Apocalyptica – Cell-0

Label: Silver Lining Music

Release: 10.01.2020

Nach einigen Jahren auf Tour und Album-Releases, die nicht rein instrumental waren, ist die Band jetzt wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und bringt ein rein instrumentales Album heraus – ein Album, das ihnen die Chance gibt dem Hörer selbst zu entscheiden, was er denkt und fühlt. Jeder Song verbirgt eine neue Herausforderung, es ist immer etwas Neues. Nicht nur das Album als solches ist rein instrumental, nein, auch die schon veröffentlichten drei Singles sind dies – diese wurden zusammen mit sehr künstlerischen und einzigartigen Videos veröffentlichen, die das eigene Denken noch einmal mehr anspornen.

Los geht es mit der ersten Single “Ashes Of The Modern World”, einem Song, der auf Grund seiner Vielfalt im Klang und Emotionen laut der Band auch super als Konzert-Opener funktionieren könne – es fühlt sich an, als würde man von Wut zur Melancholie und Nachdenklichkeit übergehen. Es ist wie eine Reise die man durchmachen muss, sodass man am Ende dann zu dein weiteren Lieder kommt. “En Route To Mayhem” geht in die gleiche herausfordernde Richtung, und ist ein Lied das einen dazu bringt sich wirklich damit zu beschäftigen – dank der Tempowechsel und Klangwechsel, die einen schon ein wenig unwohl fühlen lassen können, bis man sich daran gewöhnt hat.

Der Titel-Track “Cell-0” hat, so würde ich behaupten, einen deutlicheren roten Faden und ist definitiv einfacher anzuhören – und der Song hat definitiv das Potential ein Ohrwurm zu sein wenn man es sich mehrfach angehört hat. Man wird sich zumindest an die Melodie erinnern, die gespielt wurde, bis dann die doch schwereren Cello-Riffs ihre melodische Seite zeigen. Dieser Bruch im Klang ist etwas, was sich durch einige der Lieder zieht, aber nicht überall auch so deutlich ist wie bei “Beyond The Stars” – entweder man liebt es oder man hasst es, auch wenn es hier und da besser passt als in anderen Songs. Einen Mittelweg gibt es hier eher nicht.

Der für mich kraftvollste und schönste Track dieses Albums ist für mich „Rise“ – ganz einfach weil er mit seiner Melancholie das Herz berührt. Der düstere und nachdenkliche Beginn, die tiefen Töne und die Zerbrechlichkeit, die die Band mit ihren Celli darstellt transformiert sich später in einen Sound, der so klingt als würde er Kraft und neue Hoffnung und Mut schöpfen – und dieser Rundumschlag an Emotionen macht ein gelungenes Meisterwerk auch aus. Der Song hat diesen typischen Apocalyptica-Klang, aber ist noch eine Stufe besser als das, was man bisher kannte. Und fast genau das gleiche Gefühl schafft die Band auch in “Catharsis” einzubauen, wenn auch dieser Song mehr die melancholische Seite hervorhebt.

Aber der wohl herausragendste Song des gesamten Albums ist “Fire & Ice”: los geht es mit den Klängen einer Panflöte, und dieser Klang mischt sich mehr und mehr mit dem Celloklang und doch so einigen nicht erwarteten Klängen bis der Song dann doch wieder den klassischen rockigen Sound bekommt. Wer Melancholie sucht, wird auch fündig – und genau auf Grund dieser Mischung und Aufmachung würde der Song auch einen prima Film-Soundtrack abgeben.

“Scream For The Silent” und “Call For My Name” sind beides leider Songs, die zwar gut produziert und gut durchdacht sein können, aber nicht wirklich im Kopf bleiben, und einen auch definitiv nicht dazu bringen, den „Repeat“-Knopf zu drücken. Für mich fehlt da etwas im Klang der beiden Songs, sie haben daher leider etwas Monotones.

Alles in allem kann ich nur raten, das Album einfach mehrfach zu hören bevor man sich entscheidet, ob man es gut findet oder nicht – ganz einfach deshalb, weil es einfach immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Es ist definitiv kein Album, das man mal so nebenbei oder zwischen zwei ToDos hören kann, man muss sich definitiv hinsetzen und aktiv zuhören.

Trackliste:

01. Ashes Of The Modern World
02. Cell-0
03. Rise
04. En Route To Mayhem
05. Call My Name
06. Fire & Ice
07. Scream For The Silent
08. Catharsis
09. Beyond The Stars

  • 7.5/10
    Bewertung / rating - 7.5/10
7.5/10
Carina Ullmann

Carina Ullmann

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