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Wardruna in Chemnitz @ Filmnächte

16.08.2025, Chemnitz

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Die Sonne schien, die Laune war gut, und nach dem Einlass stand man zwischen Kultur – vor einem die Bühne mit durchsichtigem Dach, und auf der einen Seite eine wunderschöne Kirche, sowie auf der anderen Seite hätte man im Museum eine Ausstellung zu Munch anschauen können. Aber an diesem Freitag waren dann wohl doch eher andere Norweger der Grund für alle, die sich vor dem Einlass und der Bühne tummelten.

Während die Sonne so richtig aufblühte, konnten sich die hartgesottenen und früh gekommenen Fans mit Essen, Trinken und natürlich Merchandise eindecken – oder aber auch hier und einen Plausch mit einem der netten Security-Mitarbeiter halten. Die Stimmung was gelöst, entspannt und man konnte die Vorfreude spüren, auch wenn sich der Theaterplatz nur langsam füllte und auch noch kurz vor Start des Konzertes so Einige hineinströmten.

Und dann ging es auch schon los – ungewohnt hell war es, die eigentlich sehr faszinierenden Schattenspiele gerade zu Beginn von „Kvitravn“ als Opener konnte man also leider nicht bewundern, und auch bei den kommenden zwei Songs hatte die Sonne ihre Schicht noch nicht beendet. Tat es der Atmosphäre einen Abbruch? Schon, wein wenig – zumindest sah man dies einigen Fans an, die wohl auch schon Clubshows oder Shows im Dunkeln kannten, und sich auf die Effekte gefreut hatten. War die Stimmung deshalb schlechter? Definitiv nicht – denn am Ende zählt die Musik, und da können Wardruna immer punkten: die Songs klingen live einfach toll, sind auf den Punkt gespielt und man sieht die Leidenschaft in jeder Bewegung, hört sie in jedem gesungenen und gespielten Ton und kommt nicht drumherum, in den Bann gezogen zu werden.

Relativ früh – direkt an Stelle Nummer zwei – war es dann auch soweit, dass auch Chemnitz einen ersten Vorgeschmack auf die kommende Wintertour bekam, denn „Hertan“ vom aktuellen Album „Birna“ wurde zum Besten gegeben. Der Song ist zwar schon eine Weile im Programm, man konnte aber an den leuchtenden Augen sehen, dass die Wenigstens schon die Chance hatten, ihn auch live zu erleben. Zusammen mit „Hibjørnen“, „Himinndotter“ und „Birna“ (dem Titel-Track des Albums) markierten sie den neuen Zyklus, während der Rest der Setliste eine gut gelungene und weitgehend altbekannte Mischung aus den älteren Alben widerspiegelte. Eine Ausnahme gab es jedoch: erst seit der UK-Tour konnte man „Vindavlarljod“ genießen – und genau das tat das Publikum auch.

Aber auch die eben erwähnten älteren Songs haben nie ihre Magie verloren – Songs wie „Skugge“, „Solringen“ oder „Fehu“ werden seit Jahren gefeiert, als seien sie noch nie zuvor live gespielt worden – und das auch zu Recht, denn wer Musik mit solch einer Imbrust und Liebe präsentiert, sowas darf man feiern – und sowas wird gefeiert: egal welcher Song gespielt wurde, der Applaus war laut und kaum jemand konnte sich erklären, wieso die Zeit denn so schnell verging, wie sie es gefühlt nun mal tat.

Aber nicht nur Freude und die Lust zum Tanzen erlebt man als Fan (und auch als Teil der Band, wenn man sich Sängerin Lindy-Fay Hella und ihre Tänze betrachtet) während einer Wardruna-Show – auch tiefe Gefühle kommen nicht zu kurz, was „Lyfjaberg“ jedes Mal auf´s Neue beweist und man überproportional viele Taschentücher und feuchte Augen entdecken kann, wenn man denn genau hinschaut. Die ruhigen Klänge sind zwar eher in der Unterzahl, verfehlen aber nie ihre Wirkung – so ist „Voluspá“ nicht nur ein Song, von dem man nie genug bekommen kann, sondern auch hörbarer Favorit des Chemnitzer Publikums.

Wirklich ruhig, nachdenklich und besinnlich endete dann das Konzert, das viel zu schnell vorbei war: nachdem Sänger Einar Selvik die einzige wirkliche Ansprache des Abends an das Publikum gerichtet hatte, und erzählte, dass der kommende Song davon handele, sich auf Grund von Tod von geliebten Menschen verabschieden zu müssen, loslassen zu müssen und dass dies früher wie auch viele andere Traditionen) durch Singen begleitet wurde und diese Tradition am Aussterben sei, kam dann „Helvegen“. Dunkelrotes Licht, angezündete Fackeln – eine Atmosphäre, die einem selbst ohne Liedtext-Kenntnisse vermitteln kann, um was es in diesem Song geht. Und das geht ans Herz.

Danach „trennte“ man sich von dem Großteil der Band, und nur Einar Selvik und seine Kravik Lyra blieben auf der Bühne – denn was wäre ein später Abend ohne, dass man mit „Hibjørnen“ in den Schlaf gesunden wird als Abschied? Humorvoll wurde angemerkt, dass er nicht hoffe, dass wir wirklich einschlafen würden, aber das Lied schaffte es, die Schwere von „Helvegen“ abzudämpfen und einen in einer unheimlich ruhigen und friedvollen Stimmung aus dem Konzert zu entlassen. Aber natürlich ernst, nachdem es eine allerletzte Runde an tosendem Applaus gegeben hatte.

Was soll man sagen? Es war einmal mehr eine Show von Wardruna, an die man sich erinnern wird – voller Magie, Leidenschaft, gelebten Gefühlen und einer Atmosphäre, in der man sich einfach nur wohlfühlen und loslassen konnte.

 

Setliste:
Kvitravn
Hertan
Skugge
Solringen
Vindavlarljod
Heimta Thurs
Lyfjaberg
Voluspá (Skaldic Version)
Tyr
Isa
Grá
Himinndotter
Birna
Rotlaust tre fell
Fehu
—-
Helvegen
Hibjørnen

Carina Ullmann

carina@stalker-magazine.rocks - Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - - - Alles von Klassik bis Metal, es kommt immer auf die Band und meine Laune an ;) - - - Favorisierte Bands? - - - Wardruna, Royal Republic ---Sonstige Interessen? - - - Fotografie, Kulturen, Literatur