David E. Gehlke: Systemstörung, Die Geschichte von Noise Records

Verlag: Iron Pages  Erscheinungsjahr: 2017  Seiten: 504

 

Der Name „Noise Records“ dürfte den meisten Metallern, insbesondere aber den Szene-Veteranen ein Begriff sein. In diesem Buch wird die Geschichte des Berliner Labels, das 1983 in Berlin gegründet und 2001 schließlich an Sanctuary verkauft wurde, erzählt. Nichts hört sich langweiliger an! Dachte ich.

Aber weit gefehlt, denn dieses Buch ist nicht nur informativ, sondern auch sehr unterhaltsam, ja geradezu kurzweilig. Führt man sich die Geschichte des Labels, insbesondere die Frühphase, vor Augen, so wird auch klar, warum. In den 80ern florierte die nicht nur die NWoBHM, sondern auch die Deutsche Szene. Junge, hungrige Künstler wie Helloween, Gravedigger, Kreator, Running Wild und Rage traten auf die Bildfläche. Und sie alle (und noch einige mehr) landeten bei Noise Records. Die Geschichte des Labels ist somit auch die Geschichte der Entstehung der deutschen Metal Szene und natürlich mit der Geschichte der genannten Bands eng verknüpft.

Um diese nicht nur ansprechend nachzuerzählen, sondern auch mit einander zu verknüpfen, lässt Autor David Gehlke zahlreiche Personen zu Wort kommen. Angefangen beim Label (insbesondere Gründer Karl-Ulrich Walterbach und die langjährige Geschäftsführerin Antje Lange), sowie Konkurrenten und natürlich Musiker zahlreicher Bands (neben den oben genannten auch Gamma Ray, Celtic Frost, Voivod, Watchtower, Tankard, Coroner und Sabbat). Wieviel Aufwand Gehlke für sein Werk betrieben hat, wird erst bei der Lektüre der Danksagungen deutlich. Durch diese Herangehensweise wird das Buch nicht nur sehr unterhaltsam, Gehlke stellt auch gut dar, dass eine Medaille stets 2 Seiten hat. Während Musiker sich in Interviews oftmals kritisch über ihre Plattenfirmen äußern, können letztere hingegen ihre Sichtweise so gut wie nie darstellen. Bei der Lektüre von „Systemstörung“ versteht man, wie ein Rädchen ins andere greift und warum es oftmals zu Konflikten zwischen Bands und Labeln kommt. Ein interessanter Fakt, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist folgender: Viele junge Bands bekommen von einem Label (und meist bleibt es bei einem) einen Plattenvertrag angeboten. Sie sind so klug, diesen von einem Anwalt, am besten einem Fachanwalt, checken zu lassen. Die Empfehlung ist oftmals die gleiche: Nicht unterschreiben! Und was machen die Bands? Sie unterschreiben natürlich trotzdem. Dies gilt vermutlich für (fast) jedes Label und jede Band, die unerfahren ins Business gestolpert ist. Kein Wunder, dass spätere Konflikte vorprogrammiert sind.

Um das Buch abzurunden, gibt es ein Vorwort von Hansi Kürsch (Blind Guardian) und ein Nachwort vom Label-Gründer Walterbach selbst. Während Letzteres ja irgendwie logisch ist, ist es Ersteres hingegen so gar nicht. Schließlich waren Blind Guardian nie bei Noise unter Vertrag. Unterhaltsam ist es trotzdem, und da alle wichtigen Künstler des Labels später zur Genüge zu Wort kommen, kann ich mit dieser Wahl gut leben.

Abschließend möchte ich eine klare Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen. Wer sich für Hintergründe im Musikbusiness und für den Ursprung der deutschen Metal-Szene interessiert, ist hier goldrichtig. Vermutlich gibt es keine der üblichen Künstler-Biografien, welche dies so umfassend und vielseitig behandelt. Auch wenn Gehlke mitunter etwas in der zeitlichen Darstellung springt, ist das Buch überaus gut zu lesen und inhaltlich gut nachzuvollziehen.

 

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Timo Pässler

Timo Pässler

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