Tikahiri – Fresh Act September 2017

Bonjour Tikahiri! Danke für eure Zeit und dass ihr unsere Fragen beantwortet. Könntet ihr zuerst die Band vorstellen? Wer seid ihr und seit wann seid ihr aktiv als Band?

Unsere Band heisst Tikahiri was „Blut“ bedeutet in unserer Muttersprache; unsere Band existiert etwa seit 10 Jahren und so lange spielen wir schon zusammen.

 

Ich habe gehört, dass ihr die erste Metalband in der Umgebung von Tahiti wart. Könnt ihr ein bisschen über eure Anfänge erzählen? Gab es damals sowas wie eine Metalszene auf Tahiti? Wie kam die Idee, eine Metal Band zu gründen?

Mein Bruder Mano und ich haben Metal immer geliebt, zum Beispiel haben wir mit unseren Eltern die Rolling Stones gehört, wir haben Venom, Metallica in den 80ern gehört. Und als die 90er kamen, haben wir unsere eigenen Black/Death Metal Bands gegründet mit dem Namen Abigor, Maruabo und anderen Bands. Dann sind wir ein wenig erwachsen geworden und unser Metal wurde zu Rock/Dark Rock, Gothic Rock und wir mochten Bands wie Sisters of Mercy und solche Sachen. Wir trafen Stéphane Rossoni am Schlagzeug und Simon Pillard am Cello und so waren Tikahiri geboren. Dann haben wir vier Alben zusammen gemacht und jetzt spielen wir immer noch zusammen und touren rum.

 

Und wie war die Reaktion der Leute, als sie eure Musik zu hören bekamen?

Oh, die Reaktionen der Leute waren immer überraschend, vor allem da wir Rock und Metal in einer so exotischen Umgebung spielen, wo die Ukulele normalerweise das zentrale Instrument ist, aber die Leute gewöhnen sich daran Stück für Stück, und jener Teil im Inneren, wo Stammesangehörigkeit, Kriegertum und tierische Instinkte sitzen, wird durch unsere Musik erweckt – also nehme ich an, kommen wir auf die Ursprünge zurück. (lacht)

 

Ihr habt sehr interessante Elemente in eurer Musik, wie zum Beispiel Streichinstrumente und auch traditionelle Klänge, aber man kann auch klar den Gothic hören. Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben?

Unsere Musik ist Rock’n’Roll, Rock, Dark Rock, Gothic Rock. Unsere Musik sind all die Einflüsse, von denen wir seit unserer Kindheit beeinflusst wurden.

 

Welches waren die Bands, die euch zu dieser Musik inspiriert haben?

Wie ich zuvor sagte: Metallica, The Cold, Blue Öyster Cult, Pantera, Sisters of Mercy, Dandy Warholes, alle jene Bands, die durch die Welt ziehen und guten Rock’n’Roll spielen.

 

Die Band wurde von Aroma und Mano Salmon gegründet, also muss ich euch beide fragen: wann kam euer erster Kontakt mit dieser Musik und welche Band habt ihr als erstes gehört?

Wir waren etwa 7 oder 8, als wir die Rolling Stones und die Beatles hörten im Radio, und dann kam Billy Idol und David Bowie, all die Sachen  im Radio, die einen dunklen Einfluss haben.

Mano: Oh, das ist schon sehr lange her, als ich noch ein kleiner Junge war. Ich war 10 oder 11 Jahre alt. Ich hörte meine erste Band Guns’n’Roses, Ich war schon zuvor ein grosser Fan von Guns’n’Roses, vor allem das „Appetite for Destruction“ Album hat es mir angetan. Ich mochte diese Musik wirklich und habe dort angefangen, und dann kam Metallica und ich wuchs mit dieser Art von Musik auf.

 

Wie sieht es mit der heutigen Metal-Szene in Tahiti aus, gibt es sowas heute? Gibt es heute mehr Metalbands und habt ihr die Möglichkeit, Konzerte zu spielen?

Ja, wir spielen Gigs hin und wieder in Tahiti, aber die Szene ist ziemlich klein und die Population ist auch ziemlich klein, also spielen wir nicht so oft, so das die Leute nicht ermüden, weil wir eben auf einer Insel leben. Wenn du einmal auf der Insel eine Runde machst und dann umkehrst, dann kennen dich die Leute schnell von A bis Z und darum sind wir glücklich, dass wir auch die Möglichkeit haben zu reisen und touren.

 

Viele eurer Videos sind von Patric Ullaeus gemacht, der sehr bekannt ist für seine Videos.Wie kommt es, dass ihr zusammenarbeitet, vor allem, da Partic aus Schweden ist, also nicht gleich bei euch um die Ecke?

Wir haben die Dinge immer gross gesehen. Wir haben von grossen Sachen geträumt, wie auf die andere Seite des Planeten zu reisen, zum Mars zu fliegen, mein Bruder hat sogar einen Song geschrieben, der Mars heisst. Also Partic Ullaeus hat einige der Dimmu Borgir Videos gemacht und ich bin ein grosser Fan von Dimmu Borgir und ich liebe Partic für diese grossen, grossen Videos. Also, habe ich ihm eines nachts eine Email geschickt und hoffte, er würde antworten. Er hat mir am nächsten Morgen geschrieben und ich war so überrascht und glücklich, also machte ich ihm den Vorschlag, seine südpazifischen Brüder zu besuchen, und so kam er mit seiner kleinen Familie und wir verbrachten drei Wochen zusammen und mittlerweile war er vier mal hier, er fühlt sich hier zuhause und er IST es auch, wir arbeiten zusammen und er ist unser Bruder und wir seine südpazifische Familie; wir lieben den Job, den wir zusammen machen.

 

Euer Band Name Tikahiri bedeutet „Blut“ in Pa’umotu, warum habt ihr diesen Namen gewählt? 

Weil Blut etwas sehr starkes ist, so kraftvoll. Du schneidest dich – du blutest – du stirbst. Die rote Farbe ist auch etwas, das ich als Leidenschaft übersetze und wir sind sehr leidenschaftlich mit unserer Musik und mit dem Leben und Tod. Wir mögen es, sehr hoch zu fliegen und manchmal stürzt man sehr, sehr tief und das nennt man Leidenschaft und das ist, was wir sind.

 

Ihr singt eure Lieder in Englisch und eurer Muttersprache Pa’umotu, was wirklich interessant ist. Was bevorzugt ihr selber? Das Singen in eurer Muttersprache oder in Englisch?

Es gefällt mir, in meiner Muttersprache Pa’umotu zu singen, aber auf einigen der älteren Alben sang ich lieber in Englisch. Jetzt komme ich wieder zurück zu den Ursprüngen. Daher habe ich ein paar Kompositionen nur in unser eigenen Sprache Pa’umotu, aber diese sind eher akustisch, weil diese Art von Musik im Moment mehr zu meiner Seele spricht. Ich habe ein Death Metal Nebenprojekt, das nur auf Pa’umotu ist. Also denke ich, dass die Muttersprache sehr intensiv zu mir spricht und ich derzeit zurück zu meinen Wurzeln gehe.

 

Kannst du uns etwas über die Pa’umotu Texte erzählen? Was sind die häufigsten Themen ?

Ich spreche über Liebe, über den Tod, über Gott und über Geister. Wir sprechen über unsere Ängste, über die Dinge, die wir gerne bei uns haben und anderes, was uns schützt, einfach über Dinge, um welche die Welt sich dreht.

 

Wer ist zuständig für das Songwriting?

Ich kümmere mich meistens darum. Mein Bruder Mano hat die Hälfte des letzten Albums gemacht, also denke ich, dass er sich auch weiterhin mehr am Prozess der Kreation beteiligen wird.

 

Bisher habt ihr hauptsächlich in Tahiti gespielt, aber wenn ich das richtig verstanden habe, auch in Japan und Frankreich? Ist das richtig? Habt ihr Pläne, wo ihr als nächstes hin wollt? Habt ihr Pläne, Europa nochmal zu besuchen?

Wir wollen nach Russland. Wir hatten letztes Jahr etwas geplant und sollten eigentlich diesen Sommer durch Europa nach Russland fahren und auch in die Ukraine, da wir dort einen Fanclub haben. Es hat aber leider nicht geklappt, aber ich glaube immer noch, dass wir es irgendwann machen.

 

Ich denke, für Leute in Tahiti sind Traditionen und die Kultur immer noch sehr wichtig und sie machen viel, um sie am Leben zu halten. Sind euch Traditionen wichtig und wie sehr beeinflussen sie eure Musik?

Wir leben mit den Traditionen, wir haben einen Tätowierladen, wir haben Motive aus unserem Leben tätowiert. Wir machen traditionelle Motive seit 25 Jahren. Wir haben beide einen Laden, mein Bruder und ich, also ja, wir leben sehr mit den Traditionen und die Musik gehört einfach dazu,; da gibt es nicht viel zu sagen, es ist einfach alles Eins.

 

Es gibt Dokumentationen über die Band, vor allem über Mano & Aroma und ihre Familien, welche ich mir sehr gerne angesehen habe. Ich sehe, dass wir viel von euch und eurer Kultur und von euren Traditionen lernen könnten und wie nahe ihr der Natur seid. Was ich mich frage: Ist das Großstadtleben etwas, das ihr dort manchmal vermisst? Würdet ihr euer Leben dort aufgeben, um die Möglichkeit zu haben, erfolgreicher zu sein, weil ihr dann näher an den Hot Spots für Metal Musik wärt?

Oh, ich werde nie in einer Stadt leben mit Autos oder einer Industriezone, das ist sicher. Ich möchte dorthin, um Konzerte zu spielen, weil das ein Teil meines Lebens ist, aber wenn ich Nachhause komme, nahe an der Natur wo meine Wurzeln sind, dann ist das mein wahres Zuhause. Es ist wie ein Telefon. du steckst es in eine Steckdose, um die Batterien aufzuladen. Das ist das gleiche mit mir als Mensch, nur dass meine „Steckdose“ hier in Polynesien ist nahe an den Bäumen, dem Meer und der Natur, und wenn du mich abstöpselst, dann geh ich raus und reise um die Welt und spiele Konzerte und ich gebe 100%, so funktionieren wir. Aber wir laden euch ein, hier her zu kommen und es selber zu erleben und zu sehen, dass es wahr ist was wir sagen.

Mano: Die Natur ist Teil unserer Kultur in Polynesien, wenn du raus gehst, bist du umgeben von Bäumen, Wasser, Pflanzen und der Sonne, wir leben die Natur jeden Tag.

 

Mano & Aroma, ihr beide seit im Tuamotu Archipel gross geworden, also weit weg von den Großstädten. Aber ich nehme an ihr wisst, wie es ist in einer grossen Stadt durch die Reisen nach Japan und Frankreich. Wie mögt ihr das im Vergleich zu eurer Heimat?

Grosse Städte sind wirklich cool und das sind auch grosse Länder. Wir haben ein bisschen Erfahrung, weil wir in Auckland, Neuseeland, geboren wurden, wo es eine grosse Industrie Zone gibt. Also haben wir bereits eine Ahnung davon, aber Fakt ist jetzt in der Natur zu leben und hin und her zu fahren ist einfach Teil unseres Lebens, also fühlt es sich normal an. Wir lieben es sehr, in einer natürlichen Umgebung zu sein, das ist wo unsere Wurzeln liegen und wo wir zuhause sind. Aber wir lieben es auch wirklich zu reisen und in grossen Städten für eine Weile zu bleiben für einen Monat oder eineinhalb, bevor wir zurück kommen, also ist das ein sehr, sehr gutes Leben für uns. Hin und zurück – halb Natur, halb Stadt.

Mano: In Tuamotu, vor allem auf der Insel Fakarava – ein Paradies, das auf der anderen Seite des Atolls liegt, wo niemand lebt, keine Familien, überhaupt niemand, dort leben wir mit den Elementen der Natur.

 

Gibt es einen grossen Traum, den ihr als Band gerne erreichen würdet?

Der Traum ist, dass das Leben weiter geht, dass wir glücklich werden, dass wir Alben machen und Videos und versuchen, um die Welt zu kommen mit unserer Musik. Dass die Leute glücklich sind, unsere Musik zu hören und wir zusammen spielen können. Das ist der Traum, ein schönes Leben, in dem es sehr hoch her geht und dann wieder runter – wir sind am Leben und wir sind sehr glücklich, am Leben und in der Lage zu sein, unser Leben zu geniessen das ist sicher.

 

Wenn die Leute jetzt Interesse an eurer Musik haben, wo können sie eure Alben kaufen? Kann man sie bestellen oder nur über ITunes?

Ihr könnt sie auch von uns bestellen. Schreibt an Stéphane Rossoni, er kümmert sich um die Band und macht die Administration. Stéphane Rossoni auf Facebook ist der Richtige.

 

Und zu guter Letzt Hast du eine Tuamotu Weissheit/Sprichwort für uns das du gerne teilen würdest?

Gibt es ein Polynesisches Sprichwort? (lacht) Ich würde sagen (sagt einen langen Satz auf pa’umotu): „Sobald deine Augen offen sind, sollte die Spannung vergangen sein, wenn nicht, bleiben sie für immer verschlossen.“

 

Danke euch für eure Zeit für das Interview. Es war mir eine Ehre.

Cool.

 

Ein grosses Dankeschön geht an  Stéphane Rossoni, der dieses Interview möglich machte. Merci Stéphane.

Mehr infos unter:

http://www.tikahiri.com/

https://www.facebook.com/TIKAHIRI/

 

 

Sandy Mahrer

Sandy Mahrer

Fresh Act Redakteurin,
Reportagen, Reviews, Fotos – – –
Favorisierte Musikrichtungen? – – –
Hard Rock, Heavy Metal und Pop-Rock, etc.
Weniger Death,Black, Grind Core

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.