Antiheld / Walking on Rivers

05.10.2019, Wilhelmshaven (D), Pumpwerk

Noch letztes Jahr im Frühling waren ANTIHELD selbst noch Support – und zwar mit Versengold in einem ausverkauften Pumpwerk hier in Wilhelmshaven – und genau dort hatte ich sie das erste Mal gesehen. Dies ging auch einigen anderen Fans so, die sich mit mir draußen in der Kälte von einem Fuß auf den anderen bewegten, da der Einlass sich verzögerte. Und dieser verzögerte sich um lange 45 Minuten – technische Probleme seien der Grund, hieß es. Wer es also nicht in den Vorraum geschafft hatte, wünschte sich draußen den ersten Glühwein des Jahres herbei und versuchte sich im Raten, wie voll (oder leer) die Halle denn am Ende sein würde.

Das, was man der Band wünschen würde, trat aber leider nicht ein – die Halle war zu besten Zeiten nur halb gefüllt, die Stimmung aber trotzdem gut, auch wenn sie zu Anfang doch etwas nordisch zurückhaltend beschrieben werden konnte. Das bekamen dann auch leider die Jungs des Support-Acts ab – WALKING ON RIVERS machten ihr Ding, konnten aber gefühlt nicht so wirklich zum Publikum durchdringen. Es fehlte einfach etwas, ein bisschen Pepp, ein bisschen mehr Abwechslung – wer nicht nur für die Musik da war und sich auf eben diese einlassen wollte und konnte, für den war es eine lange Zeit, bis Antiheld auf die Bühne kamen.

Das Auftreten der Band wirkte ein wenig wie eine Studentengruppe, zusammengewürfelt, aber durchweg liebenswürdig – die Musik war aber definitiv auf einem anderen Level, wenn auch teilweise eigenwillig. Es waren Kompositionen mit einem Gesang, den man einfach toll finden musste, und einer abwechslungsreichen musikalischen Untermalung. Man musste dem Ganzen einfach eine Chance geben, was aber oftmals bei Vorbands nicht ganz so einfach ist, wenn man sehnsüchtigst auf den Hauptact wartet. Ich persönlich kann nur sagen: hört euch die Jungs an, es lohnt sich, auch wenn man sich erst einmal reinhören muss!

Die Umbaupause verbrachte man mit guten Gesprächen, einem schnellen Getränk oder dem sehnsüchtigen Betrachten des Vorhangs, der vor der Bühne angebracht und auch erst nach dem ersten Song von ANTIHELD, passend mit dem Titel „Introduktion“, heruntergelassen wurde. Das Schattenspiel hatte etwas, man musste sich auf die Musik fokussieren, und nicht auf das, was auf der Bühne passierte – für viele eine Geduldsprobe, die zum Glück nicht allzu lange anhielt.

Das was dann folgte, war ein Abend, der wie eine Reise durch alle Gefühlswelten war – man konnte mitrocken, mitsingen, lachen, schmunzeln, aber auch ein Tränchen oder gleich mehrere vergießen. Und man konnte in glückliche Gesichter schauen, von Zuschauern jeglichen Alters – vom kleinen Kind bis hin zum Rentner konnte man alles entdecken, und alle teilten die Liebe zur Musik.

Das aktuelle Album der Band, „Goldener Schuss“, stand natürlich im Mittelpunkt der Setliste und diese zeigte, dass die Songs nicht nur auf der Scheibe gut klingen, sondern auch live ganz hervorragend funktionieren. Dennoch wurden auch die „Klassiker“ nicht vergessen, sodass es eine super Mischung zu hören gab.

Egal ob alt oder neu, mitgesungen wurde, als wäre das Pumpwerk wesentlich voller, und die Band hatte ganz offensichtlich mindestens genau so viel Spaß auf der Bühne wie das Publikum. Die Interaktion mit den Fans war wie immer unterhaltsam, man hatte nicht das Gefühl, dass es da irgendeine Distanz zwischen Band und den anderen Anwesenden geben würde – und sowas finde ich einfach toll, weil die Atmosphäre dann einfach ganz besonders ist.

Und genau diese Verbindung merkt man dann besonders in ruhigen Momenten,  wo es nicht um Heiterkeit und Feiern geht, sondern um melancholische Töne. Denn: „Sonnenkind“ gehörte zur Kategorie „Tränchen vergießen“. Es war wohl der emotionalste Moment des Abends, denn der Song ist und bleibt einfach so ehrlich und schmerzhaft, dass es einem Nahe gehen muss – egal ob man schon jemanden verloren hat, der einem nahe stand oder nicht. Das sah man dann auch den Gesichtern vieler Fans an, von denen einige ergriffen mitsangen.

Lange blieb die Stimmung aber nicht bedrückt, denn wer will schon die letzten Songs des Abends mit etwas anderem außer Tränen des Spaßes verbringen? Weiter ging es mit „Babylon“, und wohl dem Song, den die meisten Fans lautstark mitsingen konnten: „Ficken für den Weltfrieden“. Hand aufs Herz, als ich den Song letztes Jahr das erste Mal hörte, fand ich ihn nicht so toll, denn er passte so gar nicht zu meinem Geschmack, was Lyrics betrifft – dieses Mal wurde auch ich mitgerissen vom Spaß auf der Bühne sowie im Publikum.

Den Abschluss machte dann der Song „Goldener Schuss“ vom aktuellen und gleichnamigen Album, bei dem dann auch noch einmal die Jungs von Walking on Rivers mit auf die Bühne kamen. Eine gute Mischung an gut gelaunten Musikern und passend goldenes Konfetti – ein gelungener Abschluss des Abends, würde ich behaupten.

Danach ging es für die Band sowie für viele Fans noch direkt zum Merchandise-Stand, an dem sich die Band ausgiebig für alle Zeit nahm. Ich denke, schon alleine das sagt alles darüber aus, wie fan-nah und sympathisch die Band ist und dass der Eindruck von der Bühnenperformance mal so gar nicht täuscht.

Setliste:

Introduktion, Ma petite belle, Bisschen große Liebe, Präsidenten, VII, Interlude, Berlin am Meer, Mach mir´n Kind, Gott, Nie wieder lieben, Herz, Kellerklub, Find what you love, Sonnenkind, Babylon, Ficken für den Weltfrieden, Goldener Schuss

Kommende Konzerte:

12.10.2019 – Strom – München
13.10.2019 – Jugendhaus Moosburg – Moosburg
17.10.2019 – Groovestation – Dresden
18.10.2019 – Rotunde – Bochum
19.10.2019 – Helius37 – Köln
25.10.2019 – Neues Schauspiel – Leipzig
26.10.2019 – Privatclub – Berlin
01.11.2019 – Logo – Hamburg
02.11.2019 – Indiego – Hannover
20.12.2019 – LKA Longhorn – Stuttgart

Contributors

Carina Ullmann

Carina Ullmann

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