Tuska 2017 – 20 Jahre Krach!

30. Juni – 2. Juli 2017, Suvilahti, Helsinki, Finnland
20 Jahre Tuska, ein würdiges Jubiläum für ein legendäres Festival, das eigentlich als (gut österreichisch ausgedrückt) „b’soffene G’schicht“ unter einer Handvoll Kumpels und recht klein als Club-Festival im nicht minder legendären Tavastia begann. Diese Kumpels haben mittlerweile eine stattliche Organisations-Crew um sich, welches auch dieses Jahr ein attraktives Programm mit einigen Extras bot. Kein Wunder, dass 2017 mit neuem Besucherrekord (37000 Metalfans, mit 14500 am Samstag als neuer Tagesrekord) aufwarten kann. (Und nebenbei bemerkt, auch 2017 hatte die Polizei bei diesem Metalfestival mitten in der Stadt absolut nichts zu tun …)

TUSKA-FREITAG wurde von Rotten Sound und Huora auf der Zelt- und Clubbühne sowie Brother Firetribe auf der Hauptbühne eröffnet. Diese Band, die  2017 ebenfalls ein Jubiläum feiert, schafft es immer wieder, auch den düstersten Tag aufzuhellen. Nicht nur die Musik, auch Pekkas Lächeln… jedoch gab es kein Gegenmittel gegen diese Windstärke 12, die mir fast die Kontaktlinsen aus den Augen blies … das befürchtete Unwetter sollte an dem Tuska-Wochenende jedoch ausbleiben.

Mit ansteckend sonnigem Gemüt und einem persönlichen Highlight ging es gleich im Zelt weiter – Anneke van Giersbergen’s Vuur gab sich die Ehre. Eine astreine, gesanglich makellose Show, trotz Heuschnupfen – der angeblich für Annekes Tränen verantwortlich war – oder kann es sein, dass die Wogen der Fan-Zuneigung auch mitspielten? Diese super-sympathische hochtalentierte Powerfrau muss man ja einfach mögen – noch dazu gab es zwei Songs von The Gathering. Freu!

Wintersun versammelte mit ihrem epischen Power-Metal schon früh eine Menge, die einem Headliner alle Ehre gemacht hätte. Die Mexikaner Brujera zogen nicht ganz so gut wie Anneke davor. Die Anwesenden machten jedoch fleißig bei den „Si“ „No“ Shout-Spielchen im Laufe der abgedrehten HC/Punk Show aufgemöbelt. Und ziemlich derb ging es auf der Hauptbühne mit Suicidal Tendencies weiter. Unglaublich, wie agil diese alten HC Haudegen feat. Drummer Dave Lombardo sind – nahezu ununterbrochener Circle Pit auf der Bühne wie davor. Ebenso unglaublich, wie frisch und aktuell Kracher wie „War Inside My Head“ heutzutage noch klingen. (KW)

Vielseitigkeit war schon immer eine der größten Stärken von Tuska, aber unter den diversen Acts der obskureren Sorte im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte war wohl keiner so weit vom Metal-Mainstream entfernt wie Pekko Käppi & KHHL. Der sympathische Folkmusiker Käppi spielt ein viersaitiges finnisches Traditionsinstrument namens Jouhikko, seine beiden KHHL-Mitstreiter dagegen begleiteten ihn auf entfernten Verwandten der Gitarre, die eher wie Zigarrenkisten mit Besenstiel und zwei Saiten aussahen. Leider liefert die trendig-informationsfreie Webseite der Band keine Angaben bezüglich dieser Instrumente oder auch nur der Namen der Bandglieder. Pekko selbst war mir dafür nicht ganz fremd, da ich ihn samt Jouhikko schon als Gastmusiker bei Amorphis auf der Helsinkier Festwoche letzten Sommer gesehen hatte. Sein eigenes Material ging erwartungsgemäß in eine ganz andere Richtung, aber irgendwie weckte seine groovige Punk’n’Roots-Performance bei mir das Gefühl, dass Pekko und seine Mannen in gewisser Hinsicht gar nicht so weit von den gleichzeitig auf der Hauptbühne spielenden Suicidal Tendencies entfernt waren, wie es die Instrumentierung vermuten ließe. Und zugleich so tief in der finnischen Musiktradition verwurzelt, dass ihr Auftritt bei Tuska gleich auf mehreren Ebenen Sinn machte – und, kurz gesagt, funktionierte. Spätestens als sie ihren Set mit Sibelius“ „Finlandia“ beendeten, waren Pekko Käppi & KHHL keine exotischen Außenseiter mehr, sondern ein weiterer Beweis für das untrügliche Programmgespür des Tuska-Teams.

Crossover in eine andere Richtung wird demnächst von Insomnium präsentiert, deren bevorstehender Auftritt beim Ilosaarirock vom Orchester der Stadt Joensuu begleitet wird. Da ich jene Show nicht besuchen kann, musste ich mich mit dem Tuska-Gig der Band begnügen, der ohne Gastmusiker ablief, aber trotzdem ziemlich bombastisch war. Rein musikalisch, versteht sich – Insomnium verwendeten keine Spezialeffekte und die Bühnenbeleuchtung war ausgesprochen spärlich, aber sie spielten das monumentale „Winter’s Gate“ komplett, und dieser fast 40 Minuten lange, auf einer Novelle basierende Song ist fast wie ein kleiner Kinofilm. Während der ruhigen Passagen hätte man eine Nadel fallen hören können, dagegen sorgten die härteren für Stimmung im Publikum und Fäuste in der Luft. Nach diesem Epos war noch ein bisschen Zeit übrig und die Band spielte ein paar ältere Schätzchen hinterher, unter anderem „Mortal Share“ und das wunderschöne „While We Sleep“. Passt. (TS)

Eigentlich wollte ich den finnischen Black Metal Legenden Barathrum einen Besuch abstatten, jedoch war die Clubstage-Arena dermassen voll, dass man nicht mal mehr richtig reinkam. Deren Gig soll auch richtig gut gewesen sein, wie ich hinterher hörte. (Danke, Sabine Van Gameren, tempelores.com, für die Foto-Leihgaben.) Devin Townsend bewies mal wieder auf der Hauptbühne sein Händchen für eingängige Songs, energiegeladene Show – und abartige Grimassen. Immer wieder ein Spaß, nur finde ich Anneke jedesmal bei ihren kurzen Gesangs-Gastauftritten krass unterfordert …

Massive Riffs, ultrabrutal und böse – die Show der Norweger Mayhem konnte sich wieder sehen lassen. Diesmal sogar wortwörtlich, denn ab und zu lichtete sich der Nebel und ich konnte sowas wie Gesichter fotografisch festhalten (siehe GALERIE oder unsere Flickr Seite). Nahezu das Gegenteil des Freitag-Headliners, denn Sabaton strotzten mal wieder vor Humor zwischendurch und während der pyrogeschwängerten Show. Gut, die Musik mag nicht jedermanns&fraus Sache sein (meine auch nicht wirklich), aber diese Schweden verstehen es einfach, die Metal Heads bei Laune zu halten. Und die Sprüche von Joakim sind unschlagbar: „we play some old shit, new shit and just shit“ / „Wir spielen alten Scheiss, neuen Scheiss, und nur Scheiss“. Herrlich!  (KW)

Da mein Ernährungsverhalten im Verhältnis zum Alkoholkonsum am Freitag nicht ganz den Ratschlägen meiner Mutter entsprach, kam ich am SAMSTAG nur sehr allmählich in die Gänge und verpasste infolgedessen den Großteil von Avatarium. Die SchwedInnen waren zum ersten Mal in Helsinki, aber ich hatte sie schon mal im Urlaub gesehen und mich in ihre tollen Melodien verliebt, ganz zu schweigen von dem fetten Retro-Doom-Sound und der grandiosen Frontfrau Jennie-Ann Smith. Ich kriegte zwar leider nur noch die letzten drei Songs mit, aber zum Glück war mein Lieblingsstück „Moonhorse“ mit dabei. Gänsehaut!

Die Wahl zwischen Impaled Nazarene auf der Außen- und Paara auf der Innenbühne fiel mir nicht schwer – auch wegen des kühlen Wetters, aber insbesondere deswegen, weil ich die jüngere Generation des finnischen Blackmetal einfach interessanter finde als ihre Vorväter. Gerade Paara ist ein hervorragendes Beispiel, insbesondere seit sie im Anschluss an ihre vielversprechende Debüt-EP Yön olevainen puoli (2015) ihr Line-up um Natalie Koskinen von Shape of Despair erweiterten, die schon auf der EP als Gastsängerin mitgewirkt hatte. Die Band verfügt nunmehr über drei sehr unterschiedliche Stimmen, die sich auf ungewöhnliche und interessante Art ergänzen, und klingt daher um einiges spannender als die meisten ihrer Mitstreiter. Das eindrucksvollste Beispiel waren die neuen Songs „Suon sydän“ und „Kuiskaus pimeästä“, das in dem beschwörenden Mantra „Synny paara kasva paara…“ gipfelte. Freue mich schon sehr auf das erste Album der Band, das hoffentlich noch in diesem Jahr das Dunkel der Welt erblicken wird.

Nach Paara war die Schlange vor dem Damenklo so lang, dass die Fotozeit schon vorbei war, als ich in das Zelt kam, wo Mokoma spielten, und es war so voll, dass es ich keine Chance hatte, irgendwo nahe der Bühne einen Platz zu finden. Weiter hinten war der Sound dermaßen breiig, dass man kaum einen Song vom anderen unterscheiden konnte, geschweige denn die Texte verstand. Trotzdem war es nett, Mokoma mal wieder zu sehen – es gab eine Zeit, in der sie mir auf praktisch jedem Festival über den Weg liefen, aber im vergangenen halben Jahrzehnt oder kreuzten sich unsere Wege nicht mehr, obwohl sie nun nicht gerade auf Tourpause waren. Machen immer noch Spaß, und das Publikum ging vor allem bei „Hei hei heinäkuu“ und „Sinne missä aamu sarastaa“ mit wie in den alten Zeiten, aber beim nächsten Mal werde ich versuchen, einen besseren Platz abzukriegen…

Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus gehörten seinerzeit beim Tuska zur Einrichtung – sie spielten buchstäblich jedes Jahr auf dem Festival, von dessen bescheidenen Indoor-Anfängen vor 20 Jahren bis zum überraschenden Split der Band im Jahr 2004. Erst recht eine Überraschung war ihr Comeback Anfang dieses Jahres, und die Nostalgie war spürbar, als Timo und seine vier Bandkollegen (trotz des Namens war Niskalaukaus nie ein Trio) auf der Hauptbühne standen und diese so dominierten, als hätten sie sie nie verlassen. Während der Anfangstücke „Rajaton rakkaus“ und „Kova maa“ hatte ich Flashbacks in Richtung Kaisaniemi-Park, und Timo gab in seiner Bühnenansage zu, kurz vorm Heulen zu sein. Bei „Elegia“ und „62“ schien er sogar tatsächlich ein paar Tränchen zu verdrücken. Der Gig war aber nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit, sondern Niskalaukaus hatten auch zwei brandneue Songs im Gepäck, von denen insbesondere „Suomi sata vuotta“ demonstrierte, dass Rautiainen nichts von seiner Aktualität verloren hat. Im Gegenteil, seine Botschaft von mitfühlener Männlichkeit erscheint heutzutage notwendiger denn je. Wahre Stärke ist es, sich um andere zu kümmern, Schwächere zu beschützen und Angst- und Hasspredigern jeglicher Art die Stirn zu bieten. (TS)

Nach Stippvisiten bei Impaled Nazarene (herrlich böse und asozial, da gab es sogar ne Darbietung a la Handke „Publikumsbeschimpfung“, weil die Meute Herr Luttinens Meinung nach nicht enthusiastisch genug agierte) und den melancholisch-epischen Throes Of Dawn waren die Thrash-Chaoten Lost Society musikalisch doch eher meine Abteilung. Genial, da ging wieder mal die Post ab, musikalisch und showmäßig. Wo nehmen diese Jungs bloß all die Energie her? Und wie schaffen sie es, bei all der Action und dem fröhlichen Durcheinander auch noch alles so astrein zu spielen? Gut, dass sie seit dem letzten Album Braindead auch etwas gemächlicheres Tempo ins Set eingebaut haben, damit das Publikum verschnaufen kann… Von Soilwork (die wieder mal klasse waren, wie ich hörte) kriegte ich nicht viel mit, da ich mir die finnischen Thrash-Legenden Mind Riot auf der Clubstage reinzog. Dieses von Mokoma-Gitarrist Tuomo Saikkonen gegründete Projekt hatte sich ja nach über 10 Jahren Versenkung nur für diesen Tuska-Gig nochmal zusammengetan. (KW)

Ganz bis zum Schluss kriegte ich den Niskalaukaus-Gig leider nicht mit, aber aus gutem Grund: Das Tuska-Team, vertreten durch Eeka Mäkinen, hatte eine Reihe von JournalistInnen für eine Sightseeing-Tour auf dem Gelände eingeladen. Der erste Stopp war die Seite der Hauptbühne, mit einem beeindruckenden Blick auf das Publikumsmeer. Bei unserem Rundgang hörten wir einige Schwänke aus dem Alltag hinter den Tuska-Kulissen und warfen auch einen Blick in das elegante Black-Dining-Restaurant, das dieses Jahr wegen seiner immensen Beliebtheit in einem größeren Raum umgezogen war. Aus finanziellen Gründen kaufe ich persönlich meinen Festivalproviant lieber im Alepa-Container, aber wie Eeka so schön sagte, es ist gut, für jeden Geschmack und jede Brieftasche etwas dabei zu haben. Die Tour endete in einem kleineren, ebenfalls neuen Bar- und Restaurantsaal, der zum Pressebereich gehörte, dessen Eingang ich aber bei meiner Stippvisite dort tags zuvor glatt übersehen hatte. Der Raum war nicht nur warm und gemütlich, sondern obendrein mit faszinierenden Skulpturen im Kalevala-Stil dekoriert, die von Schmiedemeisterin Kirsi Vahtera (www.routadesign.fi) stammten. Heavy Metal im wahrsten Sinne des Wortes.

Die einzige leichte Enttäuschung des Wochenendes waren Electric Wizard, vor allem auch deshalb, weil der Sound noch beschissener war als bei Mokoma. Ich probierte es von verschiedenen Stellen im Zelt aus, aber es klang überall mies. An der Location selbst kann es eigentlich nicht gelegen haben, denn bei Avatarium auf derselben Bühne hatte alles bestens geklungen. Insofern erwuchs der Verdacht, dass die Band es schlicht so haben wollte, passend zur sogenannten Lightshow, die kaum mehr als die Umrisse der Bandmitglieder erahnen ließ. Die Bildschirme rechts und links von der Bühne, auf denen ansonsten live Detailaufnahmen der Bandmitglieder gezeigt wurden, wurden bei diesem Gig für pseudopsychedelische Projektionen zweckentfremdet, die zwischendurch ganz nett waren, aber die meiste Zeit über eher nervten. Wenn ich Titten und Feuer sehen will, gucke ich lieber Game of Thrones, da ist auch der Soundtrack spannender.

Amorphis spielen alle zwei Jahre auf dem Tuska, aber dieses Mal wurde die Routine durch einen Besetzungswechsel aufgelockert. Bassist Niclas hatte die Band nach der US-Tour im Frühjahr überraschend verlassen und sein Ersatz war kein anderer als Gründungsmitglied Oppu Laine. Kam irgendwie richtig gut, ihn wieder mit seinen alten Bandkollegen vereint zu sehen. Zumal seine Spielweise von der arschtretenderen Sorte ist als die seines Vorgängers bzw. ehemaligen Nachfolgers. Die ganze Band klang auf einmal frischer und energischer als zuletzt mit Niclas. Auf die Setliste hatte der Wechsel aber keinen nennenswerten Einfluss; insgesamt kamen drei Songs aus der Oppu-Ära, aber den Schwerpunkt bildete naturgemäß das aktuelle Album Under The Red Cloud. (TS)

Demonztrator. Noch eine legendäre Band hatte sich eigens für Tuska wieder zusammengefunden und wartete mit zahlreichen Gastmusikern auf – und ebenso einem breiteren Musikspektrum, Punk, Metal, Thrash, Noise und machte schlicht und ergreifend Spaß. Hätt ich geahnt, dass Triptykon noch weniger gut zu knipsen sind als Mayhem, wär ich eventuell da geblieben. Auch an diesem Tag ein Kontrastprogramm – Triptykon zelebrierten das Kalte, Harsche, Böse, der Headliner hingegen Love Metal.

HIM hatten ja zu Jahresbeginn das Ende der Band und eine Abschiedstour angekündigt, deren Beginn nun mit einigen Festivalgigs wie beim Tuska angesetzt wurde. Und dieser Gig zeigte, warum wir diese Band vermissen werden – Ville Valo in Topform und bester Laune, ein dicht gespieltes Set quer durch den Katalog, ein Hit folgte dem anderen ohne großartiges Dazwischengedudel oder -gerede. Wobei auffiel, dass einiges aus der frühesten Vergangenheit und selten live gespieltes Material zum Zug kam.  (Stigmata Diaboli, It’s all tears). Da konnte man einige gestandene mittelalterliche Metaller verzückt mitsingen sehen… Das kurzweilige und irgendwie viel zu kurz anmutende Programm endete passenderweise auf einer melancholischen Note (When Love and Death Embrace), ehe ein imposantes Feuerwerk losgelassen wurde. Und auch der Himmel weinte ein bisschen, wie wohl viele der 666 mal 666 Fans am Gelände, welche diese Band hier zum letzten Mal sahen. Oder auch nicht, ein Helldone Festival Auftritt zu Silvester in Helsinki ist ja schon in Arbeit…. (KW)

Setlist: Buried Alive By Love, Heartache Every Moment, Your Sweet 666, Resurrection, The Kiss Of Dawn, The Sacrament, Tears on Tape, Rip Out The Wings of a Butterfly, Stigmata Diaboli, Gone With The Sin, Bleed Well, It’s All Tears, Wicked Game, Killing Loneliness, Poison Girl, Heartkiller, Join Me in Death, In Joy and Sorrow, Right Here In My Arms, The Funeral of Hearts, Rebel Yell, When Love And Death Embrace

Der SONNTAG begann etwas ungewohnt, nämlich mit einer Diskussion über Literatur. Die Panelisten waren Marko Annala von Mokoma, der vor kurzem den autofiktiven Roman Värityskirja veröffentlicht hat, und Kuolemanlaakso-Gitarrist Markus Laakso, dessen umfangreiche Amorphis-Biographie auch in deutscher Sprache erhältlich ist. Der Chat beschränkte sich aber nicht auf diese beiden Werke, sondern weitete sich schnell auf Rock- und Metal-Literatur im Allgemeinen aus, und war sowohl interessant als auch unterhaltsam. Der einzige Nachteil war, dass ich deswegen Battle Beast verpasste, die mitten im letzten Lied waren, als ich aus dem dunklen Vorlesungsraum hinaus in den lang ersehnten Sonnenschein trat. Werde versuchen, dafür ihren Helsinki-Gig im Oktober mitzunehmen. Battle Beast waren schon mit ihrer Originalsängerin Nitte Valo beeindruckend, aber unter der Führung von Noora Louhimo haben sie noch einmal gewaltig zugelegt.

Ich sparte mir Dirkschneider, denn die Kombination von Sauna, Sonnenschein und kaltem Bier war um einiges verlockender. Das Saunazelt stand auch diesmal im Park-Rasenbereich, allerdings war es diesmal ein anderer Rasen. Das Festivalgelände war dieses Jahr wegen der Bauarbeiten am westlichen Ende etwas anders arrangiert, aber genauso gut wie bisher, und der Rasen bot sowohl sonnige Fleckchen als auch schattige Bäume. Neu war ein zweites Zelt neben der Sauna, in dem eine traditionell gewandete Heilerin Kuppaus-Behandlungen durchführte, eine alte finnische Methode, bei dem Patienten Blut abgezapft wird – samt möglicherweise darin befindlicher böser Geister. Ich selber verzichte aufs Ausprobieren, sah aber mehrere Leute mit Spuren des Aderlasses herumlaufen, so dass der neue Service anscheinend gut aufgenommen wurde.

Die nächste Band für mich war Baroness, deren neue Leadgitarristin Gina Gleason eine weitere Ergänzung zur langsam, aber stetig wachsenden Galerie weiblicher Instrumentalisten in der Tuska-Geschichte darstellt. Auch den übrigen Mitgliedern des Quartetts um Frontmann John Dyer Baizley (der kürzlich die Ehre hatte, als Kurator des berühmten Roadburn-Festivals in Holland zu fungieren) machte es Spaß, bei der Arbeit zuzusehen und -hören. Zumal der Sound im Zelt auf einmal wieder makellos war. Ich muss zugeben, dass ich in Bezug auf amerikanische Bands eher ungebildet bin und mir auch diese bisher nie bewusst angehört habe, aber die Show hinterließ keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihres Legendenstatus‘. Hoffentlich kommen sie noch mal irgendwann für einen Clubgig nach Helsinki. Definitiv eines der Highlights des Wochenendes!

Es gibt einige Bands, die ich mir gerne live gebe, aber nicht zu Hause im Wohnzimmer hören würde – die oben erwähnten Battle Beast sind ein Paradebeispiel. Aber offenbar gibt es auch das Gegenteil: ich mag Oranssi Pazuzu und habe sogar ihre Alben im Plattenregal, aber aus irgendeinem Grund funktionierte ihr Gig einfach nicht für mich. Vielleicht war einfach nach dem Melodien von Baroness der Kontrast zu brutal, aber wie dem auch sei, nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, Kopfschmerzen zu kriegen. Apocalyptica draußen in der warmen Sonntagssonne waren am Ende doch mehr mein Ding… (TS)

Dirkschneider und seine Mannen ließen alte Zeiten hochleben mit einem vielumjubelten Feuerwerk an Metal-Klassikern (u.a. London Leather Boys, Midnight Mover, Princess Of the Dawn, Balls To The Wall). Dasselbe galt für Jimsonweed feat. Suho Superstar und Sami Yli-Sirniö mit ihren Stonerrock-Hits. Und dann erst recht für Apocalyptica, deren Programm diesmal auf Metallica beschränkt blieb, um das Jubiläum des Debütalbums zu feiern. Die Menge war hingerissen und sang begeistert mit, sodass sich trotz des strahlenden Sonnenscheins auch Gänsehaut einschlich… Dasselbe dann bei Sonata Arctica und dem I Have A Right Song. Ansonsten war die Band mal wieder für jeden Spaß zu haben, und Tony Kakko ließ sich vorne gemütlich nieder, um die Publikumschöre bei Full Moon zu dirigieren.

Mastodon zeigten mal wieder, dass der Bandname Programm ist. Monstermässig, fett, erdbebenerzeugend, massive Riffs und Drums, die dir förmlich einen Scheitel ziehen, dennoch irgendwie hypnotisch, eingängig und melodisch –  ein mächtiger und gebührender Abschluss des Jubliäums-Tuska Open Airs. Danke, und bis zum nächsten Jahr ! (KW)

Setlist: Sultan’s Curse, Divinations, The Wolf is Loose, Crystal Skull, Ancient Kingdom, Bladecatcher, Black Tongue, Colony of Birchmen, Ember City, Megalodon, Andromeda, Show Yourself, Precious Stones, Roots Remain, Chimes at Midnight, Steambreather, Mother Puncher; Blood And Thunder (encore)

MEHR FOTOS IN UNSERER GALERIE       photos: Klaudia Weber, Tina Solda

Contributors

Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir! Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also "Mädchen für alles" - - - Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater... also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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