Mister Misery / Aeranea

The Unalive Tour 2020, 17. Februar 2020, Helios 37, Köln

Eine weitere Sturmwarnung konnte uns nicht von diesem Konzert abhalten. Die Headliner-Band Mister Misery ist mir schon vor ein paar Wochen irgendwo online aufgefallen. Trotz meiner ansonsten eher gleichgültigen Existenz im modernen Cyberspace folge ich Gothic-bezogenen Hashtags – und was für ein Fund! Sobald ein hübscher skandinavischer Geist mit Eyeliner und Gitarre auf der Bühne steht, werde ich da sein, um darüber zu schreiben. Die Wahrheit ist, meine gequälte Gothic-Romantik-Seele hat das Gefühl, dass es nicht mehr genug Bands mit einem so herausragenden Filmkonzept gibt, die nicht nur großartig auf Platte sind, sondern auch live ein erlebnisreiches Spektakel. Die Fotos dieses Herren sahen in Social-Media bereits sehr vielversprechend aus und was ich über ihre Spotify-Wiedergabeliste hörte, klang auch musikalisch sehr solide, insbesondere für einen jungen Newcomer.

Aber warum entdecke ich solche Schätze zufällig online zwischen Bildern von Mahlzeiten und Make-up-Tutorials?! Die Veranstalter hier müssen ihre Taktik eindeutig verbessern! Selbst rund um den Veranstaltungsort gab es keine Plakate, nichts, was uns sagen könnte, was für großartige Bands heute Abend spielen würden. Und zusammen mit der Hauptband gibt es den Support Aeranea – eine sehr gute lokale Band, die ich auf Instagram gefunden habe und die Mister Misery auf der deutschen Etappe ihrer Unalive-Tour begleitet. Inmitten des stürmischen Februar in Köln hatte ich das Gefühl, an diesem Montagabend ein Heavy Metal-Glückslos gezogen zu haben.

Diese Band hat sich rund um Stefan Herkenhoff formiert, welcher schon durch den erfolgreichen Symphonic Metal-Act Beyond the Black bekannt sein sollt: Aeranea ist ein mächtiges, bislang etwas weniger bekanntes Heavy-Metal-Quartett mit Frontfrau. Aeranea hat einige Veröffentlichungen und faszinierendes neuen Material in Arbeit. Obwohl der Helios 37 Club eine gemütlichere, private Atmosphäre hat, war Live-Sound und Qualität der Band umwerfend. Alle an der Bar, die um billiges Bier anstanden, drehten sich wohl beim ersten Riff um. Da kam genug Kraft und Energie rüber, um eine Arena zu füllen! Nach der Menge vor der Bühne zu urteilen, ist Aeranea hierorts bereits bekannt und beliebt. Melodisch, dennoch heavy und definitiv ideal für Headbanger. High-End-Musikalität trifft auf qualitativ hochwertige Inhalte und Engagement für ihr Handwerk. Hervorragende Arbeit am Schlagzeug, die während des gesamten Konzerts deutlich zu hören war.

Kompliment an FrontfrauLilly Seth, die sehr selbstbewusst auf der Bühne agierte und mit ihrer leidenschaftlichen und ausdrucksstarken Leistung ihr Publikum und ihre Bandkollegen begeisterte. Aeranea zeichnet sich für mich durch hervorragende Audio-Arrangements und eine kraftvolle Performance aus, eine Einzigartigkeit ihres Stils, wo dennoch die warme Nostalgie Marke Evanescence und Lacuna Coil aus den frühen 2000er Jahren mitschwingt. Wacken und HellFest – aufpassen! Die einzige Kritik von mir wäre, dass ich mir für eine Band dieses Potenzials mehr visuelle Einheit im Styling wünschte, ein stärker zusammenhängendes Gesamtbild der Band. Alles andere haben die Jungs & das Mädel eindeutig unter ihrer festen Kontrolle. Ich hoffe auf jeden Fall, dass wir in Zukunft noch mehr Gründe haben werden, über Aeranea zu berichten!

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Nach einer kurzen Pause ist es Zeit für den Headliner Mister Misery , ein Name, der nicht ohne ein Echo der ursprünglichen Emo-Tage auskommt und der Titel des Albums und der Tour, der auf mangelnde Vitalität hinweist. Doch als ihre spitzen Stiefel und New Rocks die Bühne berühren, ist bereits zu spüren, was für eine professionelle, lebendige und verrückte Band das ist! Ihre Show präsentiert sich Marke Horrorladen und poetischer kranker Goth, aber voll Heavy und Metal und mit großartigen Gitarren. Kerzen auf der ganzen Bühne, flackernde Laternen am Mikrofon und den Trommelständern, verstörende Masken als Deko bei jedem Bandmitglied und gruselige Beleuchtung der gesamten Bühne. So weit, so hervorragend!

Diese schwedische Geisterformation ist jung und frisch vom Friedhof, macht ihre ersten Schritte und festigt ihren Ruf als starke Konzeptband. Ich hoffe insgeheim, dass ihre Merch-Linie bald ein Puppenset aller vier gruseligen Süßen enthalten wird. Sie wurden Anfang 2018 gegründet und haben ein Album namens Unalive, das Motto ihrer aktuellen Tour, welche sie in den am meisten frequentierten, staubigen Ecken der europäischen Städte absolvieren. Mittlerweile sind sie auch in diesem Jahr für die Festivals Wacken und Full Metal Holiday Mallorca bestätigt. Diese Jungs sind echt auf dem Vormarsch – ich rate euch, sie noch bei den kleineren Club-Gigs zu erwischen, ehe sie groß rauskommen.

Die Musik ist exzellent, heavy und verspielt, und was im heutigen Metal-Genre wichtig ist, vor allem extravagant unvergesslich. Du wirst Headbangen, aber auch  aber ihre Melodien überall wiedererkennen. Trotz all der Theatralik und dem Bemühen, bei ihren Charakteren und ihrem Konzept zu bleiben, widmen sie beständig ihre Aufmerksamkeit dem Publikum. Frontmann Harley agiert interaktiv und weiß, wie man das begeisterte Publikum anspricht. Und wenn dieses mitsingt und Zugaben fordert, deutet es auf die Beliebtheit dieses Acts bei den übrigen Kölner Nachtgespenstern hin. Das wärmt mein Goth Herz – wir brauchen mehr Bands wie diese und besonders mehr von diesem speziellen Mister Misery. Wartet also nicht zu lange, um in diesen skandinavischen Horror-Metal-Wahnsinn-Zug zu steigen – er wird schnell und weit gehen!

Mister Misery
http://mistermisery.bigcartel.com
Aeranea
http://www.aeranea.com
Journalist – Marina Minkler
Photos – Kira Hagen www.kirahagen.com

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

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Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski