The Hollywood Vampires in Helsinki

w/ Michael Monroe, The Local Band, Lost Society, 10. 6. 2018, Kaisaniemi Park
Wow, was für ein Event! Da müssen wir ja ein paar Worte drüber verlieren, auch wenn wir nicht offiziell als Presse mit dabei waren… Ich schaffte es auch nahezu pünktlich zu Showbeginn von Lost Society. Die Jungs haben sich von durchgeknallten Teenies zu – tja, total durchgeknallten erwachsenen Vollblutentertainern gemausert, die das Zeug haben, eine Arena zu unterhalten. Egal ob mit Thrash-Krachern der Frühphase oder eher groovigen Tracks wie „I am The Antidote“ oder dem Titeltrack des letzten Outputs „Braindead“. Samy Elbanna zog wieder mal alle Showregister… der einzige Minuspunkt lag nicht an der Band: Es waren erst ca. 1/3 der Leute da und die waren offensichtlich noch nicht in Stimmung zu bringen… und jetzt hat die Kollegin das Wort…
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Die erste Band, die ich heute sehe, ist The Local Band. Für alle die, die sie bisher noch nicht kennen, das sind Jussi 69 von The 69 Eyes am Schlagzeug, Archie Cruz von Santa Cruz am Bass, Alexi Laiho von Children Of Bodom an der Gitarre und Reckless Love Frontmann Olli Herman an den Lead Vocals. So wie der Headliner heute sind auch sie eine Cover Band, aber vor allem sind sie beste Freunde, die ihre Begeisterung für Classic Rock teilen, und auf der Bühne einfach Spass haben wollen. Und Spass haben sie ganz eindeuteig. Die Jungs präsentieren uns unter anderem Songs Poison, Van Halen und Guns’N’Roses. Natürlich dauert es nicht lange, bevor Olli das Shirt auszieht und seinen durchtrainierten Oberkörper zeigt. Zwischendurch überlässt Olli für den Song „Untouched“ Alexi und Archie das Mikrofon und geht backstage um „sich die Nägel zu lackieren“, wie er sagt. Die Show startet und endet mit Bon Jovi, und während dem finalen Song Living on a Prayer tobt die Menge.

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Nach nur kurzem Umbau kommt ein weiterer toller Künstler auf die Bühne, Michael Monroe und Band. Ich habe ihn eine Weile nicht gesehen, aber Mikes Enthusiasmus und Energie auf der Bühne hat sich kein Stück geändert. Ich denke,ich weiss jetzt, woher Olli seine Kicks auf der Bühne gelernt hat. Zwischen Songs wie „Ballad of the Lower East Side“ oder „Old King’s Road“ turnt Mike auf der Absperrung zu den Leuten rum, springt hin und her und vor und rück auf diversen Kästen und Boxen und klettert das Bühnengestänge hoch. Ich frage mich, ob er je von kabellosen Funkmikrofonen gehört hat, weil er dem armen Kerl, der sich um das Kabel seines Mikros kümmert, das Leben ganz schön schwer macht, da er das pausenlos entknoten darf. Mittlerweile tobt die Menge, besonders, als Mike fragt „Wie wäre es mit ein wenig gutem alten Hanoi Rocks?“, gefolgt von „Don’t You Ever Leave Me“. Dieser Mensch hat eine so unglaubliche Menge an Energie, die ich gerne mal für nur einen Tag haben möchte. Die Show kommt langsam und viel zu früh zum Ende. Nun, noch nicht ganz. Nach ein paar Minuten, schaut Mike um die linke Ecke der Bühne. Es dauert eine Minute, bevor die Fans ihn da grinsend stehen sehen. „Ich glaube, wir haben noch ein paar Minuten, dann können wir doch auch noch einen Song spielen!“ Was für eine Show! Kann man das noch toppen? Es scheint schwer, aber ja, sie können das noch toppen. Nach etwa einer weiteren halben Stunde Umbau sind sie endlich da, auf die die meisten hier ungeduldig gewartet haben:

Hollywood Vampires Kaisaniemi 10.6.2018

The Hollywood Vampires!

Alice Cooper und Johnny Depp kommen langsam auf die Bühne geschlendert, nachdem alle anderen schon ihren Platz eingenommen haben, und besonders in den ersten Reihen sind die Ohrenstöpsel jetzt auch notwendig, denn man hört eine Menge (meist weibliches) Gekreische. Es gab Gerüchte in letzter Zeit, dass Johnny Depp krank oder zu dünn aussehen würde, aber ich kann euch versichern, er sieht toller aus denn je, und dazu gut ausgeruht trotz des hektischen Tourplans. Er lächelt und interaktiert die gesamte Show mit dem Publikum, ein paar Kusshändchen hier, ein Dankeschön da, angedeutete Verbeugungen oder auch nur ein Nicken und ein Lächeln.
Alice Cooper ist der einzige noch originale Hollywood Vampire hier, und kaum zu glauben, dass der Gute gerade 70 geworden ist, denn ich kann euch sagen, er ist kein bisschen leise geworden. Ganz im Gegenteil. Alice rennt auf der Bühne hin und her, post für das Publikum, und zieht sich ein paar Mal um, von Lederjacke mit Ketten zu Zylinder, ein weisses Hemd mit Blutflecken und eine Art Zirkusdirektorjacke, und wirft seinen Stab ein paar Mal in die Menge. Die Setlist besteht aus satten 19 Songs, zum grössten Teil natürlich Cover, aber auch ein Paar Originale der Band wie „Raise The Dead“ or „My Dead Drunk Friends“. Cooper ist natürlich hauptsächlich an den Lead Vocals, aber „Ace Of Spades“ z.B. wird von Chris Wyse gesungen, und kommt dem Original schon ziemlich nahe. „Combination“ von Aerosmith wird natürlich von Joe Perry gesungen, und für zwei Songs ist Johnny Depp an den Lead Vocals, bei „People Who Died“ und das wunderschöne „Heroes“ von dem kürzlich von uns gegangenen David Bowie. Ich bin mir ziemlich sicher, er lächelt da oben auf seiner Wolke, während er zuhört, und ich bin sicherlich nicht die einzige, die sich denkt, dass Johnny Depp öfter singen sollte, denn seine Stimme ist der Hammer.
Die Zugabe ist „School’s Out“ von Alice Cooper, mit Elementen von „Another Brick In The Wall“ dazwischen, und jetzt rastet die Menge komplett aus. Einige tanzen sogar auf den Tischen. Als es an der Zeit ist, sich vor dem Publikum zu verbeugen, ist Johnny Depp plötzlich verschwunden, und ein verwunderter Alice Cooper geht ihn suchen. Er findet ihn, als er gerade Mike Monroe zu der Band auf die Bühne zieht. Mike singt noch ein Paar Takte mit und verbeugt sich dann gemeinsam mit den Vampiren, bevor sie alle von der Bühne verschwinden, um direkt in ihren Privatjet zu steigen und weiter zur nächsten Station zu fliegen.
Was für ein Abend!

Text & Fotos: Melanie Kircher, Klaudia Weber

Contributors

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Melanie Kircher, Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski