Interviews

Monstrosity und die unvergleichliche Energie des Publikums

Die US Death Metal Legenden MONSTROSITY machen gerade Europa auf Tour unsicher, um das neue Album „Screams from Beneath the Surface“ zu präsentieren (nicht verpassen, checkt die Tourdaten HIER). Ehe sich die Band auf den Weg machte, fand Mastermind Lee Harrison doch noch Zeit, um ein paar Fragen zu benatworten:

Erzähl uns was über euer neues Album „Screams from Beneath the Surface“, Lee. Wie war es, wieder mit Monstrosity im Studio zu sein?
Nun, ein neues Album aufzunehmen ist immer ein großes Unterfangen. Man hofft, dass alles bereit ist, dass alles reibungslos läuft und dass man sich so gut wie möglich vorbereitet hat.

Hast du derzeit irgendwelche Lieblings-Metal-Bands?
Mein Musikgeschmack ist ziemlich breit gefächert. Ich höre immer noch viel von den klassischen Bands, mit denen ich aufgewachsen bin, aber es gibt auch jede Menge großartige neue Bands da draußen. Allerdings konzentriere ich mich meistens auf das, woran wir gerade arbeiten.

Wer ist eure Vorband auf der Monstrosity EU-Tour?
Bio-Cancer und Reject the Sickness. Wir waren 2023 mit Reject the Sickness auf Tour, daher kennen wir die Jungs bereits. Außerdem ist Deadwood mit dabei. Ich weiß zwar noch nicht viel über sie, aber ich bin mir sicher, dass sie hammermäßige Sets hinlegen.

Bist du lieber auf Tour als im Studio?
Beides hat seinen Platz, finde ich. Ich liebe das Studio wegen der Kreativität – dort kann ich meine Fantasie nutzen und Ideen wirklich ausloten. Bei Live-Shows präsentiert man alles, was man geschaffen hat. Es gibt nichts Vergleichbares zur Energie des Publikums. Ich genieße es, zwischen beidem hin und her zu wechseln, das Material zu testen und zu sehen, was beim Publikum ankommt. Natürlich wollen sie immer die alten Sachen hören, aber es ist cool zu beobachten, welche der neuen Songs besser ankommen als andere.

Hast du noch Kontakt zu George „Corpsegrinder“ Fisher?
George ist ein vielbeschäftigter Mensch, deshalb sehe ich ihn nicht allzu oft. Ich kann wirklich nicht behaupten, dass ich in letzter Zeit viel Kontakt mit ihm habe. Das letzte Mal habe ich Anfang 2025 mit ihm gesprochen. Im April spielt er mit seiner Nebenband „Paths of Possession“, also werde ich ihn wahrscheinlich dann sehen und die Gelegenheit haben, mich mit ihm auszutauschen.

Wie waren die Anfangsjahre für Monstrosity?
Wir mussten immer hart arbeiten, aber es ist unglaublich befriedigend, wenn wir endlich ein Album fertiggestellt haben und uns zurücklehnen und es einfach nur anhören können. Es steckt so viel Arbeit in der Produktion eines Albums, das ist eine ziemlich gewaltige Aufgabe. Natürlich war es in den Anfangsjahren auch schwierig, sich im Geschäft zurechtzufinden. Genau wie heute gab es eine Million Bands, die um Aufmerksamkeit wetteiferten, also mussten wir uns immer mächtig ins Zeug legen, um wahrgenommen zu werden. Durch das Internet, YouTube, Spotify und solche Dinge hat sich viel verändert. Die Leute können heute viel einfacher auf unsere Musik zugreifen, was großartig ist. Früher mussten Fans 12 oder 15 Dollar – oder was auch immer der Preis war – hinblättern, um dein Album zu kaufen, wenn sie dich hören wollten. Oder man war auf Kassetten-Tausch angewiesen mit Leuten, die ein paar Songs tauschten, je nachdem, wie tief sie in der Szene steckten. Aber heutzutage ist es für den Durchschnittshörer definitiv einfacher, deine Musik zu entdecken, dank YouTube und Spotify.

Wie ist diese Band gegründet worden?
Nun, die ursprüngliche Besetzung entstand gewissermaßen aus den Überresten der Demo-Ära-Besetzung von Malevolent Creation. Drei der vier Mitglieder kamen von Malevolent. Wir holten George aus Baltimore her, besorgten ihm eine Busfahrkarte für 72 Dollar und hatten bereits einen Auftritt gebucht, noch bevor wir gemeinsam die erste Note gespielt hatten. Wir hatten etwa fünf eigene Songs und einen Cover-Song, die wir bei unserem ersten Gig spielten. Leider war dieser Auftritt eine Katastrophe, so schlecht, dass wir fast das Musikgeschäft an sich aufgegeben hätten. Wir zogen uns aber in den Proberaum zurück und übten wirklich hart für unseren zweiten Auftritt, bei dem wir mit Deicide und Malevolent spielten. Wir wollten uns unbedingt beweisen, und da wir als Vorband für Malevolent auftraten, ging es gewissermaßen um eine Wiedergutmachung. Also haben wir im Proberaum richtig Gas gegeben. Wir holten auch Rob Barrett von Cannibal Corpse dazu, der damals bei Solstice war … lange bevor er zu Cannibal kam, und er spielte die zweite Gitarre. Wir hatten einen großartigen zweiten Auftritt, was dazu führte, dass wir gebeten wurden, schon am nächsten Tag unseren dritten Gig zu spielen, als Vorband für Pantera auf der „Cowboys from Hell“-Tour in Orlando. Auch das war ein Erfolg. Nach dem Desaster beim ersten Konzert konnten wir also das Ruder herumreißen. Zwischen diesen Auftritten nahmen wir auch das Demo auf, sodass wir etwas hatten, das wir den Leuten präsentieren konnten. Wir schickten dieses Band überallhin, um in Fanzines und bei Plattenlabels aufzufallen, und wir verkauften es bei unseren Auftritten an Fans.

Wie war die Metal-Szene damals im Jahr 1990?
Es gab zwar immer viel Konkurrenz, aber wahrscheinlich weit weniger als heute. Ich kann mir gar nicht vorstellen, heute eine neue Band zu gründen. Wir waren sozusagen Vorreiter der nächsten Stufe; Thrash hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Höhepunkt bereits erreicht und Death Metal war im Kommen, also standen wir dann noch ganz an der vordersten Front.

Was hat die Band all die Jahre am Laufen gehalten?
Im Grunde ist es einfach die pure Entschlossenheit zum Weitermachen. Ich habe mich seit meinem 7. Lebensjahr voll und ganz der Musik gewidmet. Hoffentlich können wir den Schwung beibehalten und weiter auf Tour gehen. Es ist kein leichtes Geschäft, das steht fest, aber glücklicherweise war die Resonanz auf das neue Album großartig. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das auf die Live-Shows, das Publikum und die Art der Tourangebote auswirkt, die wir erhalten. Es ging für uns immer stetig bergauf, aber dieses Album hat viel Aufmerksamkeit erregt, also hoffe ich, dass wir einige starke Tourangebote an Land ziehen können und die Dinge wirklich weiter vorantreiben können.

Interview: John Wisniewski photos: Monstrosity

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GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. John Wisniewski, Julia Andreeva, Kate Bird, Melanie Kircher, Tatjana Tattis Murschel, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Nina Ratavaara, Elvira Visser