Abhorrence – Totally Vulgar (Live at Tuska 2013)

Abhorrence dürften die erste finnische Deathmetal-Band gewesen sein, die sich das Attribut „legendär“ mit vollem Recht erwarb. In dem einen Jahr ihres Daseins reichten eine Demokassette, eine Vinylsingle und eine Handvoll Auftritte in städtischen Jugendzentren, um sich in der kleinen Szene einen gewaltigen Namen zu machen. Der bekannteste Song der Band, „Vulgar Necrolatry“, lebte als Live-Hit für Amorphis weiter, denen Gitarrist Tomi Koivusaari kurz nach dem Split von Abhorrence 1990 beitrat und die das Stück gleich zweimal selber aufnahmen – nicht nur seinerzeit als Bonustrack auf dem Debütalbum, sondern auch auf der Jubiläumsscheibe Magic And Mayhem (2010). Dagegen wurden die Originalveröffentlichungen von Abhorrence im Laufe der Jahre immer schwieriger zu finden, bis Svart Records beschloss, es endlich mehr als einer Handvoll von Hardcore-Sammlern zugänglich zu machen. Das auf Vinyl und CD erschienene Gesamtwerk Completely Vulgar (2012) war eine würdige Zusammenstellung mit viel Liebe zum historischen Detail, und in ihrem Gefolge beschloss die Band sogar, nach 23-jähriger Bühnenabstinenz wieder ein paar Livegigs zu spielen.

Einer dieser Auftritte war auf dem Tuska 2013 und wurde glücklicherweise professionell mitgeschnitten. Warum es mit der Veröffentlichung dieser Aufnahme mehr als dreieinhalb Jahre gedauert hat, weiß ich nicht, aber um so mehr freue ich mich darüber. Gute Erinnerungen an ein geiles Konzert, bei dem die Band nicht weniger frisch und brutal klang als auf den alten Aufnahmen (live erlebt habe ich sie in jenen Tagen leider nicht) und längst nicht so breiig, was meinen eher wenig nostalgisch gestimmten Ohren nur recht ist. Der einzige Minuspunkt ist der weitestgehende Mangel an Publikumsgeräuschen, dabei war die Stimmung trotz der ungünstigen Showtime am frühen Nachmittag blendend gewesen. Ich hätte insofern nicht gegen etwas mehr Live-Atmosphäre auf dem Album gehabt, aber letztendlich kommt es auf die Musik selber an, und keine Sorge – man braucht den Applaus nicht zu hören, um die Power der Band zu spüren!

Tina Solda

Tina Solda

tina@stalker-magazine.rocks - Konzert- und Festivalberichte, Fotos, Interviews - - - Bevorzugte Musikrichtungen: melancholischer Death-, unkonventioneller Black-, melodischer Doom-, dramatischer Folk- und intelligenter Paganmetal (Schwerpunktregionen: Island, Finnland & Norwegen) - - - Sonstige Interessen: Gitarre, Bücher, Bier, Kino, Katzen.

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