Tuska Festival 2018

29.6.-1.7.2018 Helsinki, Suvilahti, Finnland

Die Krisenzeiten der Metalfestivals scheint nun doch der Vergangenheit anzugehören, erfreute sich u.a. das Tuska-Festival nach gewisser Flaute doch wieder großem Zuspruch. Ein ausverkaufter Samstag, am Freitag fehlte dazu auch nicht viel (12.000 Leute) – und insgesamt 34.000 Fans an drei Tagen, Respekt. Auch das Wetter hielt soweit, obwohl starker Wind und eher mittelprächtige Temperaturen das Wochenende dominierten. In der Folge fasse ich mich eher kurz und lasse lieber meine FOTOS sprechen…

Crowbar und ihr massiver, dennoch eingängiger Doom Metal eröffneten das Festival am Freitag auf der Hauptbühne (nach Baest auf der Helsinki und Gloomy Grim auf der Inferno Stage) – aber wie jedes Jahr gilt, dass auch zwei Leute das volle Programm auf drei teils parallel bespielten Bühnen unmöglich in vollem Umfang schaffen können. Vom Rahmenprogramm im Solmusali (Vorträge und Kino) mal ganz abgesehen… Daher hieß es wie immer Arbeitsteilung und Entscheidungen treffen…

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Zum Beispiel nach kurzer Stippvisite bei Hard Action und den heiß umjubelten Black’n’Rollern Tribulation (Foto) eher den Tuska Torstai-Wettbewerbsgewinner Keoma ansehen und nicht Turmion Kätilöt, zumal ich diese Band ohnehin gerade erst beim NUMMIROCK geknipst hatte … Die Jungs von Keoma freuten sich sichtlich wie die Schneekönige über den vollen Saal, leider passten nicht mehr als vier ihrer Songs in das kurze Programm… aber alle Anwesenden forderten mehr – na hoffentlich verstehen die Tuska-Organisatoren diesen Wink mit dem Zaunpfahl…

Mantar waren kaum sichtbar in all dem Bühnennebel, diese Show passte aber zum der aggressiven Sound des deutschen Duos. Später bei den Glamrockern Shiraz Lane wurde es viel zu voll zum Knipsen; danach Charm The Fury – eine Kreuzung zwischen Arch Enemy und Guano Apes – entpuppten sich als doch nicht so wirklich mein Fall, daher sah ich mir doch lieber den Schlussteil der jeweils parallel aufspielenden Bands an. Mehr zu diesen von meiner Kollegin … (KW)

Eimal Hippie, immer Hippie. Bevor ich seinerzeit zum Metal kam, hörte ich Bands wie Jefferson Airplane und Grateful Dead, und Urinstinkte wurden wach, als ich am Freitag den großen Ausschankbereich nach bekannten Gesichtern absuchte und mein Blick dabei auf einen Blumenstand fiel. Eigentlich hatte ich mir Keoma ansehen wollen, aber stattdessen bastelten meine Freundin und ich uns hübsche lila-rosa Blumenkränze, romantisch untermalt von Turmion Kätilöt auf der Hauptbühne. Wir hatten zwar keine Erfahrung in Sachen Floristik, aber die Mädel am Stand zeigten geduldig, wie’s geht. Nicht nur uns, sondern einer unübersehbaren Menge von Tuska-Gästen jeden Alters und Geschlechts. Soweit ich weiß, gab es dieses Jahr keinen offiziellen Tuska-Song, aber als inoffiziellen hätte ich vorgeschlagen: „If you’re going to Suvilahti, be sure to wear some flowers in your hair“ – oder im Bart, wie von zahlreichen obenrum weniger stark behaarten Herren attraktiv demonstriert.

Volkskunst und Naturkult boten auch Moonsorrow, wenn auch in düstereren Tönen. Ihr einstündiger Set enthielt nicht mehr als fünf Songs, aber davon nur zwei kürzer als eine Viertelstunde. Neben dem Opener „Pimeä“ und dem Klassiker „Kivenkantaja“ stammten alle Nummern vom aktuellen Album. Dessen hypnotische und doomige Atmosphäre wurde am eindrucksvollsten durch „Ruttolehto / Päivättömän päivän kansa“ repräsentiert, das im Grunde genommen alle Facetten von Moonsorrow zusammenfasste und in neue Höhen trug. Unterstrichen wurde die Atmosphäre von Dampfsäulen und tiefrotem Licht – die Band wäre an sich ja durchaus groß genug für die Hauptbühne, aber das Zelt, in dem sie spielten, passte von der Stimmung her viel besser.

Wie oben erwähnt, gab es die abgegrenzten Schankbereiche immer noch, trotz der jüngsten Reform des Alkoholgesetzes, die im Voraus Hoffnungen auf ihre Abschaffung geweckt hatte. Immerhin waren die designierten Saufzonen aber dieses Jahr größer als je zuvor und mit guter Sicht auf die Bühnen; vor allem die Bands im Zelt und auf der Innenbühne konnten nun mit einem Bier in der Hand aus der Nähe betrachtet werden. Nach Moonsorrow blieben wir im Barbereich auf der Zeltseite, wo wir Platz an einem Tisch fanden und uns die nächste Band auf der Hauptbühne im Sitzen angucken konnten. Zugegebenermaßen aus der Ferne, aber das war auch gut so, denn Dead Cross hätten uns eh nicht zum Näherkommen verlockt. Die kalifornische Combo ist das gemeinsame Projekt zweier lebender Legenden, Mike Patton und Dave Lombardo, aber ihre Mucke war eher nervig und die Songs ließen noch nicht einmal Pattons Stimme angemessen zur Geltung kommen. Ich bin froh, ihn bei früheren Gelegenheiten mit Faith No More und Mondo Cane gesehen zu haben, die beide wesentlich unterhaltsamer waren.

Viel eher mein Ding waren dagegen Leprous, die regelmäßig in Finnland touren und dabei noch nie enttäuscht haben. Ihr neues Album Malina packt mich zwar nicht so wie The Congregation oder vor allem Tall Poppy Syndrome, aber es hat trotzdem alles, was ich an dieser Band mag, und live sind sie noch besser als auf Platte. Komplex, aber intensiv und trotz ihres unüberhörbaren Perfektionismus alles andere als steril – und vor allem niemals langweilig.

In den letzten Jahren waren auf den Tuska-Bühnen so ganz allmählich immer mehr Musikerinnen zu sehen gewesen, und zwar nicht nur Sängerinnen. Leider war von diesem Trend in diesem Jahr nichts mehr zu bemerken, aber wollen wir noch mal hoffen, dass dies nur ein versehentlicher Lapsus war und kein weiteres Anzeichen für den misogynistischen Backlash, der momentan an so vielen Fronten zu beobachten ist. Glücklicherweise stellte die eine Frau, die an diesem Wochenende mit ihrer Band auf der Hauptbühne auftrat, nachdrücklich sicher, dass sie weder übersehen noch überhört wurde: Alissa White-Gluz von Arch Enemy dominierte die Show mühelos und erwies sich als würdige Nachfolgerin der früheren Königin des schwedischen Melodeath, Angela Gossow. Für mich war es das erste Mal, dass ich die Band in ihrer aktuellen Besetzung sah, aber es war das Warten allemal wert gewesen. Was der Show zusätzliche Pluspunkte verlieh war der Sonnenschein – früher am Tag hatte es geregnet, aber gegen Abend verzogen sich die Wolken und die restlichen zwei Tage waren gnädigerweise trocken. (TS)

Meshuggah machten ihrem Namen mal wieder alle Ehre, obwohl es in dieser massiven Lichtshow nicht so einfach war, wenigstens ein paar der total meschuggenen Grimassen von Sänger Jens einzufangen….

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Der Headliner an diesem Abend war damals vor 25 Jahren irgendwie an mir vorbeigerauscht – dh deren Existenz wahrgenommen, aber angehört hab ich mir Body Count vorher noch nie. Herrn Eistee pardon Ice-T kenn ich auch eher über die Law & Order TV Serie… Und meine Fresse, ein schwerer Fehler. Das knallte ohne Ende, fette Riffs, derber Rap / Gesang mit politischem Klartext und noch deutlicheren Sprüchen dazwischen, dazu die geile Lichtshow… WOW! Ice-T erhielt hier auch stimmliche Verstärkung von seinem Sohn – und zum Einstieg kam Dave Lombardo kurz an die Kessel, um die Slayerbeats höchstpersönlich in die bereits hysterisch ausflippende Meute zu hämmern. Und ja, da tobte ein Motherfucking Moshpit, nix für Pussies! Bei dem Vokabular könnte Ice-T doch locker der nächste US Präsident werden … Kurz, ich war schwer beeindruckt und zog mir sogar noch die Zugaben – „Hey ich bin 60, wozu den Quatsch mit runter vonner Bühne und wieder rauf, wir spielen die jetzt einfach“ (Herr Eistee frei zitiert) – rein. Hammergig! (KW)

Samstag 30.6.2018

Ein ausverkaufter Festivaltag mit 13000 Leuten – davon war allerdings noch nicht viel zu merken, als sich die Old-School Thrasher Tyrantti als erste auf der Hauptbühne präsentierten. Die meisten Fans ließen sich mit dem Eintreffen noch zirka 1-2 Stunden Zeit. Hoffentlich hat die Band trotzdem einige neue Fans dazugewonnen…
Galactic Empire kombinierten zwei Erfolgsrezepte – Metal und Star Wars, dh. die kultigen Filmmelodien in Metal-Prog-Rock Modus. Damit die Instrumentalshow nicht zu statisch und eintönig wurde, gab es zwischendrin klassische Star Wars Zitate in abgewandelter Form sowie veralberte Filmszenen (Darth Vaders „Fernwürgen“) – einfach nur geil!


Klar, dass nicht nur die Truppen des Imperiums, sondern auch die Rebellen im Publikum zu entdecken waren. Und der Todesstern durfte ebenfalls nicht fehlen – glücklicherweise in Bonsaiformat als Wasserball … (KW)

Am Samstag war ich schon frühzeitig zur Stelle, um ja Crimfall nicht zu verpassen, eine der besten symphonischen Folkmetalbands, die Finnland gegenwärtig zu bieten hat. Dass sie international nicht bekannter sind, dürfte in erster Linie daran liegen, dass sie nur selten live spielen und noch seltener Material veröffentlichen. Ich hatte sogar schon gedacht, dass die Band sich längst aufgelöst hätte, als sie sich letztes Jahr überrraschend mit Amain zurückmeldete. Aber so gut die Studioversionen ihrer Songs sein mögen, mit Abstand am besten sind Crimfall live auf der Bühne. Ihre Show lebt insbesondere vom dramatischen Zusammenspiel des Vokalduos Mikko Häkkinen und Helena Haaparanta. Der Opener „Last of Stands“ war die Art von Hymne, die andere Bands als krönenden Abschluss ihres Sets verwenden würden, aber für Crimfall war das nur der bescheidene Anfang. Schwer zu sagen, welcher Song nun wirklich der geilste war, aber ganz besonders mochte ich das folkige „Wildfire Season“ und das abschließende Epos „Until Falls The Rain“. Hoffentlich war dies nicht ihr einziger Gig in Helsinki in diesem Jahr, aber andererseits geht bekanntermaßen Qualität vor Quantität. (TS)

Der Crimfall-Gig war eine gute Medizin gegen den Kater gewesen, der mich aus Gründen, an die ich mich nicht im Detail erinnere, den ganzen Morgen über geplagt hatte. Besonders fit fühlte ich mich aber immer noch nicht, und so beschloss ich, mich nach etwas Essbarem umzusehen. Zum Glück ist es lange her, dass sich die kulinarische Auswahl beim Tuska auf einen Bratwurststand beschränkte und VegetarierInnen wie meinereins entweder eigenen Proviant mitbringen oder aber auf nüchternen Magen saufen mussten. Mittlerweile gibt es rund ums Gelände eine reichhaltiges Speiseangebot von süß bis herzhaft – ich entschied mich für einen riesigen indischen Curryteller und einen frischen Mango-Lassi. Apropos Gelände: Zum ersten Mal gab es jetzt zwei baumbestandene Parkareale zum Relaxen, das alte (letztes Jahr wegen Renovierungsarbeiten nicht verfügbare) hinter dem Clubbühnengebäude und das 2017 erstmals zur Nutzung freigegebene südlich der Hauptbühne. Das Saunazelt stand in letzterem und beide waren gut bestückt mit Bier- und Cocktailbars. Obwohl ich keine Quadratmeterzahlen habe, hatte ich fast das Gefühl, es hätte mehr Rasen und Bäume gegeben als in Kaisaniemi, wo Tuska im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts stattfand. Noch präsenter war das legendäre „Kaisaniemi-Feeling“ allerdings rund um das Garderobenzelt – zwischen Einlass und Sicherheitskontrolle gab es einen großen Bereich, in dem der Konsum von mitgebrachtem Alkohol erlaubt war, und einige schworen, dass hier die beste Party des Wochenendes abging. (TS)

Die immer wieder fotogenen Beast in Black zogen fast ebenso viele Leute an wie wenig später The 69 Eyes (Foto unterhalb) im Zelt – und ja, zum Best-Of-Hits Programm der legendären Helsinki Vampires passte doch ein bisschen Düsternis besser als der strahlende Sonnenschein draußen. Zu diesem Zeitpunkt machte es sich bereits bemerkbar, dass sich das Areal zu voller Kapazität füllen sollte… (KW)

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Blumen waren nicht nur im Publikum zu sehen, sondern auch auf der Hauptbühne, als festlicher Strauß überreicht an Jussi Stoor, den Bürgermeister von Lemi. Die ostfinnische Gemeinde hatte nämlich den Titel „Capital of Metal“ für sich enschieden – mit 13 Metalbands auf insgesamt 3000 Einwohner. Natürlich war der Wettbewerb nicht ganz ernst gemient und bewies vor allem, dass die kleinsten Käffer am aktivsten dabei waren, auch noch ihre unbekannteste Kellerband für die Aktion zu registrieren (ein kurzer Blick auf capitalofmetal.fi zeigt, dass seitens der Hauptstadt Helsinki nicht einmal alle Bands, die auf dem Tuska spielten, mitgezählt worden waren), aber in gewisser Hinsicht war Lemi trotzdem ein würdiger Kandidat: neben Kitee ist dieses Städtchen wohl das einzige in Finnland, das außerhalb der Landesgrenzen nur wegen einer Metalband bekannt ist, nämlich Stam1na.

Organisiert hatte den Städtewettbewerb Tuomo Saikkonen von Stam1nas Labelkollegen Mokoma, die zufälligerweise als nächstes die Hauptbühne übernahmen. Die Band hat ein neues Album auf dem Markt und etwa die Hälfte des Sets bestand aus Songs von diesem und dessen Vorgänger. Erwartungsgemäß ging das Publikum bei den älteren Hits wie „Kuu saa valtansa auringolta“ und „Hei hei heinakuu“ am meisten mit, aber auch die neuen Sachen kamen gut an, vor allem „Tahdon ihmeet takaisin“ und „Kesytä perkeleet“. Besonders freute es mich zu sehen, wie Marko Annala auf der Bühne abtanzte und sichtbar Spaß an der Sache hatte. Ich wünsche dem Mann von Herzen, dass seine Depressionen endlich der Vergangenheit angehören. (TS)

Statt Mokoma zog ich mir lieber die derben Crossover-Töne von Foreseen rein. Elektronik-Dance Feeling und sogar eine Hommage an legendäre Filmmusik (Flashdance) gab es anschließend von Carpenter Brut, die das Zelt mit begeisterten Fans füllten und viele darunter tatsächlich zum Tanzen brachten – ein weiteres Highlight des Tages! Nach kurzer Stippvisite bei der Old-School-Metal-Band Hexhammer zog es mich doch eher zu Hallatar… (KW)

Der Hauptact des diesjährigen Festivals für mich waren Emperor, die Tuska vor vier Jahren zum letzten Mal auf der Jubiläumstournee für In The Nightside Eclipse besucht hatten, historisch korrekt mit Faust an den Drums. Nun waren sie zurück mit Trym, um den zwanzigsten Geburtstag von Anthems to the Welkin at Dusk zu würdigen. Am Ende des Sets kamen noch drei weitere Songs hinzu (natürlich ist ein Emperor-Gig ohne „Inno A Santana“ nicht denkbar), aber zuerst wurde das monumentale Album komplett durchgespielt. Der geduldig von „Alsvartr“ über „Ye Entrancemperium“ bis zum erhabenen „Thus Spake The Nightspirit“ aufgebaute Spannungsbogen setzte sich ungebrochen fort bis zum dramatischen Finale von „With Strength I Burn“ und dem sanften Ausklang „The Wanderer“ . Nostalgie? Mitnichten. Okay, ein bisschen vielleicht schon – aber vor allem eine Demonstration, wie unendlich weit dieses Album anno 1997 seiner Zeit voraus war. Kein einziges Riff wirkt antiquiert, im Gegenteil: Wenn Anthems soeben erschienen wäre, würde es immer noch frischer klingen als so ziemlich das allermeiste, was in diesem Jahr unter dem Etikett Progressive Black Metal das Dunkel der Welt erblickt. Die Frage lautet vielmehr, ob dieses Genre in der Form, in der wir es heute kennen, ohne Emperor überhaupt existieren würde…

Nach dem tragischen Tod der außergewöhnlichen schwedischen Songwriterin Aleah Starbridge im Jahr 2016 beschloss ihr Lebens- und künstlerischer Partner Juha Raivio, ihr Werk weiterzuführen und ihr musikalisches und poetisches Vermächtnis zu teilen. Das Paar hatte es noch geschafft, mit seiner Band Trees Of Eternity ein Album aufzunehmen (veröffentlicht nach Aleahs Tod), aber um die restlichen Songs zum Leben zu erwecken, gründete Juha das Trio Hallatar. Als diese Band letztes Jahr das Album No Stars Upon The Bridge veröffentlichte, ging ich noch davon aus, dass es sich um ein reines Studioprojekt handelte, aber zu meiner Überraschung spielten sie Anfang des Jahres einen Clubgig in Helsinki. Live mit Kerzenlicht wirkten die ohnehin ans Herz gehenden Sons noch ergreifender und es gelang der Band, diese Magie auch im viel größeren Tuska-Zelt zu wahren. Dies war wahrlich kein gewöhnlicher Festivalgig, vielmehr eine Stunde kathartischer Reflektion über die Vergänglichkeit des Lebens. Tomi Joutsen meisterte die herausfordernden Texte mit Würde und Feingefühl, wobei er die Nuancen seiner Stimme in Extreme trieb, die selbst bei Amorphis so noch nicht zu hören waren – von fragilster Zartheit bis zu brutaler Verzweiflung. Aleah selbst war in „Dreams Burn Down“ zu hören sowie in den beiden zum Schluss gespielten Songs von Trees Of Eternity, „Broken Mirror“ und „Gallows Bird“ – zwischen den Zeilen präsent war sie freilich von der ersten bis zur letzten Minute. (TS)

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Kreator (Foto) hätten diese massive Bühnenshow mit tollen Gothic-Kulissen, LED Wänden, Flammenwerfern und Konfettikanone im Prinzip nicht nötig gehabt, denn die Finnen lieben diese Thrashband und können von Mille & Co kaum genug kriegen. Ebenso heftig umjubelt wurden hinterher At The Gates – keine Spur von alten Herren, die Schweden zeigten sich so fit, dass man sie kaum auf einem Foto einfangen konnte…

Hätten sich Gojira (Startfoto) nicht herzlichst bei der Tuska-Organisation für die Hilfe bedankt, wäre wohl niemandem aufgefallen, dass hier eine „Notversion“ mit schnell zusammengestoppeltem Equipment und Showelementen geboten wurde. Denn die amtliche Gerätschaft war dank Autopanne in Deutschland hängengeblieben … Fast nicht zu glauben, dass die Show dann noch beeindruckender und massiver gewesen wäre als das hier Gebotene…. Riesenkompliment an die Tuska-Helferlein! Einfach gigantisch – und wie der Namensvetter Godzilla walzten die Franzosen musikalisch alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Der Höhepunkt des Festivaltages (obwohl das nach all diesen hochkarätigen Acts nicht einfach war). Genialer Headliner für diesen Festival-Samstag!

Sonntag, 1.7.2018

Endlich ein perfekter Festivaltag – kein Regen, hauptsächlich Sonne, jedoch nicht zu viel – also keine Gefahr für Hitzekoller. Und kaum wo elendslange Schlangen, da sich „nur“ 9000 Leute einfinden sollten. Stick to Your Guns waren da gar nicht so schlecht, bisschen HC/Metalcore zum Aufwachen.

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Bei Blind Channel (Foto) kam ich mir doch etwas alt vor, gewissermaßen die Metal-Version einer Boyband, die „violent Pop“ machen. Nicht schlecht, mir aber doch etwas Zuviel an Backstreet Boys in Sound und Bühnenshow, und ich bin wohl Dekaden über dem Alter der Zielgruppe … Dann doch lieber die etwas gereiftere Boyband Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus, die sieht man doch immer wieder gerne. Danach mussten sich Prog-Fans zwischen Lauri Porra Flyover Ensemble und Ihsahn entscheiden. Lauri Porra gab sich ganz Hippie, allerdings nur optisch – der Sound tendierte doch teilweise zu derben Metal-Riffs, welche das Publikum ebenso begeistert aufnahmen wie die experimentelleren Teile der Kompositionen. (KW)

Nach seiner majestätischen Show mit Emperor am Samstag trat Ihsahn am Sonntag zusätzlich unter seinem eigenen Namen auf. Seine ersten drei Soloalben überzeugten mich seinerzeit auf Anhieb, aber mit Eremita konnte ich irgendwie nur zur Hälfte etwas anfangen und mit Das Seelenbrechen im Grunde gar nichts. Als Arktis vor zwei Jahren herauskam, kriegte ich es nur am Rande mit, aber die drei Songs von diesem Album, die auf dem Tuska gespielt wurden (insbesondere „Mass Darkness“), erinnerten mich daran, dieses Versäumnis schnellstmöglich zu korrigieren. Das neue Werk Ámr lief bei mir in den letzten Wochen ohnehin schon fleißig, und als Ihsahn direkt mit drei der neuen Stücke loslegte, wusste ich, dass es ein geiler Gig werden würde. Im Nachhinein betrachtet sogar der beste unter den drei Ihsahn-Solokonzerten, die ich bisher gesehen habe, obwohl auch sein erster Tuska-Auftritt 2010 zu den Highlights des Wochenendes zählte. Bei der Begleitband handelte es sich diesmal nicht um Leprous; als Rhythmusgitarrist mit dabei war jedoch deren Ex-Mitglied Øystein Landsverk, der für „The Paranoid“ zu einer klassischen Fender Telecaster wechselte – ein bodenständiger Kontrast zu den elegant-futuristischen Aristide-Modellen, die er und Ihsahn ansonsten verwendeten. Netterweise kamen zum Schluss auch noch die alten Schätzchen „Frozen Lakes On Mars“ und „A Grave Inversed“, aber in den Gesamtkontext integriert klangen sogar die beiden zwischendurch eingeschobenen Songs von Seelenbrechen längst nicht mehr so abstrus, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Vom Zelt aus ging ich in die Halle, um mir Grave Pleasures anzusehen – zum ersten Mal und mit etwas danebenliegenden Erwartungen. Ich kannte Sänger Mat McNerney von Hexvessel her und rechnete mit etwas mehr oder weniger Ähnlichem, aber im Gegensatz zur psychedelisch-folkigen Mucke der Letztgenannten lieferten Grave Pleasures eher geradlinigen Rock, der trotz Mats hervorragenden Stimme zum einen Ohr reinging und zum anderen wieder heraus. Um ehrlich zu sein, hätte mich nach Ihsahn wahrscheinlich eh nicht mehr viel beeindrucken können, und ein angenehmer Soundtrack zum Biertrinken unter Freundinnen war es allemal. Trotzdem beschlich mich unverhofft der Gedanke, dass ich mit Belzebubs wahrscheinlich mehr hätte anfangen können, die leider nur als Comic auf dem Festival zu sehen waren. Sie wurden jedoch gerade von Century Media unter Vertrag genommen und haben ihre erste Single veröffentlicht – also vielleicht nächstes Jahr? (TS)

Tja, was soll man zu Europe groß sagen? Die Herren sind zwar nun etwas gereifter und die Mähnen weniger lang, die Songs gehen aber noch immer ins Ohr wie Sahne und wie man auf großes Kino bei einem Festival macht, haben sie ebenfalls nicht verlernt. All diese Hits kennt doch jeder – vor allem DEN Hit, den es logischerweise zum Abschluss gab. Muss ich da großartig erwähnen welchen? Da tanzten viele doch tatsächlich auf den Tischen (wörtlich) …

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Nach den Punk’n’Roll Stimmungskanonen Clutch war es bereits Zeit für den Headliner des Tages, Parkway Drive (Foto). Denn vermutlich musste durch Lärmschutzauflagen viel früher Schluss sein als eigentlich gewohnt… Tja, die massive Soundwand der Australier alleine war schon dazu angetan, dir einen neuen Scheitel zu ziehen. Dann noch all die Pyros und Flammen – die Band zog alle Register, um dem legendären Metalfestivals im Herzen von Helsinki einen würdigen Abschluss zu geben!

Danke, meinerseits gibt es nix zu meckern – bis zum nächsten Jahr! (KW)

Contributors

Tina Solda

Tina Solda

tina@stalker-magazine.rocks - Konzert- und Festivalberichte, Fotos, Interviews - - - Bevorzugte Musikrichtungen: melancholischer Death-, unkonventioneller Black-, melodischer Doom-, dramatischer Folk- und intelligenter Paganmetal (Schwerpunktregionen: Island, Finnland & Norwegen) - - - Sonstige Interessen: Gitarre, Bücher, Bier, Kino, Katzen.