Koisorock 2016

20. August, Koisotie 4, Vantaa, Finnland
Definitiv das gemütlichste Festival in diesem Sommer, und es existiert schon seit 5 Jahrzehnten! Dieses Gratisfestival zieht das buntest gemischte Publikum an, das ich soweit gesehen hatte, und sie alle plantschen gerne im Schlamm oder lassen sich auf Booten, Paletten oder aufblasbaren Sitzgelegenheiten, zur Verfügung gestellt vom Organisator, nieder. 16 Bands treten auf zwei Bühnen auf, geboten wird hauptsächlich Rock, aber auch Akustik, Reggae und Hip Hop.

Photo – The Nordic Tones
Als erste sind The Nordic Tones dran, ein junges Frauentrio ohne Drummer. Sie alle haben gute Stimmen, aber das scheint noch sehr früh in ihrer Karriere zu sein, und irgendwas fehlt – ob der Drummer oder was anderes, ich kann es leider nicht sagen.
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Photo – Haudan takaa Pasanen
Bei der kleineren (Silke) Stage und Haudan takaa Pasanen, einer Death Metal Band, die viel zu früh am Tag spielt, um wirklich aufzufallen. Der Frontmann/Bassist trägt knappe rosa Shorts, der Gitarrist eine Gasmaske und der Drummer ein Spandex Ganzkörperkostüm mit Maske, dann wird vom Sänger auch Kunstblut ins Spiel gebracht, sobald es theatralisch wird. Ein ziemlich gutes 20 min Set mit kurzen derben Attacken, das nur leider von zu wenigen Leuten wahrgenommen wird.
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Photo – Mojo Waves
Bei der Main Stage wo es Zeit wird für Mojo Waves, eine Band, die ich oft gesehen habe, und noch ein Act, der viel zu früh auftritt, um wahrgenommen zu werden. Sie pflügen durch ihr hochkarätiges Set wie ein Schnellzug, mit fliegenden Haaren, eindringlichen Stimmen und dem gelegentlichen verlorengehenden Drumstick. Diese Jungs haben so viel Energie, wirklich schade, dass sie noch nicht genug Publikumszuspruch kriegen!
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Photo – Morkkis
Morkkis sind als nächste dran (Silke stage) mit finnischem Akustik-Rock, und sie sind wirklich gut, etwas melancholisch und getragen, aber nach einer Death Metal Band und Mojo Waves scheinen sie etwas fehl am Platz.
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Photo – Lauantai
Lauantai scheint die erste Band zu sein, die das Publikum aus den Federn geholt hat. Die Sonne scheint und Sommer-Pop trifft Rap bei diesem jungen Act aus der Gegend, 6 Mitglieder, ein angenehmer Akustiksound und ein bisschen Swag lassen diese Band besser ankommen als das, was bisher gelaufen ist.
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Photo – Jussi Pitkänen
Jussi Pitkänen ist der einzige Act eines Solokünstlers an diesem Tag, und er spielt Cover, beginnend mit der Johnny Cash-Style Version des Nine Inch Nails Klassikers Hurt. Er ist ziemlich gut, aber lässt es in dieser depressiven Tonart weitergehen, sprich Wicked Game etc., was nicht ganz zu diesem Sommertag passte.
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Photo – Octopie
Octopie erobern die Mainstage – und sie sind fantastisch. 70’s Prog mit live Posaune! Diese Band hat ihren Stil unglaublich präzise ausgefeilt, hat neben Prog auch noch jede Menge Swag und einen Sänger/Bassisten, der absolut dominant auf der Bühne herumstolziert.
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Photo – Damage Limit
Damage Limit rocken. Es gibt viele Acts in Finnland, die sich dem 80’s Rock verschrieben haben, aber nicht viele haben einen Bassisten, der die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Er ist wirklich voll dabei, post und grimassiert und heizt der Meute ein! Da ich mir inzwischen die Studioaufnahmen der Band angehört habe, kann ich sagen, dass der Sound hier nicht zu gut war, und hätte ich die 2 Gitarren besser hören können, wäre dieser Gig für mich noch genussvoller gewesen. Dann fingen auch noch 2 Bands auf der Silkestage mit kürzeren Sets an, was auch etwas vom Eindruck der Performance nahm.
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Photo – Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobics VHS?
Auf der Mainstage: Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobics VHS?, eine Band, die ich mir schon im Vorjahr beim Flow Festival ansehen wollte, aber sie spielten dort in einem rammelvollen Mini-Saal, und hier gab es ein ganzes Areal, das sich immer mehr mit Leuten füllte. Dieses Trio, Keyboard, Bass und Drums, hat sich schon seit einiger Zeit einen Namen gemacht mit ihrem abgedrehte Electronic Pop-Punk, und sie sind unglaublich unterhaltsam.
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Photo – The Empire Strikes
The Empire Strikes sind eine ”echte” Rockband – Riffs, das richtige Styling und einige eingängige Melodien. Ein Quartett, das den Rock im Rock ’n‘ Roll hervorhebt und den Auftritt geniesst, das Publikum ebenso – ein definitiver Gewinn für alle.
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Photo – Pasianssimies
Zurück zur Silkestage und Pasianssimies die ich letztens vor drei Jahren gesehen hatte, fast auf den Tag genau. Nun ein Trio (2 Gitarren und Percussion, und alle singen), bieten sie Covers mit dem gewissen Etwas, nämlich wörtlichen Übersetzungen vom Englischen zum Finnischen (und umgekehrt). Die Stimmen klingen etwas verwaschen, also geht der Humor ein wenig verloren, aber die Show kommt gut an.
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Photo – The Valkyrians
Die Band, die alle – und wirklich ALLE – in Bewegung versetzt heute, ist The Valkyrians. Eine Ska/Reggae Band aus der Hauptstadt, und die ist wirklich gut. Ein absolut Irrer als Frontmann – er springt, klettert, stürzt sich in die Menge bei Mitsing-Teilen, tut also genau das, was zu dieser Tageszeit gefragt ist. Definitiv eine Band, die man sich merken bzw ansehen sollte – wenn man das nciht schon getan hat.
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Photo – Pelan
Pelan werden als Folkband vorgestellt, und so unrecht haben die damit nicht… es gibt nur nicht den vollständigen Eindruck: Nach Akustik-Intro stürzt sich der Sänger in ein Folk/Rap Crossover, das beim Publikum super ankommt. Eingängig und unterhaltsam, und es lässt alle mitgehen.
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Photo – Projack
Projack sind die letzten auf der Silkestage. Der Sänger sieht dem Sänger von Maroon 5 ähnlich, aber – gottlob – hat der Sound damit gar nix zu tun. Rock mit gelegentlichen Metal-Riffs, kommt ziemlich gut, die Band sollte eigentlich bekannter sein als sie derzeit sind. Die kleine Bühne schränkt zwar ein, ich kann mir vorstellen, dass sich der Sänger sonst mehr bewegt, dennoch hinterlassen sie einen absolut guten Eindruck .
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Photo – Punky Reggae Band
The Punky Reggae Band sind die vorletzten auf der Hauptbühne, mit vielen GastmusikerInnen und einem breiten Spektrum an Einflüssen, sowie dem Können, die Party steigen zu lassen. Die Menge tanzt, ebenso die Band, und die Party nimmt kein Ende. Da gibt es nichts, was man an dieser Band nicht mögen kann, diese Mischung von Reggae mit etwas Schlager lenkt auch von der Dunkelheit ab, die sich langsam senkt.
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Photo – The Mutants
Und schliesslich The Mutants. Ich habe diese Band schon beim Ilosaarirock gesehen (und erwähnt im Bericht), also können sie auch hier dem „crowd pleaser“ Stempel gerecht werden, den ich ihnen verpasst habe? Und – JA. Nachdem ich ungeduldig auf das Intro gewartet hatte, ging es gnadenlos mit voller Pulle in ihr Punk ’n‘ Roll Set, was auch das Publikum bis zum Ende des Festivals gefesselt hielt.
Ein tolles kleines Festival mit einigen abgedrehten Bands und toller Atmosphäre – definitiv ein Tag, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Daniel Beech

Daniel Beech

dan@stalker-magazine.rocks - - - Reviews, reports, photos (apparently!) - - - Favourite Genres? - A bit of everything, but nothing where I'm screamed at! - - - Favourite bands? - Blur, System of A Down, Led Zeppelin, Beatles, mad Russian composers, Ed Harcourt, David Bowie, Russian Circles, Hatfield and the North...the list goes on - - - Other interests? - What is there other than music?!! Oh yeah, football and I've been know to watch the odd ridiculous comedy film from time to time.

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