Hamburg Metal Dayz 2016

Hamburg Markthalle, 22.-23. September 2016

5 Jahre gibt es also die Hamburg Metal Dayz schon, und es fühlt sich irgendwie so an, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich bei den ersten Metal Days für die Veranstaltung gearbeitet habe. In der Zwischenzeit ist das Event gut gewachsen, und immer mehr auch zu einem Networking-Event der Branche geworden. Der Spagat zwischen den professionellen Aspekten und einer tollen Show für die Fans ist hier also hervorragend gelungen.

nothgard

Tag 1 – Die Markthalle füllte sich nur gemächlich, aber die hart gesottenen Fans hatten schon ihre Plätze in der ersten Reihe eingenommen und freuten sich dann, als NOTHGARD den Abend mit viel Power eröffneten. Für die Band war es sichtbar eine Ehre ,hier als erste Band auftreten zu dürfen, und so schafften sie es mit ihrer rockigen Musik sowie dem sympathischen Auftreten auch spielend leicht, die anwesenden Fans mitzureißen und zum ersten Headbangen zu bewegen. Wer aber nicht auf einen herrlich dominanten Bass, der durch den Magen zieht, steht – der hätte vielleicht hier und da etwas weniger zu lachen gehabt, denn zeitweilig wirkte der Sound nicht richtig ausbalanciert.

heidevolk

Weiter ging es dann mit HEIDEVOLK, die man hier in der Markthalle schon bei einigen Festivals betrachten konnte. Das hat die Fans aber nicht wirklich gejuckt, die Stimmung war einmal mehr bombastisch. Fliegende Haare wo immer man hinschaute, und großartig musste die Band das Publikum auch nicht auffordern, um mitzuklatschen und ihre Unterstützung zu zeigen. Rundum ein Auftritt, der wohl keinen mehr kalt gelassen haben durfte – einfach gelungen und ein Stimmungsbringer für den Abend, den immer mehr Fans in der Markthalle verbrachten. Da kann man nur sagen: immer wieder gerne!

russkaja

Von vornherein hatte ich mich gefragt, wie denn bitte RUSSKAJA in das LineUp der Metal Dayz passen würden. Musikalisch? Grenzwertig. Stimmung? Definitiv passten sie in diesem Aspekt zum Festival, denn die Stimmung passte und das Publikum hatte definitiv eine ganze Menge Spaß. Man merkte, dass nach und nach selbst die letzten Kritiker langsam Gefallen fanden an dieser einmaligen Band – massig Hände in der Luft, fröhliche Gesichter – da muss man als Band auf der Bühne einfach so viel Spaß haben wie es Russkaja scheinbar hatten. Der Auftritt als Ganzes? Für manch einen Zuschauer sicherlich eine Erfahrung – ob man diese wiederholen will, das steht in den Sternen. Aber als angenehme Abwechslung hat es definitiv seine Reize gehabt.

equilibrium

Wenn man Klischees bedenkt, so passten EQUILIBRIUM, die im Anschluss spielten, doch schon wieder mehr in das Gesamtbild der Veranstaltung. Man hat wirklich gesehen, dass das Publikum gespickt war mit Fans eben dieser Band, die wirklich ihr letztes Hemd gaben und mitsangen, als gäbe es kein Morgen mehr. Man konnte also nicht nur der Band auf der Bühne den Spaß ansehen, denn es war ein Geben und Nehmen. Rein musikalisch war die Song-Auswahl perfekt, es kamen keine Einbrüche was die Stimmung betrifft, es konnte einfach durchgefeiert und geheadbangt werden – was die meisten auch Taten und vergaßen, dass Equilibrium noch nicht die letzte Band des Abends waren – denn nach einer längeren und letzten Umbaupause an diesem ersten Tag standen dann PRIMORDIAL auf der Bühne.

primordial

Die Stimmung kochte, auch wenn schon einige Fans zu schwächeln schienen, denn die Temperatur in der Markthalle hatte sich gut hochgekocht. Die Band präsentierte ein Set, was die Fans durchaus begeisterte, andere Zuschauer aber scheinbar nicht ganz so erreichen konnte, wenn man sie mit verschränkten Armen an der Seite stehend betrachtete.

Tag 2 – Tag 2 der Hamburg Metal Dayz fing noch mauer an als der Tag zu vor – die Markthalle war noch leerer, und es dauerte seine Zeit bis sich die Fans auch wirklich zur Bühne trauten.

godsnake

Man hätte fast meinen können, dass der sichere Tod dort auf sie warten würde – dabei waren es nur GODSNAKE die die unschöne Aufgabe hatten, den Tag zu eröffnen – und gegen die nicht vorhandene Stimmung anzuspielen. Es ist immer schade zu sehen, wenn sich eine Band wirklich Mühe gibt und auch wirklich Spaß auf der Bühne hat, die Musik mitreißen sollte, aber sie dann doch irgendwie vom Publikum ausgebremst wird – denn genau das war hier der Fall. Godsnake hätten definitiv ein anderes Publikum verdient gehabt – aber das ist das Los, wenn man um kurz vor 16 Uhr an einem Samstag auf die Bühne tritt.

steaknumbereight

Mit nicht viel mehr Stimmung wurden dann auch STEAK NUMBER EIGHT begrüßt – zwar schaffen die Belgier es, die ein bisschen gewachsene Anzahl an Fans einmal mehr näher an die Bühne zu locken, aber wirklich überspringen wollte der Funke zum Publikum nicht. Ein paar einzelne Fans in den ersten Reihen rockten zwar trotzdem mit der Band ab, aber der Großteil bliebt stumm und bewegungslos stehen und genoss lieber den Abstecher zur Bar, als sich der Musik hinzugeben, die wirklich Potential hat und zu einer anderen Uhrzeit absolut mitreißend gewirkt hätte.

Zwischen den beiden Bands habe ich mich dann noch kurz in einen Vortrag von TIM ECKHORST gesetzt, der über do’s und dont’s gesprochen hat wenn es um Grafiken im Metal Bereich geht. Wirklich interessant zu sehen, welche Bands einfach mal so eine Schriftart genommen und sie dann für ihr Logo verwendet haben – nicht bedenkend, dass auch andere Bands die gleiche Schriftart nutzen könnten…

ordenorgan

Auch wenn es wirklich interessant war, rief dann auch viel zu früh der Auftritt von ORDEN ORGAN, und so musste ich den Vortrag Vortrag sein lassen und mich wieder in den Fotograben stürzen. Und sehen, dass es auf einmal sehr viel voller war, als noch kurz zuvor. Stimmung? Stimmung! Die Menge hatte sichtbar Spaß, und stand der Band dabei in keinem Sinne nach. Es wurde geheadbangt, mitgesungen, alles zum Trotze der Bands Sorgen, da sie ja so früh spielen würden. Ein toller Auftritt, von dem man sich einfach mitreißen lassen musste – anders ging es gar nicht!

pyogenesis

Einen kleinen Einbruch gab es dann stimmungstechnisch bei PYOGENESIS, die zwar ein paar Anhänger im Publikum zu haben schienen, aber bei weitem nicht den Funken zum Überspringen bringen konnten. Woran das lag, das weiß ich zumindest bei den rockigen Liedern nicht wirklich. Vielleicht war es die Mischung aus nicht headbang-baren Songs mit den schnelleren Liedern, vielleicht war es aber ich irgendetwas anderes. Ich für meinen Teil empfand die Zusammenstellung der Setliste als durchweg angenehm und gut gelungen, also definitiv kein Punkt für Beschwerden.

gloryhammer

Ja, doch, ich fragte mich, wo ich gelandet war – GLORYHAMMER stürmten auf die Bühne, und die Menge schien verdammt viel Spaß zu haben. Aufblasbare Hammer, verkleidete Fans – es war schon spannend anzusehen, und auch musikalisch hat es die Band geschafft, das Publikum mitzureißen. Es wurde gefeiert, mitgesungen, die Haare flogen, die Fäuste waren in der Luft. Egal ob es den eigenen Musikgeschmack getroffen hat oder nicht – es hat einfach Spaß gemacht.

thenewblack

Zum Ende der Metal Dayz hin hatte ich noch eine Entscheidung zu treffen – wen würde ich mir anschauen: DAD oder aber THE NEW BLACK? Ich schnupperte erst einmal im Marx in den Auftritt von The New Black hinein, und hatte an sich (so professionell wie meine Gedanken sind) geplant, im Anschluss zu DAD zu gehen. Dann kam aber alles anders, und ich blieb im angenehm gefüllten Marx bei The New Black hängen, und entschloss mich, diese beiden Festivaltage headbangend abzuschließen und einfach einmal mitzufeiern. Denn bei wem diese Energie nicht übergesprungen ist wie ein Funke, der war wahrscheinlich so geschafft, dass er mehr Zombie als Mensch gewesen ist. Man musste einfach mitgehen, mitreißender, verschwitzter, aber ach glücklicher hätte man diesen Tag definitiv nicht abschließen können.

Fotos: Carina Ullmann

Carina Ullmann

Carina Ullmann

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