Tim Burton-Ausstellung: Dunkler Humor mit Streifen

Eröffnung 14. August 2018, C-Mine Museumskomplex Genk, Belgien

Liebenswürdige Monster und ihre geisterhaften Haustiere, Außerirdische, Kreaturen aus bekannten Filmen und noch viel mehr, erdacht von einem großartigen Individuum mit wilden Haaren: Tim Burton. Bis zum 28. November kann man in Genk, Belgien, im C-Mine Museumskomplex in seine dunkle wundervolle Welt des Eskapismus eintauchen. Und schon die niedliche Stadt Genk in Belgien alleine lädt dazu ein, dem modernen Wahnsinn zu entfliehen.

TOKYO, JAPAN – OCTOBER 31: Director Tim Burton poses for a photograph at the World of Tim Burton exhibition at Mori Art Center on October 31, 2014 in Tokyo, Japan. (Photo by Jun Sato/WireImage)

Tim Burtons weltweit berühmte Ausstellung wird in der “C-Mine” gezeigt, einem ehemaligen Minenkomplex mit (post-)industriellem Charme, der nach Stilllegung zu einer Kreativ-Basis inklusive der Luca School Of Arts, mehreren Kinos und Kunstinstallationen umstrukturiert wurde. Für die Dauer der Ausstellung hat das Museum zusammen mit der Stadt Genk eine ganze Reihe von Aktivitäten vorbereitet, um den Besuch Burton-esque anzureichern, die Altersklasse ist dabei egal. Wenn man vorher noch kein Fan von Burtons Kunst war, wird man es dort.

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Der Allgemeinheit ist Burton hauptsächlich als Kult-Regisseur bekannt, der oft bestimmte ikonische Schauspieler und Komponisten in seine Produktionen mit düsteren Themen und gestreiften Outfits einsetzt: Beetlejuice, Batman, The Nightmare Before Christmas, Mars Attacks!, Corpse Bride, Sweeney Todd – um nur einige zu nennen. In dieser weltweit tourenden Ausstellung jedoch kann man sich auch in seine Werke als Maler, Illustrator, Autor, Fotograf, Zeichner und Doodler auf Servietten vertiefen. „Napkin Art of Tim Burton (Things you think about in a bar)“ hat es ein komplettes Buch gefüllt, Auszüge sind hier ebenso ausgestellt.

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Unter anderem ist auch eine buchstäbliche Ausführung einer Nummernsequenz von 1 bis 13 … gruslig, aber bunt und leicht nachzuvollziehen, wenn man selber leicht verdrallt ist, egal ob Kind oder als Erwachsener.
So wie schon in vorherigen Editionen der Wanderausstellung sind die Exponate thematisch geordnet, beispielsweise Ferien, rund um die Welt, gigantische Polaroid-Abzüge, Karneval-esque Themen und viel mehr. Besonders interessant zu sehen sind die Multimedia-Bücher, welche von Burton an die Crew und Schauspieler seiner Filmproduktionen nach Abschluss verschenkt wurden. Sie sind der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich und enthalten viele persönliche Anmerkungen und Insider.

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Zusätzlich zu den grafischen Werken sind Installationen, Video Projektionen (auch seiner Erstlingswerke), Skulpturen, Puppen und Teile der Filmsets. Viele Details und so lebensecht, dass man sich schnell zuhause fühlt im Gruselkabinett. In Summe, dunkler Humor mit Streifen und alles ist schön.
Es ist eine sehr inspirierende Ausstellung auf vielen Ebenen, sie bringt den Besucher näher an liebgewonnene Charaktere die man aus den Animationen und Filmen kennt und gibt die Möglichkeit, weniger bekannte oder noch vollkommen Wesen unbekannte (aus nicht realisierten Projekten, auch hierzu gibt es eine eigene Sektion) kennenzulernen. Seinen Stil aus der Nähe zu sehen und seinen schwierigen Weg in das Filmmetier nachzuvollziehen ermutigt jeden, seine eigene Kreativität auszuleben. Es zeigt, dass es in Ordnung ist, ein unverstandener Außenseiter zu sein. Besonders, wenn man das Absageschreiben von Disney an Tim Burton am Beginn seiner Karriere betrachten kann.

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Auch wenn die Ausstellung schon seit einigen Jahren tourt und sowohl in Tokyo als auch in der MOMA in New York zu sehen war, gibt es einige Neuzugänge. Zum Beispiel aus der neueren Burton-Produktion „Miss Pelegrine’s Home for Peculiar Children“ (Die Insel der besonderen Kinder) – die Figurinen, Requisiten und Mutanten-Puppen.

Sandwurm (photo: Minkler)

Für die Ausstellung in Genk wurde von Herrn Burton speziell eine Sandwurm-Plastik angefertigt, die gestreifte Kreatur wartet am Eingang und auch wenn es scheint einen zu verschlingen ist er nur der Wegweiser zum Eingang und Einstimmung.

Ebenso speziell entworfen und gebaut wurde das Burton Café in der C-mine im Stile der Stadt aus Big Fish, Spectre. Man erkennt sofort die hängenden Schuhe und kleinen Lampen, das grüne Gras und die Tische.

Burton-Cafe (c-stad-genk-c-c-mine)

Um das kulinarisches Angebot zu gestalten, wurden zwei lokale Köche engagiert, spezielle Gerichte im Burton-Thema mit flandrischem Flair zu erschaffen – versucht die Scissorhands Käse-Waffeln oder die Nightmare of an Ice Cream (die tatsächlich sehr lecker nach Erdbeere schmeckt). Das bildende Programm besteht aus Kursen und Vorträgen, geführt unter anderem von der Kuratorin der Ausstellung Jenny He.

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Musikalisch werden die bekannten Soundtracks von Michelino Bisceglia live gespielt. Und man kann ein Picknick-Paket im TB-Stil (Crazy Tea Time Picnic) erwerben, wenn aus keinem anderen Grund dann für die gestreifte Picknick-Decke! Oder wie wäre es mit einem Besuch in dem Drive-In Kino für die Klassiker Beetlejuice oder Ed Wood und auch Miss Pelegrine wir gezeigt… wäre das nicht ein perfektes Halloween-Date?

Ausstellungs-Kuratorin Jenny He (2.v.l.) mit Bürgermeister von Genk und Organisatoren des Museums. Photo: Minkler

 

Was man nicht verpassen sollte: Der Maestro selber wir das Museum am 28. und 29. September besuchen! Man kann Karten für ein Q&A mit Tim Burton selbst erwerben (da sollte man allerdings schnell sein, die gehen schnell weg). Er wird auch ein paar einleitende Worte zum Museum geben, seine Lieblingsfilme vorführen und mit den Studenten der angeschlossenen Kreativschule LUCA sprechen.

Link zur Museumsseite 

Text & Fotos: Marina & Uwe Minkler
Weitere Fotos der Ausstellung siehe einzelne Bildcredits

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GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Sander Burmeister, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski