Katatonia / Wheel / Cellar Darling

21.5.2019 Live Music Hall, Köln

Wir waren nicht gerade verwöhnt, wenn es in der Vergangenheit darum ging, Katatonia live sehen zu können, daher war der Besuch dieser Jubiläums-Tour fast Pflicht. Der Anlass war der Umstand, dass vor 10 Jahren Night Is The New Day veröffentlicht wurde und 2 Jahre her seit der letzten Live-Tour (wenn wir mal die kleinen Aktionen im Baltikum und Russland ignorieren), diese 3 Konzerte waren also seit langem mal wieder fällig. Überraschenderweise nur 3 Konzerte, Köln gefolgt von Berlin und Hamburg. Die Gründe sind unklar, sicher nicht fehlendes Interesse der Fans, denn der Veranstaltungsort war mehr als gut gefüllt. Andererseits, Katatonia haben inzwischen den Status guter alter Freunde, die man in einem anderen Leben kannte, man trifft sich einmal alle Jubeljahre im Maitebuarember und trotzdem versteht man sich blendend. Es war eine angenehme, vertraute Doom-Therapie für unsere Metal-Seelen.

Bevor Katatonia jedoch die Bühne betraten wurden wir von zwei anderen Bands beglückt. Die erste nennt sich Wheel und man wundert sich nicht, wie sehr die rockten. Die Formation stammt aus Finnland, hat aber einen charismatischen britischen Frontmann. Ich hatte mir die Band vorher schon mal im Netz angehört und war noch nicht überzeugt, aber die Energie und der einzigartige Sound der Liveshow hat mit vollends eines besseren belehrt. Die Jungs können ihr Handwerk, die sind ist so heavy und komplex, dass man, selbst bevor der Gesang einsetzt, sich immer näher an die Bühne quetschten will, um nichts zu verpassen. Auf jeden Fall nicht das fünfte Rad am Wagen. Stellt euch Tool vor mit etwas weniger Komplexität. Wheel webt einen soliden Sound-Teppich, zu dem man sowohl solide headbangen als auch dem Einfallsreichtum des musikalischen Handwerks lauschen kann. Ihr solltet Euch die Band auf jeden Fall geben, wenn ihr auf den Sommerfestivals die Gelegenheit dazu bekommt: wir hoffen sie auf der internationalen Bühne häufiger zu Gesicht zu bekommen.

Als nächstes waren Cellar Darling (ein wunderschöner Bandname) dran, über die ihr mit Sicherheit schon in den Magazinen gelesen haben werdet. Die interessante Formation aus der Schweiz steht eher auf der melodischen Seite der Dinge, verdient die Aufmerksamkeit eines wohl geneigten Publikums und integrieren die, jenseits der Mittelaltermärkte eher selten gesehenen Drehleier. Der fließende und klare weibliche Gesang passt gut zur Schwere und dem musikalischen Fluss der Musik. Und obwohl mir persönlich die Band, dafür, das sie eine weibliche Frontfrau hat, nicht heavy genug war, konnte man das Set durchaus genießen. Ein Hauch von den alten The Gathering, fließend, melodisch und faszinierend. Da reich an Geschichten erzählenden Texten und interessanten instrumentalen Arrangements, hat Cellar Darling durchaus die Chance auf einen Nominierung der besten Platte des Jahres. Annas einzigartige Stimme wurde schon durch die Bank in den sozialen Medien gepriesen und auch live wird die Qualität bestätigt. Durch den Umstand, dass sie auch noch die Querflöte beherrscht und einsetzt neben der Drehleier und ihrer bemerkenswerten Stimme, wird das ganze zum Gewinn für jeden Musiker.


Es kommt nicht oft vor, das die Vorbands so herausragend sind, aber an dieser Nacht war es durchaus der Fall. Offensichtlich war „Qualität“ die Parole des Abends, daher an die Organisation gerichtet – Gute Arbeit! Publikum heiß gemacht, gut unterhalten und unbekanntere Bands vorgestellt. Und dann betraten Katatonia die Bühne.
Und dann erinnerten wir uns, warum Katatonia sich nur mäßig gut als Liveband eignet. Es fühlte sich an wie ein Konzert gerichtet an Menschen, die schon lange Zeit Fans der Band sind (fairerweise: Es ist ja nun auch eine Jubiläums-Tour), die der Evolution der Band die letzten 15-20 Jahre mitgemacht haben. Die Musik, für die wir uns begeistern wurde gespielt und die Energie war auch durchaus da, wir haben die Jungs seit einer Dekade nicht gehört und doch klingt es, als hätte sich nichts verändert. Persönlich finde ich, dass Doom Metal in Live-Auftritten sogar noch heftiger klingt. Die lange schwingenden Akkorde und akademischen Soli und die dargebrachte musikalische Fähigkeit halt. Katatonia klingt live wie sonst kaum jemand, im positiven Sinne. Jonas Textstil macht die Lieder emotional leicht verständlich, sie sprechen aus dem Leben und ich wette, jeder im Publikum konnte die eine oder andere Situation aus dem eigenen Leben in Katatonias Klangteppich wiederfinden und sich wohlig damit einkuscheln. Zum Beispiel Lethean, ein Lied das jeder von uns nachvollziehen kann, wenn eine Beziehung schief läuft, gesungen mit so viel Gefühl und Seele, angereichert durch Gitarren und Schlagzeug-Virtuosität, einfach perfekt. Oder July, ein weiteres Kleinod, kommt Live wunderbar kraftvoll rüber, kräftiger noch als auf der Platte, und wird so zu einer wunderschönen Headbang-Erfahrung, mit persönlichen und menschlichen, damit nachvollziehbaren Texten. Katatonias Veröffentlichungen der letzten 10 Jahre fühlt sich genau so an, schwer, langsam und melodisch, ein Ausdruck all dessen, was wir mit uns herumschleppen, aber nicht ausdrücken können. Katatonia macht daraus Musik. Und verstärkt es noch durch Jonas ruhige, einfühlsame Stimme. Man könnte ihnen die ganze Nacht lang zuhören, und die inneren Dämonen würden mithören.

Journalist und photo Marina Minkler
Translation Uwe Minkler

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski