Marko Hietala / Oceanhoarse @ Z7 Pratteln

14.02.2020 @ Z7 Konzertfabrik, Pratteln, Schweiz

L’Amour liegt in der Luft. Irgendwie verbringe ich den Valentinstag in den letzten Jahren immer mit einer singenden Blondine. Aber immerhin jeweils mit einer sehr gut singenden Blondine. Letztes Jahr bei Inglorious in Köln, wo Nathan James seine Stimme zum Besten gab. Und dieses Jahr mit einem blond-grauen, langsam in die Jahre gekommenen Marko Hietala, der mir seit meiner Jugend besonders am Herzen liegt und denn ich viel zu selten Live zu Gesicht bekomme. Ja, ich gebe zu, ich bin kein Nightwish-Fan mehr, seit Tarja nicht mehr dabei ist und das Getriller der neuen Damen geht mir zu sehr auf den Geist, um drüber hinweg zu blicken, nur um Marko Live zu hören. Umso besser, dass man ihn ab und an mit Tarot, Raskasta Joulua oder jetzt auch neu mit seinem Solo-Projekt Live sehen kann.

Eigentlich habe ich erwartet, dass das Konzert gut besucht wird, aber der Grund für die nur ca. 400 anwesenden Nasen ist sind entweder das Datum und entsprechende andere Pläne oder die vielen guten Konzerte, wo man sich einfach entscheiden muss. Die Anwesenden haben jedenfalls die bessere Hälfte gleich mit dabei oder es herrscht  gerade Beziehungskrise ….

Aber zu den Acts des heutigen Abends: Eröffnet wird das Konzert von Oceanhoarse aus Helsinki, Finnland. Die Jungs sind sichtlich dankbar, dass ausgerechnet sie mit auf die «Tour of the Black Heart» gehen durften. Die Band hat erst eine EP veröffentlicht und ist in Verhandlungen mit Plattenlabels, aber ich denke mal, dass sich nach dieser Tour schnell etwas ergeben dürfte. Gitarrist Ben Varon dürfte den ein oder anderen noch von Amoral bekannt sein. In der heimatlichen Szene ist er jedenfalls kein unbeschriebenes Blatt und auch als Produzent tätig. (Siehe HIER auch unser Interview mit ihm.) Mit dabei sind an den Drums Oskari Niemi, Bass Jyri Helko und am Gesang Joonas Kosonen, allesamt bekannt in der finnischen Metal Szene. «We are Oceanhoarse, and we play Heavy fucking Metal». Und das noch besonders gut, auf der Bühne herrscht eine gute Dynamik und wirkt ansteckend auf das Publikum. Die wirbelnden Dreadlocks von Helko, die stahlblauen Augen von Niemi, die wehenden Haare von Varon und die powergeladene Ausstrahlung von Kosonen sorgen dafür, dass man auch was fürs Auge geboten bekommt. Zum Schluss kommt dann auch noch das Oceanhoarse Maskottchen auf die Bühne, in Form eines verkleideten Crewmitglieds als wohl eine Mischung aus Oktopus und Elefant. Die Jungs aus Helsinki liefern jedenfalls heute Abend einen grandiosen Einstieg in der Schweiz und dürften mit etwas Glück bald wieder hier zu sehen sein.

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Nach einer kurzen Umbauphase geht es weiter mit dem Mann, auf den alle hier gewartet haben. Das Licht geht aus und bereits kommen die ersten Marko-Rufe aus dem Publikum. Ich hätte mehr Nightwish Shirts und mehr «Kommerzpublikum» erwartet wie bei den Nightwish Konzerten, aber glücklicherweise ist dies hier nicht so. Es ist doch mehrheitlich älteres Publikum, das Marko Hietala für seine Gesangsleistungen schätzt und nicht, weil er bei dieser einen berühmten Band ist. Hietala und seine Bandkollegen, auch allesamt bekannte Herren in der finnischen Rockszene, betreten die Bühne. Marko, barfuss, bequem, gibt sich leger und so geht auch der ganze Abend vonstatten. Bequem, leger in familiärer Atmosphäre, es fehlen eigentlich nur noch die Sofas zum gemütlich vor der Bühne Abhängen, um diesen wunderschönen Klängen zu lauschen.

Man lässt auch jedem Musiker seine 20 Sekunden Ruhm, dass sie ihr Können bei einem Solo zum Besten geben können. Am Keyboard findet sich Vili Ollila, bekannt in Finnland mit Raskasta Joulua und Northern Kings. Tuomas Wäinölä hat mit ein paar der bekanntesten finnischen Pop/Rock Musiker zusammen gearbeitet, wie zb. Anssi Kela und Paula Koivuniemi und war zuletzt im Z7, als damals Stratovarius Sänger Timo Kotipelto auf Solo-Pfaden wandelte. Drummer Anssi Nykänen war bei Paula Koivuniemi, Havana Black und anderen Projekten tätig. Allesamt begnadete und passionierte Musiker, genauso wie Hietala selbst. «Pyre of the Black Heart» ist ein sehr persönliches Album und eher die etwas ruhigere Seite von Hietala, als das noch mit Tarot der Fall war. Neben eigenen Songs gibt es noch einige Cover, wie zum Beispiel « Olet lehdetön puu» oder «War Pigs» von Black Sabbat. Toll dargeboten von der einzigartig wiedererkennbaren Stimme von Marko. Zwischen den Songs hält er immer wieder eine kleine Ansprache, worum es in dem Song geht und bringt das Publikum damit auch zum Lachen. So plaudert er darüber, wann er das letzte Mal mit «dieser einen berühmten Band, die durch die Welt tourt» hier im Z7 war. Die Stimmung auf und vor der Bühne ist locker und die Musiker wie auch die Zuschauer haben ihren Spass. Genauso wie es sein soll. Zum Abschluss gibt es dann noch «Truth Shall Set you Free», bei dem Hietala zu einem Cello greift. Ein sehr spezielles und schönes Konzert, das etwas ruhiger als erwartet ausgefallen ist, aber bei dem man einen Weltstar mal in ganz angenehmer Atmosphäre geniessen konnte.

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Marko Hietala (15)

Sandy Mahrer

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core