Hevi Reissu

K-12, Finnland, März 2018, Regie: Juuso Laatio, Jukka Vidgren  Drehbuch: Juuso Laatio, Aleksi Puranen, Jari Olavi Rantala, Jukka Vidgren

Um ein Haar wäre die Autorin dieser Zeilen selbst im Film aufgetaucht, nur war jenes Wochenende schon verplant, als einige Szenen im Raum Helsinki gedreht wurden… Das war jedoch nicht der einzige Grund für das Interesse an Hevi Reissu (Heavy Trip, Heavy Journey), die mit rund 3 Mio Euro teuerste Filmkomödie Finnlands bisher, geht es doch um eine Metalband, die sich zu einem Festival aufmacht …

Klar geht das – frei nach Spinal Tap – nicht ohne Komplikationen ab. Es fängt ja schon damit an, dass keiner im Dorf die vier Metaller Turo (Johannes Holopainen), Jynkky (Antti Heikkinen), Pasi (Max Ovaska) und Lotvonen (Samuli Jaskio) für voll nimmt. Noch dazu hat der schmierige Schlagerfuzzi Jouni (Ville Tiihonen) ein Auge auf Turos Flamme Miia (Minka Kuustonen) geworfen… Doch plötzlich steht der erste Gig jenseits der Rentier-verseuchten Dorf- und Landesgrenze an – und mehr will ich nicht vom herrlich beknackten Chaos um diese Band Impaled Rektum verraten …

Ich hatte ja befürchtet, dass tief in die Klischeekiste gegriffen wird – sprich „Metaller-IQ nur knapp im zweistelligen Bereich“ wie etwa bei Bill und Ted. Und ja, kaum ein Klischee wird ausgelassen, bis auf das eben erwähnte, denn doof sind die Jungs ja nicht, nur sehr im Abseits der ebenfalls klischeehaft gezeichneten Dorfbevölkerung. Sympathisch und augenzwinkernd werden diverse Klischees jongliert und gesteigert bis zur Absurdität, dass man sich köstlich amüsiert – Pasi alleine ist für einige meiner LOL Momente verantwortlich. Da stecken wohl waschechte Metaller hinter dem Drehbuch, denn zu punktgenau treffen diverse Kalauer ins Schwarze…

In finnischer und norwegischer Sprache gedreht, gibt es wohl auch eine Fassung mit englischen Untertiteln (siehe untenstehenden Clip) für den internationalen Markt. Einiges an finnischem Humor geht da dennoch verloren, oder kulturelle Anspielungen – Lotvonens Papi wird etwa von der finnischen Punk-Legende und Eppu Normali-Frontmann Martti Syrjä dargestellt. Dennoch haben wohl auch viele Metaller ausserhalb Finnlands gewisse Situationen tatsächlich erlebt – eventuell nur nicht so krass…

Dafür dürfte das internationale Publikum die unglaublich tollen Landschaftsaufnahmen um so mehr genießen, und für die geile Filmmusik zeichnen Könner wie Lauri Porra (u.a. Stratovarius) und Mika Lammassaari (Mors Subita, Wolfheart) verantwortlich. Der „Symphonische Post-Apokalyptische Rentier-Schreddernde Christentum-Verachtende Extrem-Kriegerisch-Heidnische Fenno-Skandinavische Metal“ von Impaled Rektum hätte ja tatsächlich Chancen in der Metal-Szene …

Kurz, ein Riesenspass, angucken!

  • 8/10
    Bewertung / rating - 8,5/10
Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.