Sünde – Christopher Derayes

Herausgeger: Christopher Wank
250 Seiten, erhältlich als Paperback und Kindle-Version  ©2018

Ehrlich gesagt lese ich am liebsten Fantasy, SF und Krimis – neben diversen wissenschaftlichen Sachen, in denen ich schon vor meinem Unistudium gerne geschmökert habe. Horror rangiert schon immer eher unter „ferner liefen“. Die Bücher von Stephen King oder Clive Barker, die ich gelesen habe, lassen sich an einer Hand abzählen… und ich konnte mich noch immer nicht überwinden, die „ES“-Neuverfilmung anzusehen, da schon die TV-Fassung damals hoch traumatisierend wirkte …

Daher hab ich mit der Lektüre des Buches schon mal mit gemischten Gefühlen begonnen. Aber oh, welche positive Überraschung, die Lektüre entpuppte sich als eine außerordentlich vergnügliche.

Tja, hier sollte ich den Begriff „Vergnügen“ genauer definieren, der sich eventuell bei langjährigen Metal-Fans doch etwas vom Rest der Welt unterscheidet. Denn Metalfans sind Leute, die sich an Weltuntergang/Zombie/Mutanten- und diversen Gemetzel-Szenarien in Songtexten oder Album-Artwork umgesetzt ergötzen können, siehe z.B. Cannibal Corpse, Pungent Stench & Co.  Als CD Veröffentlichung hätte dieses Buch den Sticker „Warning: Explicit“ mehr als verdient.

Wenn der Autor also genüsslich ins Detail geht bei Mord, Gewalt oder Sex, ist für mich auch ein gewisses neckisches Augenzwinkern spürbar. Das kann etwa die Wortwahl betreffen oder wenn es so akribisch detailliert zugeht, dass du unweigerlich grinsen musst…. Gelegentlich beginnt im Hinterkopf automatisch Musik dazu abzulaufen. Beispielsweise „Headless Autofellatio“ – der genialste Songtitel überhaupt, danke, Disastrous Murmur! Wäre auch gar nicht so abwegig, denn auch der Autor hat Verbindungen zur Metal-Szene… Und ich kann es daher nachvollziehen, wenn der Christopher in Anspruch nimmt, all den Horror als Katharsis wirken zu lassen, damit die dunkelsten Triebe mal zum Spielen raus können.

Vom Inhalt will ich nun nicht zuviel verraten – nur, dass hinter dem schönen Schein der Normalität in einer Kleinstadt Abgrundtiefes lauert und dass diverse Szenarien des Horrors miteinander verbunden sind. Der Autor dazu:

„Für mich entsteht das wahre Grauen aus alltäglichen Situationen. Aus einseitiger Liebe, die einen Verehrer zum besessenen Stalker macht. Aus Enttäuschungen, die ein Kind nach und nach gewalttätig werden lassen. Aus dem Betrunkenen, der mit seinem Auto eine junge Familie auslöscht. Das sind die Themen, die den Großteil meiner Geschichten bevölkern. Der ganze normale Alltag, der urplötzlich mit langen, scharfen Krallen nach uns greift, uns die Haut vom Leibe fetzt und seine Zähne in unser blutiges, zuckendes Fleisch schlägt.“

Und wem das Lesen dieses Absatzes irgendwie Spaß machte, der findet hier definitiv eine unterhaltsame Lektüre…

Anm: Keine engl. Fassung, da es das Buch nur auf Deutsch gibt

  • 9/10
    Bewertung / rating - 9/10
9/10
Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.