Nummirock 2016: Saunas, Sofas und Mega-Sound

22.-25. 6. 2016 Nummijärvi, Kauhajoki

Keine Ahnung, wie oft ich es schon versucht hatte, dieses legendäre Festival im Herzen Finnlands (in der Nähe von Seinäjoki) zu besuchen. Es klappte einfach nie – entweder gehörte ich zu den Unglücklichen, die zu Juhannus arbeiten mussten, oder was anderes kam dazwischen … Dieses Jahr klappte es endlich, noch dazu im 30. Jubiläumsjahr – also ab ging’s mit meinem ”Partner-in-Crime” in nem Mietwagen (nur erwies sich der Hybride nicht wirklich für Kieswege geschaffen…) schon am Mittwoch (wo es schon Programm mit Coverbands gab), um in Ruhe unser Camp aufzubauen, das Gelände abzuchecken, bisschen Party zu machen und dann am Donnerstag topfit zwecks Berichterstattung ins Festivalgeschehen einzusteigen.
Warum dieser Plan nicht völlig aufging, könnt ihr HIER nachlesen…

Was nichts daran ändert, dass Nummirock mit Sicherheit eines der besten in wohl der schönsten Umgebung gelegenen Metalfestivals Finnlands ist. Gelände überschaubar, Sandstrand gleich neben den Bühnen, man kann also theoretisch beim Planschen den Bands zugucken (theoretisch, denn in der Praxis war mir das Wasser doch zu kalt),
Oder machen wir es gleich so: neben der Inferno-Bühne    nummi16_3

und dann drehst du dich um, 180 Grad und siehst das

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Campen kann man gleich angrenzend am Festivalgelände, entweder nahe einem Strand oder im Wald (wir entschlossen uns für letzteres). Und wenn die Sonne gnadenlos niederbrennt wie am Freitag, dann ist es nützlich, ein bisschen Schatten und Bäume rundum zu haben.
Und all die Sauna-Zelte (eins direkt am Strand, das man auch kurzfristig mieten konnte) auf dem Gelände… Obwohl ich mich an die heimische Saunakultur bereits gewöhnt hatte, kippte mir doch bei einigen Anblicken die Kinnlade runter (HIER Fotos davon)

Wir hatten schon am Mittwoch Gelegenheit, ein bisschen vom Drumherum und einige der vielen Freiwilligen, die zum Gelingen des Festivals beitragen, kennenzulernen. Festivalpersonal mischt sich locker mit MusikerInnen und Medien – eine tolle Gemeinschaft und routinierte Helfer, die für rundherum relaxte Atmosphäre, reibungslosen Ablauf und ein gelungenes Festival mit familiärem Touch sorgen. Apropos Familie, da scheinen teilweise tatsächlich ganze Familien mitzuhelfen, und den Kids macht es offensichtlich richtig Spass, Dosen und Flaschen im Gelände einzusammeln… Es gibt rundum ausreichendes Angebot an Chill- und Futter-Zonen – an einem Stand konnte man sich sogar die Haare stylen lassen – und ich hab noch nie so viele Sofas bei einem Festival (und auch im Campingareal) gesehen, sanitäre Anlagen sind ausreichend vorhanden und werden täglich gereinigt,

Donnerstag, 23.6.2016:
Jemand hat mir Nummirock als ”Mittsommerfeier, wo die Bands als Bonus dazukommen” beschrieben. Und ja, einige zumindest auf unserer Seite des Campingareals scheinen es tatsächlich so zu halten. Grillen, Chillen, Party und eventuell zwischendurch ne Band angucken… Bei vier Bühnen für eine Person, da geht es wohl nicht anders, die Sache ebenfalls etwas lockerer anzugehen, um etwas vom Festival an sich mitzukriegen.
Daher verpasste ich im Grunde am ersten Tag nicht so viel, nur hätte ich mir gerne Gloria Morti angesehen, Turmion Kätilöt wären auch ganz lustig gewesen, und den letzten Gig in der Karriere von Altaria kriegte ich wenigstens teilweise mit. Meine Kräfte reichten aber gerade aus, um Stratovarius zu knipsen, die wieder einmal einen gelungenen Gig hinlegten. Gibt es schlechte Shows von Stratovarius? Und mit genialen Songs wie ”Hunting High and Low” kann man wohl nichts falsch machen.

stratovarius (1)

Wolfheart wollte ich trotz der späten Stunde auf keinen Fall verpassen und ich blieb auch bis zum Ende des fulminanten Gigs, obwohl meine Kräfte da schon nachliessen… Dieser Gig verschönte mir einen ziemlich schlimmen Tag, besonders ”Routa II” Finale mit Flammenshow – Gänsehaut pur!

wolfheart (1)

Freitag 24.6.2016
Die Folgen des Vortags und die Tatsache, dass ich trotz Erschöpfung nicht wirklich schlafen konnte (Party rundum, dann brannte auch noch die Sonne gnadenlos runter) veränderten meine Pläne gottlob nur geringfügig. Diablo war unser Hintergrundsound fürs Grillen, aber Amorphis durfte auf keinen Fall verpasst werden. Auch hier gilt, die routinierten Performer lieferten mal wieder eine mitreissende Show. In ner Online-Satiresendung hatte Tomi Joutsen einen Toaster als Mikro benutzt – war dies die Vorlage für sein neues Mikro gewesen?

amorphis (3)

Zwischendrin sah ich mir auch Celesty eine Zeitlang an, sowas wie Local Heroes – deren Soundcheck war so lustig gewesen, dass ich unbedingt wissen wollte, wie die Band klingt – und ja, wer auf Sonata Arctica & Co steht, wird auch daran Freude haben.

celesty (1)

Dragonforce sind ebenfalls immer ein Spass – was die sich immer auf der Bühne einfallen lassen… einfach mitreissend, auch wenn man nicht wirklich ein Fan der Musik ist. Etwas enttäuscht war ich, dass Keyboarder Vadim diesmal recht normale Klamotten anhatte. Wenn ich da an das Outfit seinerzeit beim Ankkarock denke…

dragonforce (3)

Dark Tranquility sollten sich als der Publikumsmagnet des Tages und mein Highlight entpuppen. Ja, Sänger Mikael hat einfach diese unglaublich sympathische Ausstrahlung, und die Spielfreude der Band schwappt einfach über. Geboten wurden neue und alte Hits bis ganz uralt aus den Spinefarm-Zeiten. Beide Daumen hoch!

dark tranquility (2)

Die beiden Headliner waren ja zugegebenerweise nicht so ganz meine Abteilung und kann daher nicht viel sagen. Fies, was da Marduk abliessen…

marduk (2)

… und dann erst Mayhem – die Show war absolut unglaublich, hochdramatisch, nur wegen dem vielen Nebel schwer auf Film zu bannen. Hellhammer an den Kesseln blieb völlig unsichtbar.

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Ich wartete da lieber auf die wieder auferstandenen Ajattara, die so einen geilen Gig lieferten, als hätten sie nie jahrelang Pause gemacht. Und die alten Songs haben nichts an Attraktivität verloren. Beim nächsten Mal nehm ich nur nen Regenmantel mit ins Fotopit, denn leider wird hier mit echtem Blut hantiert …

ajattara (3)

Samstag 25.6.2016
Am Tag 3 kam dann endlich so richtig Festivalstimmung für mich auf, noch dazu perfektes Wetter, etwas bewölkt, also nicht so heiss – endlich fühlte ich mich etwas entspannter und kräftiger und konnte Nummijärvi und Umgebung so richtig geniessen. Und später mein erstes – und einziges – Bier, wozu Peer Günt die passende Hintergrundmusik mit Blues-orientiertem Hardrock lieferten. Sänger Timo Nikki klingt ausserdem total nach Lemmy… sollte auch erwähnen, dass die Coverbands im Bierzelt klasse klangen, stellenweise wie 1:1 Klone der Originale.
Der Tag im Zeichen finnischer Phänomene ging aber eigentlich mit den alten Hasen von Rotten Sound los, wo Fans neue Mosh-Varianten – mit Eishockeyhandschuhen wedeln – präsentierten.

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Der Metal-Nachwuchs kam mit Funeral for the Masses zum Zug, eine energiegeladene Death / Metalcore Band aus Oulu.

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Das krasseste Moshpit des Tages – des gesamten Festivals – ging jedoch beim Schlagerfuzzi Martti Servo & Napander ab. Unfassbar, Leute mit Corpsepaint tanzen rum oder machen auf Polonaise – unglaublich!

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Alfahanne jagten mir richtig Angst ein – nunja, zumindest der ”feurige” Auftritt des Drummers. Der Goth-n-Roll der Schweden passte jedoch gut zum Chillen am angrenzenden Strand.

alfahanne (1)

Weil gerade finnische Phänomene erwähnt wurden, Stam1na – wo das Publikum sogar noch mehr abging als bei Martti Servo – und Mokoma zählen hier wohl dazu. Nur wer von den Texten nicht so viel mitkriegt, hat es etwas schwerer, den Appeal dieser Bands zu durchschauen.

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Viele kamen erst an diesem Tag und am späteren Nachmittag zum Festival, und ich hatte vermutet, dass  Trivium da eine Rolle spielten mit ihrer etwas skurrilen Show und eingängigen Songs.

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Bei Children Of Bodom sollte das Bühnenareal förmlich aus den Nähten platzen – und weiter hinten im Gelände gähnte vor Leere, alles was noch stehen konnte war beim Gig… Diese Jungs sind immer eine Bank, neben dem Feuerwerk an Hits aus der Bandgeschichte (auch mein Fave ”Hate Me” war dabei) kam dann auch noch ein echtes Feuerwerk dazu.

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Toller Abschluss eines tollen Festivals, von dem ich mir einige unvergessliche Eindrücke mit nach Hause nehme – der Blutmond, die Lagerfeuer im Wald, der Nebel am frühen Morgen, die Saunazelte, nicht so viele Mückenstiche (die Biester waren weniger anhänglich als befürchtet) und das Gefühl, die Finnen endlich ein bisschen besser zu verstehen … und eventuell noch ein paar Blutspritzer von Ajattara irgendwo, die ich übersehen habe. Danke, ich komme gerne wieder!

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Klaudia Weber

Klaudia Weber

Rücksichts- und gnadenlose Diktatorin, kniet vor mir!
Anders gesagt: Chefredakteurin, Übersetzerin, Webseiten- und Anzeigenverwaltung, also „Mädchen für alles“ – – –
Schwerstens abhängig von Büchern (so ziemlich alles zwischen Herr der Ringe und Quantenphysik) und Musik, besonders von Metal finnischer Prägung. Weiters Malen, Zeichnen, Film, Theater… also könnt ihr mit einer vielseitigen Website rechnen.

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