Alien Weaponry – Tü

Label: Napalm Records (Universal Music)    VÖ: 1. Juni 2018

Toll, dass nach so vielen Jahren “im Biz” und Anhören von tausenden Tonträgern noch immer ne Band dich schlicht wegfönen kann … Zugegeben, ich bin erst durch einen im SoMe Universum kursierenden Videoclip (siehe unten) auf Alien Weaponry und aufmerksam geworden. Aber besser etwas später als gar nicht … Denn nicht nur die Qualität der Musik ist bemerkenswert – urwüchsiger Thrash Metal, aufgepeppt mit NuMetal / Hardcore-Ausflügen – sondern auch das Drumherum. Erstens – die Band ist aus Neuseeland. Zweitens – noch Teenager, und angefangen haben sie schon mit 8 … Drittens – der Großteil ihrer Songs ist in der Urbewohner-Sprache Te Reo gehalten, denn mindestens zwei der drei Mitglieder sind Maori.

Und deren traditionelle Art des Sprechgesang – Haka, weltweit bekannt geworden durch das neuseeländische Football-Team – funktioniert in Kombination mit knallharten Riffs ausgesprochen gut. (Die Stakkato-Wirkung durch die vielen harten Konsonanten klingt bisschen wie Finnisch… ) Wieso man bloß nicht schon viel früher auf diese Idee, Haka und Metal zu kombinieren, gekommen ist? Sogar bei den Songs in Englisch klingt die Haka-Diktion durch und macht sie daher unverkennbar von dieser Band … Das Debüt von Alien Weaponry entfesselt ein Feuerwerk an Metal-Ohrwürmern, lässt eingängige Riffs a la Metallica oder Megadeth anklingen, erinnert an die rohe Ethno-Urwüchsigkeit des Sepultura-Roots Albums und ist dabei absolut originell und einzigartig. Und unheimlich ansteckend – da wird das Wohnzimmer schnell zum Ein-Frau-Moshpit  …

Denn die Texte sind ebenfalls bemerkenswert (die in Te Reo Māori sind im Booklet in Englisch übersetzt). Gitarrist / Sänger Lewis de Jong (15) sein Bruder und Drummer Henry (17) und Bassist Ethan Trembath (15) setzen sich mit der Geschichte von Neuseeland aus der Maori-Perspektive auseinander. Abgesehen von historischen Gemetzeln gibt es da tagesaktuellen Rassismus, wo die Urbevölkerung im eigenen Land als ungebetene Gäste behandelt wird… Davon können auch die Samen in Finnland ein Lied singen, nebenbei bemerkt…

Das heißt, diese CD ist in jeder Hinsicht ein Volltreffer. Merkt euch diese Band, das ist definitiv “the next big thing”. Und fangt schon mal an, Te Reo Refrains und Haka-Posen einzustudieren… Wie wäre es übrigens mit einer Einladung zum nächsten Tuska?

http://alienweaponry.com/

  • 10/10
    Bewertung / rating - 10/10
10/10
Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.