501st Legion Swiss Garrison – Wenn das Böse Gutes tut

Bist du Star Wars Fan? Schlägt dein Herz für die Dunkle Seite der Macht? Möchtest du gerne Gutes tun und das am liebsten mit Gleichgesinnten? Dann wäre ein Beitritt zur 501st Legion vielleicht genau das Richtige für dich. Die 501st Legion ist eine internationale Charity-Organisation, die mit filmakkuraten Kostümen mit ihren Auftritten die Leute begeistert und mit 1,2 Mio. Dollar gesammelten Spendengeldern internationale wohltätige Zwecke unterstützt. Wir trafen Darth Vader der Swiss Garrison, stilgerecht im Hauptquartier der Dunklen Seite in der Schweiz  – im Cafe Klex in Liestal, das einem Storm Trooper gehört: Florian Bösiger erzählt ausführlich, was hinter der 501st Legion steckt, wie man Mitglied wird – und warum es unangebracht bis gefährlich ist, den Schwarzen Lord zu umarmen.

Hallo Flo, als erstes wüsste ich gerne von dir, was eigentlich deine Aufgabe bei der Swiss Garrison ist?
In erster Linie einen Charakter darstellen und ein Kostüm tragen, das mache ich als drei unterschiedliche Charaktere, von denen zwei aber bevorzugt sind, das sind die beiden Sith Lords, Darth Vader und Lord Starkiller, der ein weniger bekannter Charakter ist. Und abgesehen davon gehöre ich innerhalb der Kommandostruktur eigentlich zum oberen Kader, dort bin ich sowohl GWL – das heisst Garrison Web Liaison, dort unterhalte ich sämtliche Web Präsenzen, das sind die Social Media Kanäle, inklusive der Bilder unserer Mitglieder auf der Internationalen Seite. Und zusätzlich mache ich noch den PR Job, darum bin ich heute hier.

Die 501st Legion existiert seit 1997, seit wann gibt es die Schweizer Version davon?
Seit 1998, wir sind die kleinste aber älteste Garrison in Europa.

Und wie viele Mitglieder sind derzeit in der Schweiz aktiv?
Um die 82. Den massivsten Zuwachs hatten wir aber in den letzten drei Jahren. Weil Star Wars wieder aktuell geworden ist durch die neuen Filme etc.

Merkt ihr den Zuwachs auch, wenn ihr an einer Messe oder an einem Event wart?
Naja, ich sage es mal so; das Interesse mitzumachen ist schnell da, speziell wenn man uns sieht oder auch mit uns mal redet, aber es ist ein grosser Schritt zwischen: ich möchte es gerne machen zu: ich mache es effektiv. Weil es mit sehr viel Recherche, Zeit und Aufwand und oft auch mit sehr viel Geld verbunden ist. Es ist der kleinste Teil, der das dann auch effektiv macht, aber Events sind ein guter Approach, weil wir dort mit den Leuten in Kontakt kommen.

Flo Bösiger in seinem Darth Vader Kostüm

Wie lange Bist du bereits Teil davon?
Ich bin jetzt offiziell seit 2016 dabei, hatte aber zuvor schon zweieinhalb Jahre mit der Garrison mehr Kontakt, habe Leute kennengelernt und bin auch an Messen gegangen, wo sie waren, und habe in dieser Zeit versucht mein Kostüm durchzubringen. Ich hatte mir dazu Mal eben eines der Schwierigsten ausgesucht und habe dementsprechend auch ein paar Absagen bekommen wegen kleinen Details, die ich nachher immer noch upgraden musste. Aber jetzt offiziell als Fixmitglied und Headquarter seit 2016.

Und wie Bist du darauf aufmerksam geworden und dazu gekommen? Durch Kollegen von dir?
Nicht wirklich, aber wenn man Hardcore Star Wars Fan ist, kommst du irgendwann mal mit dieser Organisation in Verbindung und merkst, dass es Leute gibt, die das Ganze noch ein Stück weiterziehen. Es ist nicht nur Fandom, sondern sie stellen filmakkurate Kostüme her und werden zu diesem Charakter. Und dann wird das alles noch für einen wohltätigen Zweck genutzt, dann kommt man einfach nicht um die 501st Legion herum. Es gibt ja mittlerweile über 13000 Mitglieder weltweit und daher glaube ich, dass früher oder später jeder, der sich damit auseinandersetzt, mal über die Garrison stolpert.

Ich gehe aber davon aus, dass du vorher kein Cosplayer warst, oder auch im Allgemeinen die wenigsten Cosplayer waren oder sind?
Lustigerweise war ich eher der Fasnächtler (Schweizer Karneval). Ich habe mich einfach sonst gerne verkleidet, aber Cosplay selber sagte mir eigentlich nichts, ich habe das erst durch die ganzen Conventions entdeckt, die in den letzten paar Jahren in unserem Breitengrad aufgekommen sind. Das Witzige ist, dass die Leute oft denken, wir seien Cosplayer, was nicht ganz zutreffend ist. Cosplayer können machen was sie wollen, sind völlig frei, aber wir sind an gewisse Guidelines und Richtlinien gebunden. Vom Aussehen, über das Material und über die Dimensionen der einzelnen Teile. Ein Cosplayer muss das nicht und kann Sachen einfach frei interpretieren. Und das merkt man auch, wenn jemand von der Legion ein neues Kostüm macht und sich Just for Fun an einem Cosplay Wettbewerb anmeldet. Die Leute aus diesem Bereich sind oft mit uns überfordert. Ich möchte nicht sagen, das eine sei besser oder schlechter. Das ist als ob du ein Kostüm von einem Filmset holst, das vielleicht hochprofessionell gemacht ist und sogar mit Metall etc. und du zeigst das, dann ist der Standard Cosplay an einem Event oder auch die Jury damit überfordert, weil es wie ein bisschen in einer anderen Liga spielt. Was aber auch nicht schlecht ist, weil ich dadurch auch ins Cosplay reingekommen bin und einen sehr guten Bezug zu einer grossen Cosplayerin in der Schweiz habe. Wir haben uns immer wieder gegenseitig inspiriert, weil es auch die Art und Weise ist, wie man Recherche betreibt und die Materialien beschafft, es könnte unterschiedlicher nicht sein, aber es überschneidet sich manchmal und ergänzt sich auch.

Würde es dich denn mal reizen, mal was ganz anderes zu machen, bei dem nicht so viele Vorgaben gemacht werden, oder ist das eher nicht dein Ding?
Also rein um sich zu messen und eine Challenge auf sich zu nehmen, ist das, was wir machen, schon recht weit oben. Aber ich habe auch angefangen, zwei Kostüme zu machen, die überhaupt nichts mit Star Wars zu tun haben und bei denen ich auch recht frei mache, wie ich es gerne hätte. Da bin ich gespannt, wie das ankommt.

Was fasziniert dich an Star Wars?
Puh, das würde den Rahmen eines ganzen Nachmittags sprengen. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Erstens ist es die Langlebigkeit des Ganzen, weil es über X-Generationen so viele Leute begeistert hat. Die perfekte Mischung zwischen Heldengeschichte, Familien-Drama mit Shakespeare-Elementen bis zu Fantasy und Science-Fiction Touch, obwohl der Fantasy-Bereich eher stärker ausgeprägt ist – auch wenn es im Weltall stattfindet, ist es definitiv Fantasy. Und auch der Bezug zu den einzelnen Charakteren, es ist der Klassiker, der Kampf zwischen Böse und Gut und das wir beides in uns haben, und dass es manchmal nur einen ganz leichten Schubser braucht, dass wir die eine oder andere Seite bevorzugen – die ganze Entwicklung, die jemand durchmachen kann. Das man tief fallen, aber am Schluss auch erlöst werden kann, also ist es ein bisschen die klassische Heldengeschichte. Ich glaube, das ist etwas, das sich in vielen guten Geschichten wiederspiegelt und ich glaube, das ist der Kernpunkt, der einen fasziniert. Und ganz ehrlich, einfach ALLE Spielzeuge, die sie haben, es gibt nichts geileres als mit einem Lichtschwert in der Gegend rum zu rennen und alle finden: Wow!!

Und das Merchandise, ich liebe vor allem das.
Ich bin nicht mehr so bezogen darauf. Ich habe lieber ein paar gute Statuen zuhause und einfach auch Merch, das man brauchen kann, also sei es Lichtschwert oder ein Blaster, Kostüme, das ist für mich eher Merch, zu dem ich einen emotionalen Bezug habe. Aber so Lego und solche Figuren war nie so mein Ding. Eher Bücher und Comics. Dort habe ich am meisten Geld investiert in den letzten 20 Jahren.

Ich glaube, es gibt ja eh nichts, das es nicht gibt von Star Wars, man könnte ja quasi die ganze Wohnung so einrichten – sieht es denn bei dir zuhause so aus?
(Nicken) Ja ich habe ein ganzes Zimmer mit der Sammlung.

Nur ein Zimmer?
Ja, es ist schon überall noch ein bisschen verteilt, aber der Kernpunkt ist ein Zimmer, in welches ich alles reingestopft habe.

Kaufst du dir auch Sachen, die direkt vom Set kommen?
Das nicht!

Die kosten einfach Unmengen.
Erstens das und wir mussten feststellen, dass unsere selbst produzierten Sachen von Leuten aus der Legion teilweise qualitativ besser sind als das, was am Set gebraucht wurde. Das musste oft nur für ein oder zwei Sequenzen gut aussehen, das betrifft auch die Kostüme. Wir bauen es so, dass es länger lebt und tragbar ist und dass es eine gewisse Widerstandsfähigkeit hat. Es gab Beispiele, dass Schauspieler unsere Kostüme anschauten und fanden, dass es weit über das hinaus geht, was sie am Set hatten. Mit Ventilatoren in den Helmen mit Sprachsteuerung, mit Powerbank und mit Kühlung und allem Drum und Dran. Sachen, die man einfach nicht gemacht hat, nur weil man es kurz fünf Minuten brauchte für eine Einstellung – und das ist der Unterschied.

Du sagst, dich fasziniert dieser Kampf zwischen Gut und Böse, du hast dich selber aber für die böse Seite entschieden, es gäbe ja auch die Rebel Legion für die gute Seite – warum war die böse Seite denn doch interessanter?
Also ich heisse ja Bösi. (lacht) Ich glaube es ist wie im Film, die Bösen sind einfach die, die länger einen Eindruck hinterlassen in den Köpfen der Leute. Sie haben meistens die besseren Waffen, die grösseren Spielzeuge und die tolleren Outfits. Das ist eine Tatsache. Sie sind meistens besser organisiert, und seien wir ehrlich, selbst Menschen, die mit Star Wars nichts am Hut haben, kennen eine einzige Person hundertprozentig, und wenn es nicht der Name ist, dann kennen sie das Gesicht oder die Silhouette – und das ist Darth Vader. Das kennt jetzt einfach jeder. Und das hat einfach einen gewissen Wiedererkennungswert und das war auch immer meine persönliche Figur, weil er eigentlich auch die klassische Heldengeschichte wiederspiegelt vom bis an die Spitze kommen, gefolgt vom sehr tiefen Fall, um dann aus tiefster Dunkelheit wieder erlöst zu werden. Und das ist einfach die perfekte Helden-Geschichte. Und wir, die 501st, haben nur Kostüme der dunklen Seite. Oder so halbdunkel, manchmal sind es auch Leute, die einfach für Geld arbeiten oder Gesindel, aber so kann man es ein bisschen separieren. Aber wir arbeiten ja oft auch mit der Rebel Legion zusammen und die meisten bei uns haben sowohl als auch, also Kostüme von beiden Seiten. Wir sind ja auch mit dem Spruch vertreten «Bad guys doing good», also die bösen Charaktere tun Gutes.
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Wie viel Geld und Arbeit stecken denn in deinem Darth Vader Kostüm?
Also normalerweise sagen wir das nicht, es variiert ein bisschen, sagen wir mal, ein kleines Occasion Auto oder ein durchschnittlicher Monatslohn geht für ein solches Kostüm schon drauf. Zeit und Arbeit variiert, je nach dem was man alles selber macht. Man hat schon immer den Anspruch, so viel wie möglich selber zu machen, aber es gibt immer Teile, die man nicht selber machen kann, weil man die Ausrüstung dafür nicht hat, weil man das nötige Know-how nicht hat oder weil man die Materialien nicht kennt. Und Vader ist ein Kostüm, das recht schwierig ist selber zu machen.

Also ist ein Grossteil davon gekauft?
Ja, aber es sind 12 unterschiedliche Hersteller aus der ganzen Welt und jeder fokussiert sich auf ein einziges Teilchen. Und das Interessante daran ist, dass man ein solches Kostüm nicht am Stück auf diesem akkuraten Level kauft. Das ist ein grosser Irrglaube, die Leute denken immer, sie können sich ein Kostüm kaufen und uns beitreten, das funktioniert nicht. Es gibt Ausnahmen wie einen Storm Trooper oder einen Offizier, wo man einfach noch Anpassungen oder Upgrades machen muss. Aber komplexere Kostüme, wo jedes Teil filmakkurat sein muss, kann man so nicht kaufen.

Also ich gehe mal davon aus, dass gerade der Helm von den Materialien her schwierig selber zu machen ist?
Der Helm ist nicht mal so das Ding. Es ist ein Glasfaser- Kunstharz Mix. Aber das Problem sind manchmal einfach die Details, die akkurat sein müssen.  Und 99% von dem erhältlichen Merchandise von Lucas Film oder Disney, das man kaufen kann als Sammler, ist nicht filmakkurat. Es klingt hart, aber es ist wirklich so.

Also schauen die zu wenig auf die Details bei der Herstellung solcher Sachen?
Entweder das, aber ich kann mir auch vorstellen, dass es auch zu viel Zeit und Aufwand beanspruchen würde, dass man es zu einem normalen Preis für den Casual Fan noch herstellen kann. Aber Lord Starkiller – der zweite, den ich gemacht habe – da habe ich eigentlich 80% selber gemacht. Einfach weil ich es mal wissen wollte und da habe ich mich wirklich auch mit Materialien und allem auseinandergesetzt und habe es eigentlich ganz gut hinbekommen. Und mittlerweile ist es das dritte Kostüm dieser Art auf diesem Planeten, das zugelassen wurde, also ist es sehr selten und ich bin sehr zufrieden damit.

Das heisst aber auch das, wenn du es selber machst, dass du von Nähen zu Kleben etc. alles machen musst? Es gehört noch recht viel dazu, das alles hinzubekommen.
Wo wir wieder bei den klassischen Cosplay Skills wären. Das Gute ist, dass dir die Materialien auch so oft über den Weg laufen. Es gibt manchmal Sachen, wo die Leute denken, warum kaufst du das, aber es erfüllt genau den Sinn und Zweck, den du brauchst und es sieht auch so aus.

Man muss es einfach auch sehen, was man recyclen kann.
Genau, ich kann dir ein Beispiel geben. Das zweite Kostüm, da brauchte ich sehr viel schwarzes Leder und Benz hatte gerade ein Ledersofa, das er entsorgen wollte, und somit bin ich für die nächsten zwei Jahre ausgerüstet mit grossen Stücken schwarzem Leder. Und du weisst, wie teuer Leder ist. Also war es einfach perfekt!

Ich habe gelesen, dass in diesem Helm vier Ventilatoren verbaut sind, damit du im Kostüm nicht so schwitzt.
Genau, es hat den Vorteil, dass ich immer eine frische Brise um mich herum habe, weil das Kostüm eh schon gefühlte 20 Grad mehr als die Aussentemperatur hat. Und es erfüllt einfach auch noch den Zweck, dass einer der Ventilatoren nach aussen zeigt und so die Feuchtigkeit im Inneren abgetragen wird und die Linsen nicht beschlagen, also habe ich immer freie Sicht.

Und der Helm kommt mit diesen Ventilatoren oder hast du die selber verbaut? Welche Ventilatoren nimmst du da?
Die habe ich selber eingebaut. Es sind PC Ventilatoren. CPU Lüfter, die mit einer im Helm integrierten Powerbank betrieben werden. Aber im Vergleich zu normalen Batterien oder wieder aufladbaren Akkus etc. ist es das Beste. In der heutigen Zeit, wo Powerbanken so lange halten, so klein und flach sind, ist es eigentlich das perfekte System. Ich lade 4-5 Powerbanken vor einem Troop und dann ist die Sache für mich erledigt.

Wie lange Bist du denn in deinem Kostüm, wenn ihr einen Troop habt?
Das variiert, je nach Temperatur und je nach Präsenz-Zeit. Manchmal müssen wir uns abtauschen, weil alles so ab zwei bis drei Stunden langsam mühsam wird. Das längste, was ich mal gemacht habe, waren fünf Stunden am Stück. Mit kleinen Pausen, wo ich einfach den Helm mal auszog. Das ist eigentlich das Maximum. Es gibt eine einzige Ausnahme und das zwar «Jede Rappe zählt» (Schweizer Spendenevent für den guten Zweck, der jährlich im Dezember vom Schweizer Radio/Fernsehen organisiert wird) in Luzern, das ist der Troop, den ich am liebsten hatte, weil ich praktisch nackt ins Kostüm rein und den ganzen Tag auf dem Platz rum stehen kann und ich fühle mich pudelwohl. Während alle anderen um mich herum zittern. (lacht) Das ist für mich ein Highlight, weil ich mich dort einfach frei bewegen kann, ohne einen einzigen Tropfen Schweiss zu vergiessen. Und das ist so schön.

Wie schwer ist denn dein Kostüm?
Das ist eine gute Frage, ich würde sagen, mit der ganzen zusätzlichen verbauten Elektronik bin ich jetzt bei ca. 20-22kg. Es verteilt sich gut und man gewöhnt sich daran. Es ist natürlich viel Leder und Wolle und die Elektronik, das verursacht Gewicht. Aber ich merke es meistens nach längeren Tagen am Rücken und den Fersen.

Also ist es nicht besonders bequem.
Es ist schon bequem. Aber der Punkt ist, ich bin nur 1,81 gross und das ist ein knapper Vader. Mit Helm komme ich ca. auf 1,86. Jetzt habe ich aber in meinen Stiefeln noch sogenannte Liftsohlen eingebaut, also laufe ich eigentlich die ganze Zeit wie auf High Heels, blöd gesagt. Damit konnte ich ein bisschen Grösse rausholen und komme jetzt auf 1,91 m, was immer noch ein bisschen kleiner ist als ich sein sollte, aber das war das Maximalste, das ich rausholen konnte und dafür muss ich eben ein bisschen leiden.

Du weisst immerhin, wie sich Frauen in High Heels fühlen. Ihr habt genaue Vorschriften ,wie ein Kostüm sein muss, und dann gibt es noch 3 unterschiedliche Einstufungen, wie akkurat ein Kostüm ist. Dein Kostüm ist auf Stufe 2 von 3, was brauchst du noch, um auf den höchsten Level zu kommen?
Es sind einfach kleine Details die ich ändern müsste, das eine sind die Nähte meiner Unterrobe, das ist minimal und kaum zu sehen, aber sie sind in der falschen Relation zu meiner Brust-Box. Das heißt, ich müsste diese Nähte aufmachen und nochmal anpassen. Nicht akkurat waren die Gürtelboxen, die habe ich aber seit zwei Wochen auf Level 3. Aber das ist eher etwas Internes, eine Anforderung an sich selbst und für die einzelnen Forum Gruppen und Detachements dieser Kostüme. Es gibt eine Unterteilung, welche Gruppe ist in welchem Bereich angesiedelt und das ist dann eher für diese Foren, wo man die Anerkennung bekommt, wenn ein Kostüm sehr akkurat ist, aber für die Legion selber braucht es eher nur Basic Approval oder Level 1, damit die Mindestangaben erfüllt sind.

Und wer überprüft das? Muss man sein Kostüm erst einschicken zur Prüfung?
Basic Approval und Level 1, damit man überhaupt zugelassen wird, überprüfen die Lokalen GML, dort muss man alles einschicken. Nicht unbedingt das Kostüm selbst, aber gute Bilder, detailliert und am besten bei Tageslicht mit einer guten Erklärung dazu, was es für Material ist, woher es kommt, wer es gebaut hat oder hat man es selber gemacht etc. Und das wird lokal bei den einzelnen Garrisons durchgelassen. Und alles was Level 2 und 3 ist, läuft dann über die einzelnen Foren, wo man es eingeben kann. Aber es ist nicht vorgeschrieben. Es kann vorkommen, beispielsweise als die alten Filme auf HD herauskamen, dass man plötzlich ganz andere Details sieht, die klarer sind oder mit anderen Farbtönen, wo man dann die ganzen Referenzvorgaben wieder anpassen musste. Und das musste man auch bei vielen Kostümen machen, und da ist es dann natürlich eine Aufgabe bei Kostümen, die älter sind und nicht mehr dem jetzigen Standard entsprechen, dort muss man schauen. Man wird nicht gleich verbannt, aber die Erwartungshaltung ist, dass das man dann die Details anpasst.

Die 501st Legion Swiss Garrison ist eine Non-Profit Organisation und ihr sammelt Geld für den guten Zweck. Wofür sammelt ihr in der Regel, wo fließen eure Spenden hin?
Weltweit variiert es ein wenig, aber der Fokus liegt eigentlich immer auf Organisationen, die sich mit Kindern oder kranken Kindern befassen. In der Schweiz haben wir eigentlich jedes Jahr zwei Organisationen ausgesucht, die diese Anforderungen erfüllen, und haben das Geld aufgeteilt und gespendet. Fairerweise muss man aber sagen, dass in der Schweiz die ganze Wohltätigkeitsarbeit noch in den Kinderschuhen steckt. Was in Asien und Amerika gut funktioniert auch mit Spitalbesuchen und öffentlichen Auftritten ist etwas, das in der Schweiz immer noch sehr harzt und immer noch sehr konservativ ist, lustigerweise. Also auch große Organisationen wie Human Ressource oder Stiftung Theodora mit den Clowns, die blocken uns eigentlich seit Jahrzehnten strategisch ein bisschen ab oder wollen nicht mit uns zusammenarbeiten. Weil vielleicht einfach das Stigma der Pop-Kultur noch zu stark mit dem zusammenhängt. Wir wissen leider auch nicht, woran es liegt.

Oder weil sie denken, es sei nicht kindergerecht…?
Naja, Star Wars ist ja eigentlich schon kindergerecht. Wenn ich jetzt zurückdenke an meine Kindheit und ich im Krankenhaus wäre, ich hätte jetzt an solchen Figuren auch noch Freude. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es viele Kinder und Jugendliche gibt, die sich mit diesen Figuren mehr identifizieren können als mit einem Clown. Nichts gegen Clowns per se… wir hoffen einfach immer, das sich das langsam mal ändert. Wir dürfen einfach auch auf Grund der Rechte von Disney an Star Wars gewisse Events nicht mehr machen, aber das sind eigentlich die großen Events, die uns ein Drittel der Spendengelder vom einem ganzen Jahr eingebracht haben. Und das ist einfach schade. Wir wollen es uns aber mit Disney auch nicht verspielen und haben uns immer daran gehalten, aber langsam macht sich Unmut breit und es ist einfach schade, dass einem solche Steine in den Weg gelegt werden.

Wir haben eben im Gegensatz zum Ausland auch recht starke Copyright-Richtlinien.
Ja, aber wir machen das eigentlich seit 20 Jahren gratis, für eine Marke. Es ist einfach Disney, die das ein bisschen verändert haben, weil Lucas Film zuvor – vor der Disney Übernahme – uns immer gefördert hatte. Die größte Lucas Film Parade, die es je gab an der Rose Parade 2007, das waren alles Legionäre und Lucas hat das immer sehr gefördert. Eigentlich ist die 501st eine Erfindung des Gründers, aber spätestens seit «Revenge of the Sith» 2005 sind wir eigentlich Film-Kanon. Und 2013 bei der Übernahme war es wohl auch mal ein Thema, was man mit dieser Legion macht. Man muss es einfach auch mal aus dem Marketingtechnischen sehen. Es sind Leute, die in nicht lizensierten aber hoch akkuraten Kostümen rumrennen und die Figuren besser darstellen als gewisse Disney Park Mitarbeiter und gleichzeitig 13.000 Members sind mit einer hoch militärischen Struktur & Merchandise. Und man hat sich wohl auch überlegt, die Legion aufzulösen, zum Glück haben sie das nicht gemacht. Die hätten 12.000 Hardcore Fans gegen sich gehabt und der Einfluss ist nicht zu unterschätzen von einer Fangemeinschaft.

Das kann ich mir vorstellen, am Ende macht ihr ja nichts Schlechtes. Und ihr macht ja eigentlich auch gratis Werbung für ihre Marke.
Es ist eben auch eine Art von Wertschätzung, die Arbeit zu schätzen und dass man Stunden von Schweiß und Blut und Geld in die Kostüme investiert. Und noch dafür sorgt, dass Leute und Kinder Freude am Ganzen haben, bis zu offiziellen Disney Events wie Kinopremieren, wo wir uns mit 20 Leuten in einer Abstellkammer umziehen müssen, dann offiziell präsentiert werden mit Medien und Drum und Dran und dann im Kino in der vordersten Reihe sitzen und den Film so nicht genießen können. Es ist halt immer so, wo ist die Grenze, was wertgeschätzt wird von dem was wir machen und was nicht.

Also würdet ihr euch wünschen, dass die Zusammenarbeit…
…Wieder besser wird. Ein aktuelles Beispiel ist das Legoland. Das war eines der größten Events weltweit, dort waren bis zu 450 Legionäre anwesend, aus 13-15 verschiedenen Ländern angereist. Und dort waren mehrere 1000 Leute über drei Tage lang in diesen Park gestürmt, um uns zu sehen mit Parade und allem Drum und Dran. Und das Legoland lebte ja auch ein bisschen von dem über die Jahre hinweg. Da Disney die eigenen Parks ein wenig pushen möchte, von denen wir in Europa aber nicht wirklich was davon haben, haben sie auch dieses Legoland gestrichen. Es war ein schönes Event, weil man einfach gesehen hat, es kommen so viele Leute dorthin und du Bist einfach von morgens um 9.00 Uhr bis abends um 17.00 Uhr der Rockstar, weil alle ein Bild mit dir wollen. Egal ob dieses Kostüm 10-mal herumläuft, das ist völlig egal, weil es sich sowieso verläuft. Aber gleichzeitig war es ja auch ein Treffen für uns, weil man einfach die Möglichkeit hatte, mit so vielen Leuten international von der gleichen Vereinigung mal zusammen zu kommen. Und das hat schon geschmerzt, einfach nur weil Disney fand, dass sie nicht mehr wollen, dass wir das machen. Und gerade Lego und Star Wars haben ja eine lange Geschichte miteinander. Und man kann ja auch offen und ehrlich sagen, dass Star Wars Lego auch gerettet hat. Lego ging es nicht gut, bevor die Star Wars Spielzeuge produziert wurden. Und diese Sachen verstehe ich einfach nicht, wie man sowas unterbinden kann. Aber wir werden sehen, was die Zukunft bringt, es kann auch sein, dass es nur im Moment so ist, damit es viel stärker angenommen wird, wenn man es eine gewisse Zeit einfach auf Eis behält.

Für welche Events werdet ihr denn sonst noch gebucht? Kann man euch auch für eine Hochzeit, Geburtstag buchen?
Das machen wir alles auch. Dort ist es einfach so, dass ein gewisser Satz gegeben ist, den wir bekommen für die Anzahl Kostüme. In der Regel sind es 300 Schweizer Franken für eine Präsenz von uns, egal ob 3 oder 4 Kostüme oder 10 sind, das ist einfach so der Mindestansatz, damit wir vor Ort sind. Wir verlangen nicht pro Kostüm was, sondern einfach für unsere Präsenz und damit ist alles gedeckt und das ist der Spendenansatz, den wir zu 100% Ende Jahr in den Pool reinwerfen können.

Bezahlt man denn mehr, wenn man ein gewisses Kostüm möchte?
Das war eine gewisse Zeit so, dass Leute fanden, sie bezahlen mehr für Kostüme, aber das haben wir schnell wieder unterbunden, weil es auch den Mitgliedern gegenüber unfair ist, weil man niemanden dafür verurteilen kann, was für ein Kostüm er gewählt hat und tragen möchte. In den meisten Fällen heißt es, sie hätten gerne einen Vader und sie hätten gerne Storm Trooper, einfach weil man das kennt. Aber wir weisen drauf hin, dass wir auch mit anderen Kostümen kommen, wir bringen sicher alle, die gefordert werden, aber wir bringen dann meistens auch noch einige mehr mit, weil sonst die Möglichkeit für die Mitglieder nicht gegeben ist, dass sie in ihren Kostümen auftreten können.

Ihr seid immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Wenn ich jetzt zum Beispiel als Jabba de Hutt bei euch mitmachen möchte, was müsste ich für Anforderungen erfüllen?
Also erstens Mal ist Jabba de Hutt kein Kostüm, das du tragen kannst, weil es im Film von acht Personen gesteuert wurde, das wird ein bisschen schwierig. Und das zweite ist, es wäre wohl logistisch etwas schwierig, weil man Jabba nie rumlaufen sah, also müsstest du noch einen Wagen haben oder etwas. Aber du wärst der erste Jabba in der Legion. Das Kostüm gibt es noch nicht.

Aber ihr habt auch einen ferngesteuerten R2D2, also könnte man Jabba auch so machen, oder?
Wenn du dir denn Aufwand zumuten möchtest, einen filmakkuraten Jabba zu machen, bei dem das Kostüm bereits um die 30.000 Franken gekostet hat und acht Leute ihn bedient haben, dann, go for it! Aber es gibt sicher einfachere Kostüme, wenn man uns beitreten möchte als das.

Und wenn man ein einfacheres wählt, was sind da die Vorschriften? Was braucht es dafür, kostümtechnisch und persönlich?
Also ein TIE Pilot oder ein Java ist vom Kostüm und Budget sicher am einfachsten umzusetzen. Und persönlich sollte man einfach eine gewisse Leidenschaft haben für das, was man macht, sich ein wenig mit dem Charakter auseinandersetzten, und damit man effektiv als aktives Mitglied gilt, muss man einen offiziellen Troop pro Jahr machen. Was nicht wirklich viel ist. Dann gilt man als aktiv. Wir haben auch eine Art Mitgliederzählung, bei der man klärt, was man noch macht, welches Kostüm noch aktiv ist, welches der letzte Troop war, das gibt es einmal im Jahr und dort schaut man dann, ob die Leute überhaupt noch dabei sind. Und ich behaupte mal, dass ein Troop pro Jahr nicht so viel ist. Es ist ja ein Hobby und wenn man es nicht einmal in einem Jahr ausüben kann, dann muss man sich doch fragen, ob es wirklich das richtige Hobby ist.

Wie viele Events habt ihr denn in einem Jahr?
Das variiert. Es kommen natürlich auch einige internationale Events dazu, aber in der Schweiz ca. 5-10 Events pro Jahr. Das sind Messen, Filmpremieren, kleinere Conventions, die Comic Börse in Zürich, plus zwei neue Cons, wo wir regelmäßig anwesend sind. Die Fantasy in Basel ist unser Hausevent, der harte Kern kommt aus dem Raum Basel, Aargau bis Zürich.

Habt ihr denn auch Leute aus der Französischen Schweiz oder dem Tessin?
Im Tessin haben wir aktuell keine Mitglieder und in der Französischen Schweiz gibt es einige, wobei wir da wie auch im Tessin den Mitgliedern offenlassen, ob sie sich nicht lieber der Gruppe in Frankreich oder in Italien anschließen wollen, einfach wegen den sprachlichen Barrieren und wegen den langen Anfahrtswegen. Und es gibt bereits solche, die in der Schweiz leben, aber bei der französischen Gruppe dabei sind. Aber das ist jedem selbst überlassen, ob er das möchte oder nicht. Wir haben selber auch einige Leute aus dem Bereich Liechtenstein, Konstanz und Bregenz, weil es kürzer ist zu uns zu kommen als nach Salzburg oder Wien zu fahren. Die lustigste Kombination ist eines unserer ältesten Mitglieder, er ist Italiener, wohnt in St. Louis (Frankreich), aber ist Mitglied bei der Swiss Garrison.

Bei welchen Charakteren ist denn bei euch zurzeit Not am Mann oder an der Frau?
Das ist schwer zu sagen. Ich könnte es jetzt aus der Vader-Sicht und mit Imperialem Touch sagen: Wir brauchen immer Fußvolk, Storm Trooper, je mehr desto besser. Alle Leute, die in Massen gut wirken, das sind Stormies, Javas, die kann man immer brauchen. Aber es gibt keine maximalen oder Mindestanforderungen an Kostüme. Jedes Kostüm ist in dem Sinn willkommen.

Ihr habt weltweit über 13.000 Mitglieder, gibt es denn unter den Mitgliedern auch im Ausland Kontakt, trefft ihr euch auch mal oder eher weniger?
Spezielle Treffen gibt es in dem Sinn nicht. Wie gesagt war das Legoland einer dieser Treffpunkte, wo wir auch am Samstagabend ein Dinner organisiert haben und hunderte von Legionären in einer Halle versammelt waren zum Feiern und Essen. Das war eines der schönsten Erlebnisse bis heute, da muss ich ehrlich sein. Was aber noch möglich ist zum Beispiel auf einem Urlaub in ein anderes Land, da kann man die lokale Garrison anschreiben und in 99% der Fälle ist es meistens so, dass dich jemand am Flughafen abholen kommt oder Legionäre dir schreiben oder dich treffen und Sightseeing-Touren mit dir machen; es gibt sogar auf Facebook ganze Garrison Reisegruppen. Also kannst du zum Beispiel nach Thailand und dich melden, dass du zu dem Datum in dem Land Bist und dann organisieren sie alles, sie schauen nach Unterkünften, sie machen Ausflüge mit dir, alles Drum und Dran. Das ist das, was ich gemerkt habe, als ich reinkam. Es geht weltweit ein grosses Netzwerk auf, weil man einfach an allen Ecken, von Alaska bis nach Fiji Leute kontaktieren kann, die dir in diesem Land dann zur Seite stehen, weil sie im gleichen Verein sind.

Das ist ja eigentlich ein super Zusammenhalt. Das finde ich ganz toll und das hat man doch heute selten. Und wie ist es in der Schweiz? Trefft ihr euch auch mal außerhalb der Events?
Wir sehen uns eigentlich relativ viel. Erstens haben wir auch oft Sitzungen, bei denen es darum geht, wie man gewisse Sachen macht. Das ist einfach speziell das Hauptquartier, aber wir machen sonst auch regelmäßig Grilladen, Essen und solche Sachen, logisch sind nie alle dabei, das ist schwierig, einen Haufen von 80 Leuten an einem Tag zusammen zu bringen. Aber es gibt auch einzelne Gruppierungen und Leute, die sich regelmäßig treffen. Wir sind auch alle in einem WhatsApp Chat, was bedeutet, dass man auch mal 93 ungelesene Nachrichten am Morgen hat, das ist völlig normal. (lacht) Also haben wir eigentlich schon einen guten Kontakt. Zum Beispiel auch, wenn jemand umzieht. Die Leute, die am Morgen pünktlich und in grosser Zahl erscheinen, das waren meistens Leute aus der Garrison. Und das ist auch toll, wenn man einfach kurz in den Chat schreibt, ich ziehe um und schlussendlich stehen 10 Leute vom Verein dort. Das ist sehr schön.

Wir befinden uns ja hier im Café Klex in Liestal, das Sebastian Benz gehört, der auch bei der Swiss Garrison dabei ist als Storm Trooper. Dieser Ort wird ja so Quasi als euer Hauptquartier angesehen.
Ja, eigentlich inoffiziell. Wir haben ein paar Partys hier gemacht, die Verabschiedung und Geburtstag unseres letzten CO, der 20 Jahre das ganze leitete, was sehr lange ist für jemanden auf diesem Posten, aber er möchte mit 50 einfach ein bisschen ruhiger treten, was verständlich ist. Und im letzten Interview, das wir mit Tele Basel (Lokaler TV Sender) hatten, bei dem ich die Leute auch hier traf, hiess es, es sei das inoffizielle Hauptquartier vom personalisierten Bösen.

Das wäre ja eigentlich noch ganz cool, ihr könntet das ja auch regelmäßig machen, solche Treffen.
Ja, es liegt halt einfach auch gut, weil viele Leute aus dieser Gegend sind.

Wie funktioniert das, wenn ihr einen Event habt, kommt das in ein Forum rein oder sagt ihr den Leuten dann, ihr braucht dieses und jenes Kostüm sie sollen kommen, oder wie läuft das?
Das wäre schwierig, wir haben einen Cloud Office Account, in dem alle Leute drin sind, in welchem die Events gepostet werden und dann kann man zu- oder absagen. Und dann schauen wir, wer sagt zu, wie viele Kostüme haben wir und meistens sind die Kostüme, die verlangt werden wie Vader und Stormies schnell besetzt. Aktuell sind wir drei Vader in der Schweiz, einer im Graubünden, einer in St. Gallen und ich hier, es waren aber auch schon mehr, und müssen doch schon schauen, wer bekommt es hin. In der Regel schauen wir auch, dass es lokal Sinn macht, dass die Leute, die in der Nähe sind, zu den jeweiligen Events gehen können. Und das gibt eigentlich auch keine Probleme, es kann aber passieren, dass ein Tag vollkommen unpassend ist oder zu kurzfristig, dass wir auch mal absagen müssen. Und dann kann es auch sein, dass diese Events durch mangelnde Anmeldungen abgesagt werden müssen.

Und eure Mitglieder vertreten in der Regel einfach einen Charakter oder mehrere?
Es ist schon so, dass sie in der Regel mehrere haben. Man fängt an mit einem, aber ich kenne fast niemanden, der nicht mehr möchte. Und nach ein paar Jahren sitzt du zu Hause und hast vier Schaufensterpuppen und sechs Kisten und gehst an Events und fragst dich… Welches nehme ich heute… Von dem her ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Leute an einer Fantasy mit 3-4 Kisten kommen und nach einem Tag oder halben Tag das Kostüm wechseln. Und die meisten haben auch Kostüme der Rebel Legion.

Dann stört es euch nicht, wenn jemand bei beidem mitmacht?
Nein, absolut nicht. Am Anfang hat man das auch internationaler Ebene noch sehr stark getrennt. Aber es gehört ja alles in die gleiche Ecke, aber Sticheleien unter einander gibt es natürlich schon mal. Und wenn irgendwo ein Jedi herumläuft und einige Stormies unterwegs sind, dann jagen sie den auch. Eine hat sich mal beschwert, dass jedes Mal, wenn sie ihr Jedi-Kostüm trägt, sei sie auf Bildern nur in Handschellen zu sehen. Aber das gehört ein wenig dazu. Und es ist ja auch was Schönes, denn die Rebel Legion in der Schweiz war bis vor zwei Jahren fast nicht existent. Es gab einzelne Mitglieder, aber wir waren in dem Sinn nicht gross genug, das man sagen konnte, es ist wirklich eine Rebel Legion Schweiz. Aber seit zwei Jahren ist das anders, weil so viele Mitglieder dazu gekommen sind, die nur dort sind oder beides haben und dadurch hat sich auch ein eigenes Headquarter gebildet, das eigentlich aus unseren Reihen entstanden ist – und es ist doch schön, dass die Schweiz jetzt auch ihren Rebel Legion Ableger hat.

Eure Spenden sammelt ihr hauptsächlich an Events, gibt es noch andere Sachen, die ihr zum Spendengeldersammeln macht?
Das ist ein Thema, das wir aktuell besprechen, das ist auch etwas, das wir an der nächsten Sitzung anschauen werden. Aktuell ist es aber so, dass wir einfach nur durch die Events sammeln. Zumindest versuchen wir, das noch zu machen was, noch machbar ist durch die Vorschriften, die wir kriegen. Aktuell im Gespräch ist noch ein Auftritt in einem Museum in Lenzburg im Space Museum, ein Pilotprojekt, wo wir versuchen, eher regelmässig einen Auftritt zu machen. Und dann dort die Leute einfach dazu animieren, etwas zu spenden. Aber das ist noch ein Pilotversuch und man muss zuerst sehen, ob das fruchtet oder nicht.

Ihr hattet an der Fantasy Basel zusammen mit der Rebel Legion, dem Space Museum und dem Project X1 eine ganze Halle zur Verfügung.
Ein angemessener Platz. (lacht) Es war Pro und Kontra. Wir hatten schon einen kleineren Stand an der Fantasy, den Platz einfach zentraler. Dieses Mal war es einfach weitläufiger durch diese Halle, aber wir waren doch recht ausserhalb. Und die Leute, die nicht an eines der Panels gingen oder den Cosplay Contest oder den Weg auf sich nahmen in die andere Halle, die kamen gar nicht an uns vorbei.

Oder sie haben es schlecht gefunden, es war nicht ganz einfach, den Durchgang zu finden.
Von dem her war es Pro und Kontra. Aber rein zum Ausbreiten und für das Project X1, die immer diese Riesen Apparaturen bringen, war es toll. Aber es verlief sich schon ein bisschen in diesem Jahr.

Also hat es sich in diesem Jahr nicht so gelohnt?
Schwer zu sagen. Es hat gute Momente gegeben, wenn viele Leute kamen, um das Panel oder so zu sehen, aber die klassische Laufkundschaft fehlte. Das klingt blöd – Laufkundschaft, aber es sind so die, die einfach durch die Halle laufen und sich nicht gross damit auseinandersetzten damit, was es nebenan noch geben könnte, weil es halt völlig in einer anderen Halle war. Es war jetzt mal ein Versuch in diesem Jahr und wir sind schlussendlich auch dankbar, dass wir dort sein können. Wir würden uns nie beschweren, dass wir nicht zufrieden wären. Aber bei den Spenden kommt es halt immer darauf an, wo man hingestellt wird.
 

An diesen Events wollen die Leute ja immer Bilder mit und von euch machen, nervt das nie?
Dafür sind wir ja dort. Nach ein paar Jahren ist man auch so routiniert, dass man wirklich so ist und sagt, jetzt gibt es noch 5 Bilder und dann ist Schluss und ich laufe weg und es ist mir egal. Zum Beispiel im Legoland mussten wir das manchmal machen, weil man sonst einfach nicht wegkommt, keine Chance.

Damit du auch mal eine Pause machen kannst.
Genau. Und wenn es 27 Grad hat, du stehst draussen in diesem Kostüm, und das ist etwas, das die Leute nicht merken und nicht verstehen, dass es nicht ohne ist. Der einzige Punkt, wo es mich wirklich stört ist, wenn man Pause macht und es ersichtlich ist, dass man Pause macht, wenn man am Essen oder Rauchen ist oder sowas, dass man dann nicht hin geht und fragt, darf ich jetzt ein Foto machen. Klar sag ich manchmal, ich komme gleich, aber das ist so ein ungeschriebenes Gesetz, dass man einfach sowas nicht macht. Wenn die Leute Pause haben oder halbkostümiert sind, dann lässt man sie einfach in Ruhe. Wir unterbinden das, indem wir sagen, dass man nicht in einem halben Kostüm unterwegs sein darf, wir gehen nur vollkostümiert raus, mit Helm etc und gehen so auch wieder in unsere Garderobe, und wenn du mit normalen Klamotten wieder raus kommst, lassen dich die Leute eh in Ruhe.

Mir scheint es auch, dass die Leute teilweise recht respektlos sind.
Wir haben durch die Garderobe sicher weniger zu kämpfen und die Männer vielleicht auch noch weniger, aber die Frauen triff es schon, je nachdem, welches Kostüm sie haben. Wenn es ein wenig sexy ist, da finde ich dann auch, dass sich manche Leute einfach nicht im Griff haben. Wir haben ja auch ein- zwei Kostüme, die in diese Richtung gehen, sein es Slave Leia oder so, aber es fällt mir auch bei anderen Cosplayern auf. Und das geht einfach nicht, es ist kein Objekt, es ist jemand, der sich Mühe und Zeit genommen hat, dieses Kostüm zu machen und nur weil sie ein bisschen knapper rumläuft, ist man kein Property für die Allgemeinheit. Was ich aus persönlicher Erfahrung sagen kann ist, dass es Leute gibt, die einfach unterschätzen, was diese Sachen kosten. Ich muss ehrlich sein, ich hatte schon Leute, die kamen zu mir und klopften mit der Faust X-Mal auf den Helm. Und das gibt bei mir eine Erschütterung durch das ganze Kostüm, mal davon abgesehen, dass es nicht angenehm ist und man es einfach nicht macht. Ich musste das schon einige Male sagen, und es klingt blöd, aber ich musste auch schon mal das Lichtschwert ausfahren und jemandem sagen «Freundchen, wenn du jetzt nicht aufhörst, hast du ein Lichtschwert in der Fresse!» Klingt blöd, aber es nervt. Ich habe einen Schulterpanzer aus Glasfaser und der ist schon stabil, aber wenn jemand kommt und mich hart umarmt, dann drückt er mir hinten den Helm auf den Panzer und alles fängt an zu knacken und dann weiss ich genau ich habe irgendwo wieder einen Riss, und wenn ich den Leuten sage, bitte nicht umarmen sondern einfach nur daneben stehen oder Hand geben und sie machen es trotzdem, dann lauf ich doch schon mal weg, weil es mir zu blöd wird. Es gibt einfach gewisse Benimmregeln, die dazu gehören.

Also würdet ihr euch ein bisschen mehr Respekt wünschen im Umgang mit euch.
Ja, das ist auch der Grund, warum wir gewisse Events nicht machen. Wir wurden gefragt für eine Studentenparty. Und da müssen wir nein sagen, weil man X Betrunkene um sich herum hat, ebenso beim Karneval. Ich war gerne Fasnächtler jahrelang und am Anfang ging ich sogar mit einem Kostüm nach Basel an den Morgensteich (spezieller Event zu Fasching) und es gibt nichts Geileres als wenn die Lichter ausgehen und du in einer Gasse stehst und dein Lichtschwert anzündest und die ganze Gasse ist rot erleuchtet. Und die Leute gehen einfach blitzartig auseinander. Und du stehst da und denkst; «Hey, I’m the Boss» (lacht) Aber es ist völlig riskant, weil es so viele dort gibt, die Null Respekt haben vor sowas, weil sie es nicht von einem billigen 0815 Kostüm unterscheiden können.

Vor einiger Zeit wurde ja bekannt gegeben, dass eine neue Star Wars Trilogie kommen wird. Freut ihr euch darauf? Ich kann nicht für alle sprechen, aber für mich sind die Disney Produktionen eher nichts.

Ich sehe, dass schon richtig das viele von euch eher Anhänger der älteren Filme sind.
Ja viele, aber ich meine man ist ja auch Star Wars Fan und möchte die neuen Sachen ja auch mögen, aber irgendwie, ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe keine Erwartungen mehr und lasse es einfach auf mich zukommen. Ich hoffe einfach nicht, dass es die Trilogie ist von Ryan Johnson, der findet, er kehrt alle Erwartungen einfach mal um, aber das scheint Disney auch verstanden zu haben. Ich denke eher, dass es die neue Trilogie von den Game of Thrones Machern sein wird, wo ich als langjähriger GoT- Fan fand, das könnte noch geil werden. Aber seit der letzten Staffel weiss ich auch nicht so ganz. Mal schauen was passiert. Ich freue mich persönlich mehr über Mandalorian, die kommende Serie, dort hat es reihenweise gute Schauspieler und gute Produzenten, die bewiesen haben, dass sie wissen worum es geht.

Gibt es irgendeinen Star Wars Event, den du als Fan gerne noch erleben würdest, an dem du teilnehmen möchtest?
Eine Star Wars Celebration in den USA. Ich war schon an einer.

Warst du denn an der Rose Parade 2007?
Nein, das Video davon war der Grund, warum ich dazu wollte. Aber dieser Moment mit diesen Umständen, diesen Leuten – das wird es nie wieder geben. Das ist im Moment das, von dem die Legion sehr wahrscheinlich sehr lange davon zehren kann, aber das wird es so nie mehr geben. Aber die Star Wars Celebration, die jedes Jahr oder jedes zweite Jahr stattfindet. Das löste sich ja immer ab mit einmal in den Staaten, einmal in Europa und jetzt waren zwei in den Staaten und die nächste ist scheinbar auch wieder in den Staaten. Mittlerweile ist man einfach soweit, dass man Europa einfach übergeht. Warum auch immer, denn die Fanbase in Europa ist riesig. Ich war an der Star Wars Celebration in London und es war gut, aber es hat mich nicht vom Sockel gerissen. Aber wenn ich Sachen aus den USA sehe, dann muss ich sagen, das es das mal wäre. Da würde ich sehr gerne mal hin. Weil dort haben sie die coolen Schauspieler, die grossen Sachen und Europa ist immer so 50%.

Habt ihr Lust, der 501st Legion beizutreten oder der Garrison eures Landes etwas zu spenden? Auf der Webseite http://501st.com könnt ihr die Garrison eures eigenen Landes finden und mit ihr in Kontakt treten.  

Mehr Infos zu Swiss Garrison und der 501st Legion:  
https://www.swiss-garrison.com/ /https://de-de.facebook.com/farbklex4410/  
Spendenkonto Swiss Garrison: CH59 0840 1000 0640 7697 0 Internationale Spendenkonten können bei der jeweiligen Garrison abgefragt werden.

Sandy Mahrer

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core