Joseph Parsons: The Field The Forest

Label: Meer Music & Blue Rose Records (Edel)  VÖ: 26.08.2016

Joseph Parsons’ neustes Album The Field The Forest hat zwei Seiten, die hier in Form von zwei EPs präsentiert werden, eine hellere, sanftere mit The Field und eine dunklere, rockige mit The Forrest. Beide Alben laden zum Zuhören ein, wobei sie genauso funktionieren, wenn man sich einfach nur von der Musik tragen lässt, wie wenn man den Texten zuhört und ihnen nachspürt.

Auf The Field stehen Beziehungen und ihre Komplexität im Mittelpunkt. Der Opener All The Way fühlt sich an wie ein warmer Sommertag, die Musik klingt fröhlich, aber der Text ist durchaus nicht frei von Zweifeln, lässt ahnen, das die Beziehung die hier besungen wird nicht ohne Tiefen aber dennoch positiv erlebt wird. Das wunderschöne Berlin ist eine Liebeserklärung and eine Stadt, die hier als ungewöhnliche Frau personifiziert wird. Need You ist eine sanfte Ballade, die von erfüllter Liebe erzählt, während Don’t Belong eine Liebe beschreibt, die nicht eingestanden wird und damit unerfüllt bleibt. Fly, neben Berlin mein Favorit auf dieser EP ist ein Aufruf, die eigenen Träume nicht aufzugeben und wieder fliegen zu lernen. Das erste Album endet mit Fragile Moon das treffend beschreibt wie es sich anfühlt zu lieben und doch nie zu wagen die “heiligen Worte, an denen wir uns festhalten” auszusprechen. Damit ist die leichtere und Hoffnungsvollere Seite von The Field The Forrest beendet. Sie klingt insgesamt sanfter, getragener, hat weniger Ecken und Kanten in der Musik, aber dennoch viel Tiefe in den Texten.

Mit der zweiten EP The Forrest wendet Parsons sich düstereren Themen zu. Die Musik wird härter, rockiger und seine Band kann hier richtig aufdrehen. Der Opener Scream handelt von einem Suchenden, der rastlos umherstreift und versucht, für sich selbst einen Sinn zu finden. Dieser Song könnte als Suche nach Glauben interpretiert, aber genauso kann es um Schicksal oder Liebe gehen. The Abyss spricht von Hoffnung auf Erlösung aus einem trostlosen Dasein, das vergleichsweise sparsam instrumentierte Baying von Hoffnung auf Frieden. Das rockige Bliss, mein Favorit auf der zweiten EP ist ein trotziger Song darüber, sich gegen Widerstände aufzulehnen und trotz Rückschlägen das eigene Leben zu leben, denn “ein wenig Glückseligkeit ist niemals falsch”. Shadowland dagegen schwankt zwischen Hoffnung (“ich weiss es gibt einen Weg ins Gelobte Land”) und Hoffnungslosigkeit (“es gibt keinen Platz für Hoffnung in diesem Land der Schatten”) und ist am Ende an Plädoyer dafür, nicht aufzugeben. Im ruhigen Closer Horizon geht es schliesslich um den Verlust eines geliebten Menschen und das Loch, das dadurch zurückbleibt. Damit heisst es Abschied nehmen oder The Field The Forest einfach nochmal zu hören.

Die Musik zu den durchgängig poetischen Texten ist mal schmeichelnd, mal aufrüttelnd, von eindringlich flüsternd bis beinahe schreiend und immer einprägsam. Der Klang der beiden CDs insgesamt ist satt und voll, Parsons Stimme immer voller Wärme. Zuletzt sei noch gesagt, dass es in einer zunehmend digitalen Welt sehr angenehm ist ein wirklich schönes und liebevoll gestaltetes Booklet in den Händen zu halten, in dem auch noch alle Texte abgedruckt sind. Insgesamt eine runde Sache, Anhören!

Trackliste The Field:

  1. All The Way
  2. Berlin
  3. Need You
  4. Don’t Belong
  5. Fly
  6. Fragile Moon

Trackliste The Forest:

  1. Scream
  2. Abyss
  3. Baying
  4. Bliss
  5. Shadowland
  6. Horizon

 

Stefanie Oepen

(nicht mehr aktiv) - - - Reportagen, Reviews, Fotos - - -

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.