Nitrogods @ Hagen aTW

Gaststätte Stock, Hagen aTW, Germany, 06.10.2017

Die Geschichte beginnt mit der Bildungswüste Deutschland: sieben deutsche Abiturienten wollten zu den Nitrogods und entschieden sich dagegen nach Düsseldorf zu fahren und statt dessen für das ähnlich entfernte, aber verkehrstechnisch deutlich entspannter zu erreichende Hagen zu buchen. Hagen in Westfalen.

Allerdings hatten die sieben Abiturienten in Erdkunde gerade beim Buchstaben H gefehlt und somit verpasst, dass es quer durch Deutschland noch mindestens dreizehn weitere Hagens gibt und dass das Konzert in Hagen aTW also „ass of The World“ am Teutoburger Wald, und damit gut dreimal so weit entfernt statt finden sollte. Und das auf einem Freitag.

Egal, nach anderthalbstündiger Fahrt durch Wald und Feld erwies sich die Gaststätte Stock, direkt im Zentrum des Örtchens gelegen, als gar nicht so üble Location: ein Festsaal mit Bühne und Theke oberhalb einer Kneipe mit, hmm, angeschlossenem CD-Shop, und schmackhaftem Speis und Trank bei äußerst vernünftigen Preisen. Hier finden des Öfteren Metal-Events statt, warum fahrt Ihr nicht einfach mal selber hin?

Zwei Supportacts heizten den Abend an, es begann MF Ruckus aus Colorado und die Jungs machten richtig Spaß mit Ihrer Mischung aus Westküstenmetal und NWOBHM und einem leidenschaftlichen Auftritt, an dem sich so mancher großer der Branche eine Scheibe abschneiden kann. Musikalisch erinnerten Sie mich am ehesten an eine Mischung aus Diamond Head und Mötley Crüe und was so richtig Spaß machte war der bedingungslose Einsatz aller Musiker auf der Bühne, der den Anwesenden ca. 150 Leuten so richtig den Kopf freiblies.. Ich müsste mich sehr irren, wenn wir von den Jungs nicht noch einmal hören sollten.

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Nächste Band war Kickin Valentina aus Atlanta, die ich wegen der zahlreichen Accessoires von Sänger Joe Edwards eher in Kalifornien angesiedelt hätte. Im Vergleich zu ihren Vorgängern fielen sie ab, nicht nur wegen der Lautstärke, auch die Dynamik ihres Auftritts blieb hinter MF Ruckus zurück. Versteht mich nicht falsch, sie haben nichts falsch gemacht, aber an diesem Abend waren die anderen überzeugender.

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Und damit sind wir auch schon beim Headliner, den Nitrogods, die neben der deutschen Lemmy-Stimme “Oimel” Karcher mit Henny Wolter und Klaus Sperling zwei ehemalige Primal Fear-Mitglieder aufweist und diese Hinweise sollten reichen, um den musikalischen Stil zu beschreiben.

Ein familiärer Auftritt, es ist nicht einfach alle Absurditäten, die im Laufe des Abends außerhalb der Bühne vorkamen zu beschreiben: ein Pärchen tanzte auf die krachenden Töne Disco-Fox, ein paar Jungs versuchten einem Kumpel mit Krücke einen Stuhl direkt vor die Bühne zu stellen und im Laufe des Abends wurde Gitarrist Henny Wolters mehrfach aus einem Longdrinkglas mit verdächtigem Inhalt aus dem Publikum vor der Dehydrierung gerettet.

Abgesehen davon, der Abend war unfassbar gut. Die Freude an der Musik und die Leidenschaft auf der Bühne waren auf Augenhöhe mit MF Ruckus, aber die Nitrogods verfügen alle über zig Jahre Bühnenerfahrung und diese verwandelte die Halle in einen magischen Ort.

Neben Songs vom neuen Album Roadkill BBQ (u.a. „Rancid Rock“, „Roadkill BBQ“ kamen natürlich die Klassiker wie „Rats & Rumours“ vom gleichnamigen Album oder „Gasoline“, „At least I’m drunk“ oder „Wasted in Berlin“ vom Debütalbum Nitrogods zum Vortrag.

Beide Frontmänner wechseln sich nicht nur beim Gesang, sondern auch bei den unterhaltsamen Ansagen ab und schaffen damit eine familiäre Atmosphäre, wie sie es sonst nur noch beim Kegelabend der katholischen Landjugend vorkommt.

Nach gut zwei Stunden beendeten Rose Tattoos „Nice Boys don’t play Rock ‚n’ Roll und eine hammermäßige Version von Motörheads „Overkill“ das Set und wer beim Headbangen noch Zeit hatte, vergoss eine Träne der Wehmut, weil sich “Oimel” Karcher nun mal fast genau wie Lemmy anhört.

Keine Träne der Wehmut musste ich aber für den Gesamtabend vergießen, im Gegenteil, angesichts eines Eintrittspreises von unter zwanzig Euronen war das vom Preis-Leistungsverhältnis her mein bestes Konzert in diesem Jahrtausend.

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KONZERTFOTOS HIER  – Fotos: Lorkkinen

 

Blackabbot

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