Deadland Ritual / Felskinn @ Z7 Pratteln

19.06.2019 Z7 Konzertfabrik, Pratteln, Schweiz

Bei nur knapp 150 Konzertbesuchern geht es im Z7 recht relaxed zu. Irgendwie haben die Leute wohl nicht verstanden, worum es sich bei Deadland Ritual handelt, sonst wären sicher mehr Leute anwesend. Die Festivalsaison trägt wohl auch dazu bei, wenn sich Leute zwischen Hallenkonzert und Festival entscheiden müssen, weil sie sich schlicht nicht beides leisten können oder wollen.

Nachdem sich Felskinn Frontmann Andy Portmann Backstage unüberhörbar aufgewärmt hat, stürmen die Schweizer mit neuem Line-Up die Bühne. Gleich drei ehemalige Mitglieder der Band sind derzeitig anders beschäftigt: Cyril und Hef mit Maxxwell, Flavio ist auf Tour mit Krokus. Würdiger Ersatz wurde aber zum Glück gefunden und so sind mit Andy Portmann und Beat Schaub neu dabei: Ronnie Wolf (der sonst bei Apperance of Nothing die Drums bedient), Martin Rauber (Gitarrist bei Wolfpakk und Top4Tea) und Tom Graber (ehemals bei Crystal Ball, auch bei Top4Tea). Letztes Mal habe ich Felskinn bei Hollywood Vampires als Vorband gesehen und da kam für mich nicht so wirklich Stimmung auf. Dieses Mal ist es anders, die Band wirkt als hätte sie neue Kraft geschöpft, um nochmal richtig Gas zu geben. Die Neuzugänge haben sichtlich Spass auf der Bühne und geben alles und diese Stimmung schwappt auch auf das Publikum über. Für mich ist es eine kleine Reise in die Vergangenheit, denn vor fast 20 Jahren spielte Rauber mit einem guten Freund in der Band Bad Image und seither hat sich der Hüne mit Walle-Mähne nicht viel verändert. Er gibt sich wie damals immer noch voll und ganz seinem Gitarrenspiel hin und scheint in einer anderen Sphäre zu schweben. Auch Tom Graber erinnert mich an die Jugend, weil ich grosser Crystal Ball Anhänger war, und auch er hat sich kaum verändert. Andy Portmann führt souverän durch die Show, seine Stimme sitzt und man hört, dass sie ordentlich geschult ist. Das Einzige, was er noch anpassen muss, sind seine schnell gesprochenen Ansagen zwischen den Songs, die einem vorkommen wie ein Duracell-Bunny mit Überspannung. Felskinn heizen das Z7 ordentlich vor für den Headliner.

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Deadland Ritual setzt sich zusammen aus Drummer Matt Sorum (Guns N’Roses), Bassist Geezer Butler (Black Sabbath), Gitarrist Steve Stevens (Billy Idol) und Sänger Franky Perez (Apocalyptica). Eine wahre Supergroup also, die Songs von Black Sabbath, Billy Idol und auch ein paar eigene Titel spielt. Egal ob «Rebel Yell», «City of Night», «Symptom of the Universe”, alles wird von den Herren super zum Besten gegeben. Auch wenn die Stimme von Perez vielleicht für «Rebel Yell» ein bisschen zu wenig Dreck hat, macht er es trotzdem super und zieht mit seiner Präsenz die volle Aufmerksamkeit auf sich. Das Kabel seines Mikrophones nutz er, um es über die Bühne springen zu lassen. Er weiss sich auch zu bewegen, während sich die anderen Bandmitglieder vornehm zurückhalten und ihm den Hauptshowteil überlassen. Perez gibt so viel, dass ihm bereits beim zweiten Song der Schweiss nur so vom Körper tropft und er sich relativ schnell seines Shirts entledigt und seinen tätowierten Oberkörper zeigt. Und im Publikum fragen sich einige, was wohl sein BMW Tattoo im Lendenbereich zu bedeuten hat. Ist er wohl einfach Fan der Automarke, oder steht es für «Blow my Whistle»….wer weiss?
Er spielt sogar noch Bongos bei einem der Songs. Bei «War Pigs» lässt er es sich auch nicht nehmen, noch ein Bad in der Menge zu nehmen und auch mitten in der Menge den Song zu Ende zu singen. Dann gilt der heutige Abend nach 12 Songs, zwei Soli und ohne Zugabe als beendet, was ich bei einem Ticket Preis von 65 CHF doch ein bisschen schade finde. Aber trotzdem haben Deadland Ritual eine tolle Show abgeliefert, die ich mir jederzeit wieder ansehen würde.

Egal warum bei einer Supergroup wie Deadland Ritual nur so wenig Leute anwesend waren – klar ist, da haben viele incl. Support Act etwas verpasst, nämlich einen gelungenen, powervollen Konzertabend mit einer guten Show.

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Sandy Mahrer

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin, Reportagen, Reviews, Fotos - - - Favorisierte Musikrichtungen? - Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc. Weniger Death, Black, Grind Core