Maysaloon: Extremer Metal aus Syrien

“Hallo Beirut, hier spricht Damaskus”.

Mit diesen bewegenden Worten begann Frontmann Jake Shuker eine abgespeckte Version ihres Songs Seals of Astarte, einem eingängigen Melodic Death Metal Song der syrischen Band Maysaloon von derem Debütalbum, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.

Das geschah bei der zweiten Auflage des  Beirut Metal Fests, einem neuen Metalfestival im Libanon, das erstmals 2017 stattfand und das nun jedes Jahr laufen soll. Was an der Performance von Maysaloon letzten September so besonders war? Es war das erste Mal, dass eine syrische Band direkt aus Syrien außerhalb ihres Landes auftrat, seit der Syrienkonflikt im Jahr 2011 ausbrach.

Obwohl dieser Konflikt dazu führte, dass viele Musiker Syrien verließen, dass viele Studios ihre Türen schlossen und sich viele Bands auflösten, die als Eckpfeiler der syrischen Szene gelten, wurden dennoch einige neue Bands in Syrien mitten im Krieg gegründet.

Jake Shuker hwar selbst erst 15, als der Syrienkonflikt begann und er gründete Maysaloon in 2015. Da der Krieg stark einschränkte, was junge Syrer in ihrer Freizeit tun konnten, wandten sich Leute wie Jake ihren Instrumenten zu und übten stundenlang, während in der Nachbarschaft Bomben einschlugen.


Das Resultat dieser Hingabe war die Formierung eines Death Metal Quartetts, das schon einen hohen Level an Musikalität an den Tag legte, ungeachtet der Jugend ihrer Mitglieder.

“Die Band wurde ins Leben gerufen, als wir uns entschlossen, unseren Träumen zu folgen, wohl wissend, dass der Weg in die Zukunft im Obskuren liegt, da Metal im Mittleren Osten als kontroversiell gesehen wird. Du kannst nie voraussehen, ob du mal entdeckt und respektiert wirst“, meint Jake.

Maysaloon und andere syrische Metalbands wie Haunted Cellar, Merrin, Absentation und Step To Eternity erschufen eine neue Ära für die lokale Metalszene. Vor dem Krieg war die syrische Metalszene am einflussreichsten im Mittleren Osten, aber die meisten syrischen Bands waren außerhalb des Landes kaum bekannt, da die Resourcen fehlten. Auch die Gesellschaft und die Behörden beäugten Metalheads kritisch und sahen sie als gefährliche Satanisten. Dennoch zogen Metalkonzerte tausende Fans aus der Umgebung an. „Die Leute gingen zu Undergroundkonzerten in vielen Städten, obwohl es gefährlich war daran teilzunehmen, da den Metalheads Satanismus vorgeworfen wird“, erklärt Jake.

Die ersten Kriegsjahre machten die Häufigkeit von Metal-Aktivitäten in Syrien rar, da Menschen ihr Heim verloren oder aus dem Land flüchteten. Jake stellt fest: „Die Rebellion in  unserem Land hat uns auf jeder Ebene ausgeblutet, aber am schlimmsten war, dass sich die Bands aufgrund der Flüchtlingskrise auflösen mussten.“

Aber später am Höhepunkt des Konflikts war Maysaloon führend in der Wiederbelebung der syrischen Metalszene, organisierten Konzerte in Damaskus, Lattakia und anderen Städten in Syrien als bewussten Schritt, um Metal am Leben zu erhalten. Die Social Media sind voll mit Videoclips, die derartige Shows zeigen mit hunderten syrischer Metalheads beim Headbangen in historischer Umgebung im Alten Damaskus. Jake beschreibt diese Szenen als „mitten unter Damaszener Jasminbäumen, ein altes historisches Gebäude und wir entfesseln unsere extremen Melodien. Die Leute kamen aus allen Teilen der Stadt, um an einem Metalkonzert teilzunehmen in der ältesten Hauptstadt der Welt, Damaskus.“

Ironischerweise ist es gerade dieser Krieg, der den Metalboom auslöste, da syrische Behörden, die vorher die Metalheads belästigten, nun mit dem Konflikt was anderes zu tun hatten, indirekt also mehr Freiheit für Metalheads und deren Aktivitäten erschufen.


Und klar, die syrischen Metalheads nutzen das aus! Für Maysaloon bedeutete es, dass sie endlich ein Debütalbum komponieren und mit einem Minibudget aufnehmen konnten: The Forgotten Dawn. Das war der erste Schritt mit dem Ehrgeiz, die Band international bekannt zu machen.

Jake meint dazu: “Es begann gleich nach unserem ersten Gig in Damaskus Ende 2015. Wir beschlossen, unser eigenes Songmaterial zu schreiben. Durch all die Zerstörung in diesem Krieg ist es nicht einfach, ein Album zu machen. Es gibt Stromausfälle, du hast Null Geld, es war totales Chaos!“

Was der Band an Resourcen fehlt, macht sie mit ihrer Einstellung wett. Sie wollen als ernsthafte Musiker wahrgenommen werden und nicht als Kriegsopfer. Ihnen ist klar, dass das nächste Album eine bessere Soundqualität haben muss als das erste und beschlossen daher, die gesamte Band in  den benachbarten Libanon umzusiedeln, um an ihrem Nachfolger zu arbeiten. Maysaloon spielten drei ihrer neuen Songs von diesem geplanten Album beim Beirut Metal Fest, was für einen massiven Circle Pit und großen Jubel für die Band sorgte.

Das neue Album ist aber nur eines von Maysaloons Projekten auf ihrem Weg zum Durchbruch auf den internationalen Markt. Im vergangenen Jahr nahm der Leadgitarrist der kanadischen Band s First Fragment als Maysaloons Gastsänger auf der Single Misanthropia Pt.1 teil. Im Oktober lief eine kurze Dokumentation über die Geschichte der Band eine Woche lang in einer Kunstgalerie, als Beitrag zum Thema Krieg in Syrien. Und es gibt Pläne, endlich auch mal in Europa aufzutreten.

Anders gesagt, für Maysaloon geht es nun gerade erst los. Behaltet diese Band im Auge!
Bandwebsite

Text by Lina Metalina, photos: Band; Charles Assaf for the Beirut Metal Fest

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

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Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski