Cypecore: Sci-Fi Kino im Kopf

Wie konnte diese Band unter meinem Radar bleiben??!”… war alles, was ich denken konnte, nachdem ich ihren YouTube-Kanal besucht habe, da mir das Internet Cypecore mit “das könnte ihnen auch gefallen” angeboten hatte. Und so wird es Euch auch gehen, besonders wenn ihr das neuste Album hört. Oh, und schaut euch auch die Videos an! Die Band gibt es bereits seit etwa 10 Jahren, sie haben 3 Studioalben abgeliefert, spielten beim Wacken, und trotzdem wissen kaum etwas über sie. Cypecore ist ein Melodic Death-Metal Quintett mit starkem post-apokalyptischen Konzept, sowohl im Visuellen wie Lyrischem, gesetzt in das Jahr 2133. Oder in der Summe, wie sie es selbst beschreiben, Sci-Fi Metal. Ihre Live-Shows nennen sich Operationen und die Gäste sind Mit-Überlebende. Und jetzt begibt sich STALKER auf die Mission in die Cypecore-Zone, um hinter den radioaktiven Ruinen zu stöbern und herauszufinden, wer und was diesen soliden Heavy Metal Act mit exzellenter Produktion, Tiefgang und abgestimmtem futuristisch-militärischem Aussehen ausmacht. Zu Forschungszwecken interviewten wir den Gitarristen und Vordenker Nils Lesser sowie den Sänger und Schreiber Dominic Christoph.

Ihr habt gerade eure Promo-Tour für euer neustes Album „The Alliance“ gestartet und gestern Nacht in Frankfurt gespielt. Wie war’s?

Dominic: Höhen und Tiefen würde ich sagen… aber es ist sehr gut angekommen.

Nils: Sehr gute Atmosphäre bei der Show, Leute sind im Outfit gekommen… Mit Masken und Kram…

D: Es gerät außer Kontrolle, wenn das Publikum besser aussieht als wir! (lacht) Naja, um fair zu bleiben, es war nicht die beste Show, die wir je gespielt haben, also ist es nett, Luft nach oben zu haben.

N: Wir spielen die neue Setlist, da mussten wir noch ein wenig schauen, wie es funktioniert. Wir haben ein paar neue Sachen ausprobiert, die haben wir heute schon weiter optimiert. Unsere Setlist ist jetzt schon besser als gestern. Aber gestern war auch eine gute Show.

D: Es war eine gute Show, besonders wenn man bedenkt, dass es donnerstags in Frankfurt war.

N: Als Musiker ist es schon ziemlich gut, wenn man sich denkt „Oh, es war nicht komplett daneben…“ und das Publikum sagt „Oh, das war großartig!“ und man selbst (erleichtertes Aufatmen) „aaaaah“ (alle lachen).

D: Als Musiker hat man eine andere Erwartungshaltung an sich selbst als das Publikum. Daher denke ich, wir können das noch verbessern. Aber es war in Ordnung.

Was macht für Euch als Band dann eine gute Show aus?

N: Keine Fehler.

D: Ja, so nah am Album wie möglich zu sein.

N: Das, und einen guten Auftritt hinzulegen, eine gute Verbindung mit den Leuten, das ist es für mich.

D: Für uns ist es wichtig, den Fans das Komplettpaket zu liefern. Wir machen dieses visuelle Zeug auch, um ein weiteres Instrument im Kopf spielen zu können. Dadurch können Leute, die sich die Musik anhören, auch gut ein besseres Bild in ihrem Kopf malen, dass in diese komplette epische Erfahrung wächst…

N: Und wenn man in den Gesichtern sieht, dass sie den Sinn des Songs verstehen, worüber er handelt und warum wir ihn geschrieben haben… das ist das befriedigendste Gefühl.

Dann besteht die aktuelle Setlist hauptsächlich aus neuen Songs?

D: Nicht hauptsächlich, wir haben ein paar Klassiker… ich glaube sechs Songs aus dem neuen Album, wir haben einen guten Mix.

N: Eine gute Setlist erstellen ist schwer! Manchmal wird man müde, immer die alten Songs zu spielen, als Musiker hat man den ja schon ein paar Mal gehört. (alle lachen). Ich weiß echt nicht, wie Metallica sich fühlt, wenn sie heute „Nothing Else Matters“ spielen (alle lachen).

D: Und es tatsächlich ziemlich schwer, dass es interessant bleibt. Man kann nicht immer Vollgas und intensiv über 90 Minuten knallen, niemand schafft das so, also braucht man ein paar ruhigere Momente und die zu finden ist wirklich schwierig. Besonders wenn man nicht viele langsame Songs hat (lacht).

Seid ihr noch müde von gestern?

N: Sozusagen (lächelt), ich hatte vier Stunden Schlaf, das muss reichen!

D: Ich hatte sechs! Ha!

N: Er hatte sechs… wir mussten ein paar Fotos schießen und Videomaterial, es hat schon Spaß gemacht.

Non-stop arbeiten!

N: Ja, muss man aber auch.

D: Muss man, sonst geht es ganz schnell… (macht die Handgeste eines abstürzenden Flugzeugs) Und wir sind Überlebende!

Wie fühlt es sich an, als Apokalypse-Überlebender auf der Bühne?

D: (trinkt einen Schluck Bier und seufzt, mit tiefer Gruselstimme)… schmerzhaft! Die Strahlung bring mich heute um! Wir überleben mit Mühe und Not. (mit normaler Stimme). Für mich fühlt es sich so an… man gerät in einen besonderen Zustand vor der Show, als ob da ein Schalter umgelegt wird, dann erscheint da dieser verrückte Typ, und wenn wir fertig sind, legt sich der Schalter wieder zurück auf „normal“…

N: Gut, dass Du das kannst!

D: Ja, Übung.

Woher kam die Inspiration für das postapokalyptische…

D: Jede Menge Fallout! (alle lachen)

N: Genau! (lacht)

D: Eins kam zum anderen, wir mögen Sci-Fi Kram und Videospiele und wir hatten diese Vision einer Band! Und dann hat er (nickt zu Nils) den ersten Anzug gebaut und wir alle haben gesagt – let’s roll!

N: Besonders wenn man Fan von Rammstein und Slipknot ist, man mag die Show…

D: (Atmet schwer) Das ist so awesome!

N: …und dann probiert man diesen Anzug an und denkt sich, das ist vielleicht auch geil, versuchen wir‘s…

D: „Wird’s funktionieren?“ und es hat funktioniert…

N: Man will den Leuten zeigen, was seine Vision ist und warum es diese Songs gibt, wozu sie dienen, es hilft der ganzen Atmosphäre…

D: Man versteht besser, was abgeht!

N: Das wäre nicht so einfach in schwarzen T-Shirts und Shorts.

Welchen Charakter-Typus spielt ihr in Fallout?

D: Ich gar nicht, ich bin eher der World of Warcraft oder Diablo III Typ, aber er (nickt zu Nils) ist der Fallout-Professor. Er hat wahrscheinlich alles durchgespielt. (lacht)

N: Ich hab immer den Guten gespielt, immer die guten richtigen Entscheidungen und versucht, den Vater zu finden. Ich hab es auch mal andersrum versucht und alles und jeden umgelegt, aber dann war das Spiel nach 2 Stunden vorbei und man hatte den Vater gefunden, weil alle tot waren.

D: Wie ich sagte, er hat alles durchgespielt.

N: Jau, und du spielst nur Starcraft.

D: Ja, ich war früher ein FPS-Typ, aber ich bin zu alt dafür… 15-jährige holzen Dich da einfach weg. Zocken ist schmerzhaft dieser Tage (macht ein sehr trauriges Gesicht)

Insgesamt, wie zufrieden seid ihr mit „The Alliance“?

D: Dem Album? Ich bin SEHR zufrieden mit dem Album, auch weil es das erste ist, in dem ich Texte beigesteuert habe. Das letzte Album wurde vom Original-Sänger geschrieben und ich habe es nur aufgenommen. Aber dieses Mal habe ich die Tracks und den Gesang selber geschrieben. Und ich bin glücklich über das Ergebnis. Ich denke es hat ein paar interessante Momente….

N: …und ein paar experimentelle…

D: Ja! Und ein paar eingängige Teile, aber auch ein paar sehr dunkle Passagen, es reflektiert ein sehr hartes Jahr, durch das wir durchmussten. Ich denke, es ist in sich schon düster, aber das darf es auch und das zeigt es auch. Ich bin glücklich mit dem Album.

Ich würde sagen es ist heftiger und verzweifelter als die vorhergehenden, „Identity“…

N: Ja, ein Freund von mir sagte, es klingt wie der Soundtrack zu deiner Flucht, wie das „In Flames“-Album. Es kann eskapistische Musik sein. Es ist der beste Soundtrack bei der Flucht vor Raider, die dich durch die Wüste jagen oder sowas, in deinem Kopfkino. Es passt, denke ich, es ist ein sehr getriebenes Album.

Du erwähntest ein hartes Jahr, magst Du mir mehr erzählen?

D: Das größte Desaster war die Krebsdiagnose unseres Bassisten Chris. Er spielte 10 Jahre in der Band und gerade als wir in Wacken spielen konnten, einem der größten Festivals, bekam er eine Leukämie-Diagnose und er musste 3 Monate in Chemotherapie. Und das trifft einen! Der Typ ist 26 Jahre alt, er ist wie dein Bruder, alles vorbei nach 10 Jahren Vorarbeit, er kann nicht mit zu diesem Höhepunkt. Aber er hat überlebt und seine Prognose ist gut. Aber von dem Zeitpunkt an ging viel schief für uns. Der Drummer hört auf, all sowas… Es war kein gutes Jahr, aber wir haben uns wieder aufgerappelt und konzentrieren uns jetzt auf die Tour und darauf, Freude an dem zu haben was wir machen… Aber vielleicht erklärt das, warum dieses Album ein wenig düsterer ist als das Album davor.

Wie lange habt ihr für die Entstehung des Albums gebraucht?

D: Insgesamt?

N: Da sind Songs drauf, die 5 Jahre alt sind, einige sind gerade mal ein Jahr alt

D: Für uns funktioniert es so, dass man einen Fundus an Songs haben und einige schaffen es auf das Album, einige Sachen nicht, die gehen zurück in den Fundus und dann schaut man nochmal drüber… Vielleicht verwendet man die dann später. Also haben wir einige ältere Sachen recycelt, ein paar neue Sachen geschrieben, dass ganze verfeinert…

N: Wir haben eine Menge neue Sachen geschrieben.

D: Wir haben 6 Monate geschrieben und 6 Monate aufgenommen…

Wie läuft euer Entstehungsprozess, ein Kollektiv oder einer bestimmt alles?

D: Naja, ja, wir sind alle zusammen. Die Riff-Ideen wurden hauptsächlich von Nils geschrieben, die Drums vom Tobias, der zu dem Zeitpunkt der Drummer war, und wir haben uns alle im Studio getroffen und ein paar Demos aufgenommen, ich habe dann nur ein paar Vocals drübergelegt… Ich hatte ein paar Texte geschrieben und die haben wir wieder und wieder ausprobiert, und die ganze Band hat sich am Ende zusammengesetzt und geprüft und jeder hat seine Ideen eingebracht. Danach verfeinern wir die Songs weiter, so arbeiten wir!

Welches Songs denkt ihr sind die stärksten auf diesem Album?

D: Wenn ich abstimmen müsste, würde ich sagen „The Alliance“ ist ziemlich weit oben.

N: Ja, das ist das Repräsentativste für das Album. Aber für mich persönlich ist es „Dreamsmasher“, das ist ein sehr kraftvoller Song!

D: Und auch „Reject the Stream“, der ist auch stark. Ja, diese drei denke ich.

N: Und „Rememberance“…

D: Ok, wir mögen alle Songs! (alle lachen). Deswegen haben wir sie ja ausgewählt, sonst würde das Album ja nur aus diesen drei Tracks bestehen. (lacht)

Aber gibt es Songs, die noch persönlicher oder besonderer für Euch sind?

Beide: Klar!

D: Rememberance ist ziemlich heftig. Als Chris’ Krebs schlimmer wurde, dachte ich viel über Leben und Tod nach, ich fragte mich, ob Leute sich an mich erinnern würden und wenn ja an was. Die Roboterstimme ist sowas wie die Stimme von der anderen Seite. Der Song ist besonders, für mich.

Warum schreibst du auf Englisch?

D: Naja, so gut meine englische Schriftsprache ist, so schrecklich ist meine Deutsche. Ich könnte keinen deutschen Song schreiben!

N: Deutsche Sprache ist sehr schwierig, hart und rau, daher ist es sehr schwer, gut klingende Texte in Deutsch zu verfassen. Da muss man mit alter Poesie rumspielen, das macht zum Beispiel Rammstein, daher…

D: Die Jungs sind genial, ich könnte das nicht! Ich hab‘s versucht! Selbst in der Schule, als ich dieses oder jenes schreiben musste…

N: Und wenn alle deine Idole weltweit touren, dann tja, sollte man in Englisch texten.

D: Es geht noch nicht mal so um die Wahl, es geht mehr um die Fähigkeit, denke ich. Ich könnte nie in Deutsch texten, so dass es gut klingt, aber das ist auch ok! (lacht) Vielleicht versuchen wir es ja mal in der Zukunft…

Texte, die Musik… was inspiriert Euch?

(langes Schweigen)

N: Andere Musiker, andere Bands, neue Bands, andere Genres… zum Beispiel elektronisches Zeug, oder Klassischer Kram oder etwas vollkommen Neues…

D: Du musst Filme und Spiele erwähnen.

N: Ja.

D: Es ist ein bisschen nerdy, mit dem Finger zu zeigen und „Höhö“ (lachen wie Beavis & Butthead) zu sagen, aber es ist Teil unseres Hintergrundes, wir schauen Filme und zocken.

N: Es ist in unserer Natur, über die Zukunft nachzudenken, wir sind Science-Fiction Fans, und es gibt da ein paar Ideen, einige positive, andere eher dystopisch, aber generell gesprochen mögen wir die Zukunft und da wollen wir hin.

Geht ihr oft zu anderen Bands, Konzerte und Festivals?

D: Früher bin ich oft gegangen, heute habe ich dafür nicht mehr so viel Zeit. Aber wann immer ich die Zeit finde, gehe ich auch.

N: Und oft spielen wir selbst ja auch da, also…

Ok, also warum das Jahr 2133? Eskapismus?

N: Weil es nicht so weit weg ist, 100 Jahre und ein bisschen von jetzt aus gesehen…

D: Ich war nicht dabei, als das Jahr ausgesucht wurde, aber ich denke es war ein bisschen zufällig? Aber nicht reiner Zufall.

N: Und 33 ist unsere Zahl, wegen „cype-core“, also CC ist 33. Wenn wir Basketball-Trikots hätten, hätten wir eine 33 auf dem Rücken (alle lachen)

Wenn ihr schon in 2133 seid, eine kommende Zukunft, was wird passieren?

(Nils lacht)

D: Das ist eine freche Frage! Keine Spoiler. Spoiler Alarm! (lacht)

N: Das müsst ihr schon selber sehen.

D: So sollten wir das auch belassen, vielleicht kannst Du einen Blick erhaschen, wenn die Show heute Abend siehst.

Gut, könnt ihr uns wenigstens sagen, wer amerikanischer Präsident ist im Jahre 2133?

D: Naja, das Problem mit postapokalyptischen Szenarios ist, dass wenige Menschen überlebt haben, daher gibt es auch nicht mehr so viel Politik. Das Konzept „Präsidentschaft“ ist dort überholt. In der Band bin ich der Kommandant [Commander] und ich denke, ich habe den Rang auch verdient, aber Amerika ist nicht mehr besonders bewohnbar.

N: Wir versuchen, eine neue Zivilisation aufzubauen.

D: Es gibt keine Präsidenten mehr, wir haben andere Probleme.

N: Warlords, klar!

Du bist der Kommandant und jeder in der Band hat seine Rolle. Könnt Ihr uns mehr darüber erzählen?

D: Ganz am Anfang, als wir das ganze Konzept entwickelten, haben wir versucht. einen möglichst filmischen Look hinzubekommen. Wir dachten uns dieses Endzeit-Szenario aus und ich persönlich dachte auch an das A-Team. Jeder hat seine besonderen Fähigkeiten, das auf die Band projiziert, das ist dann also ein Kommandeur, der führt die Operationen an…

N: Und wir haben diese Outifts, die auch als Strahlungsanzüge fungieren. Mein Charakter ist der Alchemist, alles mit Chemie, die fließt durch meine Venen um mich am Leben zu erhalten. Deswegen bin ich an meinen Anzug gebunden, er erhält mich am Leben. Die anderen brauchen ihre Anzüge nur, wenn sie raus gehen, wegen der Strahlung – die ist echt stark da draußen!

D: Jeder hat seinen Job! Unser zweiter Mann ist der Mechaniker, der baut und erfindet Zeug.

N: Und unser Drummer ist ein Androide, der wurde von unserem Mechaniker gebaut.

D: Und der Bassist ist der Handlanger, sehr roher und brutaler Typ, der Mann fürs Grobe.

N: Er verteidigt uns! (lacht)

D: Er ist eigentlich ein netter Kerl, aber wenn es um das Geschäft geht, wird er hart.

Das war eine gute Idee! Wer hat sich das alles ausgedacht, und eure großartigen Anzüge?

D: Hauptsächlich er (nickt zu Nils) aber ich schmücke mich gerne ein wenig mit seinen Federn… Ich erzähle es so, als ob ich die Idee hatte… aber in Wirklichkeit war er es!

N: Ja, hab ich. Wir haben ein bisschen rumprobiert, wie jeder Cosplayer. Obwohl ich nicht sagen würde, dass unsere Outfits mit denen von Cosplayern vergleichbar wären. Cosplay-Anzüge sind meistens viel detaillierter und nicht so flexibel. Aber wir müssen uns bewegen können und Instrumente spielen und headbangen und sowas, daher sind unsere etwas praktischer angelegt. Da musste ich einen Kompromiss finden.

Eure Videos sind so gut gemacht und konzipiert. Wer steht dahinter?

N: Die Videos kamen von uns. Und wir haben echt tolle Leute, die uns helfen, unsere Vision in Film-Form zu bannen.

D: Das erste mit Mirko Witzki war „Identity“ und wir haben uns die Story ausgedacht, aber er hat gefilmt und Regie geführt. Dann sind wir zusammen in den Schnitt gegangen und von dort aus weiter. Es wurde besser und besser, wir hatten immer bessere Ideen und ein größeres Budget. Also ja, wir haben ein gutes Team, einige Sachen machen wir selbst, aber nur so viel wie wir müssen.

Eure Videos, gehören die alle zusammen? Wie eine Serie die nach und nach eine Geschichte erzählt?

D: Nicht wirklich, die Videos sind alles individuelle Geschichten und Auftritte.

Ist es schwer, ein Cypecore-Video zu machen?

D: Ich würde nicht sagen schwierig, aber interessant. Für mich zumindest war das so, aber es war mein erstes Video mit dieser Band.

N: Es ist Kunst! (lacht)

Im März werdet ihr auf dem Hammerfest in Großbritannien spielen, das ist bereits ausverkauft, ihr tretet mit Sepultura auf… wie fühlt sich das an?

D: Unglaublich! Wenn mir jemand vor 3 Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages in Großbritannien auftreten würde hätte ich ihm nicht geglaubt. Und jetzt sind wir hier. Dieses ganze Jahr war überwältigend, ich meine, in Wacken auftreten, Summer Breeze und ein paar andere Festivals. Wahnsinn, WAHNSINN!

N: Da sind Leute, die sehen aus wie wir, und die singen unsere Lieder, das ist verrückt!

D: Und zur gleichen Zeit spielen Bands wie Slipknot und Korn 300 Meter von uns entfernt und trotzdem stehen hier 2000 Leute und hören sich uns an. Wahnsinn!

Seid ihr bisher außerhalb Deutschlands aufgetreten?

D: Noch nicht.

N: Eine Show in Holland, vor langer Zeit.

D: Bisher waren wir nur im deutschsprachigen Raum zu buchen, jetzt sind wir bei Brainstorm und die machen auch internationales Booking, mal sehen. wie weit das geht.

N: Vielleicht ein paar französische Festivals…

D: Ja, Hellfest!

N: JA! Das wäre ein Traum, da aufzutreten.

D: Das hängt nicht an uns, aber wenn wir gerufen werden, wir sind bereit! Falls es jemand liest, lieber Hellfest-Booker-Kollege, bitte anrufen!

Wie schätzt ihr den Einfluss des Internets auf das Musikgeschäft heutzutage ein?

D: Schwierig.

N: Es hat gute und schlechte Seiten. Die gute Seite an den ganzen Streamingangeboten ist: Leute hören Musik, und wenn die Musik gut ist, werden sie sich anhören. Dann kann die Band überleben, wenn ihre Musik gehört wird.

D: Das Musikgeschäft wurde immer kompetitiver in den letzten Jahren durch das Internet. Das ist gut für die Qualität der Musik, aber schlecht für faule Musiker, der muss jetzt gute Alben alle 2 Jahre produzieren. Denn wenn Du das nicht tust, verschwindest Du.

N: Ja, das ist viel in Bewegung momentan… denn ein Album schreiben, Album veröffentlichen, touren, dann Album schreiben, veröffentlichen… der Kreis bricht auseinander denn man hat weder die Zeit noch das Geld, vielleicht gibt es da andere Konzepte, die Musik zu veröffentlichen… oder man veröffentlicht, ohne auf einem Recordlabel zu sein, Leute können sich es anhören und wenn sie es mögen… In der Vergangenheit musste man unter einem Recordlabel sein um zu existieren.

D: Das hat man gesehen, als Machine Head rauskam mit ‘nem Album und 2500 Stück in der ersten Woche verkauft haben.

N: Aber es wird mehr gestreamt. In Deutschland haben wir mehr physische Verkäufe, weil wir so schlechte Internetanbindung haben! (alle lachen) Aber wir sind alle Spotify-dudes…

D: Das Problem ist, man weiß nicht in welcher Form die Fans die Musik konsumieren. Es gibt zu viele Plattformen.

N: Naja, im Moment haben wir 51000 monatliche Zuhörer auf Spotify. Das meinte ich, wenn Du gute Musik machst und Leute hören Dir zu, und nicht nur einen Song, sondern alle… Das ist eine gute Balance, das ist meine Theorie.

Als Band, was ist die Cypecore-Mission? Was wollt ihr euren Zuhörern mitgeben?

D: Das ist schwierig in Worte zu fassen, ich denke jeder in der Band hat seine eigenen Motivationen. Aber wenn wir es auf einen Nenner bringen müssten, wenn wir 100 Jahre in die Zukunft schauen und alles ist nur ein Ödland, dann läuft hier was schief.

N: Besonders auf diesem Album ist die Aussage: Nicht trennen lassen! Steht zusammen! Da sind so viele Leute, die euch manipulieren wollen, die Situation destabilisieren wollen…

D: Und uns gegeneinander ausspielen wollen.

N: Der erste Song sagt: „We are one!“. Wir sind dieser Planet, wir sind eine Rasse, das muss jedem klar sein. Auch aus dieser Sichtweise betrachten wir Science Fiction Thematiken.

Seht ihr Hoffnung für die Menschheit?

D: Natürlich! Die Menschheit hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich Herausforderungen stellen kann.

N: Einige Leute geben Anlass zur Hoffnung, besonders Elon Musk, der versucht die Welt zu verbessern mit Elektroautos und Flügen zum Mars, eine Zivilisation aufzubauen weit weg von diesem Planeten, den wir verschandelt haben. Aber erst sollten wir diesen Planeten reparieren, bevor wir zum Mars übergehen.

Was macht ihr jenseits der Band?

D: Manchmal schlafen wir!

N: Ich bin Musikproduzent in Vollzeit. Ich nehme andere Bands auf und helfen anderen Musikern.

D: Ich war der Sport-Typ, in letzter Zeit bin ich der faule Sport-Typ.

N: Er ist ein guter Kämpfer. Ein paar Tage vor der Aufnahme unseres Videos hat er sich das Auge gebrochen! Im Schädel! Jemand hat ihm ins Gesicht geschlagen.

D: Ich hab diese Kampf-Geschichte gemacht, ich war im Fitness-Studio und einige Leute da haben sich auf einen Kampf vorbereitet und ich schlug ein bisschen Sparring vor. In der zweiten Runde hat mich einer am Auge erwischt und hat mir den linken Orbitalsockel gebrochen, zwei Tage vor den Aufnahmen für das Video… „Ok, mir ist schwindlig, ich sehe doppelt. Kein Problem, ein bisschen Eis drauf…“

N: Trag einfach ein Monokel! (lacht)

Welcher Kampfstil?

D: Früher hab ich MMA gemacht, jetzt führe ich meine Hunde aus und spiele Videogames…

Und die anderen Jungs in der Band?

D: Naja, Chris studiert, Jay arbeitet bei einem Musikalienhändler 3 Tage in der Woche und macht seine eigene Musik, er geht auch gerne auf Partys. Und der Drummer ist eine Vertretung, wir haben keinen festen Drummer im Moment.

N: Wir haben einen Androiden als Drummer.

D: Ja, er macht nicht viel, er lädt gerade seine Batterien auf (alle lachen)

Was sind also die nächsten Schritte für Cypecore?

D: Das kommt darauf an.

N: Die nächsten Schritte sind, an neuer Musik zu arbeiten, an unserer Show zu arbeiten, vielleicht eine neue Tour am Ende des Jahres… Da gibt es ein paar Sachen, über die wir noch nicht sprechen können.

D: Es wird eine Tour geben, in der wir Vorband für ein paar größere Bands sind, aber das ist noch nicht offiziell!

Da müssen wir eure Seiten verfolgen!

D: Wenn ihr mögt.

N: Macht das, es wird großartig!

(Die Tour mit den Apokalyptischen Reitern im Dezember steht nun fest, Details HIER, Anm.d.Red.)

HIER die Kommentare der Band zu den 7 Todsünden

http://www.cypecore.com/

Text: Marina Minkler    Translation: Uwe Minkler
Photos: Kira Hagen Photography www.kirahagen.com

GastmitarbeiterInnen / guest contributions

Reguläre GastmitarbeiterInnen u.a. Grit Kabiersch, Marina Minkler, Maria Levin, Nina Ratavaara, Elvira Visser, John Wisniewski