Swallow The Sun – 10 Jahre „Hope“ Jubiläumstour

23.11.2017,  Lahti, Finlandia-klubi (Sibeliustalo), Finnland

Die erste Show der finnischen „Hope“ Jubiläumstour in Lahti fand (zumindest anfänglich) doch weniger Zuspruch, als ich mir erwartet hätte, aber OK, ein Donnerstag mit Schneeregen mag dazu beigetragen haben… Wie sich herausstellte, sollte ich nicht die einzige sein, die sich eigens aus Helsinki für diesen Gig nach Lahti begeben hatte (was mit Öffis/Nachtbus auch kein besonders großes oder kostspieliges Problem ist) …

Red Moon Architect

hatten noch nicht so viele Zuseher wie später der Headliner, und verschlimmert wurde die Optik, dass sich die meisten in der weiter von der Bühne entfernten Barzone befanden… Die Jungs und das Mädel aus Kouvola lieferten dennoch eine intensive Doom und Trauer-Show querbeet durch ihre bisherigen Releases, plus der brandneuen Single „Rising Tide“. Astreine Leistung des SängerInnenpaars Ville Rutanen und Anni Viljanen (Startfoto), im Duett oder auch Solo. Ich war so fasziniert, ich vergass völlig auf ein Gesamt-Bandfoto ausm Publikum… Durch die Länge ihrer Songs passten gerade mal Funeral, Tormented, Journey, My Curse und Rising Tide in das 40-Minuten-Set.   https://www.facebook.com/RedMoonArchitect/

Sleep Of Monsters

Dass sich hinter dieser Band der Mastermind der finnischen Okkult-Rocker Babylon Whores Ike Vi und ein All-Star-Ensemble (u.a. Pätkä Rantala – HIM, Spiha, Janne Immonen – Ajattara) verbirgt, merkt man an der scheinbar mühelosen Art, wie hier diverse Stile vereint werden. Da ist Goth-Rock, Alternative, AOR und Swing-Orchester, mit Sound und Präsentation in cineastischer Breite. Was ich meine: Deren Musik passt zu einem Tarantino-Flick ebenso gut wie zu einem Bond-Film. Oder: So würde ein Musical, geschrieben und dargeboten von Nick Cave, Jyrki69 und Iggy Pop klingen. Wichtig für den originellen Sound sind nicht zuletzt die drei Chordamen oder „Furies” Hanna Wendelin, Nelli Saarikoski und Tarja Leskinen, die sich am Schluss auch ganz vorne präsentieren konnten. https://www.facebook.com/pg/sleepofmonsters/

STS (20)

GALERIE HIER photos: K. Weber

Swallow The Sun

Tja, daran erkennt man in Finnland eine populäre Band – die Barzone fast leer, alles vorne an der Bühne … Und auf der Bühne, huch, da fehlt doch einer?  Ja, Keyboarder Aleksi Munter hatte ja schon vor einiger Zeit angekündigt, die Band zu verlassen, aus persönlichen Gründen, und er ist auch aus Finnland weggezogen. Was mich überraschte war, dass es keinen Ersatz gab, sondern mit Hilfe von Samples gearbeitet wurde. Zuwenig Zeit für jemanden zum Einspringen oder generell eine neue Strategie? Falls letzteres der Fall sein sollte, muss ich sagen, dass der im Zugabenteil vorgestellte neue Song auch so blendend funktioniert und eventuell auf eine wieder etwas härtere Linie der Band andeutet… Schön zu sehen war jedoch der wiedergekehrte Juha Raivio, der nun auch wieder etwas gesünder aussieht als beim John Smith Festival.

Was soll ich über diese Band noch sagen – egal wie oft gesehen (seit dem ersten Mal im Frühjahr 2004 doch ziemlich oft), die Musik und die Performance verursachen nach wie vor Gänsehaut, die traurigen Töne wirken alles andere als deprimierend und versetzen dich in eine andere Welt, sodass auch ein 70-Minuten-Set irgendwie viel zu kurz wirkt. Das Hope-Album wurde tatsächlich in voller Länge präsentiert: Hope, These Hours of Despair, Justice of Suffering, Don’t Fall Asleep, Too Cold for Tears, Empty Skies,  No Light, No Hope, Doomed to Walk The Earth, als Zugaben folgten Night will Forgive (neu), Deadly Nightshade und The Morning Never Came, das meiner Meinung nach auch in einer etwas progressiveren Version geboten wurde als die, die ich in Erinnerung hatte…

Am kommenden Wochenende haben Leute in Seinäjoki, Turku und Kouvola noch die Gelegenheit, das Package zu genießen. Nicht verpassen!  https://www.facebook.com/swallowthesun/

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.