Rome Burns – Fresh Act August 2019

Rome Burns – Rom brennt und wir sehen und hören einfach erfreut zu, denn diese Goth-Formation aus Großbritannien ist alles andere als langweilig! Wir unterhielten uns mit Frontmann Simon bereits über die 7 Todsünden und wollen nun mehr über seine Band herausfinden. Ein perfekter Zeitpunkt, da sie gerade ihr neues Album aufnehmen… 

Also, bitte stellt euch vor, was ist Rome Burns? Wer sind die Leute dahinter, woher kommt ihr, was macht ihr etc.
Daevid: Wir stammen aus unterschiedlichen Teilen Großbritanniens, Simon ist der Lyriker, Frontmann, Sänger und Haupt-Bartträger, Nevla und Daevid componieren und produzieren Musik und spielen Live-Gitarren.

Während Rom brennt, wer von euch ist Nero? 
Simon: Ich vermute, wir alle sind Nero!  Die Band begann, als wir alle kollektiv deprimiert waren – wir hatten die Universität verlassen, wir mussten Jobs finden und die Freundinnen suchten das Weite, die Zukunft schien uns 40-50 Jahre langweiligen Elends mit Büroarbeit und dann ein unbeweintes Ableben! Wir wollten nur ein bisschen Spaß haben, während rundherum alles den Bach runtergeht. Ein englisches Sprichwort fasst es zusammen: wir wollten Nero sein und musizieren, während Rom brennt!

Wer kam auf den Bandnamen?
Daevid: Ich beschuldige Simon… ich gebe ihm für viele Dinge die Schuld!

Welchen musikalischen Hintergrund bringt ihr alle mit? 
Nevla: Ich komme aus dem Metal, aber Ende der 90er und in den frühen 2000ern kam ich zur Goth Musik. Als ich Rome Burns beitrat, hat vermutlich mein Einfluß für derbere Gitarren und melodische Riffs gesorgt.

Daevid: Mein Haupteinfluss sind Post-Punk Bands der 80er und Alt-Bands der 90er. Neuerdings bin ich eher von  Surf und Rockabilly beeinflusst, da ich auch in dem Act namens Quasimodo aus Leeds spiele.

Simon: Mein Musikgeschmack wure als eklektik beschrieben, oder ungewöhnlich, oder einfach furchtbar! Ich liebe Gothmusik und hatte auch einen Gothclub in Cambridge und versuche noch immer, zu so vielen Gigs und Festivals wie nur möglich zu gehen. Allerdings gibt es noch immer viele Folk-Punk, Neo-Folk und alte Comedy-Bands in meiner Musiksammlung. Die Texte sind der entscheidende Faktor bei allem, was ich mir anhöre. Ich kann die abartigsten Geräusche verzeihen, wenn eine Band was Interessantes zu sagen hat.

Wie oft trefft ihr euch, probt und seid gemeinsam kreativ? 
Nevla: Wir haben uns früher einmal die Woche getroffen und 2-3 Stunden lang geprobt. Aber als die anderen wegzogen, treffen wir uns nur noch alle paar Monate. Wir sind aber noch immer gemeinsam kreativ und nutzen das Internet, um Musik zu schreiben und miteinander zu teilen.

Daevid: Die Zeiten haben sich geändert, seit wir uns oft getroffen haben. Wir treffen uns noch immer ein paar Mal im Jahr. Das meiste passiert nun online, File-Sharing und Austausch über soziale Medien und Telefonieren. Das ist nicht ganz dasselbe, aber es funktioniert. Das meiste auf dem neuen Album wurde auf diese Weise komponiert.

Wie groß ist die Rolle, die Rome Burns in euren Alltagsleben spielt?
Nevla: Im Moment spielt es eine große Rolle! Ich verwalte den Server mit den Masterkopien der Demos, die wir in ein paar Monaten in ein Album verwandeln werden, also verbringe ich viel Freizeit damit, die neuen Songs zu bearbeiten, die Drum Tracks und Keyboard-Sounds fertigzustellen und so weiter.

Daevid: Derzeit ganz schön! Wenn ich nicht Kompositionen schreibe und neu schreibe, dann bastle ich an Grafiken für Online-Gebrauch und poste die auf Media Outlets (Instagram, Bandcamp etc). Unlängst hab ich unsere Kickstarter Campaign organisiert und entworfen, was ein interessanter Lernprozess war und sich oft wie Business anfühlte, etwas mühsam aber zugleich lustig!

Simon: Wie du dir schon denken kannst, halten mich Daevid und Nev von Computern möglichst fern! Das ist wohl am besten so. Eines Tages wird die Welt untergehen und wohl nur deswegen, weil ich irgendwas falsch angeschlossen oder versehentlich das Universum gelöscht habe statt dem File, den ich entfernen wollte! Kunst ist allerdings mein Leben. Wenn ich nicht schreibe, dann zeichne ich. Mir macht es Spaß, Dinge zu erschaffen. Dinge zu zerstören macht auch Spaß (gib mir eine Kettensäge und einen toten Baum, oder einen Hammer und einen alten Computer und du siehst mich lächeln!) – aber Dinge erschaffen ist viel besser! Zu wissen, dass es einen Song im vergangenen Jahr noch gar nicht gab und dass er nun auf CD und in den Herzen und Köpfen von vielen Menschen lebt, ist das tollste Gefühl auf der Welt!

Wie ist eure Bandgeschichte, wie habt ihr diese Band formiert? Wie habt ihr euch für die (Musik)Richtung entschieden? 
Daevid: Simon ist auch dafür verantwortlich zu machen… eine Zufallsbegegnung führte dazu, dass ich schon sehr früh zur Band stieß, da ich wusste, wie man eine Gitarre richtig hält! Wir waren und sind eine Band, die sich vornehmlich in Schwarz kleidet und für ein ebensolches Publikum spielt. Als sich unser Sound entwickelte, nahmen wir noch die wechselnden Einflüsse der unterschiedlichen Gothic Musiktrends auf, ohne diese völlig zu übernehmen. Wir waren und sind im Kern eine gitarrenlastige Post-Punk-Band, mit einem wütenden mechanischen Tier als Drummer (Gregor Samsa) und haben unseren Sound etwas mehr auf den Punkt gebracht.

Nevla: Ich habe Rome Burns mal in einem Club in der Nähe spielen gesehen, ein paar Jahre später suchten sie einen neuen Gitarristen und ich kriegte den Job. Ich mag diese Mischung aus schweren Gitarren und seltsamen Elektronik-Sounds, und David ist richtig gut bei Gitarren und Bass Riffs. Wir beide erledigen den Großteil des Komponierens und Simon gibt seine Texte drauf und hilft auch dabei, die Musik anzupassen. Es scheint wirklich organisch zu wachsen.

Wie würdet ihr euren Sound, Stil und eure Ästhetik jemandem erklären, der euch noch nie gehört hat?
Daevid: Ich bin mir nicht sicher, ob wir eine gemeinsame Ästhetik haben, ausser jener, hauptsächlich schwarze Sachen zu tragen. Musikalisch sind wir scheppernde und schwermetallische Gitarren, derbe Beats und intellektuelle Lyrics.

Simon: Ich nehme an, dass wir ebenso informativ wie unterhaltsam sind. Wir spielen ernsthafte Songs mit einem Lächeln und frivole Songs, als ob sie wichtig wären. Ich mag den Ausdruck  ‘Brit Goth’, welcher Bands aus GB als für die Leute unterhaltsam kennzeichnet, obwohl wir immer noch die Molltöne und das düstere Image der originalen Goth Bands nutzen.

Wie bewertest du die heutige Gothicszene, in GB und generell? 
Daevid: Die GB Gothszene scheint an Überalterung und nur wenigen Newcomern zu leiden. Ich denke, etwas Ähnliches lässt sich über ganz Europa sagen. Ich hatte dieses Jahr meine ersten WGT Erfahrungen in Leipzig und war beeindruckt von den Dimensionen dieses Festivals. Es sah von außen lebendig aus, jedoch gab es da die altbekannten Diskussionen über die Überalterung. Vielleicht nur ein kurzzeitiges Phänomen, wir hatten davon schon viele.

Wie ernst nehmt ihr euch und diese Band? 
Daevid: Ernst was die Musik und den kreativen Prozess betrifft, ernsthaft wenn es darum geht, unserem Publikum eine gute Show zu bieten. Nicht so ernst, wenn es um Diva- oder Egomanendasein geht, für den Schrott ist die Szene zu klein… wir machen das alles hauptsächlich zum Spaß und um mit Leuten in Kontakt zu kommen, die sich dafür interessieren, was wir machen.

Nevla: Ich denke, wir sind ernsthaft bei dem, was wir tun, aber wir nehmen uns selbst nicht zu ernst. Als wir jünger waren, eventuell schon, aber jetzt sind wir älter, einige von uns haben Kinder und Karrieren, wir brauchen die Egos nicht mehr. Wir machen das alles hauptsächlich zum Spaß und einfach um Musik zu machen, zumindest ist es bei mir so!

Was macht ihr gerade und was habt ihr in naher Zukunft vor? 
Simon: Tja, im September sind wir wieder im Studio und mit eurer Hilfe ( via Kickstarter ) haben wir noch vor Ende des Jahres ein neues Album draußen. Wenn ihr nicht wisst, wie wir klingen, besucht unsere  bandcamp site und hört mal rein. Dann besucht den Kickstarter und investiert ein bisschen, damit ihr sagen könnt, dass ihr dabei geholfen habt, seltsame und wundervolle Musik in die Welt zu setzen!

Ihr seid unlängst in Wien aufgetreten – wie war es, wie war das Publikum?
Nevla: Wien war eine tolle Erfahrung, wir konnten alle ein Wochenende abhängen, einen fantastischen Gig spielen, tolle Leute treffen und viel zu viel Bier trinken! Die Gothszene in Wien hat uns mit offenen Armen empfangen und es war schlimm, dass ich beim zweiten Mal für die Band in Wien nicht dabei sein konnte. Ich hoffe, wir können bald wieder wo in Europa auftreten.

Simon: Ja, Wien war fantastisch. Wir spielten mit wundervollen Menschen  (Brigitte Handley und Jo Quail) für einige tolle Freunde und  Fans und konnten auch eine wundervolle Stadt kennenlernen (mir gefielen vor allem die Krypten). Wie Nev schon sagte, sobald wir das neue Album aufgenommen haben, müssen wir uns unbedingt wieder um Gigs außerhalb von GB kümmern.

Auf lange Sicht gesehen, was sollte aus Rome Burns werden und wie sollte man die Band kennen oder sich an sie erinnern? 
Daevid: Ich wünschte mir, dass wir eine von jenen Bands wären, die andere beeinflussen oder inspirieren, ebenfalls zu musizieren. So bin ich selbst in einer Band gelandet und es wäre toll, wenn wir eine Inspiration für neue Abenteuer und musikalische Reisen anderer wären.

Was macht eure Band einzigartig und bemerkenswert?
Simon: Ich bin mir nicht sicher. Ich bin froh, wenn wir bemerkenswert sind. Ich mag es, wenn mir ein Fremder erzählt „bist du nicht der Typ aus dieser Band… ich sah euch vor ein paar Jahren … ihr wart toll!“ Wir klingen nicht wirklich wie eine andere Band. Das mag daher kommen, dass wir alle unterschiedliche Musikvorlieben haben. Wir machen mit Genuss gegenseitig Sachen kaputt. Zum Beispiel:  Nev kommt mit einem fantastischen Hardrock-Riff an der Gitarre, was David sofort ruiniert mit einer rhythmischen Surf-Punk Melodie, oder David kommt mit einer miesepetrigen Gitarrenlinie, die ich mit ein paar Folk-Texten drüber ruiniere. Einige von den Songs, die wir erschufen, sind für uns eine ebenso große Überraschung wie dann auch für das Publikum!

Seht ihr euch nach einem Label um, und wenn ja, welchen Deal hättet ihr gerne? 
Simon: Ich habe keine Ahnung. Als wir anfingen, wollten wir ein Label, aber heutzutage umgehen so viele Bands das traditionelle System und nutzen kickstarter, patreon und andere Webtools, um ihr Publikum zu erreichen, ohne einem seelenlosen Business-Typen Geld in den Rachen zu werfen. Jedoch möchte ich so viele Menschen wie möglich mit unserer Musik erreichen und wenn es die Chance gäbe mit einem guten Label, denke ich, dass wir diese Gelegenheit nutzen würden.

Wie viele Alben habt ihr herausgebracht und wo findet man sie, und wie kommt man generell an eure Songs? 
Simon: Dieses neue Album wird unser viertes sein. Unsere Alben sind nicht leicht zu kriegen. Wir verkaufen sie bei unseren Gigs oder über die Resurrection Records Website und es gibt einige Tracks als download von bandcamp. Wir sind auch gerne bereit, Sachen zu versenden an Leute, die uns über facebook oder Instagram oder Bandwebsite kontaktieren.

Wer ist für Cover Artwork verantwortlich und welche Idee steht dahinter? 
Simon: Wir suchen jedes Album anders anzugehen. Beim letzten benutzten wir das Artwork von  Vincent Chong. Ich traf Vincent, als er ein Buchcover für eine Horrorkomödie entwarf, die ich geschrieben hatte, namens  ‘Assumptions and Carnations’. Seitdem hat Vincent ein paar Preise gewonnen und ich bezweifle, dass wir ihn uns für das nächste Album leisten können. Wir haben einige Ideen für das Design des neuen Albums und reden mit einigen Künstlern. Ich denke, wir müssen uns bald entscheiden, wenn das Album noch in diesem Jahr herauskommen soll!

In der heutigen Musikszene, mit wem würdet ihr gerne spielen oder zusammenarbeiten? 
Simon: Jetzt wo David Bowie und Leonard Cohen tot sind, bin ich mir nicht sicher, welche meiner Helden noch da sind. Jedoch bin ich über jede Band froh, mit der wir in den Jahren zusammengearbeitet haben. Unsere letzten Alben wurden von Mike produziert, Sänger und gelegentlich Bassist der Band Manuskript. Manuskript sind ziemlich groß in GB, weniger außerhalb, was schade ist, denn sie sind eine tolle Band (aber verratet das bloß Mike nicht, sonst verrechnet er mehr für unser nächstes Album). Ich bin auch überglücklich, dass ich bei den letzten  Sol Invictus Aufnahmen mitmachen konnte und dass Tony Wakeford (Sol Invictus) auf meiner  Hi-Reciprocity CD spielt. Seine Mischung aus ernster Folk Music, gespielt mit schwarzem Humor und Zynismus ist ein wichtiger Einfluss (schlechter Einfluss?) für mich. Und ich hoffe, dass das neue Album, das wir im September aufnehmen, auch ein Duett mit Alix von der Band Last July enthält, da Alix und ich uns seit Jahrzehnten kennen und es gibt Gerüchte, dass sie die Rome Burns Texte besser kennt als ich!

Sind irgendwelche Gigs geplant? 
Simon: Wir versuchen uns auf die Aufnahmen für das neue Album zu konzentrieren, also haben wir noch nichts fixiert, aber es wird ein paar Gigs in GB geben am Jahresende und wir spielen gerne überall dort, wo sich die Leute das Benzingeld für uns leisten können.

Was sind eure künstlerischen Einflüsse? 
Daevid: Ich bin mir sicher, dass sich meine regelmäßig ändern, oder es ist eine Auswahl, wo du dir was nimmst und dann was Neues bastelst. Eine Zeitlang war ich inspiriert von  Placebo, den Pixies und etwas Sonic Youth; nun sind es Rage Against the Machine, Black Sabbath, Chelsea Wolfe. Ich werde von den roheren und traurigeren Sounds angezogen.

Nevla: Meine Einflüsse sind unterschiedlich. Mal hör ich mir Psy-Trance an und denke an tolle Keyboard Riffs, oder ich höre Rammstein und klaue von ihnen eine Idee. Ich kann überall Inspiration finden, aber es ist schwer, das festzuhalten, da ich so viel mit meiner Familie und meinem Brotjob zu tun habe.

Wer schreibt die Texte und wovon handeln sie, was inspiriert euch? 
Simon: Ich schreibe fast alle Texte, aber ich klaue auch die eine oder andere Phrase von anderen Bandmitgliedern. Ich glaube, dass mich alles inspiriert. Ich halte meine Augen, Ohren und meinen Geist offen für alles Seltsame und Wunderbare um mich. von Natur aus bin ich ein Mittelklasse-Rebell: Nicht wütend oder hart genug für einen Punk, where ich mich eher gegen Langeweile und Vorhersehbarkeit als eine politische Idee. Mir wird langweilig, wenn ich mir Bands anhöre, die gegen das Christentum wettern, also schreibe ich einen Song gegen den Buddhismus. Wenn mir Leute erzählen, dass Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond war, schreibe ich einen Song über Baron Münchausen und Cyrano De Bergerac, die davor dort waren. Ich habe Liebeslieder über Radaranlagen geschrieben und Anti-Regierungs-Verschwörungstheorien darüber, was einen Hubschrauberabsturz mit dem Dichter Alfred Lord Tennyson verbindet.

Welche Songs sind was Persönliches und Besonderes für euch? Bitte erklären…  
Daevid: Ich würde sagen, alle Songs, bei denen wir mitmischten, haben etwas Persönliches, du verbringst viel Zeit damit, sie zu umsorgen und dann live zu spielen. Unter diesen Voraussetzungen erwähne ich zwei, “Allegiance Lies” von “The Static Murmur”, hauptsächlich weil ich bei diesem Song die meisten Harmonien spiele. Ich hörte mir viel Ladytron an und wurde inspiriert, daher der modulierte Synth als Ergänzung zu den pointierten Fuzz-Gitarrensounds. Simons Texte und sein Gesang sind das Tüpfelchen auf dem I. Der zweite Song ist “Splitting Adam” vom selben Album, da gibt es ein Computer Plugin, nur leicht zu hören, das ich da einfach dabei haben wollte, genannt ‘Delay Lama’. Ein kleiner Mönch in digitaler Form! Das und die Tatsache, dass ich ein bisschen mehr mit der Gitarre experimentieren konnte, daher ist dieser Song und “Allegiance Lies” meine Lieblingskompositionen.

Nevla:  2 Songs liegen mir sehr am Herzen, der erste ist “Seeking Mr Hyde”. Ich erinnere mich daran, die Drums auf einer winzigen Yamaha drum machine in 2002 mit meiner Freundin programmiert zu haben. Sie verließ mich bald danach und das traf mich schwer. Da ich diesen Song damals schrieb, beeinflusste das die trauernden und wütenden Gitarrenteile und wohl auch ein bisschen den Text. Es war eine düstere Zeit, aber dieser Song ließ mich meine Gefühle ordnen. Der zweite Song ist “Coordinates of Control”, nur wegen der Musik. Das ist der einzig weitere Song, den ich in relativ kurzer Zeit geschrieben habe, Riff und Solo erzeugen bei mir noch immer Gänsehaut. Ich nutze in auch als Weckton und als Klingelton auf meinem Telefon – ich kann mich daran nicht satt hören!

Simon: Hinter jedem Song steckt eine Story. Ich denke, mein Liebling ist im Moment “Stone Garden”, denn es ist eine traurige Geschichte über das Herumwandern im Regen am Friedhof auf der Suche nach dem Grabstein eines Freundes und musikalisch was Neo-Folk am nächsten kommt von dem, was ich Rome Burns abringen konnte.

Und wer komponiert die Musik, ist es Teamwork oder macht einer alles? 
Daevid: Die meisten Anregungen kommen von mir, jedoch wurde  Nevla aktiver beim Songwriting bei diesem Album und dem davor, “Static Murmur”.

Nevla: Es war hauptsächlich  Daevid für die Musik, aber ich hab nun so eine Unmenge an Software und elektronischen Instrumenten, dass es mit David eine Gemeinschaftsarbeit wurde.

Und wenn ihr nun ein Video drehen könntet, wie wäre es und welcher Song? 
Daevid: Für ein Video muss es einer von unseren neuen unveröffentlichten Songs sein. Wahrscheinlich “See No Evil”, ein surftastischer Song über alles, was Geräusche im Dunkeln verursacht und du versuchst zu ignorieren, indem du die Augen schließt und so tust, als wäre es nicht da.

Was machen alle Bandmitglieder, wenn sie keine Musik machen?
Daevid: Meine Zeit mit Quasimodo (wo ich noch immer Mitglied bin) hat mir geholfen, als Rome Burns Pause machte. Ich habe bei Simons Hi-Reciprocity Projekt mitgemacht, und wenn möglich werde ich eines Tages mein eigenes Soloprojekt fertig schreiben und aufnehmen (weil jeder hat ein Soloprojekt, nicht wahr?)

Nevla: Ich höre viel Musik tagsüber bei meiner Arbeit (ich bin Computerprogrammierer) und komme so auf viele Ideen. Ich höre mir hauptsächlich alte 80er Songs oder RetroWave an, gemischt mit viel Metal und gelegentlich chillout/trance podcast.

Simon: Ich besuche viele Festivals, lese und schreibe viel und ich bin mir nicht sicher, welche Auswirkung es auf die Musik hat, aber ich bin auch Napoleonischer Reenactment-Darsteller, also reise ich um die Welt und schieße auf Franzosen (keine Sorge, es ist nur Spaß und wir trinken gemeinsam Bier, sobald das Publikum weg ist). Manchmal kollidieren meine unterschiedlichen Interessen: Ich bin 640 Meilen quer durch Europa gereist nach Leipzig, um sowohl die Wunder des Wave Gothic Treffen kennenzulernen und dann auch die Farben der Preussen Landwehr gegen Napoleons Armee zu tragen.

Simon, erzähl was über Hi-Reciprocity.
Simon: Hi-Reciprocity ist ein Act, den ich ins Leben rief, als Rome Burns sich vor ein paar Jahren auflöste (und dann reformierten wir uns wieder!). Ich dachte, wenn ich mich nicht mehr mit meinen bösartigen Bandkollegen arrangieren muss, dann könnte Hi-Reciprocity frei sein für alles, was ich gerne tun würde. Natürlich war das erste zu meinen Bandkollegen zu gehen und zu fragen, ob sie Musik schreiben würden. Also ist Hi-Reciprocity ähnlich wie Rome Burns, aber eher Neo-Folk und unheimlich und voller Poesie und Geschichten. Live geht es auch etwas schräger ab als bei Rome Burns. Die letzten paar Mal bei Hi-Reciprocity Gigs habe ich religiöse Choräle aus dem 15. Jahrhundert im Duett mit einem Spielzeugkänguru vorgetragen. Kürzlich habe ich gesehen, dass die deutsche Band  Goethes Erben als ‘Neue Deutsche Todeskunst’ Band bezeichnet werden, wobei ich dachte, dass das mein Solozeug super beschreibt. Vielleicht ist Hi-Reciprocity die erste und einzige Band der Alten Englischen Todeskunst!?

Wann kann man das live sehen und wie sind diese Live-Shows?
Simon: Hi-Reciprocity spielt am besten bei speziellen Festivals oder Gigs, denn es ist nur eine Person, die auftritt. Ich kann also jede Performance der Gelegenheit und Örtlichkeit anpassen. Also wenn ich bei einem Festival im Winter spiele, kann ich ein paar Sachen zur Jahreszeit machen, und wenn ich in Nord-London spiele, kann ich über die lokale Vergangenheit und Hexen referieren.  Oder in Cornwall kann ich ‘a cappella’ Songs über örtliche Legenden singen oder darüber, lebendig begraben zu werden. Leider hat Hi-Reciprocity eine Pause, während wir hart am neuen Rome Burns Album arbeiten. Aber ich denke, wir werden nächstes Jahr wieder seltsame Töne und Geschichten von uns geben.

Welche Rolle hat eurer Meinung nach das Internet in der Musikindustrie heutzutage? 
Daevid: Das Internet und generell die Technologie in den letzten 10 Jahren hat uns neue Bereiche an Möglichkeiten eröffnet. Ich sprach mit der Band darüber, wie wir nun Musik über Server machen und über Facebook kommunizieren und über Kickstarter ein Album finanzieren. Es ist ein tolles Werkzeug, um sich zu präsentieren und mit Leuten zusammenzuarbeiten. Dennoch is es kein Ersatz für persönlichen Kontakt Angesicht zu Angesicht, sowohl mit Bandmitgliedern als auch mit Fans!

Seid ihr aktiv auf Social Media, wo Fans euren Aktivitäten folgen können?
Daevid: Wir sind aktiv auf Instagram und Facebook… Wir haben auch eine Website, die aber noch in Arbeit ist nach einigen Jahren der Vernachlässigung. Aber sie sollte bald funktionieren! In der Zwischenzeit könnt ihr uns über Bandcamp oder Spotify anhören.

Facebook: https://www.facebook.com/romeburnsofficial/
Instagram: https://www.instagram.com/romeburnsofficial/
Bandcamp: https://romeburns.bandcamp.com/

Wie können euch eure Fans unterstützen?
Daevid: Hört euch unser älteres Material auf Bandcamp an und wenn euch das gefällt, kauft euch einen Song oder zwei… oder drei… und wenn ihr mehr wollt, dann unterstützt unseren Kickstarter. Wir wollen ein Album herausbringen, T-Shirts exklusiv zu dieser Kampagne und Badges, und andere Seltsamkeiten.
Kickstarter: https://www.kickstarter.com/projects/romeburns/all-monsters-to-angels

Was könnt ihr noch mit uns teilen, beispielsweise eine wüste Bandstory? 
Simon: Wir hatten bei unserem allerersten Gig einen Stagediver. Ich bin mir nicht sicher, ob wir danach jemals einen hatten. Bei diesem Gig kletterte ein betrunkener Fan auf die Bühne, um sich runter zu stürzen ins Publikum. Ein klassisches Beispiel von Rock-and-Roll Idiotie und ich fühlte mich schlecht dabei, ihn aufhalten zu müssen. Denn er hatte all die Kabel um seine Knöchel gewickelt und wäre er gesprungen, wären ihm alle Verstärker gefolgt und kurz danach auch die Gitarren mit den Gitarristen in dramatischer und unerwarteter Weise. Manchmal denke ich, dass ich ihn hätte springen lassen sollen. Es wäre ein viel kürzerer Gig geworden und eventuell auch eine viel kürzere musikalische Karriere, wenn ich alle meine Bandkollegen zu Krüppeln gemacht hätte, aber ich wette, es wäre eine unglaubliche Show gewesen!

Danke für eure Zeit und viel Glück! Ich freue mich schon auf eure Tour

Marina Minkler – journalist
Band photos – SteveK Photos and Adam Charlesworth

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Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski