Oceanhoarse – Fresh Act Juni/Juli 2018

Zwei Jahre lang haben sie im stillen Kämmerlein gewerkelt – und wenn man sich nur das Line-Up ansieht, wird verständlich, warum das erste Lebenszeichen im Januar dieses Jahres sofort unsere Aufmerksamkeit erregte. Und live haben wir sie ja schon begutachtet  … (HIER und HIER).

Höchste Zeit also, euch diese All-Star-Band mit Tommy Tuovinen, vocals (ehemals MyGrain), Jyri Helko, bass (ehemals For The Imperium), Oskari Niemi, drums, und Ben Varon – guitar (ehemals Amoral) etwas näher vorzustellen. Ben hat auch dankenswerterweise unsere Fragen beantwortet …

Die Bandbio HIER erzählt ja schon, wie ihr euch zusammengetan habt – aber kanntet ihr einander schon, ehe diese Band gegründet wurde, und wenn ja von woher? 

Ich, Jyri und Tommy kennen einander schon seit Jahren. Unsere alten Bands haben gemeinsam Konzerte gespielt. Ich lernte Tommy näher kennen, als wir beide bei den Dimebag Beyond Forever Tourneen mitmachten. Seitdem weiss ich, dass es einer der besten Sänger aus dieser Ecke ist. Jyri und ich waren einige Jahre lang sogar Nachbarn. Wir hingen viel gemeinsam ab und haben sogar ein bisschen gemeinsam Musik geschrieben, nur so zum Spaß, ohne Hintergedanken. Also das war wohl der Ursprung von Oceanhoarse, die Idee, die sich in meinem Hinterkopf festsetzte.

Also ist Oskari der einzige ”Neue“ – wie ist es denn für Veteranen, mit einem „Neuling“ zu arbeiten? Ändert sich da die Einstellung zur Arbeit in der Band, wenn alte Hasen und ein Jungspund aufeinander treffen? 

Naja, Oskari ist nicht wirklich ein Neuling, er hat auch viele Jahre mit unterschiedlichen Bands und hunderte von Auftritten aufm Buckel. Der einzige Unterschied zu uns anderen dreien – wir kannten Oskari nicht schon seit langer Zeit. Also gibt es da die Phase der Anpassung, des sich einander Kennenlernens, um herauszufinden, ob denn die Chemie stimmt. Glücklicherweise fanden wir schon sehr früh heraus, dass das auch der Fall ist.

Welcher von euch ist denn der älteste Hase im Stall, mit den meisten Jahren an Erfahrung am Buckel? 

Ich vermute ich und Tommy haben am längsten im Metalzirkus verbracht, da sowohl das Debüt meiner alten Band Amoral als auch Tommys MyGrain Anfang 2000 bei Spinefarm Records erschienen.

Gibt es denn auch einen Nachteil, wenn ihr bereits Veteranen im Metalzirkus seid, und wenn ja, welchen? 

Die Hauptsache für uns bei Oceanhoarse ist es, dass es nicht unsere erste Band ist und wir all diese Erfahrung von unseren früheren Bands mitbringen. Daher sind wir sehr bewusst dabei, nicht dieselben Fehler zu wiederholen, die wir in der Vergangenheit wohl gemacht haben. Wir hatten Plattenverträge, Tourneen, Festivals und so weiter, also wissen wir bereits, was uns erwartet, was da abläuft und was wir besser vermeiden sollten.

Ein weiterer großer Vorteil, den ich bei uns sehe, hat mit dem Songwriting zu tun. Wir alle zusammen haben wortwörtlich hunderte Songs in der Vergangenheit geschrieben. Daher steckt eine Menge Know-How dahinter, Herumprobieren, Experimentieren und an der Kunst des Songschreibens Feilen. Wir sind uns viel eher bewußt, was funktioniert, was nicht und wie wir eigentlich klingen wollen als eine gewöhnliche neue Band. Ich glaube, das kann man unserer Musik auch anhören.

Wie kamt ihr auf den Bandnamen und das Maskottchen?

Eine Sache, über die wir uns einig waren war, dass uns allen dieser sogenannte „Erwachsenenmetal“ auf den Keks ging. All diese „intelligenten“ Namen und Images, die netten Logos und Albumcover… was ist mit all dem Spass passiert? Seien wir doch ehrlich – wir alle kamen deswegen auf Metal, weil es da die herrlich lauten Gitarren gibt, weil  Iron Maiden Albumcover so cool aussehen und Banndamen wie ”Megadeth” oder ”Mastodon” so abartig episch klingen.

Ich knobelte an einem Logo für uns und eine Kreatur, die wir auf dem Cover und dem T-Shirt haben konnten. Es ist kein Geheimnis, dass ich voll auf Ozeane und das Leben in der Tiefsee stehe (das Thema des Amoral Albums ”Beneath”, meine Tätowierungen und das Dekor meiner Gitarren verraten das bereits) – also fiel mir da als erstes logischerweise ein Oktopus ein. Wie wäre es, einen Oktopus mit einem Pferdeschädel zu mischen …. hm, sieht irgendwie cool aus! Ich gab meine groben Skizzen einem Freund und Künstler namens  Dean Clayton, der dem Maskottchen den nötigen Feinschliff gab. Uns allen gefiel es, und so blieb es dabei. Dann überlegten wir alle möglichen Namen, als das offensichtlichste aufkam: Warum nehmen wir nicht als Bandnamen, was diese Kreatur darstellt? Oceanhorse (Ozeanpferd)! Und dann bastelten wir noch an der Schreibweise, schon deswegen, um den Namen wirklich einzigartig zu machen, damit wirklich niemand sonst so einen Namen hat. Der Name ist einfach, eingängig, dämlich und fucking Metal. In anderen Worten, der perfekte Bandname!

Ihr habt auch tolle Showeffekte (Lichter etc) – wer kam auf diese Idee?

Da muss ich wiederholen, was ich schon erwähnt hatte – es ging darum, wieder hauptsächlich Spass zu haben. Das gilt auch für die Show. Frag jeden, was denn die beste Show gewesen ist, und bei 9 von 10 kommt dann der Name einer riesigen  Rock n‘ Roll Zirkus-Produktion einer klassischen Arenaband. Die Leute lieben es, eine richtige Show geboten zu kriegen. Ich weiss das, uns geht es ebenso! Also beschlossen wir gleich zu Anfang eine weitere dämliche Angelegenheit: Oceanhoarse-Shows sollen stets über-drüberer als ein durchschnittlicher Metalgig sein! Wir steckten Unmengen von Geld und Initiative hinein, um unsere Shows so unterhaltsam wie nur möglich zu machen. Wir dachten uns immer dabei „was wollten den WIR bei einer Show sehen?“ Und dann ging es nur noch darum, das auf jene Dimension zu bringen, die wir uns auch leisten konnten. Klar, sobald die Band größer wird, werden auch diese Showeffekte immer weiter wachsen!

Die ersten Veröffentlichungen und die ersten Gigs habt ihr nun hinter euch – wie hat denn das Publikum reagiert, lief es erwartungsgemäß oder gab es auch  (positive, negative) Überraschungen?

Die Reaktionen waren alle wirklich toll! Ich kann nicht behaupten, dass es uns überrascht hat, dass die Leute unsere Shows mögen werden (wir wussten, dass wir eine ziemlich gute Band und gute Songs hatten), aber die überwältigende Menge an Lobeshymnen war sicherlich toll. Wir kriegen fast jeden Tag neue Fans dazu, und nach Auftritten gibt es immer wieder Leute, die uns ansprechen und erzählen, dass wir sie aus den Socken gehauen haben – also haben wir mit Sicherheit den richtigen Weg eingeschlagen.

Ihr werdet ja bei einigen Festivals spielen (bitte liste mal auf welche) – und was steht sonst noch an dieses Jahr? 

Yeah, wir waren definitiv überrascht, wie viele Festivals uns haben wollen in diesem Sommer, denn wir waren davon überzeugt, dass es bis nächsten Sommer dauern wird, ehe diese Band bei einem Festival auftreten darf! Aber die guten Reaktionen auf unsere ersten beiden Shows haben sich schnell herumgesprochen und Leute riefen uns an, und das war echt toll. Derzeit haben wir ein paar Festivalauftritte und Shows bei Festival-Afterparties, und hoffentlich kommt noch mehr dazu. Die hier stehen schon mal fest:

23.06 Nummirock, Kauhajoki

30.06 Virgin Oil, Helsinki (Tuska afterparty)

26.07 Henry’s Pub, Kuopio (Rock Cock afterparty)

04.08 Saarihelvetti Festival, Tampere

10.08 Dark River Festival, Kotka

Was habt ihr mit dieser Band noch vor? Falls es mit einem Plattendeal nicht klappen sollte, habt ihr einen Plan B?

Die totale Weltherrschaft! Oceanhoarse ist keine kleine Undergroundband, wir gehören in die große Arena! Und wir lassen uns auch nicht unterkriegen, ehe wir das erreicht haben! Wir haben bereits mit einigen Labels gesprochen, aber wir haben keine Eile, ein Debütalbum herauszubringen. Da braucht es schon das richtige Label, das gewillt ist, uns zu helfen, um dieses Projekt auf die nächste Ebene zu bringen. Derzeit sind wir zufrieden damit, regelmäßig alle paar Monate Singles und Videos zu veröffentlichen, um den Ball am Rollen zu halten. Es hat auch was Befreiendes, wenn man einfach nur an jeweils einem einzigen Song arbeiten kann!

Zum Abschluss – wenn Du ein Superheld wärst, welche Superkräfte hättest du denn gerne, und warum diese? 

Ich muss nicht unbedingt Sachen zum Explodieren bringen oder mich in einen Riesen verwandeln… aber ich würde gerne unter Wasser atmen und auch fliegen können! Ich habe Fallschirmspringen und Tiefseetauchen bereits probiert, aber echt zu fliegen oder echt viel Zeit unter Wasser ohne Equipment verbringen zu können – das wäre einfach toll!

twitter.com/OceanhoarseBand
instagram.com/oceanhoarse
youtube.com/channel/UCXAS4cbm9Mwh4kXvjQ5fffg

Bandphoto: Uzi Varon, live photos: K. Weber

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.