Powerless Trio @ Savoy

7.2.2018, Savoy Teatteri Helsinki, Finnland

Muss wohl schräger Humor im Spiel gewesen sein, diese Combo „Powerless Trio“ zu nennen, versammeln sich hier doch drei der kraftvollsten Metal-Sänger Finnlands, nämlich (alphabetisch geordnet) Marco Hietala, Ari Koivunen und JP Leppäluoto. Klar, dass das Savoy-Theater nahe an der „ausverkauft“ Grenze schrammte, sogar an einem Mittwoch …

Damit nicht nur zu einem Band geträllert wird, haben diese drei Multitalente eine Auswahl ihrer Instrumente mitgebracht. Ari tobt sich am Schlagzeug aus, Marco hatte eine praktische Gitarre/Bass-Kombi eingepackt, und JP wechselt zwischen akustischer und strombetriebener Klampfe. Ein amtliches Rockkonzert also in jeder Hinsicht. Wer sich wundert, warum in einem Theater – tja, hier wird mehr als eine Reihe exzellenter Coverversionen von Rock- und Metalklassikern geboten. Viele Metal-Frontleute scheinen ja ohnehin nen Hang zur Komik zu haben – und diese drei Herren nutzen die Gelegenheit, zwischen den Songs ausgiebig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Von Anekdoten aus frühen Tagen ihres Musikerdaseins über philosophischen Gedankenaustausch und sarkastischen Sticheleien bis hin zu sehr persönlichen Bekenntnissen – da ist alles dabei. Wer die drei nicht ohnehin schon vorher mochte, ist nach so einem Abend definitiv ein Riesen-Fan. Denn anders als bei den Comedy-Profis ist das „Stand-up Comedy Programm“ 100 % improvisiert und kann daher durchaus einen der Beteiligten kurz lachkrampfend aus dem Konzept bringen. Sprich, ein Riesenspaß für alle, nicht nur für die Zuschauer. Seht euch nur die grinsenden Gesichter und Grimassen der drei in der interaktiven Fotogalerie an…

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… oder anklicken und Fotos auf Flickr betrachten      Fotos: Klaudia Weber

Damit das nicht eine Art Karaoke-Abend wird, wartet das Trio mit eigenen Arrangements auf und steigt mega-stark mit „I See Fire“ vom Hobbit-Soundtrack ein (siehe Videoclips).

Jedoch wirkt das eher ungewohnte Theater-Ambiente anscheinend nicht nur auf das durchaus Metal-geeichte Publikum etwas einschüchternd. Erst nach zwei, drei Songs tauen die Herren so richtig auf, und von der Menge mitgerockt – nach mehrmaligen Aufforderungen – wird erst gegen Ende des ersten Teils, und dann natürlich im zweiten Teil des Programms. Was die Songauswahl betrifft, bleibt wohl kein Wunsch offen – die Stimmen harmonieren wunderbar, gegenseitig wird Raum zu Solieren, Improvisieren und spontanen Variieren geboten, und trotz Fokus auf Rock- und Metalklassiker gibt es den ein oder anderen Überraschungshit im Programm, wie etwa Songs von Eagle Eye Cherry, den FooFighters oder ein witziges Medley. Die Version von Megadeths „Symphony of Destruction“ entpuppt sich da als Publikumshit, und bei „Wish you were here“ von Pink Floyd bleibt wohl kein Auge trocken. Nur dem Zwischenruf „soittakaa Paranoid“ (spielt Paranoid!) – sofern ich den richtig gehört habe – wird nicht Folge geleistet… auch nicht bei den Zugaben…

Kurz, ein höchst unterhaltsamer Abend mit exzellenten Musikern und unheimlich sympathischen Menschen, wo man noch stundenlang weiter zuhören könnte und dazu die ganze Familie mitnehmen kann … Verpasst also nicht den nächsten Auftritt des Powerless Trios, auch wenn dieser in der Ecke einer örtlichen Pizzeria steigen sollte!

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.