Bruce Dickinson „What does this button do?“ Die Autobiografie

Oktober 2017, deutsche Fassung Heyne, englische Fassung bei Harper-Collins oder Dey Street Books, 384 Seiten, auch als Hörbuch und Kindle-Edition

Tja, im Grunde könnte ich es mir sparen, hier eine Review zu schreiben – denn für die Fans von Iron Maiden oder auch den Soloprojekten von Bruce Dickinson ist dieses Buch (ich besitze die englische Ausgabe) ohnehin ein Muss. Wer Heavy Metal nicht mag, oder Iron Maiden, oder Musik generell, oder Bücher, den könnte ich mit der besten Rezension nicht überzeugen…

Dennoch, dieses Werk verdient es, darüber wenigstens ein paar Worte zu verlieren. Denn selten hab ich schon bei den ersten paar Seiten einer Autobiografie laut gelacht. Man merkt, hier schreibt einer, der auch wirklich gut schreiben kann, nicht nur Songtexte – oder Business Pläne, Vorträge zum Thema Wirtschaft / Startup / Firmenführung, Filme, Spiele, Kinderbücher (was hat Herr Dickinson eigentlich noch NICHT geschrieben?) Und noch dazu mit Unterhaltungswert, der ein bisschen was von Monty Python hat … Locker-flockig plaudert Herr Dickinson mti einer gehörigen Portion Selbstironie über sein Leben – und als Metal-Sänger, Pilot, Entrepreneur und Krebs-Überlebender hat er reichlich zu erzählen… Ich möchte fast wetten, dass auch Leute, die weder Iron Maiden noch Heavy Metal mögen, nach Lektüre weniger Kapitel so neugierig werden, dass sie wenigstens ein paar Songs anhören wollen. Abgesehen davon gibt es sicherlich genug, das auch der größte Die-Hard-Fan noch nicht gewusst und daher bei der Lektüre einige Aha-Momente hat.

Kurz, kein Wunder, dass What Does This Button Do?: Die Autobiografie binnen kürzester Zeit die Bestsellerlisten erklomm (Sunday Times Nr 1 bei den Autobiografien) und bereits in diverse Sprachen übersetzt wurde…

Wer also noch keine Idee hatte, wie man die Metaller unter der Familie / im Freundeskreis zu Weihnachten glücklich machen könnte – dieses Buch wäre die perfekte Möglichkeit.  (Klaudia Weber   10/10)


Deutsche Ausgabe, Heyne Verlag  Seiten: 448  – Rezension: Timo Pässler  9/10 

Vermutlich gibt es keinen Heavy Metal Fan, der Bruce Dickinson nicht kennt. Logisch, mit Iron Maiden hat er Musikgeschichte geschrieben. Aber auch abseits der Musik führt Bruce ein durchaus interessantes Leben. Dabei ist er meilenweit vom üblichen Sex, Drugs & Rock ‚n‘ Roll Klischee entfernt. Seine Karriere als Pilot („Ed Force One“, anyone?) dürfte auch den meisten noch bekannt sein. Dass Bruce aber auch ein talentierter Fechter, Drehbuchschreiber und Bierbrauer ist, ist vielen eher unbekannt. Es gibt also eine Menge zu erzählen.

In seiner Autobiographie schildert Bruce sein Leben, beginnend in seiner Kindheit, endend beim „The Book Of Souls“ Album. Das Thema Iron Maiden steht dabei gleichberechtigt neben Bruce’ Privatleben. Orientierung gibt die Iron Maiden Diskographie (respektive seine Solo Diskographie). Zu den Veröffentlichungen erzählt er jeweils die ein oder andere Anekdote, kratzt im Allgemeinen aber eher an der Oberfläche. Ausführlicher thematisiert er stattdessen, was er jeweils außerhalb der Musik getrieben hat. Eine gute Wahl, gibt es doch bereits zahlreiche ausführliche Band-Biographien.

Bruce Schreibstil ist äußerst kurzweilig. Er schreibt über sein Leben, als würde er abends einem guten Kumpel davon berichten. Musikalische Fakten, private Informationen und Anekdoten werden mit einer gehörigen Portion Humor erzählt. Bruce Dickinson nimmt auch bei pikanten Themen wie seiner Krebserkrankung kein Blatt vor den Mund. Dabei nimmt Bruce sich selbst oftmals nicht zu ernst. Beispiele gefällig:

Zitat aus seiner Schulzeit: „Dickinson – kein Sänger!“

Diskussion zur Zeit von Maidens Aufstieg: „Es ist schwer mit einem Stage Manager zu diskutieren, wenn er kurz vor dem ejakulieren ist.“

Über Musiker im Allgemeinen: „Die meisten Rockstars mögen zwar auch im Erwachsenenalter noch in der Lage sein, sich wie kleine Kinder aufzuführen, sind aber leider unfähig auch so zu singen.“

Noch eine Geschichte aus der Zeit um Maidens Auftstieg: „Ein Journalist fragte mich, wie ich den Sound fand. Ich beantworte die Frage indem ich auf das Mischpult pisste. Man bat mich zu gehen.“

Über die Musik in den 90er Jahren: „Bands wie Soundgarden und Faith No More klangen innovativ während die Leute aus dem traditionelle Metal-Lager an Transen erinnerten, die sich dringend mal rasieren mussten.“

Unter Strich ist die Biographie ein äußerst lesenswertes Buch, das deutlich mehr als die üblichen Rockstar-Klischees breit tritt. Für meinen Geschmack hätte What Does This Button Do?: Die Autobiografie aber ruhig noch etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Insbesondere die Phase ab der Reunion kommt für meinen Geschmack viel zu kurz. Familiäre Informationen zu Kindern und (ex-)Frauen sucht man übrigens völlig vergeblich. Vielleicht schiebt Bruce ja irgendwann noch mal einen zweiten Teil nach. Wünschenswert wäre es. So, und jetzt have ich Bock auf „Brave New World“…

 

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  • 9.5/10
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9.5/10
Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.