Festivals / EventsLive

Hellsinki Metal Fest 2026: Ein nahezu perfektes Festivalwochenende

Wie schon im Titel angedeutet, erwartete die rund 16.000 Metalheads im Zentrum Helsinkis in und um die Eishalle (Jäähalli, alias Nordis) zwei Tage Spitzenunterhaltung mit Top Bands bei perfekter Wetterlage. Was will das Metalherz mehr? Der einzige Wermutstropfen – drei Bühnen. Zwangsläufig hat man da die Qual der Wahl… 

Freitag 07.08.:
Horizon Ignited 
Die Finnen supporteten Hypocrisy 2022 auf deren Europa Tournee und machten sich damals schon als guter Opener einen Namen. Sie eröffneten den ersten Tag des Hellsinki Metal Festivals bereits um 13:30 und es hatten sich bereits einige Fans eingefunden, um dem Melodic Black Metal der Band aus Kouvola Gehör zu schenken. Eine sehr weise Entscheidung, denn Horizon Ignited begannen ihr Set mit voller Energie und purer Spielfreude und zogen so die Meute schnell in ihren Bann. Die Fans waren begeistert, die Finnen hielten das hohe spielerische Level 45 Min lang und machten so richtig gute Werbung in eigener Sache. Guter Auftakt der sympathischen Truppe vor einer bereits stattlichen Kulisse.

Unleashed
Die Schweden blasen live alles weg -exzellenter Schwedentod, der voll nach vorne geht.  Genialer Auftritt als Opener der großen Außenbühne, der umgehend massig Fans vor die Bühne zog undc begeisterte Reaktionen erntete. Mit „To Asgaard We Fly“ eröffneten Unleashed ihr Set und sorgten gleich für richtig Stimmung. Über den gesamten Gig hatten die Schweden enormen Spaß auf der Bühne und hauten einen Kracher nach dem anderen aus der PA. Frontman Jonny Hedlund hatte alles im Griff und mit „Before The Creation of Time“ stand nun das absolute Highlight der Schweden auf dem Programm, welches dem finnischen Publikum noch einmal alles abverlangte, bevor man mit „Into Glory Ride“ das Ende des Sets einläutete. Hier gab es natürlich auch nochmal richtig was auf die Ohren und die Meute verabschiedete Unleashed mit großem Beifall.

Omnium Gatherum 
Auch Omnium Gatherum überzeugten die Zuschauer mit einer spielerisch erstklassigen Performance und untermauerten abermals ihren Status als guter Live Act. Gitarrist Jonas Koto hatte einen zeitgleichen Auftritt mit To/Die/For und wurde durch ex Beast In Black Klampfer Kasperi Heikkinen vertreten, der einen hervorragenden Job ablieferte.

OG brachten die Fans sofort auf ihre Seite und präsentierten dem Publikum in Helsinki eine abwechslungsreiche Setlist, die viele Hochkaräter der Bandhistorie beinhaltete und vollends zu überzeugen wusste. Die gesamte Band wirkte sehr agil und war ständig in Bewegung und auch im Publikum war mittlerweile in den ersten Reihen richtig was los…. Über die gesamte Länge der Show blieb hier keiner mehr ruhig stehen und Omnium Gatherum wurden bis zum letzten gespielten Ton bedingungslos unterstützt.

Carcass
Ich glaube Carcass wird es ewig geben: Vom ersten Moment an hielt Jeff Walker Kontakt zum Publikum und mit einem äußerst guten Sound versehen zelebrierten Carcass Death Metal vom Allerfeinsten. Wie ein guter Wein – je älter, desto besser !! Die Stimmung im Publikum war bestens und eine mit allen Songhighlights gespickte Setlist wurde von den Fans gnadenlos abgefeiert. Carcass waren mit ein absoluter musikalischer Höhepunkt am ersten Festivaltag !!!

Bloodbath
Die Schweden spielten einen routinierten, ordentlichen Gig, der aber leider nicht Intensität hatte, die man von einem Bloodbath Auftritt gewohnt ist: Vor allem Sänger Nick Holmes stand heute etwas neben sich, denn er wirkte über die gesamte Spielzeit doch arg lustlos und schien mit seinen Gedanken schon beim Auftritt von Paradise Lost am Folgetag zu sein. Trotz eines ordentlichen Sounds und tightem Zusammenspiel hatte man den Eindruck, dass die Band mit angezogener Handbremse spielte und nicht das zeigte, wozu sie normalerweise imstande sind. Was natürlich nicht heißen soll, dass man keine guten Songs im Gepäck hatte. Die Songauswahl war sehr gut und ließ keine Wünsche offen. Es lediglich die befremdende Performance, die aus dem Rahmen fiel.
Den Bloodbath Die Hard Fans war´s egal und die Schweden wurden mit gutem Applaus bedacht. Gerechtfertigt oder nicht lassen wir mal dahingestellt…  (Hanzi Herrmann)

Da Fotopflichten für drei Bühnen belasse ich es bei kurzen Anmerkungen und lasse die Bilder sprechen, wie etwa vom Brymir Barbeque pit und der geballten Frauenpower bei Ikinä (die einen Moment der Stille den vielen gewaltsam zu Tode gekommenen Frauen widmeten), die intensive Show von Blackbraid, die durchgeknallten Cryptopsy und die legendären Acts Black Label Society und Accept.

black-label-society (21)

TAG 1 FOTOGALERIE HIER

Die faszinierende Show und fesselnden Songs von Mawiza ließen mich fast den Headliner-Fotoslot verpassen, ich kann daher nur empfehlen, diese Band mal anzuchecken.

Accept lieferten ein Hitfeuerwerk gleich zum Einstand (u.a. Metal Heart, Restless & Wild – die Setlist quer durch die Dekaden an Bandgeschichte ließ wohl keine Wünsche offen) und hielten die massive Meute souverän im Griff bis zum wortwörtlich feurigem Abschluss eines fantastischen Auftritts! (Klaudia)

 

Samstag 08.08.

Iotunn

Für mich schon im Vorfeld des Festivals eine der interessanten Bands, auf denen mein Hauptaugenmerk lag und die Dänen wussten sofort zu überzeugen. Sänger Jon Aldera ist ja mit seiner wundervollen und variablen Stimme eine absolute Szenegröße und auch am heutigen Tage wusste er gekonnt seine tiefen Growls und seinen cleanem Gesang zu zelebrieren und die Fans in Ekstase zu versetzen. Der Großteil der Setlist war vom aktuellen Album „Kinship“ und hier ist wirklich von einer Qualität zu sprechen, wie man sie in diesem Genre nur selten zu Gehör bekommt. Iotunn vollbrachten das Kunststück, eben genau dieses Songmaterial live zu präsentieren in einer Manier, die seinesgleichen sucht…

Jon Aldera veredelte die Kompositionen der dänisch/färöischen Progressive und Melodic-Death-Metal-Band und bescherte so dem Festivalpublikum einen Hörgenuss der Extraklasse. Es war großartig – für mich und viele andere der heimliche Headliner dieses Festivals… Hut ab vor dieser Leistung !!!

Kalmah
Am heutigen Nachmittag warten viele Fans auf die aus dem Norden Finnlands kommenden Kalmah – sie wurden umgehend mit energiegeladenen und präzise auf den Punkt gebrachten Songs beglückt, die die Herzen von Melo Death Anhängern höher schlagen ließen. Sänger und Gitarrist Pekka Kokko lockerte wie gewohnt die Stimmung etwas auf und hatte immer eine Floskel für das Publikum parat, bevor die Mannen aus Oulu wieder ihre Songs auf das Publikum losließen. Die Fans dankten es der Band mit viel Applaus und verabschiedeten die Mannen aus dem hohen Norden lautstark. Sehr gelungener Auftritt.

Misþyrming
Die isländischen Black Metal Pioniere enterten zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Bühne und ließen ihre kompromisslosen und technisch versierten Kompositionen auf das finnische Publikum los. Die Reaktion der Fans folgte unmittelbar und die bedingungslose Unterstützung durch die zahlreich anwesenden Zuschauer war vom ersten Ton an spürbar.

Misþyrming brachten die Menge zum toben – pure, düstere Aggression in einem perfekten musikalischen Gewand – genau das bringen die Isländer auf die Bühne und sie verstehen es weiterhin durch die sehr gute Auswahl an Songs einen großartigen Spannungsbogen aufzubauen, der die Fans nicht mehr loslässt. Die Beifallsbekundungen waren riesig und Misbyrming wurden nach einer Stunde lautstark verabschiedet. Leider kam der meist spärlich, oft in kühlem oder rötlichem Licht beleuchtete Bühnenhintergrund aufgrund des Tageslichts heute nicht wie gewünscht zum tragen. Ansonsten war es ein Hammer Auftritt der Isländer.

Orly
Die französischen Blackened-Sludge und Post-Hardcore Band Orly, von der ich zu meinem Leidwesen bisher leider noch nicht viel gehört hatte, boten dem Publikum derweil eine Mischung aus ultraschnellen Blastbeats, auf die schon fast doomige, schleppende Passagen folgten. Die Band kreierte so eine sehr düstere Atmosphäre und brachte die Fans auf ihre Seite.

Die Bühne war während des gesamten Auftritts in ein dunkles, atmosphärisches Licht gehüllt, was der Musik der Band aus Lyon einen noch größeren Ausdruck verlieh. Als ein weiteres sehr markantes Zeichen trugen die Musiker allesamt roten Stirnlampen. Die Fans unterstützten Orly mit viel Applaus; nach knappen 50 Min Spielzeit verließen die Franzosen unter großem Beifall die Bühne und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Daumen hoch!! (Hanzi Herrmann)

Paradise Lost, die einzige Band, deren Show ich mir in voller Länge ansehen konnte, lieferte die erhofften Klassiker, ua einiges von meinem absoluten Lieblingsalbum Draconian Times, daher ein persönliches Festivalhighlight an diesem Tag!

Den-Unge-Herr-Holm (1)

Neben der Dark Art Gallery sowie Vesa Rantas Ausstellung zur Geschichte der Metalszene in Oulu hatte man auch die Gelegenheit, live die Entstehung von Kunstwerken von Dem Unge Herr Holm mitzuerleben.

cyan-kicks (4)

FESTIVALTAG 2 FOTOGALERIE HIER

Für Cyan Kicks, Eluveitie, Triptykon (performs Celtic Frost), Tungsten, Misþyrming & Nergal (performs Behemoth’s Sventhevith) lasse ich wieder die Bilder für sich sprechen.

opeth (21)

Opeth stellten einen stilistischen Kontrast zu den Headlinern von Tag 1 dar – Slow-Burner statt Instant-Party, komplexe Klänge und meditative Parts, wobei das Publikum in gebannter Stille verharrte. Diese Menschenmasse und dennoch könnte man eine Stecknadel fallen hören! Hypnotisierend, fesselnd und etwas weniger Stand-Up-Comedy zwischendurch als in früheren Jahren, da waren, wie ich erfuhr, auch Nicht-Metalfans völlig hingerissen.
Fazit – für HMF auch dieses Jahr beide Daumen hoch!! (KW)

Text: Hanzi Herrmann mit Ergänzungen von K. Weber
Fotos: K. Weber, Iotunn, Kalmah, Misþyrming, Orly, Metal Exhibition Fotos & Videoclips Hanzi Herrmann, Startfoto Henri Juvonen

Contributors

Hanzi Herrmann

hanzi@stalker-magazine.rocks ---- Festival- und Konzertberichte, Konzertfotos, Interviews