Magnuson: Teamwork mit Langschwertern

Dieses lärmende Duo aus den USA war mir ja schon mit ihrer aktuellen CD positiv aufgefallen und deren rasante Live-Show unlängst in Helsinki klang ebenso gut (und gar nicht anders als auf der Platte!) Aber überlassen wir es der Band selbst, sich mal kurz im Teamwork vorzustellen:

Ich bin Greg… und ich bin Kyrsten…. und wir sind MAGNUSON, das Instrumente tauschende, männlich/weibliche Progressive Rock Duo aus Los Angeles, CA.

Da gibt es eine Verbindung nach Skandinavien, wie schon der gemeinsame Nachname nahelegt?

Ja, die Band begann als Soloprojekt, und als es sich in eine Band entwickelte, war es einfacher, den Namen auf MAGNUSON abzukürzen. Es ist ein schwedischer Nachname, da Gregs Urgroßvater um 1900 von Blekinge, Schweden, in die USA auswanderte. Daher war er auch Teil der ersten Saison der schwedischen Realityshow Allt för Sverige.

Wie war euer erster Finnland-Besuch, und wie fühlt es sich nun nach mehreren Malen an?

Es war wirklich interessant. Wir hatten in den Jahren davor eine Tour in Schweden, und ein Teil von Gregs Familie hat Verbindungen zu Finnland, also waren wir gespannt, wie es denn in Finnland sein würde. Es war dann etwas Vertrautes und etwas völlig Anderes unter so vielen Gesichtspunkten. Wir tourten 2013 das erste Mal in Finnland und spielten in Helsinki und Oulu. Wir entdeckten Long Drink (“lonkkero” – Gin und Limonade-Mix, Anm. d. Red.) und Saunas und besuchten Santas Haus in Rovaniemi. Nun fühlen wir uns in Finnland wie zu Hause, wir haben hier im Laufe der Jahre so viele Freundschaften geschlossen, und jedes Mal, wenn wir wiederkommen, scheint es, als wären wir nie weg gewesen. Und die Sauna lieben wir nach wie vor.

Welche finnischen Ausdrücke habt ihr gelernt?

Tja, diese Sprache ist noch immer eine Herausforderung, aber wir tun unser Bestes, um uns einige Phrasen zu merken. Kiitos, hauska tavata, anteeksi, und das stets wichtige kippis! (Die finnischen Ausdrücke bedeuten: Danke, Nett dich/euch kennenzulernen, Entschuldigung und Prost, Anm.d.Red.)

Wie fandet ihr eure musikalische Richtung, oder hat der Stil euch gefunden?

Wir hatten die Grundbausteine einer Prog-Rock-Ästhetik gemischt mit Elementen, das ganze zugänglicher zu machen, aber wir wurden gewissermaßen gezwungen, ein instrumente-tauschendes Duo zu bilden. Die erste Tour, die wir buchten, hatte mit Line-Up-Problemen zu kämpfen und ehe wir die Tour absagten, beschlossen wir, sie einfach als Duo durchzuziehen. Wir experimentierten mit einigen neuen Pedalen und entdeckten das Roland-Synth-Pedal, das im Prinzip alle unsere Probleme löste, da es uns erlaubt, auch die tiefen Bassfrequenzen live zu spielen.

Wie habt ihr euch entschlossen, Musiker zu werden – war es wegen einer bestimmten Band, einem Song oder aus anderen Gründen?

Wir wuchsen beide in einem musikalischen Heim mit musikalischen Eltern auf. Greg fing an Gitarre und Bass zu spielen, nur weil der Nachbar damit anfing und er beweisen wollte, dass er es kann. Er hörte Bands wie The Smiths, Primus und Meshuggah an und ließ sich davon inspirieren. Kyrsten liebte die Musik schon von frühesten Kindesbeinen an und wollte schon immer lernen, wie man Musik spielt, um selbst welche komponieren zu können. Eines Tages, als sie gerade nichts zu tun hatte, fand sie die alte Gitarre ihrer Mutter im Schrank und dazu ein Beatles-Songbook, und beschloss sich selbst einen Song nach dem anderen beizubringen, bis sie das gesamte Buch durchspielen konnte.

Wie habt ihr einander gefunden?

Wir lernten uns bei einer musikalischen Darbietung in einer Kirche kennen. Wir mussten uns ein Mikrofon teilen, da sie davon nicht genügend hatten, und fanden so heraus, dass wir eine Menge derselben Bands mögen. Wir wurden gute Freunde, und der Rest ist Geschichte.

Wenn ihr Songs schreibt, wie entscheidet ihr, wer dann welches Instrument spielt?

Das werden wir immer wieder gefragt! Für gewöhnlich hängt es davon ab, wem was Bestimmtes an welchem Instrument einfällt. Greg kann da beispielsweise einen Rhythmus finden und dann kommt Kyrsten mit einem Gitarrenriff dazu. Aber am häufigsten fällt einem von uns etwa an der Gitarre ein und der anderen Person dann was dazu am Schlagzeug. Davon ausgehend wird einer von uns eine Idee für eine Melodie haben, und wir nehmen dann ein grobes Demo auf, das wir uns anhören, um weitere Ideen zu kriegen. Die Harmonien entwickeln sich danach… meistens während wir den Song aufnehmen.

Schreibt ihr auch die Texte als Teamwork?

Wir arbeiten daran als Team, aber oft übernimmt einer von uns dabei die Führung. Einer von uns hat ein paar Ideen und schreibt sie nieder. Dann gibt die andere Person ihren Senf dazu, macht Vorschläge oder verändert etwas… und dann probieren wir im Studio aus, wie es sich anfühlt. Weitere Anpassungen … und fertig.

Ihr arbeitet und lebt zusammen, geht gemeinsam auf Tour etc – was macht ihr, wenn ihr auch mal für sich ganz alleine sein wollt?

Wir beide haben Aktivitäten, denen wir alleine nachgehen. Kyrsten näht und strickt gerne, Greg trainiert Krav Maga, also verbringen wir auch Zeit getrennt. Wir verbringen auch gerne Zeit alleine, wenn wir schreiben, dann ziehen wir uns in unsere unterschiedlichen Ecken zurück und arbeiten getrennt an Ideen und fügen diese hinterher zusammen. Aber glücklicherweise verbringen wir gerne Zeit miteinander, also haben wir viel Spaß, auch wenn wir arbeiten.

Was macht ihr, wenn ihr keine Musik macht oder um die Welt reist?

Wir trainieren mit HEMA Langschwertern, gehen Wandern oder Campen, Surfen, Snowboarden, wir kochen köstliche Gerichte, gehen Wein verkosten und sehen uns im Marathon Shows im Internet an.

Gibt es eine Band, mit denen ihr gerne touren würdet, oder ein Traum-Festival, wo ihr gerne auftreten würdet, was sich aber (noch) nicht ergeben hat?

Opeth, Muse, Solstafir, HIM…. Es gibt so viele gute Bands, das ist schwer zu sagen. Was die Festivals betrifft, Sweden Rock war immer unser Ziel, da es am Ende der Straße ist, wo Gregs Vorfahren mal gewohnt haben, und Iceland Airwaves. Es ist aber auch schwer, das einzugrenzen… es gibt eine Unmenge toller Rock und Metalfestivals in Finnland und überall in Europa – wir würden gerne bei allen auftreten.

Zum Abschluss: Wann kommt ihr wieder nach Finnland?

Wir arbeiten gerade an einer neuen EP und planen, diese im kommenden Jahr herauszubringen. Was das Touren betrifft, sehen wir uns gerade einige Möglichkeiten an. Wir kommen möglicherweise schon 2018 zurück oder wir konzentrieren uns beim Touren eventuell auf die USA. Aber wir hoffen, bald wieder zu kommen für ein paar mehr Long Drinks und Saunas!

https://www.facebook.com/magnusonband/

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.