Ensiferum, Wolfheart, Crimfall @ Circus Helsinki

13. Oktober 2017, Helsinki, Finnland     FOTOGALERIE HIER
An einem Freitag dem 13. gibt es auch gelegentlich Glücksfälle, etwa gleich mehrere Gigs für die Freunde des volkstümlich angehauchten Schwermetalls, die Bands mit stilprägenden Metal-Musikerinnen im Billing anbieten. Ich musste gar nicht gross nachdenken, ob ich mich für dieses Folk/Melodic Death Metal Paket entscheide oder nicht… Erwartungsgemäß war der Club auch schon kurz nach Türöffnung gut gefüllt und es drängten sich bereits viele Die-Hard-Folk-Metal Fans ungeduldig direkt an der Rampe.

Sie mussten nicht lange auf die erste Band des Abends warten. Crimfall konzentrierten ihr Set klarerweise auf das neue Album „Amain“ – unsere Review hier. Helena Haaparanta sah in ihrem klasse Bühnenoutfit wie die Metal-Göttin schlechthin aus, ihre stimmliche Leistung muss wohl nicht erwähnt werden. Mikko Häkkinen erwies sich einmal mehr als kongenialer Partner in dieser Vokalkombination Marke „Beauty and the Beast“ (Startfoto). Toller Gig, der irgendwie viel zu kurz wirkte…
Setlist: Last Of Stands, Wayward Verities, Mother of Unbelievers, Frost Upon Their Graves, Until Falls The Rain

Zum Ende des Sets füllte sich der Saal immer mehr, und den Shirts nach zu schließen, waren viele in freudiger Erwartung der nächsten Band Wolfheart. Und die legte gleich deftig mit dem Opener des aktuellen Albums Tyhjyys los. Ich hatte auch nichts dagegen, den klassischen Einsteiger The Hunt erst später im Lauf der Show, also nach der Knipserei, geboten zu kriegen… Apropos Knipserei, die Jungs wollen offensichtlich aus Solidarität mit dem meist „unsichtbaren“ Drummer ebenfalls nur Schattenrisse für den Großteil des Gigs bleiben … Tolle Lichtshow vom Publikum aus, nur blieb die Ausbeute an halbwegs brauchbaren Fotos mager (diesmal auch nur zwei Songs statt drei für die fotografierende Zunft). Eine echte Überraschung zum Ausklang, als sich Meister Saukkonen höchst persönlich zu Wort meldete, etwa im Sinne „wenn es im Leben mal nicht so läuft, dann kommt doch immer wieder ein Winter, und Frost“ (finnisch: Routa). Das kann wohl nur ein Finne (oder ein White Walker) tröstlich finden… Da eignet sich der Song Routa 2 schon viel besser als Seelentröster! Auch dieses Set – u.a. Shores of Lake Simpele, Boneyard, Strength And Valor, Aeon Of Cold, Zero Gravity, The Hunt, Routa Pt 2 – fühlte sich irgendwie zu kurz an…

Schon im Laufe des Wolfheart-Sets hatte sich der Club noch mehr gefüllt, und wenn schon vorher ein Moshpit nach dem anderen tobte, steigerten sich die Begeisterungskundgebungen beim Headliner dermassen, dass ich aus Sicherheitsgründen lieber etwas weiter hinten blieb. Und so viele entblößte Oberkörper hab ich seit dem letzten Teräsbetoni-Gig nicht mehr gesehen… Ensiferum haben ja schon einen beträchtlichen Teil ihrer Two Paths: The Beginning Tour absolviert, daher schien diese Show wie am Schnürchen zu laufen. Eine gut gemischte Setlist mit aktuellen Hits und alten Gassenhauern, visuelle Effekte mit Lasern, Rauchkanonen und ein Feuerwerk an guter Laune. Ein wahrer Triumphzug vor einem begeisterten Publikum, das jeden Gag, jede durchgeknallte Einlage – Basser Sami rotzte von Funk bis Metallica alles runter – dankbar aufnahm. Wenn Netta Skog am Seemannsklavier grad nix zu tun hatte, zeigte sie ihre lead-gesanglichen und MC-Qualitäten (Feast with Valkyries). Unglaublich, dass diese Band schon soooo viele Jahre (und Alben/Auftritte) am Buckel hat und noch immer so frisch und voller Spielfreude rüberkommt! Klar, die Meute war erst nach einem Zugabenblock mit dem obligaten Rausschmeisser Lai Lai Hei zufrieden.

Mein persönliches Highlight war ein nahezu privater Moment – du wartest im Fotograben nahe einer Monitorbox und hörst schwach aber doch ein Akkordeon die Gitarrensoli der Pausenmusik – Iron Maidens Mariner – perfekt mitspielen… Netta beim Aufwärmen… geil, ich nehme mir fest vor, ihren nächsten Soloauftritt (mit Metal-Covern) keinesfalls zu verpassen!

Ensiferum Setlist The Circus, Helsinki, Finland, Two Paths: The Beginning Tour 2017

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.