. Aktuell fokussiert er sich aber weitgehend auf eine Solo-Karriere, die auch schon zuvor im Vordergrund stand. Dieses Album ist sein nunmehr fünftes Solo-Album, und viele der Songs haben ihren Ursprung während seines Roadtrips durch die USA gefunden. Er ist dort aber nicht einfach nur auf seinem Motorrad durch die schöne Gegend gefahren, sondern ist von medizinischer Einrichtung zur Nächsten gefahren, hat die Angestellten und die Patienten dort besucht und ihnen mit seiner ehrlichen Musik ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Und diese Ehrlichkeit hört man auch auf dem Album, es ist einfach voller Gefühle, Melodie und seine Stimme gibt den Songs noch das besondere Etwas.

Mit „When I think Of You“ als ersten Song hat Franky alles richtig gemacht – der Song zieht einen in seinen Bann, der Refrain bleibt im Kopf und man muss einfach weiterhören. Diese Mischung aus Nachdenklichkeit, die Kraft und Ausdrucksstärke seiner Stimme, das ist schon ein guter Vorgeschmack auf das, was einen noch erwartet.

Weiter geht es dann mit „What Gives You The Right“ und wenn einem dieser Song keinerlei Gänsehaut beschert oder direkt ins Herz geht, dann ist wirklich alles verloren. Das einzige Manko dieses tollen Songs ist, dass sich der Schlagzeug-Klang nicht passend anfühlt: er passt nicht zur Melodie, und macht das Lied leider etwas unrund an einigen Stellen. Gleiches gilt für „20-20 Vision“ – es fühlt sich manchmal einfach unstimmig an, und die Übergänge der einzelnen Liedteile sind auch abrupter als man vielleicht erwarten würde. Da geht definitiv Potential verloren!

Während „Anywhere But Here“ keinen wirklichen Wow-Effekt mit sich bringt (im Kopf bleibt er aber irgendwie dennoch) und aus dem sehr starken Album nicht hervorstechen kann, sieht das bei „Shadow Boxer“ schon etwas anders aus: vom etwas (zu) langem Intro abgesehen, fasziniert einen dieses Verlangen in Franky Perez´ Stimme, es zieht einen mit und mit geschlossenen Augen geht der Song dann doch sehr ins Herz.

Nachdem wir uns der melancholischen Seite des Albums ausführlich gewidmet haben, kommt nun die „gute Laune“-Seite – und sie kommt nicht zu kurz!
Schon alleine der Titel,  „90´s Love Song“, sagt so vieles – ein Lied, das man am besten mit einem guten Drink in der hand genießt, mitwippt und ein wenig den Körper in Schwingung bringt. Definitiv einer der Lieder, die den Finger auf dem „Repeat“-Knopf zucken lassen, auch wenn ich persönlich kein großer fan von Liedern bin, die durch ein Fade-Out (von der Lautstärke) enden.

„Samurai“ und „Illumination“ fühlen sich blues-lastiger an und haben einfach eine sehr positive Atmosphäre, und ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass die Songs auch bei einer Live-Show super wirken würden – man kann sich nicht einfach hinsetzen und zurücklehnen, man will sich einfach dazu bewegen.

Doch sehr anders kommt „California 1976“ daher, denn die musikalische Untermalung ist sehr puristisch gehalten, viel mehr als den klang der Akustikgitarre braucht der Song nicht. Die Lyrics schenken dem Kopf die passenden Bilder zum Klang, und schon ist man ganz weit weg und schwingt auf der angenehmen Melodie mit. Wenn man mal wirklich schlecht gelaunt ist, dann ist das genau der richtige Song, um die Stimmung wieder auf Vordermann zu bringen!

Den Abschluss des Albums macht mein absoluter Favorit, wenn es darum geht, etwas in Endlosschleife zu hören:  „Leaning Into The World“. Dieses Lied schafft, dass man auch am Ende des Albums einfach nur mehr möchte, und man sich nicht vorstellen kann, dass es jetzt vorbei sein soll und man das Album erst einmal wegstellen kann. Man kann einfach diese unendliche Ehrlichkeit in Franky´s Musik, den Lyrics, seiner Stimme hören und fühlen und das zieht einen mit, und zwar in die Welt der guten Laune!

Alles in allem bietet das Album dem Hörer eine tolle Mischung aus nachdenklichen und melancholischen Songs, die dann aber auch durch ihr Gegenstück voller guter Laune wieder aufgelockert werden!

  • 9/10
    Bewertung / rating - 9/10
9/10

Carina Ullmann

carina@stalker-magazine.rocks - Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - - - Alles von Klassik bis Metal, es kommt immer auf die Band und meine Laune an ;) - - - Favorisierte Bands? - - ...das wären zu viele, um sie alle hier aufzulisten... - - Sonstige Interessen? - - - Fotografie, Kulturen, Literatur